x
   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 
Portrait der Ev.-luth. Landeskirche Mecklenburgs

Kleines Portrait mit ausgewählten Zahlen & Fakten

Historie 

Die Anfänge der Reformation in Mecklenburg sind in der Hansestadt Rostock zu suchen. Hier predigte Joachim Slüter bereits um 1523 nach evangelischer Lehre. Erst 1549 beschloss der damalige Landtag die Einführung der Reformation für ganz Mecklenburg. 1552 wurde die lutherische Kirchenordnung eingeführt, die mit leichten Veränderungen bis zum Beschluss über die neue Verfassung im Jahr 1922 galt. Im 19. Jahrhundert festigte sich die Landeskirche vor allem durch das Wirken von Oberkirchenrat Theodor Kliefoth. Er sorgte von einem konservativen Luthertum aus für die Prägung der Landeskirche in liturgischer und struktureller Hinsicht.

Nach der Trennung von Staat und Kirche durch die Weimarer Reichsverfassung gaben sich 1920 Mecklenburg-Strelitz und 1922 Mecklenburg-Schwerin eine eigene Kirchenverfassung. Diese Kirchenverfassung wurde von 1971 an durch verschiedene Ordnungen im Verfassungsrang abgelöst, ein Beispiel ist die Kirchgemeindeordnung.


Die Kirche heute

Mitglieder und Pfarrstellen

In Mecklenburg-Vorpommern gehören rund 80 Prozent der Bevölkerung keiner Konfession an. Viele Menschen kennen Glauben und Kirche bereits seit zwei bis drei Generationen nicht mehr. Die Mecklenburgische Landeskirche hat rund 194.000 Gemeindeglieder, das sind in dem dünn besiedelten Bundesland mit knapp 1,7 Millionen Einwohnern 18 Prozent evangelische Christen. Die Zahl der Taufen liegt konstant bei zirka 1700 im Jahr. Durchschnittlich 20 Prozent der Getauften eines Jahres sind Erwachsene.

Knapp 5 Prozent der Bevölkerung in MV sind Katholiken, 2 Prozent sind Mitglieder von Freikirchen. Andere Religionen wie der Islam spielen im Lande kaum eine Rolle.

In der der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, die sich in fünf Kirchenkreise strukturiert, sind 235 Pastorinnen und Pastoren, davon 200 in den 270 Kirchgemeinden, und rund 900 Mitarbeitende tätig. Auf dem Lande sind sie oft für geografisch große Gebiete zuständig. Zu einer Kirchgemeinde können durchaus 30 Ortschaften mit vier, acht oder mehr Kirchen gehören. Hintergrund ist in der Regel, dass aus früher zwei, drei oder vier Kirchgemeinden heute eine Kirchgemeinde oder ein Kirchgemeindeverband geworden ist.

Die Zahl an Pfarrstellen in Mecklenburg ist seit 2004 konstant geblieben, weil die Landeskirche in der Fläche präsent bleiben möchte. Der Rückgang von 292 Stellen im Jahre 1993 auf aktuell 200 Gemeindepfarrstellen ging mit einem Zusammengehen von kleinen Kirchgemeinden zur größeren Strukturen einher und hatte ebenso mit einer nötigen Anpassung der Stellenplanung inklusive der Verwaltung an die Mitgliederzahlen zu tun.


Kirchliche Arbeit

Durch den demografischen Wandel werden die Bereiche, die betreut werden größer. Deshalb gibt es seit Jahren in Mecklenburg das Konzept der „Gemeinschaft der Dienste“, in dem wie dargelegt die Pastorin oder der Pastor mit Gemeindepädagogen, Kirchenmusiker, Küster eng zusammenarbeitet. Die Kirche biete Fortbildungen an, damit die Mitarbeiterschaft lernt, mit den Herausforderungen und Stress umzugehen.

Kirchliche Arbeit hat sich in Mecklenburg so gesehen in den vergangenen Jahren stark verändert.  Neben Kirchgemeinden, in denen es regelmäßig liebevoll und abwechslungsreich gestaltete Gottesdienste gibt, kann in manchen Kirchen nur in größeren Abständen Gottesdienst gefeiert werden. Aber es gibt neue Schwerpunkte kirchlicher Arbeit, die der Lebenssituation der Menschen zu entsprechen versuchen. So ist es an vielen Orten inzwischen eine Tradition, zu Taufseminaren und Konfirmandenkursen für Erwachsene einzuladen.


Religionsunterricht und Christenlehre 

Die Einführung des Religionsunterrichtes an den Schulen des Bundeslandes in den Jahren nach der friedlichen Revolution hat eine kaum zu überschätzende Bedeutung.
Weil es auch heute noch nicht genügend Religionslehrer gibt, kann der Religionsunterricht noch immer nicht flächendeckend angeboten werden. Aber wo er stattfindet, nehmen immer auch ungetaufte Kinder an ihm teil. Sie erfahren hier von dem Glauben, den sie meist von Hause aus nicht kennen.

Neben dem Religionsunterricht ist die Christenlehre weiterhin ein Angebot für Kinder im Alter vor der Konfirmandenzeit geblieben. Sie entstand Ende der 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts, als in der DDR der Religionsunterricht an den Schulen abgeschafft wurde. Sie ist kirchliche Bildung für die Kinder der Schulklassen 1 bis 6, die in kirchlichen Räumen stattfindet und von den Kirchgemeinden verantwortet wird. Fast 1/3 der Teilnehmer an der Christenlehre sind nicht getauft. Manchmal werden über die Kinder auch Eltern erreicht, die der Kirche fern stehen, sich durch ihre Kinder mit Fragen des Glaubens konfrontiert sehen und dadurch beginnen, über ihre eigene Beziehung zum Glauben neu nachzudenken.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Kinder- und Jugendarbeit. Ungefähr auf drei Gemeindepfarrstellen in der Landeskirche kommt eine gemeindepädagogische Stelle.
Das Projekt der Tage ethischer Orientierung (TEO) ist ein Modell, das Schule, Kirche und Verbände zusammenbringt und zu einem „Exportschlager“ in andere Bundesländer werden könnte. 

Einen anderen Schwerpunkt bildet die Kirchenmusik. Rund 6.000 Menschen engagieren sich in Kirchen- und Posaunenchören und in Instrumentalgruppen. Neben den 35 hauptamtlichen Kirchenmusikern  in Voll- und Teilzeitstellen gibt es sehr viele neben- und ehrenamtliche Organisten und Chorleiter.


Evangelische Kindergärten und Schulen
 

Auch in evangelischen Kindergärten, von denen es vor der friedlichen Revolution in Mecklenburg drei gab und heute über 50, engagieren sich die Kirchgemeinden, unterstützt von diakonischen Trägern, für die nachwachsende Generation. 

In den vergangenen zwanzig Jahren konnten im Bereich der mecklenburgischen Landeskirche 19  evangelische Schulen gegründet werden, die zur evangelischen Schulstiftung gehören. Es gibt darüber hinaus weitere 15 evangelische Schulen, die sich der Schulstiftung nicht angeschlossen haben. Alle diese Schulen erfreuen sich eines regen Zulaufs. In der einst atheistisch geprägten Schullandschaft mit ausschließlich staatlichen Schulen sind die evangelischen Schulen ein Zeichen für den Willen von Christen und Kirche, einen erheblichen Beitrag für die Bildung der Kinder und Jugendlichen zu leisten.

Seit 1990 hat sich auch das Arbeitsgebiet der Diakonie ungeheuer ausgeweitet. Zum Landesverband MV des Diakonischen Werkes gehören heute 117 Mitglieder, die 760 Einrichtungen vertreten. Mehr als 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Einrichtungen der Diakonie tätig.


Kirchbauten

Ein besonderen Schatz unserer Kirche sind die 84 Stadt- und 580 Dorfkirchen, die die  Landschaft Mecklenburgs wesentlich mit prägen. Erbaut aus Feld- und Backsteinen weisen sie auf die Geschichte der christlichen Botschaft in diesem Land hin und auf ihre enge Verbindung mit dem Leben der Menschen hier. In einer „Konzeption zur Nutzung von Kirchen“ hat die Kirchenleitung vor einigen Jahren betont: „Kirchen sind sichtbare Zeichen dafür, dass Gott Wohnung unter uns Menschen nimmt.“ Und: „Sie sind nicht nur Orte, in denen gepredigt wird, sondern sie predigen auch selbst. So bleiben sie auch in einer Gesellschaft, die sich nicht mehr selbstverständlich als christlich versteht, ein öffentliches Wahrzeichen für die Gegenwart Gottes in der Welt. Dies gilt auch, wenn sie nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden sollten. Als Orte der Besinnung und Ruhe für Christen wie für Nichtchristen sind sie unverzichtbar.“


Zukunft

Die Landeskirche und die Kirchgemeinden stehen zu ihren Kirchen und wollen mit ihnen in die Zukunft gehen. Das ist und bleibt eine große Aufgabe, die viel Anstrengung und der Hilfe der gesamten Gesellschaft bedarf. Das Engagement der knapp 130 Kirchbauvereine, in denen sich zum großen Teil Menschen engagieren, die nicht der Kirche angehören, ist dafür ein ermutigendes Zeichen.

Der größte Schatz der Landeskirche sind aber die Menschen in Mecklenburg, die Christinnen und Christen aus den unterschiedlichen Regionen, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende in den Gemeinden und Werken der Kirche,  Menschen, die der Kirche näher und ferner stehen, die sich mit ihren unterschiedlichen Glaubens- und Lebenserfahrungen begegnen und sich den Fragen und Herausforderungen ihrer Umwelt stellen.

Um dafür auch in Zukunft geeignete Strukturen zu schaffen, hat sich die mecklenburgische Landeskirche, zusammen mit der pommerschen und der nordelbischen Kirche auf den Weg in eine neue gemeinsame Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland gemacht. Die Fusion soll Pfingsten 2012 vollzogen werden.
 

Zahlen & Fakten (Stand Januar 2011) 

Mitglieder und Amtshandlungen pro Jahr 


Mitglieder: 194.000 – abnehmende Tendenz in 2010 auf deutlich unter 2 Prozent gebremst 

Taufen: ca. 1700 – Tendenz etwa gleichbleibend 

Eintritte, Erwachsenentaufen und Übertritte: ca. 380 – Tendenz leicht steigend  

Austritte: ca. 1400 – Tendenz leicht abnehmend 

Gottesdienstbesucher: rund 700.000 – Tendenz gleichbleibend 

Konfirmationen: ca. 900 – Tendenz etwa gleichbleibend 

Trauungen: ca. 260 – Tendenz gleichbleibend 

Gottesdienste zur Eheschließung: ca. 300 – Tendenz leicht ansteigend  

Beerdigungen: ca. 3000 – Tendenz gleichbleibend mit leichten Schwankungen 

Mitglieder in Kirchgemeinderäten: ca. 2800  

Ehrenamtlich Mitarbeitende: ca. 10.000 

Theologiestudierende, die in den kommenden Jahren ins Pfarramt in Mecklenburg wollen: 55 junge 

Frauen und Männer (d.h. keine Nachwuchssorgen)  

Kirchenmusikalische Veranstaltungen: ca. 1800 – Tendenz gleichbleibend 

 

Bestand an Kirchen  

Stadtkirchen:         84 

Dorfkirchen:          580 

davon unter Denkmalschutz:     97 % 

Ruinen:       12  

Hinweis: Die meisten sind seit Jahrhunderten bereits Ruine, wie zum Beispiel: Domherrenhagen oder 
sind wie Friedland St. Nikolai im Jahre 1945 zerstört wurden.

Zahl der gefährdeten Kirchen:       130 (d.h. fast jede fünfte Kirche!). 

Hinweis: Die einsturzgefährdeten Bereiche sind durch Absteifungen, Notüberdachungen und 
Absperrungen gesichert.
Für die Notsicherung werden ca. 24,0 Millionen Euro benötigt.
Beispiele: Conow, Muchow und Schlagsdorf (Gewölbe) im LK Ludwigslust, St. Nikolai (Chor) in 
Rostock, Melkhof  im LK Parchim; Kotelow bei Stargard; Schliefenberg im LK Güstrow 

weitere kirchliche Gebäude (große Pfarrhäuser, Scheunen etc.):    329 

davon unter Denkmalschutz:     60 % 

Gemeindezentren:       19 

Gebäudebestand der Landeskirche insgesamt: mehr als 1500  

Kirchbauvereine:    126 

Bauinvestitionen 2009:     ca. 17,0 Mio. Euro  

(Fördergelder von Bund und Land, Zuschüsse Stiftungen und Landeskirche Bayern, Spenden, 
Eigenmittel Kirchgemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche)

 

Schwerin, im Januar 2011