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   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 
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Zenita Komad

„Art is a doctor“

Zenita Komads Arbeiten sind vielgestaltig – sie zeichnet, collagiert, dichtet, philosophiert, performt, näht, installiert, netzwerkt und organisiert. Ihr Werk konstruiert eine Weltsicht und Lebensmaxime, die Intuition und Reflexion austarieren möchte.

Zenita Komad wurde 1980 in Klagenfurt, Österreich geboren und lebt in Tel Aviv und Wien. Sie studierte Bühnenbild und Grafik an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Anschluss absolvierte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien ein Studium im Bereich Mixed Media.

Der Künstlerin geht es um eine Weltwahrnehmung, die menschenzugewandt, sinnvoll und umfassend ist. Ihre Heilmittel und Heilmethoden richten sich nicht auf die körperlichen Beschwerden, sondern es geht um Gesundung des Geistes oder der Seele durch eine Beziehung zwischen Kunst und Spiritualität, die im Menschen Sensibilität für den Anderen und das Andere erweckt. 

Bei Zenita Komad besteht ein zahlenmäßig großer Teil ihrer Botschaft aus Collagen mit Sinnsprüchen. Es werden Bildfragmente mit ungewöhnlichen Wort-Schriftkombinationen zu verblüffenden Sinnfragen kombiniert. Nicht dogmatisch, sondern spielerisch wirkt das und erinnert zuweilen an DADA, ist  angereichert durch Stilelemente der Comic- und Pop-art und der Werbeästhetik und ist eigentlich nicht spöttisch. Es ist kein Zufall, dass sich Komads Papierarbeiten gut in Plakatgestaltung umsetzen lassen, denn sie teilen die Stilmittel der Werbung wie die Kombination von Schrift und Bild und auch den Appellcharakter. Komads Aussagen sind aber einer anderen Ära verbunden, sind idealistisch, nicht konkret und kommerziell. Sie haben etwas von der frühen gesellschaftspolitischen Plakatkunst und den Sprach-Experimenten der Surrealisten.

Zenita Komad ist trotz mancher absurd wirkender Wort-Bild-Konstellationen keine Zynikerin, - sie verfolgt eine menschenfreundliche Absicht mit ihren prägnanten Botschaften. Über den Sinn dieser Kurzaussagen ins Grübeln zu kommen, gehört unbedingt zur Absicht der Künstlerin. Es geht ihr um existentielle Fragen, die sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge  in naiv oder absurd formulierte Statements verpackt und mit illustrierenden oder kontrastierenden Bildern kombiniert. Gern greift sie als Grundlage auf die virtuosen Stiche und Drucke des 19. Jahrhunderts zurück.

So wie die kleinformatigen Papierarbeiten der Konzeptkunst verwandt sind, gibt es in Komads Werk aber auch Seiten, die mehr der Sinnlichkeit entgegenkommen. Dann sprengt sie die Disziplin der Zweidimensionalität und wuchert durch Räume, veranstaltet Bühnenszenen und performt. Trotzdem bleiben Sprache und Zeichen das konstitutionelle Skelett ihrer Kunstwerke. In ihren textilen Skulpturen und Assemblagen finden sich Worte und Botschaften, meist etwas verdeckt und nur bruchstückhaft zu entziffern.  In ihrer bestimmten Unbestimmtheit sind sie wie Orakel, die es zu enträtseln gilt, um die Aufgabe zu erfüllen, Mensch zu sein.

Die Dt. Gesellschaft für christliche Kunst München, www.dg-galerie.de zeigt gerade die Ausstellung „Zenita Komad. Art is a Doctor. The Artist and the Kabbalist” (noch bis 8. April 2017). Dort hat die Künstlerin eine raumbezogene Installation konzipiert, deren Zentrum eine Bodenarbeit mit dem Grundriss des Kölner Doms bildet und als wiederkehrendes Motiv  das Stethoskop. Ein ärztliches Werkzeug für professionelle und sensible Wahrnehmung, so wie Komad es mit der Kunst praktiziert. Filmmitschnitte eines Gesprächs, das Komad mit einem kabbalistischen Wissenschaftler führte ergänzen das Konzept um die diskursiv-partizipative Seite, die unbedingt zu Komads Kunst dazugehört. In ihrem Kommunikationsprojekt „CircleXperience“ führt sie ganz unterschiedliche Professionen und Altersgruppen zusammen, um sich in einer „Schule der Aufmerksamkeit“ auszutauschen.

„Die Entwicklung der Welt ist an einem kritischen Punkt angelangt. Ich versuche die Menschen aufzurufen und an die Verantwortung zu erinnern, die jede und jeder Einzelne hat. Ich sehe Kommunikation und gute zwischenmenschliche Beziehungen als ernsthafte Werkzeuge, um die reale Gesellschaft in Balance zu bringen.“ (Interview mit Beate Ermacora in „Zenita Komad & das circleXperiment: WIR“, Galerie im Taxispalais, Innsbruck, S. 24)

Wer an einem aktuellen „CircleXperience“ teilnehmen möchte, kann sich anmelden unter: info@dg-galerie.de

Gesprächsrunden

Donnerstag, 23. März 2017, 14.30 bis 16 Uhr und Freitag, 24. März 2017, 14.30 bis 16 Uhr

Zenita Komad & CircleXperience mit Moshe Akopdjanov und Smirna Hagg: "Wir leben in einem besonderen Zustand, der Welt genannt wird – über die Zukunft der spirituellen Bedürfnisse im Menschen“

Künstler und Theologen im Zwiegespräch: Donnerstag, 23. März 2017, 19 Uhr, Zenita Komad und Moshe Akopdjanov, Kabbala Experte, im Gespräch mit MMag. Dr. Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, Graz, Moderation: Benita Meißner

 

Text: Claudia Breinl/ Abbildungen:

1-3: Zenita Komad – Art is a Doctor. The Artist and the Kabbalist, Courtesy Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V. c (Zenita Komad / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Gerald von Foris, München

4: © Zenita Komad, VG- Bild-Kunst 2017

5,8: Ausstellung im Kulturzentrum Minoriten Graz, Zenita Komad "I Love God", 2012

http://www.kultum.at/upload/file/default/kuk_02_2012_komad.pdf

6,7: © Zenita Komad, VG- Bild-Kunst 2017