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   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 
Santa Maria de Vila Nova de la Barca

In dem spanischen Ort Vilanova de la Barca nahe Lleida gibt es seit letztem Jahr eine sehenswerte architektonische Reanimation zu entdecken. Das Architekturbüro AleaOlea, Barcelona/Tunis hat einer verwahrlosten Kirche zu einer Auferstehung aus Ruinen verholfen.

Der mittelalterliche Kirchenbau aus dem 13. Jh. war im spanischen Bürgerkrieg schwer beschädigt worden. Übrig waren von der zweischiffigen Basilika nur der Chorbereich, die Westfassade und einige Bruchstücke des Kirchenschiffs. Wetterschäden hatten über die Jahre den Steinwänden zugesetzt, ein modernes Einfamilienhaus war sehr nahe angebaut worden, nämlich auf dem ehemaligen Kirchfried… man mußte schon sehr positiv denken, um dem Areal und den Gebäuderesten noch etwas abzugewinnen. Erstaunlich, was daraus geworden ist:

Das  Dach mußte neu konstruiert werden, ebenso die Fassade. Nicht nur beim flach geneigten Satteldach  orientierten sich die Architekten an den geradlinig schlichten Grundformen der Basilika. Von der Straßenseite wirkt der Bau hermetisch und kompakt: Eine Tür, eine steinerne Wand, sonst keine Öffnungen. Die  aus verschiedenen Zeiten nur partiell erhaltenen Quadersteinwände ergänzte man mit einem völlig anders dimensionierten kleinteiligen und farblich kontrastierenden Ziegelwerk. Die baulichen Eingriffe wirken wie  eine offen dargebotene Prothese, die durch ihre Passform und ihr Design besticht. Der neue Zugang zur Kirche führt an der Mauer des angrenzenden Einfamilienhauses entlang. Der Blick von der Straße wird angezogen von einer Pergola und einer kleinen Grünzone. Man betritt den Zugang  wie einen Flur, der sich zur Eingangstür hin weitet. Die Materialsprache aus Ziegelwerk, Quadersteinen, glatt und porös, hell und nachgedunkelt, wird auch im Inneren der Kirche wieder begegnen.

Die Dimension des Innenraumes wurde von den Architekten wieder erlebbar gemacht.  An langen Leitungen von der Decke baumelnde Glühbirnen erhellen bei Dunkelheit und es entsteht hier zusätzlich ein reizvolles grafisches Liniengeflecht im Luftraum. Immerhin 10 Meter beträgt die Raumhöhe, bei 22 Metern Länge und 7 Metern Breite. Die neue Bedachung begnügt sich mit zweckmäßiger Optik. Den Blick in das Kreuzgewölbe des Chorbereichs betonen die Architekten durch einen  Radleuchter in einem zeitgenössischen Design.

Im Innenraum wird wieder sehr deutlich alt und neu voneinander abgesetzt: die Fehlstellen der Mauern wurden durch weißes Gitterwerk aus Ziegelsteinen gefüllt, das an arabische Bauformen erinnert. Einfache gegenwartsgemäße Tür- und Fensteröffnungen bringen Tageslicht in den Raum. Wie kunstvoll gesetzte  Flicken und Stopfstellen aus löchrigen Kleidern etwas ganz Individuelles und Kunstvolles machen können, so ist es hier in der Architektur geschehen. Durch die Gegenüberstellung von alten Gemäuer und den geradlinigen modernen Bauteilen entsteht eine Dichotomie, deren Spannung den Raum belebt und wahrscheinlich auch alles, was in ihm stattfinden wird mit seiner Energie auflädt. Ein so gelungener Zwitterraum ist nicht Weder-Noch, sondern Sowohl - Als Auch, für die Nutzung der ehemaligen Kirche als Gemeindehaus und Mehrzweckhalle eine gute Voraussetzung.

Text: Claudia Breinl 

Fotos:Adrià Goula, für weitere Fotos, bitte link aufrufen:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwic25i98vHVAhWBPBQKHfdkB1gQFggmMAA&url=http%3A%2F%2Fwww.archdaily.com%2F803620%2Fsanta-maria-de-vilanova-de-la-barca-aleaolea-architecture-and-landscape&usg=AFQjCNErJhdD23ot3dwaLCRPduFf__CLfg

Architekten: AleaOlea architecture & landscape 

www.aleaolea.com