evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 


Newsletter Nr. 110

November 2017

Lieber Leserin, lieber Leser,

im 110. Newsletter des Instituts für Kirchenbau und Kunst der Gegenwart  haben wir wie immer Veranstaltungen und Meldungen aus dem Schnittfeld von Kunst, Kirche, Architektur zusammengestellt.

Auf unserer homepage haben wir die Bildhauerin Meide Büdel anlässlich der Innengestaltung einer Friedhofskapelle vorgestellt und eine neue Kapelle in der ehemaligen Zisterzienserabtei Kloster Altenberg.

Meldungen und Hinweise für den Dezember-Newsletter, auch zu Künstlern oder Architekturen nehmen wir bis Redaktionsschluss am 27.  November 2017 gern an. Wir danken für Ihr Verständnis, wenn später eingehende Meldungen nicht mehr berücksichtigt werden können, bzw. dann erst im folgenden Newsletter.

Der nächste Newsletter erscheint für Dezember 2017/Januar 2018.

Mitteilungen aus dem Institut



Evangelischer Bildertag

Im Wechsel mit dem Evangelischen Kirchbautag beginnt das Kirchbau-Institut zusammen mit dem Rudolf-Bultmann-Institut für Hermeneutik an der Philipps-Universität Marburg im Jahr 2018 eine neue Reihe, nämlich einen Evangelischen Bildertag, um das Thema und seine praktischen Implikationen mit Kunstbeauftragten, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, PfarrerInnen und Laien zu diskutieren und durch exemplarische Beispiele zu propagieren.

Fußend auf Malte Dominik Krügers These von der fundamentalen Bedeutung des Protestantismus als einer kritischen Bildreligion ergeben sich interessante Fragestellungen, denen im Rahmen eines Evangelischen Bildertags nachgegangen werden kann.

Wie verhalten sich Bild- zu Wortvermögen zu  ihren jeweiligen Manifestationen? Konkret: Welche Effekte stellen sich ein, wenn man beispielsweise die protestantische Homiletik bildtheoretisch ausbuchstabiert? Wie ist in der Kirche die Seelsorge in ihren Konzepten und ihrer Praxis auf die Imagination und auf konkrete Bilder von Christus bezogen? Wie lässt sich Kirchenbau verstehen, wenn sich in Kirchen ein spezifisch protestantisches Bildbewusstsein manifestiert? Welche Effekte für  religiöse Bildungsprozesse stellen sich ein, wenn das Bild nicht nur als Mittel, sondern als elementares Vermögen von Bildung angesetzt wird? Welches Bild von Kirche zeigt sich in den Bildern, die Kirche öffentlich von sich kommuniziert? Wie verhält sich die kategoriale Bedeutung des Bildes Christi zu den konkreten Christusbildern, die sich in den Predigten, Kirchenräumen, aber auch in der Kunst, der Literatur, dem Film der Gegenwart ausbilden? Die Liste ließe sich ergänzen.

Das Projekt wird realisiert in Form von Tagungen, Studientagen und Publikationen. Diese Reihe einer protestantischen Bildkultur am EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart und am Institut für Hermeneutik ist zunächst für fünf Jahre geplant und soll dann evaluiert werden.

(Abb. Art Cologne 2014. Foto: Thomas Erne)

Ausstellungen / Veranstaltungen



André Bless. Lightfall

Johanneskirche Freiburg, 4. - 13. November 2017

André Bless, der Schweizer Lichtkünstler, zeigt im Rahmen der „Woche der Stille“ Lichtprojektionen im Kirchenraum. Die Installation wurde initiiert und begleitet vom „Arbeitskreis Kirche und Kunst“ in der Seelsorgeeinheit FreiburgWiehre-Günterstal.

Wenn der Klang zur Form wird

Nikolaikirche Hamburg, 3. – 26. November 2017

Bronzen von Axel Richter zur H-moll Messe von J.S. Bach, am 21.11. 2017, 20 Uhr Werkstattgespräch in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai mit dem Musiker Matthias Hoffmann-Borggrefe.

 “The wound is the place where light enters you”

Dt. Gesellschaft für christl. Kunst DG München, 23. November 2017 – 3. Februar 2018

StipendiatInnen der Künstlerförderung des Cusanuswerks wurden eingeladen, sich für eine Teilnahme an der Ausstellung in der Galerie der DG zu bewerben. Das Thema greift ein Zitat des persischen Sufi-Mystikers und Dichters Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī (1207–1273) auf. Die eingereichten Arbeiten sollten das Zitat Rūmīs in eigener Weise deuten und existentielle Grenzerfahrungen spiegeln. Die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Die Georg-Meistermann-Stipendien des Cusanuswerks werden vom Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst gefördert und gehören zu den bestdotierten Graduierten-Stipendien für junge Künstler in Deutschland. (Abb.Katharina Kneip,papamiddwidea1, 2017, Holz, Rollen, Kunstlederkissen, 3:00 min Soundloop,eine liegende und eine schiebende Person,Ausstellungsansicht – KUNSTHOCH45, Dresden)

Lichte Weite

Ulmer Münster, 15. September – 26. November 2017

Die Textilkünstlerin Verena Könekamp greift das Raum-Erleben der Menschen zur Zeit der Reformation wie heute auf. Fasziniert hat die Künstlerin die Geschichte der Ulmer Reformationsabstimmung, die im November 1530 als „Bürgerentscheid“ durch Einzelbefragung bei den 17 Zünften durchgeführt wurde und im überwältigenden Votum der Bürgerschaft für die Reformation endete. Die Listen mit den namentlichen Unterschriften macht Verena Könekamp zu Objekten der Ausstellung. (Abb. Verena Könekamp, Fahnen im Ulmer Münster)

Carlfried Mutschler und der Raum. Fotografien von Marco Vedana

Lukaskirche Mannheim, 19. Oktober – 3. Dezember 2017

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Mannheimer Lukasgemeinde findet in dem Kirchenbau Mutschlers eine Fotoausstellung zur Baukunst Mutschlers in Mannheim statt. Der Architekturfotograf Marco Vedana (geb. 1983) hat sich mittles analoger Fototechnik hier einer kunstvollen Betonarchitektur der Moderne gewidmet. Die Ausstellung ist Teil von OFF//FOTO 2017. Vortrag am 7.11. "Carlfried Mutschler und die Kunst am Bau" , am 23.11. "Mannheimer Kirchenschätze in Beton- Baukunst von Carlfried Mutschler und Helmut Striffler". (Abb. ©Marco Vedana)

Götter der Etrusker. Zwischen Himmel und Unterwelt

Archäologisches Museum Frankfurt, 14. Oktober 2017 – 4. Februar 2018

Die Ausstellung führt in die vielgestaltige Welt der Religion und Jenseitsvorstellungen der etruskischen Zivilisation und gibt Einblick in die etruskische Kultur und die Götterwelt Altitaliens. Religion und Kult bildeten für die Etrusker feste Bestandteile des Alltags. Beinahe jeder Aspekt des täglichen Lebens war für sie von einem tiefen religiösen Sinn durchdrungen. Die Etrusker erlebten die Ereignisse jeden Tages als Ausdruck göttlichen Willens, der das Diesseits wie das Jenseits bestimmte. Die Römer schätzten dabei besonders die Kenntnisse der Etrusker bei Weissagungs- und Totenritualen. Die reichen Beigaben etruskischer Gräber bezeugen die Vorstellung von einer Weiterexistenz nach dem Tod. Die ausgestellten Funde aus Gräbern und Heiligtümern gewähren einen lebendigen Einblick in das alltägliche Leben von Frauen, Adligen und Kriegern in der etruskischen Gesellschaft. (Abb. Etruskische Kanope)

In neuem Glanz. Das Schächer-Fragment des Meisters von Flémalle im Kontext

Liebieg Haus Frankfurt, 15. November 2017 – 18. Februar 2018

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung steht ein Schlüsselwerk der europäischen Kunstgeschichte: das sogenannte Schächer-Fragment des Meisters von Flémalle. Das beidseitig bemalte Fragment wurde ab Oktober 2014 im Städel Museum umfassend untersucht und restauriert. Es ist der einzig erhaltene Teil eines großformatigen Kreuzabnahme-Triptychons, das zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken der niederländischen Malerei vom Anfang des 15. Jahrhunderts zählt. Die Ausstellung führt erstmalig jene Werke zusammen, die als frühe Wiederholungen und Teilkopien von der Berühmtheit des Altarwerks zeugen und zugleich eine Rekonstruktion des verlorenen Gesamtensembles ermöglichen. Ein Ergebnis der Restaurierung ist die Wiederherstellung der Illusion von Dreidimensionalität, ein Charakteristikum der Malerei des „Meisters von Flémalle“, das in der Ausstellung durch die dialogische Gegenüberstellung mit Meisterwerken der niederländischen und deutschen Skulptur umso deutlicher hervortritt. Das raffinierte Spiel des „Flémallers“ mit zeitgenössischen Seherwartungen wird dadurch ebenso neu erfahrbar wie der Wettstreit zwischen Malerei und Skulptur im frühen 15. Jahrhundert.

Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters

Bucerius Forum Hamburg, 23. September 2017 - 7. Januar 2018

Auf den Spuren von Künstlern wie Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und vielen anderen erforscht die Ausstellung, wie gesellschaftliche Veränderungen in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts einen neuen Kunstmarkt und eine ganz eigene Kunst hervorgebracht haben. Im 17. Jahrhundert verlor der Adel an Bedeutung und die calvinistisch reformierte Kirche der Niederlande forderte schmucklose Kirchenbauten. Während die traditionellen Hauptauftraggeber also weitestgehend wegfielen, konnte sich ein erstarkendes Bürgertum erstmals Ölbilder leisten. Ein außerordentlich hohes und breit verteiltes Bildungs- und Wohlstandsniveau bot den Nährboden für einen Kunstmarkt, dessen Kommerzialisierung einen größeren Einfluss auf Techniken, Darstellungsformen und Themen der Gemälde haben sollte als die ursprünglichen adeligen und klerikalen Auftraggeber. Die Künstler begannen sich neu zu orientieren und ihre Bilder für einen anonymen Markt zu malen. (Abb. Adriaen van Ostade (1610-1684): Der Maler in seiner Werkstatt, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto © bpk, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut)

Rodin – Rilke – Hofmannsthal. Der Mensch und sein Genius

Alte Nationalgalerie Berlin, 17. November 2017 - 18. März 2018

Aus Anlass des 100. Todestages Rodins zeigt die Sonderausstellung die Bronzestatuette „Der Mensch und sein Genius“.  Die um 1896 entstandene Figurengruppe zeigt mit einem Mann, dem sich ein kleiner weiblicher Genius mit Schwingen entzieht, das Sinnbild künstlerischer Inspiration. Diese Kleinplastik ist eng mit dem Werk zweier Literaten verknüpft: mit Rainer Maria Rilke, der mit seinen Schriften großen Anteil an der Popularisierung Rodins in Deutschland hatte und zu dieser Bronze das Gedicht „Nike“ schrieb, und mit Hugo von Hofmannsthal, der im Jahr 1900 auf seiner Parisreise in Rodins Atelier den Gipsentwurf entdeckte und deren Bronzeguss umgehend in Auftrag gab. Die Ausstellung zeigt Rodins Meisterwerke aus der Sammlung der Nationalgalerie mit zusätzlichen Leihgaben aus dem Musée Rodin in Paris und der Bremer Kunsthalle sowie Autographen, Briefen, Schriften und Fotografien aus den Nachlässen Rilkes und Hofmannsthals.(Abb. Auguste Rodin, Der Held (Der Mensch und sein Genius), um 1896, Guss 1900, Bronze, 39,5 x 16,5 x 17,5 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Andres Kilger)

Gabriele Münter

Kunstbau Lenbachhaus München, 31. Oktober 2017– 8. April 2018

Sie war eine offene und experimentierfreudige Künstlerin, vieles, was sie geleistet hat, ist bisher nur wenig wahrgenommen worden, weil ihr Werk meist durch den engen Fokus ihrer Biografie und ihrer Beziehung zu Kandinsky interpretiert wurde. Bis heute sind daher fast nur ihre Bilder aus der Zeit des »Blauen Reiter« im Zentrum der Aufmerksamkeit gewesen. Und so ist der Name Münter vorwiegend mit dem deutschen Expressionismus assoziiert. Da Münter ihre künstlerische Laufbahn mit der Fotografie begann, was nachhaltige Spuren in ihrer Malerei hinterließ, gibt es in der Ausstellung auch auch eine kleine Sektion dieser Technik. Ein großer Teil der 140 Gemälde in der Ausstellung wurde noch nie oder letztmals vor Jahrzehnten der Öffentlichkeit präsentiert.

Jeanne Mammen. Die Beobachterin. Retrospektive 1910-1975

Berlinische Galerie Berlin, 6. Oktober 2017–15. Januar 2018

Die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen (1890-1976) ist eine der sperrigsten und schillerndsten Figuren der jüngeren Kunstgeschichte. Als Berliner Künstlerin durchlebte sie zwei Kriege, Zerstörung, Armut und den Wiederaufstieg aus Ruinen auf sehr eigene und produktive Weise. Sie scheute kein Milieu und keine Erfahrung. Sie porträtierte glamouröse Zeitgenossen, den neuen Typus der selbstbewussten Frau ebenso wie das frivole Nachtleben oder Figuren am Rande der Gesellschaft – es entstanden unverwechselbare Ikonen der „Goldenen Zwanziger“. Nach 1945 wurde ihr Werk komplett abstrakt. Jeanne Mammens Schaffen ist einer breiten Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. Ihre Verschlossenheit, das Fehlen von Tagebüchern, ausführlicherer Korrespondenzen oder Lebenspartnern erschweren einen leichten Zugang. Die Ausstellung ist eine umfangreiche Retrospektive mit 170 Arbeiten aus über 60 Schaffensjahren. Den Schwerpunkt bilden rund 50 Gemälde.(Abb. Jeanne Mammen, Die Rothaarige, um 1928, Berlinische Galerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Repro: © Kai-Anett Becker)

Cézanne. Metamorphosen

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 28. Oktober2017 - 11. Februar 2018

Paul Cézanne hat als Maler, Zeichner und Aquarellist ein überaus facettenreiches Werk geschaffen. Aufgrund seiner Tendenz zur Abstraktion der Bildelemente gilt er als wichtiger Wegbereiter der Moderne. Cézanne selbst hatte jedoch den Anspruch, die Malerei auf Grundlage der klassischen Kunst zu erneuern. In der Ausstellung werden die inneren Zusammenhänge seiner verschiedenen Phasen und Entwicklungen aufgezeigt. Der Künstler war sehr traditionsbezogen. Intensiv kopierte er Alte Meister wie Zeitgenossen, um mit diesen schöpferisch umzugehen. (Abb.Paul Cézanne, Blick auf das Meer bei L'Estaque, 1883-1885 © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)

Peter Zumthor. Dear to Me

Kunsthaus Bregenz, 16. September 2017- 7. Januar 2018

Das Kunsthaus Bregenz feiert  sein 20-jähriges Jubiläum. Sein Architekt, Peter Zumthor, hat es gestaltet. Das musikalische Programm wird von dem Musiker Peter Conradin Zumthor kuratiert, Lesungen stellt die Literaturexpertin Brigitte Labs-Ehlert zusammen, ein Film über Zumthors Arbeiten stammt vom Schweizer Filmemacher Christoph Schaub. Zudem lädt Peter Zumthor Gäste zum Gespräch, deren Arbeiten und Werke ihn inspirieren. Die Räume des KUB hat Zumthor gestaltet, im Erdgeschoss mit einer Bühne, abgehängter Decke und Wandgestaltung, extra von ihm entworfenen Möbeln. Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth (geb. 1968) wurde von Peter Conradin Zumthor gebeten, ein neues Werk für eine musikalische Spieluhr zu komponieren, deren Lochkartenband im 1. Stock ausgestellt ist, zusammen mit Fotografien von Helene Binet. Im zweiten Obergeschoss stehen Bücherwände als schneckenförmiges Labyrinth um einen Lichthof der Lektüre.  Im obersten Geschoss befindet sich ein Garten des Künstlerpaares Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger. (Abb. Peter Zumthor, Ausstellungsansicht EG, Kunsthaus Bregenz, Foto: Markus Tretter, Courtesy of Atelier Peter Zumthor & Partner, © Peter Zumthor, Kunsthaus Bregenz)

Japan-ness. Architektur und Städtebau in Japan von 1945 bis heute

Centre Pompidou Metz,  9. September 2017 -  8. Januar 2018

Umfangen von Sou Fujimotos Szenografie in Gestalt einer organischen Stadt, durchwandert der Besucher die zyklische Geschichte der japanischen Architektur von der atomaren Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki bis zu ihren aktuellsten Ausformungen. Die chronologisch geordnete Ausstellung ist in sechs Abschnitte gegliedert. In den 1950er-Jahren entwickelte sich unter dem Einfluss der internationalen modernen Architektur und insbesondere Le Corbusiers in Japan ein neues Verständnis von Stadt und Raum. In den Jahren von 1955 bis 1965 hielt Beton bei Architekten wie Arata Isozaki und Kenzo Tange als gestalterisches Element Einzug in die japanische Architektur. Einen Wendepunkt markierte dann die Weltausstellung in Osaka 1970, mit der sich Strömungen wie der „Metabolismus“ und „Neue Vision“ formierten. Bekannteste Vertreter dieser Bewegungen, die durch die Verwendung innovativer Materialien, Formen und Technologien auf sich aufmerksam machten, waren Kisho Kurokawa, Yutaka Murata und Kazumasa Yamashita. Die 1980er- und 1990er-Jahre wurden geprägt von Architekten, die auch auf internationaler Ebene erfolgreich waren. Toyo Ito, Tadao Ando, Shin Takamatsu, Itsuko Hasegawa oder Kazuo Shinohara stehen für eine Architektur des Verschwindens, deren zentrale Merkmale eine Vereinfachung der Formen, der Einsatz von Metall und die Beschäftigung mit Einfamilienhäusern sind. Mit dem Erdbeben in Kobe 1995 schließlich setzten Reflexionen zum Thema der « Notfall-Architektur » ein. Seit einigen Jahren nun entwickelt eine neue, international hoch dekorierte Architektengeneration eine transparente und narrative Architektur. Bekannte Namen in diesem Kontext sind etwa Shigeru Ban, Kengo Kuma, SANAA oder Sou Fujimoto. In ihrer Gesamtschau, die in ihrem Umfang einmalig in Europa ist, zeigen sie eindrucksvoll die Vielseitigkeit und Fülle japanischer Architektur und Stadtplanung. (Abb. Takeshi Hosaka, Hoto Fudo, Yamanashi, Japon © Nacasa&Pertners Inc. / Koji Fujii © TAKESHI HOSAKA ARCHITECTS)

Japanorama. Zeitgenössisches Schaffen aus neuer Sicht

Centre Pompidou Metz, 20. Oktober 2017 -  5. März 2018

Die Ausstellungskuratorin Yuko Hasegawa nimmt vor allem jene Jahre in den Blick, in denen Japan zwischen Globalisierung und Behauptung seiner Identität hin- und hergerissen wurde. Die Ausstellung zeichnet diese kulturelle Odyssee anhand der Metapher des Archipels nach, die sich in der Szenografie von SANAA (Pritzker-Preis 2010) verwirklicht. Jede Insel steht für einen zentralen Begriff in der Geschichte des zeitgenössischen kreativen Schaffens in Japan. Bei der Mehrzahl der Werke handelt es sich um Leihgaben japanischer Institutionen, die erstmals in Europa präsentiert werden. Parallel zur Ausstellung lädt Emmanuelle de Montgazon als intime Kennerin der japanischen Kunstszene regelmäßig zu Begegnungen mit japanischen Kreativen ein. Während der Japan-Saison im Centre Pompidou-Metz haben die Besucher damit Gelegenheit, herausragende Persönlichkeiten aus den Bereichen Tanz, Musik, Theater und Mode wie Saburo Teshigawara oder Yasumasa Morimura kennenzulernen.

Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen. Exkursionen in die japanische Ästhetik

Neues Museum Nürnberg, 27. Oktober 2017 - 18. Februar 2018

Aus der japanischen Teekultur und ihrer Verbindung zum Zen-Buddhismus geht eine Ästhetik der Leichtigkeit, der Fragilität und des Ephemeren hervor. Alltägliche Verrichtungen und Gegenstände werden bei der Teezeremonie zum Ausgangspunkt einer Meditation über Materie und Zeit. Durch die Veränderung der eigenen Wahrnehmung wird der „Weg des Tees“ zu einer ästhetischen Praxis, in der die strikte Trennung von Kunst und Leben überwunden wird. In der Ausstellung werden die grundlegenden Gedanken der japanischen Tee-Ästhetik im Rahmen von sieben thematischen Sektionen entfaltet. Im Dialog mit handwerklichen und gestalterischen Traditionen aktualisieren Künstler die zentralen Motive und Themen der Teekultur unter Verwendung aktueller Werkstoffe und innovativer Formen. (Abb.Kengo Kuma, Pavilion "Hōjō-an", built for the 800 anniversary of Kamo no Chômei in Shimogamojinja Shrine, Kyôto, 2013)

Ritus – Ritual – Zeremonie. Teil II. Teekeramik reloaded

Keramikmuseum Berlin,  18. August 2017 - 29. Januar 2018

Die Keramiktradition Japans, eine der ältesten der Welt, wurde im Laufe ihrer Entwicklung nicht unerheblich von China und Korea beeinflußt. Die Blütezeit der japanischen Teekeramik begann in der Momoyama-Zeit (1573-1603) und reichte bis in die Edo-Zeit (1603-1868). Die oft archaisch anmutende Teekeramik dieser Epochen, mal dickwandig und rau, mal zart, mal glasiert oder mit ausgeschmolzenem Ascheanflug, unterscheidet sich nicht nur durch ihre spezifischen Formen oder Fertigungs- und Brenntechnik. Verschieden sind auch ihre Farben. Einen historischen Überblick geben japanische Exponate unterschiedlicher Regionen und Stile der Muromachi- (1336-1573) bis Edo-Zeit (1603-1868), ergänzt um alte chinesische und koreanische, Keramik, die in der Teezeremonie ebenfalls Verwendung fand. Es werden über 100 Objekte aus dem alten und neuen Japan gezeigt sowie Keramik von Stephan Dunsbach, Martin Oskar Kramer und Thomas Riedinger aus Berlin, die den Teeweg praktizieren und in ihren Arbeiten der in Japan hochgeschätzten Tradition sogenannter Laien-Keramik folgen. Ergänzend ist die Ausstellung „Im Rausch der Farben, Glasuren von Gerda Conitz (1901–1982)“ im gleichen Haus empfehlenswert.

Gewirkte Bilder - Wandteppiche des 20. Jahrhunderts

Landesmuseum Oldenburg, 11. November 2017 - 18. Februar 2018 im Prinzenpalais

Als textile Kunst finden gewirkte Bildteppiche wenig Anerkennung als Kunstgattung.Einerseits sind sie wie Gemälde, aufgrund ihrer Materialität und ursprünglichen Funktion aber auch Kunstgewerbe und Handwerkskunst. 1962 fand in Lausanne die erste Tapisserie-Biennale statt, die die Kunst der Bildteppiche zurück ins Bewusstsein der Kunstöffentlichkeit brachte. Schon seit den 1920er Jahren hatten Maler wie Picasso, Matisse und Miró wieder zunehmend Entwürfe für Bildteppiche gemacht, das Bauhaus etablierte eine eigene Werkstatt für Weberei. Für die Sammlung des Landesmuseums wurden in den 1960er und 1970er Jahren zahlreiche Bildteppiche angekauft oder bei Künstlern in Auftrag gegeben. Nach Jahrzehnten im Depot wird eine Auswahl dieser in ihrer Stofflichkeit und Struktur faszinierenden Objekte im Rahmen der Kabinettschau im Prinzenpalais wiederentdeckt. (Abb. Werner Berges, Würfel, Wandteppich (Fränkische Gobelin-Manufaktur Marktredwitz), 1977, Landesmuseum Oldenburg, Foto S. Adelaide)

Jan Groover

GAK Bremen, 26. August – 12. November 2017

Das Werk von Jan Groover (1943-2012) ist in ihrer Heimat USA überaus bekannt. 1979 war es eines ihrer Stillleben, das als erste Fotografie überhaupt auf dem Cover des Kunstmagazins Artforum International abgebildet wurde. 1987 wurde ihr Schaffen in einer Einzelausstellung am MoMA Museum of Modern Art New York vorgestellt und ist in den Sammlungen der großen amerikanischen Museen präsent. Generationen von Künstler/innen hat sie durch ihre Tätigkeit als Professorin für Fotografie an der State University, New York, beeinflusst. In den 1960er Jahren zunächst als abstrakte Malerin ausgebildet, wendet Groover sich in den frühen 1970er Jahren der Fotografie zu. Eine malerische Herangehensweise äußert sich von Beginn an in der sorgfältigen Komposition und dem Schmelz der Farben und Oberflächen. Alltägliche Objekte werden zu etwas außerhalb ihres Gegenstandes überhöht. Besonders deutlich zeigt sich dieser Ansatz in den Stillleben, die sie seit Ende der 1970er Jahre aus den Gerätschaften ihrer Küche zusammenstellt. (Abb. Jan Groover, o.T., 1978, Chromogendruck, 37 x 47 cm © Jan Groover, Courtesy Janet Borden Inc., New York und KLEMM’S, Berlin)

Alec Soth: Gathered Leaves

Deichtorhallen Hamburg, 8. September 2017 – 7. Januar 2018

Sujets der Werke von Alec Soth sind die amerikanischen Ideale von Unabhängigkeit, Freiheit, Spiritualität und Individualität, welche der Fotograf in alltäglichen Szenen zum Ausdruck bringt. Das Wesen des Menschen bleibt dabei stets zentraler Aspekt seiner intimen Porträts, sein geschulter Blick richtet sich auf die Geschichte hinter dem visuellen Narrativ - auf die menschlichen Emotionen, persönliche Schicksale und Sehnsüchte. Dabei folgt Soth stets seinem ästhetischen Ansatz: »to me the most beautiful thing is vulnerability«.(Abb. Alec Soth, Two Towels, Canada, 2004 © Alec Soth / MAGNUM Photos)

Tiere. Respekt / Harmonie / Unterwerfung

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 3. November 2017 - 4. März 2018

In der wissenschaftlichen Diskussion wird das Verhältnis zwischen Mensch und Tier – korrekt zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren – sehr ernst genommen. Im Alltag konsumorientierter Gesellschaften wird dieser Respekt nicht gelebt, das Verhältnis des Menschen zum Tier changiert zwischen unreflektierter Verwertung und sentimentaler Vermenschlichung. vor allem handelt die Ausstellung vom Menschen und seinem Selbstentwurf in der Natur. Das Tier als Folie seiner Selbstvergewisserung durchzieht als roter Faden den Ausstellungsrundgang. In Themeninseln treffen Arbeiten der Hochkultur, Exponate aus populärem Kontext, Werke indigener Kulturen und naturkundliche Objekte aufeinander. Die Exponate reichen von der Antike bis in die Gegenwart. Die Ausstellung versammelt etwa 200 Leihgaben: Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie, Videokunst, Installationen, Animationsfilme und Comics. Das ganze Museum steht für vier Monate unter dem Motto TIERE. Neben der 1.200 Quadratmeter großen Sonderschau variieren und vertiefen insgesamt 12 Satelliten mit Werken aus den eigenen Beständen das Thema. (Abb. Franz Marc, 1880-1916, Liegender Hund im Schnee, 1910/1911, Öl auf Leinwand, 62,5 × 105 cm, Eigentum des Städelschen Museums-Verein e.V., © Städel Museum – ARTOTHEK)

Reload! Tracht – Kunst – Mode

Museum Kunst der Westküste Föhr, 17. September 2017– 7. Januar 2018

Das Gefühl, zu wissen, woher man kommt, geht mancherorts – so auch auf den nordfriesischen Inseln – mit dem Tragen von Trachten einher, die früher Ausweis regionaler und sozialer Zugehörigkeit waren. Ausgehend von Gemälden und Grafiken des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung spannt die Ausstellung mit internationalen Leihgaben einen Bogen bis zur zeitgenössischen Kunst und zu aktuellem Modedesign. Als ein Synonym für Heimatverbundenheit, Identifikation und Traditionspflege scheint die Tracht gerade gegenwärtig ein in mehrfacher Hinsicht reizvolles Sujet zu sein, das auch in ironisierender oder kritischer Hinsicht Thema in den unterschiedlichsten künstlerischen Medien ist. (Abb.Hendrik Kerstens)

Form Follows Flower. Moritz Meurer, Karl Blossfeldt & Co.

Kunstgewerbemuseum Berlin, 20. Oktober 2017 - 14. Januar 2018

Der Lehrer an der Kunstgewerbeschule Moritz Meurer (1839–1916) rückte in den 1890er Jahren das Pflanzenstudium in den Fokus. Anhand von Modellen, Herbarien, Lehrtafeln und Fotografien sollten die Gesetze natürlicher Formbildung durchdrungen und die Gestaltungslehre erneuert werden. Die Ausstellung führt diese Lehrmittel nun als Ensemble zusammen und veranschaulicht deren eindrückliche formalästhetische wie mediale Vielfalt. Gezeigt werden sie im Kontext von Prachtwerken der Ornament- und Vorlagengrafik, Objekten des Jugendstils und Bildwelten der zeitgenössischen Botanik. Die Frage nach der Beschäftigung mit der Natur in Gestaltungslehre und Design ist bis heute aktuell. Das zeigen neben zeitgenössischen Designobjekten auch die zeichnerischen und filmischen Arbeiten von Studierenden der UdK Berlin, der Nachfolgerin der Lehranstalt. Mit ihnen wird zum 150. Jubiläum des Kunstgewerbemuseums die historische Tradition der studentischen Ausstellungen wiederbelebt.(Abb.Moritz Meurer, Pflanzenformen, 1895, Tafel 38, © Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin / Saturia Linke)

Märchenwald – Leiko Ikemura

Hetjens Museum Düsseldorf, 4. November 2017 – 25. Februar 2018

Sieben großformatige Terrakotta-Skulpturen der japanisch-schweizerischen Künstlerin werden, kombiniert mit einer Film- und Toninstallation von Donata Wenders, präsentiert. Der Besucher trifft im abgedunkelten Raum auf diese Keramikarbeiten, die insbesondere durch ihre fast schwarzglänzende Metallglasur den Blick des Betrachters auf die Oberflächen lenken. Dargestellt sind mädchenhafte Figuren, in fast tänzerischer Bewegung emporgehoben. (Abb. Leiko Ikemura, Wu-san (Ausschnitt), 2004, Terrakotta glasiert, Fotograf: Lothar Schnepf (Köln)

Ed Atkins. Old Food

Martin-Gropius-Bau Berlin, 29. September 2017 - 7. Januar 2018

Ed Atkins ist einer der markantesten Vertreter einer Künstlergeneration, die sich mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien auseinandersetzt. In seinen computergenerierten Filmen schafft er Welten von forcierter Künstlichkeit, deren ramponierte und einsame Protagonisten er hypergenau und in entwaffnender Nähe in Szene setzt. Seine Animationen stellen ihre digitale Beschaffenheit aus, zielen jedoch zugleich auf einen verstörenden Realismus. Die Welt von „Old Food“ ist von vornherein verloren und besteht trotzdem fort, ohne jede Aussicht auf Erlösung. (Abb. Ed Atkins, Production still for “Old Food”, 2017, Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels).

Aftermieter / Untermieter

Haus Mödrath Kerpen, 23. April 2017 – 15. November 2018

Im Zentrum steht das Haus selbst: ein ehemaliges Herrenhaus, dessen zugehöriges Dorf dem Kohleabbau weichen mußte und ein großzügiger Park, der aus einem verwilderten Zustand gerade wieder in eine Gestalt überführt wird. Das Privatmuseum zeigt eine Gruppenausstellung mit Werken namhafter KünstlerInnen mit spirituellen bis spiritistischen Ansätzen, die von Veit Lörs kuratiert wurde. (Abb. Eric Bainbridge, Dark Style Swan, 1985 )

Blick Verschiebung

Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum Schloß Biesdorf, Berlin, 21. Oktober 2017 - 8. April 2018

Die Gruppenausstellung legt den Fokus auf vergehende Landschaften und urbane Strukturen in Ostdeutschland von der DDR über die Wendezeit bis in die Gegenwart. Die ausgewählten Werke setzen verlassene Architekturen und transformierte Städte ins Bild, erzählen Geschichten von Anwohnenden oder studieren die Entwicklung ländlicher Umgebungen. Die Ausstellung versammelt subjektive Langzeitstudien, persönliche Zeitzeugnisse und fotografische Momentaufnahmen, die bevorstehende Veränderungen erahnen lassen oder bereits Spuren des gesellschaftspolitischen Umbruchs in sich tragen .(Abb. Alexander Janetzko, Aus der Serie: Streusand – ich komme aus, 2008, Fine Art Print, Courtesy: der Künstler)

Vermischtes



Die Frankfurter Innenstadtkirchen gehen mit einem 360-Grad-Rundgang online. Über Tablet, Smartphone oder  Computer kann man die Kirchen besichtigen. Die Serie wurde mit einem Einführungsvideo und einem Rundgang durch die Liebfrauenkirche gestartet. Es folgen der St. Bartholomäus- Dom, die Alte Nikolaikirche, die Heilig-Geist-Kirche im Dominikanerkloster, die St. Peterskirche, die St. Leonhardskirche, die St. Katharinenkirche und die Dreikönigskirche in Sachsenhausen. Die Stadt Frankfurt verpflichtet sich seit 1830 dazu, die Kosten für die Instandhaltung der acht Innenstadtkirchen zu übernehmen. www.frankfurt.de/stadtkirchen

Der Bundespreis für Kunststudierende richtet sich an die 24 Kunsthochschulen in Deutschland. Jede Kunsthochschule nominiert dafür zwei TeilnehmerInnen. Die Auswahl der PreisträgerInnen wird ein halbes Jahr vor der Ausstellung durch eine unabhängige Jury stattfinden, und eine anschließende Ausstellung wird sich auf deren Arbeiten konzentrieren. Die Ausstellung des 23. Bundeswettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung findet vom 10. November 2017 - 28. Januar 2018 statt. Der Bundespreis für Kunststudierende wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Deutschen Studentenwerk organisiert.

Die Direktorin der Kunsthalle Fridericianum in Kassel, Susanne Pfeffer, soll neue Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) werden. Sie wird die 44-jährige Kunsthistorikerin und Kuratorin als Nachfolgerin von Susanne Gaensheimer, die zur Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wechselt. Pfeffer ist seit 2013 Direktorin des Fridericianums. Zuletzt wirkte sie als Kuratorin des deutschen Pavillons auf der Kunst-Biennale 2017 in Venedig, der als bester nationaler Beitrag mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde.

Anlässlich des 40. Geburtstags der Kunststiftung Baden-Württemberg werden vom 4. November 2017 – 18. Februar 2018 am ZKM in Karlsruhe Positionen aktueller und ehemaliger StipendiatInnen gezeigt – seit 1977 wurden über 900 junge KünstlerInnen in den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Darstellende Kunst und Literatur gefördert. Die in der Ausstellung vertretenen Medien wie Installation, Skulptur, Malerei, Fotografie, Video und Performance veranschaulichen die Vielfalt der geförderten Positionen, die sich thematisch u.a. den Bereichen Post-Minimal, Konzeptkunst, Gender und Identität sowie der individuellen Mythologie zuordnen lassen. Einen Schwerpunkt bilden ortsbezogene Arbeiten, die neu für die Präsentation im ZKM entstehen, aber auch Literatur und elektronische Musik bzw. Komposition.

„A House for the Mind“: Dom Hans van der Laan“ heißt eine Ausstellung in Antwerpen, Belgien. Der 1904 in Leiden geborene Hans van der Laan war Architekt und Mönch. Sein Ziel war es, die mittelalterliche Kirchbautradition in die Moderne zu überführen. Zu seinen wohl bekanntesten Bauten zählen die Abtei St. Benedictus (1968) in Vaals und die Abtei Roosenberg (1974) im belgischen Waasmunster. Als van der Laan 1991 in Memelis bei Vaals verstarb, hatte er sich über Jahrzehnte der Aufgabe verschrieben, die mittelalterliche Kirchbautradition in die Moderne zu überführen. Die Präsentation ist vom 13. Oktober 2017 - 14. Januar 2018 in Antwerpen (deSingel International Arts Campus – Expo, Desguinlei 25, Antwerpen) zu sehen.

Die Evangelisch-Theologischen Fakultäten wollen einen Quereinstieg in den Pfarrberuf ermöglichen. Auf der diesjährigen Plenarversammlung in Wittenberg berieten die Delegierten unter anderem über eine Rahmenordnung für einen berufsbegleitenden Studiengang. Derzeit gibt es unter anderem in Marburg einen solchen Theologie- Studiengang.

Das Transparente Museum der Hamburger Kunsthalle, ist ein Pilotprojekt, das seit April 2016 Einblicke in die Kernaufgaben des Museums gewährt: Das Sammeln, Forschen, Bewahren, Ausstellen und Vermitteln. Konkrete Fallbeispiele erhellen die sonst hinter den Kulissen verborgene Arbeit. Dazu werden epochen- und medienübergreifend Kunstwerke miteinander konfrontiert. Den vielzähligen positiven Rückmeldungen entsprechend werden nun die Themen des Transparenten Museums weiterentwickelt.

Nach zehn Jahren Planung und Bau ist das neue Stadtmuseum von Frankfurt am Main nun eröffnet,  ein „Museumsquartier“ mit fünf Gebäuden für 75 Millionen Euro. Konzipiert hat das Ensemble das Stuttgarter Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten. Auf 4.200 Quadratmetern Schaufläche werden sieben thematisch gegliederte Dauerausstellungen angeboten, dazu Wechselausstellungen. In die Gegenwart weist das 70 Quadratmeter große Stadtmodell, das der Rotterdamer Künstler Hermann Helle aufgrund der Schilderungen von Frankfurtern aus Gebrauchsmaterialien schuf. Ferner integriert die Schau „Frankfurt Jetzt!“ das „Stadtlabor“, Stadtteilprojekte mit Bürgerbeteiligung. Die „Bibliothek der Generationen“ gibt Anteil an den Erinnerungen von 100 Frankfurter Hobby-Autoren. www.historisches-museum-frankfurt.de  www.stadtlabor-digital.de

In der Ausstellungsreihe statement&dialogue in der Franziskaner Klosterkirche Berlin  sind Künstlerpositionen eingeladen, deren Arbeit sich mit dem Verhältnis von Atmosphäre und Form beschäftigen. Anna Borgman und Candy Lenk entwickeln seit 2011 ein gemeinsames künstlerisches Werk. Ihr Aktionsfeld ist der öffentliche Raum. Ihre raumgreifenden Installationen verstehen sie als räumliche Schichten eines Ortes und Eingriffe in das Geflecht aus Mensch, Geschichte und Situation. In der Ruine der Klosterkirche zeigen sie die Arbeit RADIATOR, eine zehn Meter hohe Skulptur aus Stahlrohren. Dadurch verbinden sie das sakrale Fragment des Klosters mit der monumentalen, im geschlossenen Kreislauf geführten Pipeline zu einem temporären Raumensemble.

Der Bauhaus Campus Berlin ist ein künstlerisches Experiment am Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung. Seit März 2017 entstehen auf den Freiflächen vor dem Museum Möglichkeitsräume für demokratische Utopien von Menschen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Im Campus wird gemeinsam studiert, gebaut und über neue und gerechtere Formen des Miteinanders geforscht. Vorbild für dieses Experiment ist das Bauhaus als schulische Institution, in der vor 100 Jahren Bildung und Bauen neu gedacht wurde. Mit Akteuren aus Design, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und der Startup-Szene entsteht ein temporärer Campus. Alle Projekte sind in „Tiny House“-Strukturen organisiert. Das sind mobile Architekturen, die in der Regel nicht größer als ein Parkplatz sind. (Abb.Tiny Tea House, Lemon Loft)

Die Preisträgerin des Preises der Nationalgalerie 2017 ist im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin bekannt gegeben worden. Die Jury entschied sich nach intensiven Diskussionen für Agnieszka Polska (geb. 1985 in Lublin) als Gewinnerin. Agnieszka Polska erhält mit der Auszeichnung im kommenden Jahr eine große Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie und eine begleitende Publikation.

Das spartenübergreifende 20.Festival „Wiesbadener Literaturtage“ findet in seinem Jubiläumsjahr vom 5. - 16. November 2017 in Wiesbaden sowie mit Begleitveranstaltungen in Darmstadt und Frankfurt statt. Kurator ist der Autor, Übersetzer, Zeichner und Musiker Frank Witzel. www.wiesbaden.de/microsite/literaturhaus/veranstaltungen/content/wiesbadener-literaturtage-2017.php

Rebecca Horn erhält den Wilhelm-Lehmbruck-Preis für ihr Lebenswerk. Zu diesem Anlass werden im Lehmbruck-Museum Duisburg neben zentralen Arbeiten ihres Oeuvres  neueste Werke aus 2017 zum ersten Mal präsentiert: die „Hauchkörper“. Überlebensgroße, goldene Stäbe bewegen sich in präzise komponierten Choreographien aufeinander zu und voneinander weg. Zyklische Bewegungen prägen auch viele der früheren Werke Rebecca Horns von Performances der 1970er Jahre über ihre Spielfilme der 1980er bis hin zu aktuellen kinetischen und skulpturalen Werken. Der mit 10.000 Euro dotierte Wilhelm-Lehmbruck-Preis wurde seit 1966 mehrfach an international bedeutende Künstler wie Richard Serra, Claes Oldenburg oder Joseph Beuys verliehen. (Abb. Abb.: Rebecca Horn, Hauchkörper, 2017, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Gunter Lepkowski)

Der  Wolfsburger Kunstpreis „Junge Stadt sieht Junge Kunst“ wird 2017 an den Berliner Künstler Julius von Bismarck verliehen.  Seine Arbeiten sind als künstlerische Forschung zu verstehen, als Versuch und Methode zugleich, die im Allgemeinen als getrennt begriffenen Systeme der Kunst und der Wissenschaft zu verbinden. Sein interdisziplinärer Ansatz ist eine schöpferische Befragung der Welt und der Natur, die der Mensch zunehmend verwandelt. Der Preis ist verbunden mit einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Wolfsburg vom 11. November 2017 - 3. Juni 2018 und einer umfangreichen Publikation. (Abb.Julius von Bismarck "Punishment #3" 2011, Inkjet Print, 100 x 150 cm © Julius von Bismarck; Courtesy alexander levy, Berlin)

258 Filme präsentiert das 34. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest vom 14. - 19. November 2017. Das Kasseler Filmfest steht  auf der Liste der offiziellen Referenzfestivals für Kurzfilm der Filmförderungsanstalt. Somit könnten Filmemacher auf dem Festival Punkte für die Filmförderung sammeln. Bestandteil des Festivals ist auch die Medienkunstausstellung „Monitoring“.

Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt ab dem 3. November 2017 aktuelle Erkenntnisse zum Bilderfund im Fall Gurlitt unter dem Titel: Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS Kunstraub und die Folgen. Parallel dazu ist im Kunstmuseum Bern die Ausstellung  Bestandsaufnahme Gurlitt. „Entartete Kunst“ – Beschlagnahmt und verkauft“ zu sehen. In Bern liegt der Fokus auf Werken der „Entarteten Kunst“ und auf Arbeiten aus dem Kreis der Familie Gurlitt. Die Bundeskunsthalle konzentriert sich auf Werke, die NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden, sowie auf Werke, deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Auch werden in der Bonner Ausstellung die Schicksale der verfolgten Kunstsammler und Kunsthändler den Täterbiografien gegenübergestellt sowie der Kunstraub der Nationalsozialisten in Deutschland und in den von den Nazis besetzten Gebieten thematisiert.

Bei der Affordable Art Fair vom 16. – 19. November 2017 in Hamburg bewegen sich alle Kunstwerke – ob Malerei, Skulptur oder Fotografie – im Rahmen von 100 bis 7.500 Euro. Die Erlöse gehen zu 100 Prozent an die Künstler. An der Kunstmesse nehmen in diesem Jahr 80 Galerien aus aller Welt teil. Dabei sind neben etablierten Künstlern auch die Werke zahlreicher Nachwuchskünstler zu finden. Ein besonderer Fokus liegt auf der lokalen Kunstszene. So gehört ein Teil der Ausstellungsfläche ausschließlich Hamburger Galerien.    

Hans Traxler ist im Olymp der komischen Kunst angekommen. Am 11. November 2017 erhält er für sein Lebenswerk die höchste Auszeichnung für Komische Kunst in Deutschland, den mit 5.000 Euro dotierten „Sondermann“-Preis des gleichnamigen Vereins. „Damit ist meine Unsterblichkeit für die nächsten 2.500 Jahre gesichert“, sagt Traxler,  -„das reicht fürs erste.“ Seinen Ruf erwarb er sich als zeichnendes und textendes Aushängeschild der Satire-Magazine „Pardon“ und „Titanic“ und als Mitbegründer der Künstlergruppe „Neue Frankfurter Schule“.

Das international bekannte Atelier Goldstein der Lebenshilfe Frankfurt gibt es seit 2001. 17 Künstler mit geistiger Behinderung aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Film und Design arbeiten dort. 2009 erhielt das Atelier den Auftrag, die Marienkirche in Aulhausen im Rheingau neu zu gestalten. Seit 2013 betreibt das Atelier einen Ausstellungsraum in Frankfurt-Sachsenhausen.

Das Städel-Museum in Frankfurt am Main einen hat einen multimedialen Führer zu Reformation und Kunst online geschaltet. Das Digitorial zur Reformation erläutert die Folgen der kirchlichen Erneuerung für die Kunst. Dabei geht es um den Wechsel vom Kultbild zum Lehrbild, um die Entstehung neuer Bildthemen und die reformatorische Interpretation bestehender religiöser Kunstwerke. https://reformation.staedelmuseum.de, www.staedelmuseum.de

Die türkisch-islamische Ditib-Gemeinde in Hachenburg hat mit den Bauarbeiten für ein umstrittenes Gemeindezentrum begonnen. Die Moschee-Gemeinde in Hachenburg will in der Kleinstadt im Westerwaldkreis ein zweigeschossiges Kulturzentrum ohne Minarette und Kuppel errichten. Weil der Moschee-Verein zum Ditib- Dachverband gehört, der wegen seiner Verbindungen zum türkischen Staat vermehrt in die Kritik geraten ist, hat das Bauvorhaben vor Ort viele Gegner. In Germersheim war der geplante Neubau einer Moschee vom Oberverwaltungsgericht in Koblenz gestoppt worden, weil die Richter das Bauvorhaben als überdimensioniert und in einem Wohngebiet nicht mehr zulässig einstuften.

Eine 62 Meter hohe auffällige Kirchturmspitze krönt St. Peter und Paul, die wichtigste Kirche der Moskauer Lutheraner. Zum 500. Jahrestag der Reformation geht die zu Sowjetzeiten verstaatlichte Kirche wieder auf die Kirche über. Die Kathedrale wurde 1905 eingeweiht, damals zählte die Gemeinde rund 17.000 Mitglieder aus deutschen, baltischen und finnischen Familien. Nach der Oktoberrevolution machten die Repressalien der neuen sowjetischen Machthaber den Moskauer Lutheranern jegliches religiöse Leben unmöglich. In der entweihten Kirche richtete sich später eine Diafilm-Fabrik ein. Erst 2010 verabschiedete die Staatsduma ein Gesetz, das die Rückübertragung von Eigentumsrechten an religiöse Gemeinschaften regelt.

Der mit 50.000 € dotierte Büchner-Preis der Dt. Akademie für Sprache und Dichtung wurde in Darmstadt an den Lyriker Jan Wagner überreicht.  Jens Bisky erhält den Johann-Heinrich-Merck-Prei s für literarische Kritik und Essay, die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

Zum 500. Reformationsjubiläum ist in Brandenburg eine neue Apfelsorte gezüchtet worden. Die Reformationsapfelbäume wachsen seit 2012 in den Barnimer Baumschulen Biesenthal, einem Betriebszweig der Hoffnungstaler Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Zunächst gibt es eine limitierte Erstauflage von 95 Bäumen. Die neue Sorte ist ein Abkömmling des Edelborsdorfer Apfels, der ältesten dokumentierten Apfelsorte Deutschlands und vermutlich ganz Europas. Das für die Vermehrung und Sortenlizenzierung verwendete Pflanzenmaterial stammt aus der Obstbauversuchsstation in Müncheberg im Osten Brandenburgs mit ihrer umfangreichen Sammlung obstgenetischer Ressourcen.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat seit Mitte der 90er Jahre rund 63.000 „Stolpersteine“ verlegt. Die »Steine« sind kleine Würfel aus Beton, auf denen oben eine Messingtafel eingelassen ist, zehn mal zehn Quadratzentimeter groß. Auf diesen Tafeln wird an die Schicksale von Menschen erinnert, die der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer fielen. Die Steine liegen nicht nur in Deutschland, sondern in insgesamt 21 Ländern.

Der Gedenkort für die Opfer des Terroranschlages am Berliner Breitscheidplatz soll am ersten Jahrestag mit mehreren Veranstaltungen eröffnet werden. Künftig soll mit einem 14 Meter langen, etwa drei Zentimeter breiten goldenen Riss auf dem Boden am Anschlagsort an die Getöteten erinnert werden. Die Namen der Opfer und ihre Herkunftsländer sollen zudem auf der Vorderseite der Stufen zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche angebracht werden. Der Entwurf für das Denkmal stammt vom Designerbüro Merz Merz. Für den Gestaltungswettbewerb waren sieben Entwürfe von Designern und Architekten eingereicht worden.

Der Boller Bußtag der Künste findet am 22. November 2017 in der Ev. Akademie Bad Boll statt.  Ein experimentell gestalteter Gottesdienst eröffnet die alljährlich in Kooperation zusammen mit dem landeskirchlichen Verein für Kirche und Kunst stattfindende Veranstaltung. Eine Vernissage zur Ausstellung „der starke Konsument. Wertschätzungen von Stephanie Senge“ sowie inhaltliche Impulse zu aktuellen ästhetischen Fragestellungen bilden weitere Programmpunkte. (Abb. aus der Konsumproduktsammlung "Liebe", Stephanie Senge)

BürgerInnen sowie öffentliche und private Träger, Bewahrer und Vermittler des kulturellen Erbes sind eingeladen, im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 mitzuwirken. Gesucht sind Aktivitäten, die das kulturelle Erbe als Zeugnis einer gemeinsamen europäischen Geschichte verstehen, eine Relevanz angesichts aktueller Herausforderungen besitzen,  Wirksamkeit auch über das Jahr 2018 hinaus besitzen und sich an breite Kreise der Gesellschaft wenden. Projekte in Deutschland, auch bestehende oder bereits geplante, können als Aktivitäten des Europäischen Kulturerbejahres 2018 durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz aufgenommen werden. https://sharingheritage.de/mitmachen/




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