x
   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 
Newsletter Nr. 111

Liebe Leserin, lieber Leser,

dies ist der letzte Newsletter im Jahr 2017 und der erste für 2018. Wir hoffen auch weiterhin auf Ihr Interesse an den Inhalten des Newsletters. Es macht Freude, sie zusammenzustellen und dabei den Werken so vieler Künstlerinnen und Künstler zu begegnen.

Wir wünschen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit und dass Sie mit Zufriedenheit auf das alte Jahr blicken und mit Zuversicht das Neue erwarten.

(Abb. Meister von Meßkirch, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Mitteltafel des ehemaligen Hochaltars von St. Martin in Meßkirch, Meßkirch, Pfarrkirche St. Martin, © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann, siehe unten, Hinweis auf die Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart)

 

 

 

 

 

Mitteilungen aus dem Institut

Exkursion

Am Samstag, den 13. Januar 2018 veranstaltet das Institut eine Seminar-Exkursion zur Ausstellung „SOS Brutalism“ im Dt. Architekturmuseum DAM in Frankfurt. Um 14 Uhr erhalten wir eine Führung durch die Ausstellung.

Die Anreise von Marburg aus findet mit dem Zug statt.Wir treffen uns um 10.20 Uhr am Marburger Hbf in der Eingangshalle. Der Zug nach Frankfurt fährt um 10.35 Uhr.

Externe Interessenten können sich melden unter Tel. 06421 – 2826412 beim Institutssekretariat oder unter kirchbau@staff.uni-marburg.de

Abb.: Gottfried Böhm: Wallfahrtskirche in Neviges, 1963–1973 © Foto: seier+seier 2008 (CC BY 2.0)

 

Liturgy Specific Art – Gottesdienst "Intruder"

„Eindringling, Störenfried, Fremdkörper“, – so beschreibt der Künstler Michael Volkmer das Werk, mit dem er am Sonntag, den 21. Januar 2018, 11 Uhr in der Universitätskirche Marburg den nächsten Liturgy Specific Art Gottesdienst gestalten wird. Sein Vorhaben kann als unschuldiges Spiel mit einer "Raum im Raum"-Situation oder als Provokation verstanden werden… wir lassen uns überraschen, was am Ende dabei heraus kommt und wie die Gottesdienstbesucher es aufnehmen werden. Begleitet wird die Kunstintervention von Thomas Erne als Prediger und Gerold Vorrath an der Orgel.

 

Ausstellungen/Veranstaltungen

 

Daniela Georgieva — Quiet please

Kunst-Station St. Peter Köln, 3. Dezember 2017 — 4. Februar 2018

Daniela Georgieva (*1979 in Plovdiv, Bulgarien) hat für die Kunst-Station Sankt Peter ein mehrstufiges Ausstellungs- und Performanceprojekt entwickelt. Neben abstrakten Prints, die auf den Kirchenraum und die historischen Glasfenster abgestimmt sind, wird in der Taufkapelle die Videoarbeit „remind me later“ gezeigt. Im Zentrum der Ausstellung steht das Objekt „I Wish I Wish“, welches den Besuchern die Möglichkeit bietet, zu aktiven Benutzern zu werden, indem sie einen Wunsch oder Gedanken zu Papier zu bringen und im Objekt zu hinterlegen. Im Januar werden diese Wünsche und Gedanken Teil der ersten Solotanzperformance von Daniela Georgieva, die sie für die Kunst-Station konzipiert hat: „Quiet please“. Daniela Georgieva lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seit ihrem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf arbeitet sie spartenübergreifend in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Performance/Tanz.

 

REFORMATION! Der Südwesten und Europa

Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen, 29. Oktober 2017 - 2. April 2018

Als Fortführung der Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ widmen sich die Reiss-Engelhorn-Museen gemeinsam mit den evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg der wechselvollen Geschichte der Städte und Territorien im Südwesten Deutschlands zur Zeit der Reformation. In der Schau zeugen namhafte Akteure des 16. Jahrhunderts wie Philipp Melanchthon, Johannes Calvin oder Martin Bucer von der Vielfältigkeit der reformatorischen Wege im konfessionellen Zeitalter. Sie und viele andere haben in den Reichsstädten des Südwestens, den Territorien Württemberg, Kurpfalz und Baden sowie der als Oberzentrum regional wichtigen Reichsstadt Straßburg  Impulse gegeben. Die jeweiligen politischen Verhältnisse hatten ihrerseits enormen Einfluss auf den Umgang mit den reformatorischen Ideen. Die Ausstellung illustriert anhand von ausgewählten Exponaten die wichtigsten Persönlichkeiten, Ereignisse und Orte der südwestdeutschen Reformationsgeschichte. (Abb. Skulptur eines heiligen Bischofs, Oberrhein, Anfang 16. Jh., © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Peter Gaul)

 

 

Rachel von Morgenstern: Erweiterte Malerei

Kunst Kulturkirche Allerheiligen Frankfurt, 2. November 2017 – 11. Februar 2018

Rachel von Morgenstern erweitert ihre Malerei, indem sie die Farbe von der Leinwand löst und in den dreidimensionalen Raum entlässt. Dort wird sie getragen von Geweben, Netzen und Gittern, die eine leichte Symbiose von Licht und Raum entstehen lassen. Rachel von Morgenstern studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und schloss 2015 ihr Postgraduiertenstudium bei Franz Ackermann an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ab.

Zeichen des Aufbruchs. Kirchenbau und Liturgiereform im Bistum Augsburg seit 1960

Diözesanmuseum St. Afra Augsburg, 22. November 2017 – 11. März 2018

Religiöse, liturgische und gesellschaftliche Umbrüche auf der einen sowie bautechnische Neuerungen auf der anderen Seite führten in den 60er Jahren zu einer veränderten Auffassung von Sakralarchitektur. Vielfach ist die architektonische und künstlerische Reduktion dieser Zeit ein Zeichen von Sinnleere und weniger Ausdruck einer offenen Gesellschaft, wie es  Kirche und Architekten intendierten. Denn die Innovation und Schöpferkraft dieser ebenso kurzen wie produktiven Zeitspanne, aber auch der derzeitige Veränderungsdruck der Kirchenlandschaft – Umnutzung, Profanierung oder gar Abriss – lassen eine Auseinandersetzung mit diesem kulturellen Erbe umso notwendiger erscheinen. In der Ausstellung wird die Vielfalt der Kirchenbaukonzepte in aktuellem wie historischem Bildmaterial ausgebreitet. Der Besucher wird auf eine Entdeckungsreise durch den Kirchenbau der Moderne in der Diözese Augsburg mitgenommen. Alexander von Branca, Hans Schädel, Thomas Wechs und Josef Wiedemann sind nur einige der Namen, die für den hohen baukünstlerischen Anspruch der modernen Kirchen bürgen. Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Buchpublikation im Kunstverlag Josef Fink.

Der Meister von Meßkirch. Katholische Pracht in der Reformationszeit

Staatsgalerie Stuttgart, 8. Dezember 2017 – 2. April 2018

Der Meister von Meßkirch gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern der frühen Neuzeit. Obschon sich der ausschließlich im oberschwäbischen Raum tätige Künstler als historisch verbürgte Person bis heute nicht sicher fassen lässt, ist sein Rang als herausragender Kolorist seit langem unbestritten. Seine Altarbilder beanspruchen höchstes historisches Interesse, da sie – entgegen der sich in Württemberg fast flächendeckend durchsetzenden Reformation – das regionale Festhalten am altgläubigen Bekenntnis dokumentieren. Ein Großteil seiner heute verstreut in Museen und Privatsammlungen Europas und der USA befindlichen Tafelbilder und Zeichnungen sind in der Ausstellung vereint zu sehen. In aufschlussreichen Konstellationen mit annähernd zeitgleich entstandenen Werken protestantischer Ausrichtung präsentiert, kann so ein differenzierter Eindruck von den künstlerischen Ausdrucksformen im Zeitalter der Reformation vermittelt werden. (Abb. Meister von Meßkirch, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Detail aus der Mitteltafel des ehemaligen Hochaltars von St. Martin in Meßkirch, Meßkirch, Pfarrkirche St. Martin, © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann)

Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500

Martin-Gropius-Bau Berlin, 9. Dezember 2017 – 4. März 2018

Die Ausstellung konzentriert sich auf Bereiche, die besonders vom interkulturellen Dialog profitiert haben, und stellt deshalb die seit der Antike viel diskutierten Themen Medizin, Astronomie und Astrologie in den Vordergrund. Es sind kostbare Dokumente in hebräischer, arabischer, griechischer und lateinischer Sprache, die ausgestellt werden. Die in der Mehrzahl mittelalterlichen Handschriften belegen eindrucksvoll, wie grundlegende Erkenntnisse auf den Gebieten dieser Wissenschaften transportiert wurden. Das Thema der Begegnung verschiedener Kulturen hat seit den ersten fruchtbaren Kontakten bis heute nichts an Aktualität verloren. Die immer wieder aufbrechenden Konflikte zwischen den unterschiedlichen Ethnien, Religionen und Weltanschauungen lassen leicht vergessen, welch große Bedeutung Dialog und Kommunikation für die Entwicklung der jeweiligen Zivilisationen gehabt haben. Sie wird getragen von Kräften, die das Streben nach sachlicher Erkenntnis und den Respekt vor den Errungenschaften des jeweils Anderen verbinden. Religiös motivierte Fragestellungen gaben vielfach den Anstoß für die wissenschaftliche Auseinandersetzung; gleichzeitig verhinderten sie aber auch die Akzeptanz kulturübergreifender Erkenntnisse. (Abb. Koralle. Carmen de viribus herbarum (griechisch), Sog. Wiener Dioskurides, Konstantinopel, vor 512, Cod. Med. gr. 1, fol. 391v (Faksimile) © Österreichische Nationalbibliothek)

Antike Mythen - Grimmsche Sagen - Digitales Erzählen

Grimmwelt Kassel, 1. Dezember 2017 – 21. Mai 2018

Jacob und Wilhelm Grimm hinterließen neben ihrer Märchensammlung auch eine umfangreiche Veröffentlichung von Sagen. Die mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern gestaltete Präsentation spannt den Bogen ausgehend von den »Deutschen Sagen« der Brüder Grimm sowohl zu den Ursprüngen der Erzählform, den antiken Mythen, als auch zu modernen Erscheinungen der Sage wie den »Fake News«. Gerade die stete Wandlung der Erzähltraditionen und Verbreitungswege von der mündlichen Überlieferung bis hin zu den sozialen Medien ist bis heute ein wesentliches Merkmal von Mythen und Sagen. (Abb. Vom HörenSAGEN: Die Installation von Ole Werner vermittelt die Tradition der mündlichen Weitergabe von Sagen auf ganz plastische Art und Weise. © GRIMMWELT Kassel, Foto: Tanja Jürgensen)

Stimme des Lichts – Delaunay, Apollinaire und der Orphismus

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, 2. Dezember 2017 – 2. April 2018

In einem Vortrag im Jahr 1912 unterteilte der Dichter und Kunstkritiker Guillaume Apollinaire den Kubismus in vier Strömungen. Eine davon nannte er den „orphischen“ Kubismus, später auch „Orphismus“. Angeregt durch die farbenprächtigen Gemälde des französischen Künstlers Robert Delaunay verstand er darunter eine Malerei, die sich von der Wiedergabe der äußeren Realität löste und eine „ideale Schönheit“ zum Ausdruck brachte. Als einer der Ersten beschrieb er damit eine vollkommen abstrakte Kunst. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete den Versuch, den Orphismus als eigenständige, radikale Avantgarde-Bewegung zu etablieren. Orphismus bezeichnete nicht das Programm einer Künstlergruppierung und auch keinen einheitlichen künstlerischen Stil. Vielmehr versuchte Apollinaire einer generellen Tendenz zur Abstraktion einen Namen zu geben und fasste darunter Werke des Kubismus, Futurismus und Expressionismus von so unterschiedlich arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern wie Sonia und Robert Delaunay, Paul Klee, František Kupka, Fernand Léger, August Macke, Franz Marc oder Francis Picabia. Diese von Paris ausgehenden Tendenzen einer „reinen“, von der figürlichen Konvention befreiten Malerei, waren von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts in Europa. Begleitend wird eine Lichtoper erarbeitet als künstlerisches Projekt zum Mitmachen. Die Künstlerin und Kunstvermittlerin Constanze Eckert und der Musiker und bildende Künstler Michael Vorfeld experimentieren mit den Teilnehmenden mit Licht, Klang und Farbe. Auch für Schulen gibt es ein Programm mit dem Thema „Lichtlabor“. (Abb. František Kupka, Rouge et vert, 1913, Öl auf Leinwand, 46 x 38 cm, Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und seine Freunde

Gerhard-Marcks-Haus Bremen, 26. November 2017 – 4. März 2018

Die Ausstellung zeigt anhand von 21 Künstlern und über 100 Exponaten (Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Keramiken, Metallarbeiten und Möbel), wie Ideen am Weimarer Bauhaus entstanden, die Vielfalt der Ansätze nebeneinander bestehen konnte und wie sie sich von dort aus weiterentwickelten – auch jenseits von Industrie, Typisierung und Serienproduktion. Gerhard Marcks (1889 – 1981) gehörte nicht nur zu den ersten Lehrern am Bauhaus in Weimar im Jahr 1919, er proklamierte individuelle Modell- und Versuchsarbeit und wirkte damit einer rein auf die Industrie konzentrierten Produktion entgegen. Sein künstlerisches Denken, die damit einhergehende Pädagogik und nicht zuletzt die enge Verbundenheit zwischen Marcks und seinen Kollegen bzw. seinen Schülern, verschaffte diesem frühen künstlerischen Ideennetzwerk eine Wirkkraft weit über Europa hinaus. (in Kooperation mit dem DFG-Projekt »Bewegte Netze« anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses im Jahr 2019) (Abb. Wolfgang Tümpel, Abendmahlsgerät, 1963, Silber, Kelch innen vergoldet Privatbesitz, Berlin)

Glanz und Elend der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen

Schirn Kunsthalle Frankfurt, bis 25. Februar 2018

Die Ausstellung versammelt rund 200 Werke bekannter und wenig beachteter Künstlerinnen und Künstler. Zusammen mit historischen Fotografien, Filmen, Zeitschriften und Plakaten entwirft sie ein Panorama der Kunst der Weimarer Republik. Soziale und politische Spannungen und Umbrüche bilden sich in der Kunst dieser Zeit durch die aufgegriffenen Sujets und vielseitigen Techniken der Darstellung ab. Die in thematische Abschnitte gegliederte Thema-Ausstellung umfasst die Zeit von 1918 – 33. Alle Facetten der Gesellschaft werden durch sich inhaltlich ergänzende oder kontrastierende Kunstwerke nahe gerückt. Das Einfühlen in die Welt der  Menschen auf den meisterlichen Bildwerken scheint gar nicht schwer und man gerät in den Strudel jener gegensätzlichen und verwirrenden Zeitläufte. Beeindruckend ist die Bildniskultur, die aus Voyeuren empathische Betrachter macht. Allein die Porträts genügen, um durch die Ausstellung eine große Bereicherung zu erfahren. Viele Malerinnen sind zu entdecken und eine Vielfalt von Stilen und Techniken zeigen das beeindruckende Können der KünstlerInnen dieser Zeit. Digitorial zur Ausstellung: www.schirn.de/glanzundelend/digitorial/de (Abb. Karl Völker, Bahnhof, um 1924/26)

Mut zur Freiheit. Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin

Städt. Galerie Karlsruhe, 16.Dezember 2017 - 11. März 2018

Die Maler des Informel schöpften aus den Errungenschaften der klassischen Moderne, vernetzten sich in Künstlergruppen und setzten sich intensiv mit der zeitgenössischen Szene in Paris und den USA auseinander. Von der gegenständlichen Malerei wandten sie sich ebenso ab wie von der geometrischen Abstraktion der Vorkriegsjahre. Stattdessen betonten sie mit ihrer Kunst die individuelle Geste, die sich keinen festen Regeln unterwarf. Mit rund hundert Exponaten aus den Jahren 1946 bis 1974 sind Gemälde und Objekte ebenso wie Arbeiten auf Papier zu sehen. Es wird deutlich, wie facettereich diese Kunstrichtung war. An die Stelle der klassischen Maltechniken traten neue Methoden: Karl Otto Götz entwickelte mithilfe der Kleisterfarbe eine Art Schnellmalerei, Bernard Schultze verwendete pflanzliche Materialien in seiner Kunst, Gerhard Hoehme schuf assoziationsreiche Bild-Text-Kompositionen. Es  lassen sich auch zahlreiche Bezüge zur zeitgenössischen Musik und Literatur erkennen. Die Zentren der informellen Nachkriegsavantgarde lagen in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf, wo sich die Künstler­grup­pen ZEN 49, Quadriga und die Gruppe 53 bildeten.(Abb. Carl Buchheister - Komposition Changvil, 1960 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Zentrifugale Tendenzen. Tallinn – Moskau – Nowosibirsk

Tchoban Foundation Museum für Architekturzeichnung Berlin, 7. Oktober 2017- 18. Februar 2018

Die Ausstellung ist die Fortsetzung der Reihe visionärer und gesellschaftskritischer Architektur. Der Begriff Papierarchitektur wurde in den 1980ern durch den Architekten, Kurator und einen der Protagonisten dieser Bewegung, Juri Awwakumow, geprägt. Er wird oft als Synonym für nicht realisierte, lediglich für die Schublade geplante, Bauvorhaben benutzt – diese Betrachtungsweise wird dem Phänomen jedoch nicht gerecht. Denn mit Papierarchitektur ist vor allem eine in den 1980er Jahren in der Sowjetunion geborene Architekturbewegung gemeint, die als Protest gegen die Routine der staatlichen Planungsbüros entstanden ist. Die Ausstellung präsentiert etwa fünfzig Zeichnungen, die sich in drei Gruppen untergliedern lassen: die Tallinner Schule, die Papierarchitektur aus Moskau und die aus Nowosibirsk. Zu sehen sind Werke namhafter Künstler, darunter Leonhard Lapin, Juri Awwakumow, Alexander Brodsky und weitere Architekten. (Abb.Lew Jewsowitsch, Mark Chaisman. Trolleybus-Haltestelle  „Kropotkinskaja“, 1984, Tempera auf Papier, 54,3 x 55,8 cm © Lew Jewsowitsch, Mark Chaisman)

HAP Grieshaber und der Holzschnitt

Museum Würth Künzelsau, 23. Oktober 2017 –  3. Juni 2018

 Das Werk des Holzschneiders, Typographen, Druckers und Malers HAP Grieshaber (1909 – 1981) zeichnet sich durch einen großen Variantenreichtum in Themen und Techniken aus. Seine Holzschnitte haben eine eigene, unverwechselbare Bildsprache und mit seinen großformatigen Arbeiten revolutionierte er deren Technik und schuf bildmäßige Kompositionen, die in ihrer Zeit singulär sind. Spätestens mit der Berufung an die Karlsruher Akademie im Jahr 1955 zeigte sich auch seine pädagogische Begabung. Horst Antes, Hans Baschang, Dieter Krieg, Heinz Schanz oder Walter Stöhrer haben durch seine Lehre mannigfaltige Anregungen erhalten. Ihnen verdankt die damals die Malerei prägende informelle Stilrichtung einen Anstoß zur Auseinandersetzung mit der Figur, so dass Grieshabers Klasse zu einer wichtigen Keimzelle der Neuen Figuration wurde. In über 100 Werken wird die Vielfalt in Grieshabers Holzschnitten deutlich. Auch Grieshabers gesellschaftspolitisches Engagement zeigt sich in vielen Plakatentwürfen und einer Auswahl der Zeitschrift Der Engel der Geschichte. (Abb. HAP Grieshaber, Die Frau mit Pfau, aus der Mappe: »Baumblüte«, 1963, Holzschnitt: hellgrün, orange, dunkelrot, schwarz, auf Büttenkarton; mit persönlicher Widmung: 10/XI/63 Für Swiridoff's, 81,5 x 70 cm, Sammlung Würth, Inv. 4154)

Emil Cimiotti. Denn was innen, das ist außen – Retrospektive

Georg Kolbe Museum Berlin, 19. November 2017 - 28. Januar 2018

Emil Cimiotti (*1927) prägte die (west-)deutsche Kunst der Nachkriegszeit als Pionier der Abstraktion. Seine direkt in Wachs aufgebauten Arbeiten, die über das Ausschmelzverfahren zum Bronze-Unikat führen, zeigen Formprozesse, die zunächst der Plastik im Informel neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffneten. In den 1970er- und 1980er-Jahren kommt es zu figürlichen Assoziationen. Unbekümmert überspielte Cimiotti die damals noch immer verhärteten Fronten von abstrakter und gegenständlicher Kunst. Die Ausstellung ermöglicht einen Gesamtüberblick über Cimiottis Schaffen der letzten 60 Jahre anhand von rund 30 Plastiken, zahlreichen Zeichnungen und einer Auswahl von jüngst entstandenen Papierreliefs.

Brückenschlag Gerlinger + Buchheim

Buchheim Museum Bernried,  28. Oktober 2017 - 25. Februar 2018

Die Bilder der Brücke-Maler des Sammlers Hermann Gerlinger ergänzt nun die Bestände des Buchheim Museums. Buchheim kann mit frühen Hauptwerken der Brücke-Künstler punkten,  Gerlinger erschließt das Thema systematisch in seiner gesamten historischen Tiefe und in der gesamten Breite der Gattungen. Die immer noch wachsende Sammlung umfasst mehr als tausend Titel, darunter Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken, Dokumente, Skulpturen, Kunsthandwerk und derzeit 48 Gemälde der Brücke-Künstler. Mit dem Umzug der Bestände des Würzburger Sammlers nach Bernried und die Zusammenführung mit der Sammlung Buchheim wird die Bedeutung des Buchheim Museums als Hauptmuseum des deutschen Expressionismus in Süddeutschland ausgebaut. Es kann nun seinen Schwerpunkt „Brücke" mit mehr als 2000 Werken der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe belegen. (Abb. Ernst Ludwig Kirchner, Das blaue Mädchen in der Sonne, 1910, Sammlung Hermann Gerlinger im Buchheim Museum)

60 Jahre Perfomance-Kunst in der Schweiz

Museum Tinguely Basel, 20. September - 28. Januar 2018

Die Ausstellung beleuchtet die frühen  1960er Jahre, zu der Zeit, in der Jean Tinguely seine ersten autodestruktiven Aktionen realisierte, und erkundet von dort ausgehend mehr als fünf Jahrzehnte performativer Kunst. In Form von Dokumenten, Fotografien, Videos, Zeichnungen, Objekten und natürlich mit Performances selbst, sind Werke von mehr als 55 Künstlerinnen und Künstlern in der Ausstellung präsent. Jeden Monat werden historische wie auch speziell für die Ausstellung konzipierte Performances die Ausstellung mit zusätzlichem Leben erfüllen. Höhepunkt bei dieser Erkundung der performativen Künste ist ein zweitägiges, internationales Symposium (26.-27. Januar 2018) in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Basel. Auf der Seite www.performanceprocessbasel.ch finden sich Interviews rund um das Thema Performance. (Abb. Urs Lüthi, David Weiss & Willy Spiller, Sketches, portfolio, 1970 Fotografie Portfolio Urs Lüthi, David Weiss & Willy Spiller © 2017 Courtesy of the artists)

 

 

Balthasar Burkhard

Museum Folkwang Essen, 20. Oktober 2017 – 14. Januar 2018

Balthasar Burkhards Werk berichtet von der künstlerischen Karriere des Mediums Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Den Kern bilden Monumentalität, Fragmentierung und die Überschreitung des Mediums Fotografie durch die Übertragung eines zweidimensionalen Bildes in raumgreifende Installationen.  Burkhard hatte Kontakt zur vitalen Berner Kunstszene der 60 er Jahre und wurde Wegbegleiter Harald Szeemanns, an dessen Seite er die documenta von 1972 festhält. Vom Chronisten der Kunstwelt emanzipiert er sich dann selbst als Künstler. Die Auseinandersetzung mit dem Körper als menschliche Landschaft oder als Fragment  nimmt großen Stellenwert in seiner Arbeit ein. Das Spätwerk umfasst Architekturfotografie wie Luftaufnahmen von Städten und Wüsten sowie Pflanzenstudien im Stil des 19. Jahrhunderts. (Abb. Jean-Christophe Ammann, o. T. (Balthasar Burkhard), USA, 1972)

James Rosenquist (1933–2017).Eintauchen ins Bild

Museum Ludwig Köln, 18. November 2017 - 4. März 2018

Die groß angelegte Ausstellung stellt die Werke dieses bedeutenden Künstlers der amerikanischen Pop Art in den Kontext ihrer kulturellen, sozialen und politischen Dimension. Denn die Bildfindungen von James Rosenquist resultierten aus seinem Interesse an gesellschaftlichen und politischen Ereignissen. Die Ausstellung verfolgt den Aspekt des „Eintauchens ins Bild“, wie der Künstler es selbst nennt, und bietet gleichzeitig einen breit angelegten Überblick. Die collagehaften Gemälde der 1960er-Jahre, aus denen deut­lich Rosenquists Herkunft als Plakatmaler riesiger Werbeflächen am Times Square spricht, sind gleichermaßen zu sehen wie biografisch mo­tivierte Bilder der 1970er-Jahre oder Verarbeitungen kosmischer Raumphänomene in späteren Gemälden.  (Abb. James Rosenquist, Installationsansicht Horse Blinders, Museum Ludwig, Köln, 1968-1969, Schenkung Ludwig 1976, © Estate of James Rosenquist/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto © Rheinisches Bildarchiv Köln)

Feministische Avantgarde der 1970er Jahre

ZKM Karlsruhe, 18. November 2017 – 8. April 2018

Erstmals war es den Künstlerinnen, die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geboren sind, möglich, in nennenswerter Zahl an den Akademien Kunst zu studieren und sich damit von der passiven Rolle der Muse und des Modells zu emanzipieren. In ihren Werken stellen sie radikal neue Fragen an die Gesellschaft, an den Kunstbetrieb und die Rollen der Frau. Die Ablehnung tradierter, normativer Vorstellungen verbindet das Engagement der Künstlerinnen dieser Generation. Dabei stehen Themen wie eindimensionale Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau, weibliche Sexualität, der eigene Körper, Schönheit und Gewalt gegen Frauen im Fokus. Zahlreiche Künstlerinnen wenden sich ganz bewusst den neuen, historisch unbelasteten Medien wie Fotografie, Film und Video zu, nutzten die Performance als künstlerisches Ausdrucksmittel. Humorvoll und ironisch, subtil und provozierend dekonstruieren die Künstlerinnen der »Feministischen Avantgarde« die traditionelle Ikonographie des Weiblichen. (Abb. Blick in die Ausstellung »FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er-Jahre« / © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: ONUK)

Künstlerbücher

Kunsthalle Hamburg, 1. Dezember 2017 – 2. April 2018

Durch die Konzeptkunst und Fluxus-Bewegung als offenes und vielseitiges Medium entdeckt, haben sich die Künstlerbücher seit den 1960er Jahren als eigenständige Kunstgattung etabliert. Ausgangspunkt sind die Werke der Minimal Art und Konzeptkunst, in denen Künstler wie Sol LeWitt, Ed Ruscha und Lawrence Weiner in den 1960er und 1970er Jahren ihre seriellen und konzeptuellen Ideen in das Medium Buch umsetzten. Unter Einbeziehung vieler anderer Medien wie Musik, Poesie, Aktionen und Happening sowie durch spontane Improvisationen wurde in der Kunst der Fluxus-Bewegung das übliche Buchformat gesprengt. Vergleichbar einer 'Partitur', spielt hier das Buch als Vermittler eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus ziehen anspruchslose und alltägliche Materialien in Form von Stempeldruck, Stanzungen, Fotokopien, Collagen und mechanischen Drucktechniken in die Sphäre des Buches ein. Es wird zum Experimentierfeld für neue Konzepte. Zugleich wird die Kunst enthierarchisiert und für jedermann erschwinglich. Neben der Freiheit von kommerziellen Zwängen ist es nicht zuletzt die Idee des ‚alternativen Raums, die vor allem in den letzten Jahren junge Künstler_innen dazu veranlasst hat, sich diesem Medium zuzuwenden.

Rebecca Horn. Hauchkörper als Lebenszyklus.

Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg, 24. November 2017 – 2. April 2018

Zyklische Bewegungen prägen viele der Werke Rebecca Horns von Performances der 1970er Jahre über ihre Spielfilme der 1980er bis hin zu aktuellen kinetischen und skulpturalen Werken. Im Zentrum steht der Mensch und seine Seele, der Mensch auch mit seinen dunklen Seiten, mit seinen Apparaturen, die er sich selbst geschaffen hat, der Mensch mit seiner Fähigkeit, seine eigenen Unzulänglichkeiten durch Schönheit zu überwinden. (Abb. Rebecca Horn, Amore Continental, 2008, Privatsammlung, © Rebecca Horn/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Dejan Saric)

Bernd Koberling. Werke 1963 – 2017

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst Duisburg, 17. November 2017 – 28. Januar 2018

Zu sehen sind 80 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten – die Summe eines Malerlebens. In neun Kapiteln wird Koberlings Werk präsentiert, beginnend mit den sogenannten „Überspannungen“ der 1960er Jahre, die ihn bekannt gemacht haben, über die expressiven Gemälde aus der Zeit der „Neuen Wilden“ (1970er/80er) bis in die unmittelbare Gegenwart, in der sich der Künstler noch einmal ganz neu erfindet. Die Arbeiten der letzten zwölf Jahre stehen im Zentrum der Ausstellung. (Abb. Bernd Koberling, Eyrarrós-Klang 10, 2016, Besitz des Künstlers, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Marcus Schneider)

Alexander Kluge. Pluriversum

Museum Folkwang Essen, 15. September 2017 – 7. Januar 2018

Die Präsentation widmet sich Kluges Kernthemen wie der Lebenszeit, dem Zirkus oder dem Cross Mapping. Biografische Besonderheiten und unwahrscheinliche Zufälle stehen dabei immer wieder neben umfassenden Themen wie dem Universum, der Evolution, der Liebe, dem Krieg und anderen Katastrophen. Kluge knüpft unerwartete Zusammenhänge und erforscht durch sie, was den Menschen zum Menschen macht. Für die Ausstellung sind zahlreiche neue Filme entstanden, so die 5-Kanal-Projektion Pluriversum, die um die Filmgeschichte kreist. Zum ersten Mal gewährt Kluge zudem Einblicke in sein umfangreiches Archiv kurzer Filmsequenzen, aus dem er für neue Filme schöpft. Integraler Bestandteil der Ausstellung ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, welches das Zusammendenken im Klugeschen Kosmos erfahrbar macht. (Abb. Alexander Kluge, Filmstill aus: Blick in den Abgrund der Sterne, 2017,© Kairos Film)

Ren Hang

Museum der bildenden Künste Leipzig, 27. Oktober 2017 – 7. Januar 2018

Ren Hang war ein Anhänger der analogen Fotografie. Seine mit einer einfachen Kompaktkamera aufgenommenen Bilder erzählen von Gefühlen, von Beziehungen, von Sehnsüchten, Angst und Einsamkeit der jungen Generation in China. Als Modelle wählte Ren Hang ausnahmslos junge Frauen und Männer – meist seine Freunde. Die Bildkompositionen sind explizit erotisch, doch nie pornografisch. Nackt, in oftmals akrobatischen Posen, mit aufforderndem Blick in die Kamera, sprechen Ren Hangs Bilder eine klare Sprache: Wir sind da. Wir schämen uns nicht. Wir lassen uns nicht unterdrücken. Abgesehen von seiner Vorliebe für die analoge Fotografie war Ren Hang ein Digital Native, der die Öffentlichkeit und Verbreitungsgeschwindigkeit durch die Sozialen Medien zu nutzen wusste. Das alles gefiel der chinesischen Zensurbehörde überhaupt nicht. Die verantwortlichen Kulturpolitiker haben Ausstellung seiner Arbeiten in China untersagt, seine Social Media Accounts abgeschaltet und ihn mehrfach inhaftiert. Die Ausstellung des MdbK ist  die erste umfassende Museumsausstellung seit dem Suizid des Künstlers. (Abb. Ren Hang, Privatbesitz, ©Nachlass Ren Hang)

Pae White. Spacemanship

Saarlandmuseum, Moderne Galerie, 18. November 2017 - 18. März 2018

Zur Wiedereröffnung der Modernen Galerie realisiert Pae White eine spektakuläre Ausstellung: die bisher größte Manifestation ihrer Kunst in Europa, die eigens für diesen Anlass konzipiert wurde. Dabei lotet die Künstlerin auf überraschende Weise die Möglichkeiten aus, die der großzügig geschnittene Erweiterungsbau des Museums bietet. Der hohe, kathedralartige Raum verwandelt sich in ein gewaltiges Gefäß aus  Formen und Farben. Whites Arbeit zeigt eine Kunstform, die Handwerk mit unterschiedlichsten Materialien  kombiniert, die Bilder in die dritte Dimension überführt. (Abb. Pae White: Ausstellungsansicht (Detail), Courtesy Pae White, neugerriemschneider Berlin © Pae White, 2017; Foto: Tom Gundelwein)

Kalibrierung 5. Bild und Wirklichkeit

Sprengel Museum Hannover, 22. November 2017 – 18. Februar 2018

Margret Eicher transformiert Motive und Bildsprache tagesaktueller Medien in großformatige Bildteppiche. Die Künstlerin extrahiert und verdichtet in ihren Sujets Stereotypen aus Politik und Werbung, Zeitschriften, Comics und Film zu digitalen Collagen. Adi Hoesle bezeichnet sich als „Retrogradist“. Über Computerprogramme überführt er Kunstwerke in eine Form, aus der er sie als Tapete produzieren läßt, die dann in großflächiger Applikation ganze Räume füllt. (Abb. Margret Eicher/Adi Hoesle, Kalibrierung 3, 2016, 400 x 2000 cm, Kunstverein Bellevue, Wiesbaden © Margret Eicher/Adi Hoesle)

Takako Saito. You and Me

Museum für Gegenwartskunst Siegen, 12. November 2017 – 18. Februar 2018

Takako Saito (geb. 1929 in Sabae-Shi, Japan) lebt und arbeitet seit 1978 vorwiegend in Düsseldorf. Sie wurde international bekannt durch Objekte, Künstlerbücher, Performances und Aktionen im Kontext von Fluxus. Saitos Interesse gilt der Ding- und Alltagswelt, der sie durch Eingriffe oder kleine Handlungen ihre künstlerische Geste hinzufügt. Naturstoffe wie Steine, Muscheln, Zwiebelschalen oder Kastanien sind neben Papieren, Kunststoffen, Schaumstoffe oder Holzstücken ihre bevorzugten Materialien, die sie in ansprechender Weise gestaltet, um Lust am Umgang mit den Dingen zu wecken, mittels derer sie mit dem Publikum in Beziehung tritt oder das Publikum zu Aktivitäten animiert. (Abb. Takako Saito trägt ein Buch Kleid aus dem Jahre 2000. Museum für Gegenwartskunst Siegen, November 2017. Alle Kleider wurden von Takako Saito für Aktionen und Performances genäht, ©Takako Saito/VG Bild-Kunst, Bonn 2017,Foto: Thomas Kellner)

Lisa Pahlke und Richard Leue. Kopf oder Zahl

MMK 3 Frankfurt,  8. Dezember 2017 — 4. Februar 2018

Die Auseinandersetzung mit der Linie ist kennzeichnend für Lisa Pahlkes (*­1987) großformatige Papierarbeiten, die Assoziationen an abstrakte Landschaftsdarstellungen wecken. Dicht aneinandergereiht ergeben die von der Künstlerin gezogenen Filzstiftlinien organische Strukturen, die Beweglichkeit suggerieren.Im Rahmen seines Ponto-Stipendiums bereiste Richard Leue (*1986) den Nordirak, wo er seine Eindrücke von den Menschen und ihrem Leben festhielt: Seine figurativen Zeichnungen stellen Momentaufnahmen dar, die sowohl die Lebensumstände der Bevölkerung vor Augen führen als auch die konfliktbehaftete Gegenwart des Nordirak, wo heute das sogenannte kurdische Autonomiegebiet angesiedelt ist. Die Jürgen Ponto-Stiftung unterstützt junge Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Die Partnerschaft mit dem MMK ermöglicht es den Stipendiaten aus dem Bereich Bildende Kunst, ihre Arbeiten im MMK 3 auszustellen. Die Stipendiaten des Jahrgangs 2016­/­17 Richard Leue und Lisa Pahlke kommen von der Hochschule für Bildende Künste Dresden. (Abb. Lisa Pahlke, Cavalier, 2017, Courtesy of the artist)

Bharti Kher. Dark Matter

Museum Frieder Burda Baden-Baden, Salon Berlin,  13. Oktober 2017 - 17. Februar 2018

Bharti Kher verbindet in ihrem Schaffen nicht nur unterschiedliche Techniken, Materialien und  Medien, sondern auch  Männliches und  Weibliches,Tierisches  und Menschliches, Heiliges und Profanes, Tradition  und  Technologie.  So  wie  sich  ihr  Werk  mit  alchemistischen oder magischen  Prozessen  assoziiert,  vermittelt  es  zugleich  die  Vorstellung,  dass die menschliche Identität  in ständiger Transformation und Konstruktion begriffen ist. Dabei   experimentiert sie  für  ihre   Skulpturen, Installationen und Bilder mit den divergentesten Materialien: Fiberglas, Holz, Stahl, zerbrochene  Spiegel oder auch Bindis. Diese werden von hinduistischen Frauen als spirituelles Symbol auf der Stirn aufgemalt  oder  geklebt.  Ursprünglich  mit  Weiblichkeit und Religiosität  assoziiert,  sind  Bindis  heute  zugleich  Massenware  und  Modeschmuck.  Kher  verstärkt  in ihren Bindi-Arbeiten beide Aspekte: die Materialität ebenso wie die spirituelle Dimension (Abb. Bharti Kher, Dark Matter MM, 2015,Bindis on painted board, 244 x 183 cm © Courtesy the Artist and Perrotin)

Thomas Feuerstein. Prometheus Delivered

ERES Stiftung München, 11. Januar – 24. März 2018

Der an der Schnittstelle von angewandter und theoretischer Wissenschaft arbeitende Künstler Thomas Feuerstein (*1968, lebt in Wien) verschränkt in seinen Projekten Erkenntnisse aus Philosophie, Kunstgeschichte und Literatur mit Biotechnologie, Ökonomie und Politik. Daraus entwirft er ein künstlerisches Narrativ, das Fragen nach existenziellen Grundparametern eröffnet. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Zersetzung einer Prometheus-Replik nach Nicolas-Sébastien Adam (1762). Protagonisten dieser Verstoffwechselung sind steinfressende (chemolithoautotrophe) Bakterien. Sie verwandeln Marmor zu Gips und werden in einer weiteren komplexen Transformation selbst zur Nahrung menschlicher Leberzellen. Der dem Prometheus-Mythos innewohnende Kreislauf von Zerstörung und Neuerschaffung wird in einem biochemischen Prozess nachgebildet. Endpunkt der Installation ist – in Analogie zum Mythos – ein Bioreaktor, in dem humane Hepatozyten heranwachsen und die schließlich eine neue dreidimensionale Leberskulptur bilden. (Abb. PANDORAMA (KINOSKULPTUR) / PANDORAMA (CINEMA SCULPTURE), 2017, Glaskolben, phosphoreszierender Schleim, Pumpentechnik, Schläuche, Holztisch, Hörspiel (55 Min.) / glass flask, phosporescent slime, pumping technology, tubes, wooden table, radio play (55 min.),160 x 105 cm,© Thomas Feuerstein, VG Bild-Kunst, Bonn)

Vermischtes

Die ESG Paderborn hat einen mobilen Andachtsraum abzugeben, der im Inneren eines Gebäudes genutzt werden kann. Um ihn aufbauen zu können, benötigt man  mindestens 15 m Länge, 4 – 5 m Breite und 2,60m Höhe.  Es handelt sich vom Material her um Dendro-Light-Eichenholz und LKW-Plane. Die MoKi ist demontiert und kann dank einer Aufbauanleitung und eindeutiger Beschriftung ihrer Segmente wieder errichtet werden. Sie bietet sich als Raum im Raum Lösung an, wenn z.B. in einem vorhandenen Raum(ensemble) ein Andachts- oder Gottesdienstraum oder auch ein Raum der Stille neu geschaffen werden soll. Sie kann entweder an einer Decke mitaufgehängt werden oder mittels der mittels Zusatzholzstreben sicher im Raum errichtet werden. Für den Transport braucht man einen Transporter von der Größe z.B. eines MB Sprinters, für den Aufbau  mindestens vier Leute. Kontakt: Dr. Matthias Surall surall@kirchliche-dienste.de

Die St.-Petri-Kirche am Spakenberg in Hamburg (Architekt: Friedhelm Grundmann und Horst Sandtmann, 1963, Ausstattung: Hans Kock) wird ab 2023 wegen stark gesunkener Kirchenmitglieder nicht mehr gemeindlich genutzt. Der Kirchenkreis hatte seine Gebäude nach historischer Bedeutung, Funktionalität und Kosten bewertet. Die St.- Petri-Kirche fiel in die schlechteste Kategorie und bekommt nun keine Fördergelder mehr vom Kirchenkreis. Ohne diese finanzielle Unterstützung muss die Gemeinde sämtliche Kosten allein stemmen. Der Turm der Kirche müsste saniert werden. Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich um die Nachnutzung des Gebäudes kümmern soll, das ein Sandsteinrelief des Künstlers Hans Kock, ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert und eine Schuke Orgel beinhaltet.

Aus dem Denkmalschutzprogramm des Bundes steht eine 80.000-Euro-Förderung für die Sanierung der Fassade der 1957 geweihten Heilig-Kreuz-Kirche in Bottrop bereit.  Sie ist bekannt als eine Inkunabel des modernen Kirchenbaus im Rheinland. Architekt ist Rudolf Schwarz, Glaskünstler Georg Meistermann, Bildhauer Ewald Matare´. Seit 1988 steht das Gesamtkunstwerk unter Denkmalschutz. Seit 2008 wird die Kirche als „Kulturkirche“ für Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen genutzt. Die Fassaden-Sanierung umfasst die Erneuerung der Schutzverglasung, deren Dichtungsmittel schadhaft geworden war. Anschließend werden Glasschäden mit Original-Opak-Gläsern aus der Glashütte Waldsassen ersetzt, in der auch die Ursprungsgläser produziert worden waren. Auch Ziegel in der Fassadenverkleidung müssen erneuert werden. Insgesamt wird die Dauer der Sanierung der Heilig-Kreuz-Kirche auf  zehn Jahre zu Kosten von rund 1,5 Millionen Euro geschätzt. (Abb. Bottrop, Hl. Kreuz (Bild: Edgar El, CC BY SA 3.0)

Die Universität Leipzig weiht mit mehreren Veranstaltungen den Nachfolgebau ihrer vor fast 50 Jahren gesprengten Hochschulkirche ein. Den Beginn der Feiern zur Eröffnung des sogenannten Paulinum markiert ein Festakt für geladene Gäste am 1. Dezember. Die ehemalige Universitätskirche St. Pauli war am 30. Mai 1968 auf Anweisung der DDR-Führung gesprengt worden. Der Freistaat Sachsen hat den Neubau mit rund 117 Millionen Euro finanziert.

Das Projekt »Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen« der hannoverschen Landeskirche richtet sich an die Gemeinden. Man bietet Seminare an und unterstützt Gemeinden beim Umwelt- Management. Ungenutzte Freiflächen werden mit Hilfe von Experten ökologisch aufgewertet. Schon seit Jahrzehnten wissen Naturschützer Friedhöfe als Orte des Artenerhalts zu schätzen. Vor allem alte Begräbnisstätten sind mittlerweile Heimat für viele Tiere wie Habichte, Mäusebussarde oder auch Fledermäuse. In Berlin wurde fast die Hälfte der Brutvogelarten auf Friedhöfen nachgewiesen. Je bunter ein Friedhof gestaltet wird  mit blühenden heimischen Pflanzen, desto mehr Insekten gibt es. Und die wiederum locken als Futterquelle die größeren Tiere an. Glatt polierte Steinplatten, ein Kiesbett oder ein akkurat gestutzter Rasen sind aus der Sicht von Naturschützern wenig sinnvoll.

Die vor 25 Jahren im Habichtswald bei Kassel eingeweihte Künstlernekropole hat dazu beigetragen, dass das Grabmal wieder als Kunstwerk Bedeutung erlangt hat. Derzeit befinden sich auf dem Gelände acht Grabstätten, die von Künstlern, darunter auch der Stolperstein-Künstler Gunter Demnig, zu Lebzeiten gestaltet worden sind.

„Sehnsuchtsorte“ lautete das Thema beim 9. Kunstsymposium der bayerischen Landeskirche im Wildbad Rothenburg. Es ging den Zusammenhängen zwischen persönlicher Sinnfrage und Religion nach und stellte in diesem Zusammenhang das Artist-in-Residence-Programm vor, zu dem das Wildbad seit diesem Jahr Künstler zu Arbeitsaufenthalten einlädt. Im Wildbad werden sie eine dauerhafte Intervention im Gelände setzen. Der künstlerische Schaffensprozess soll sich dabei auf die formalen und inhaltlichen Gegebenheiten des Ortes beziehen, jedoch grundsätzlich experimentell und ergebnisoffen sein. Das erste Kunstwerk ist in diesem Sommer entstanden. Böhler & Orendt entwickelten eine mehrteilige, figurative Skulpturengruppe. Ihr Kunstwerk nennt sich REST ON THE ESCAPE FROM THE CONFRONTATION WITH THE FUCKED-UPNESS OF THE STATUS QUO – Rast auf der Flucht vor der Auseinandersetzung mit der Abgefucktheit des Ist-Zustands. Die Künstler können sich für das »LandArt«-Projekt nicht bewerben, sie werden von Mitgliedern der Fachjury vorgeschlagen. Das Wildbad stellt neben Kost und Logis für die Künstler sowie die Atelierräume jedes Jahr ein Budget von 30.000 Euro zur Verfügung, weitere Gelder kommen aus dem Kunstfonds der bayerischen evangelischen Landeskirche sowie von Sponsoren. Jedes Jahr soll außerdem ein Katalog über die Arbeiten der »Artist-in-Residence« entstehen. (Abb. boehler & orendt)

Zahlreiche Werke der Sammlung der Hamburger Kunsthalle haben Erzählungen der Bibel zum Gegenstand, die sich auch in der Tora und im Koran finden lassen. Diese Kunst gibt den Anlass für den interreligiösen Dialog. ReferentInnen verschiedener Religionsgemeinschaften diskutieren über das Kunstwerk und über grundlegende Aspekte ihrer Religion. Die BesucherInnen erhalten Aufschluss über die Religionen, die in ihrer Stadt präsent sind, und haben die Möglichkeit zur Teilnahme am Gespräch. Ein zentraler Ansatz der Veranstaltungsreihe ist es, die religiöse und kulturelle Vielfalt der Gesellschaft im Museum lebendig werden zu lassen.

Ein neuer Preis für Architekturzeichnung wurde vom World Architecture Festival in Zusammenarbeit mit Sir John Soane’s Museum und Make Architects ins Leben gerufen. Insgesamt drei Kategorien: Hand- bzw. digital angefertigte Zeichnungen und Bilder in Mischtechnik konnten eingereicht werden. Die Zeichnung von Jerome Xin Hao Ng,  Momento Mori: a Peckham Hospice Care Home in der Kategorie Mischtechnik bekam den Hauptpreis. Der Architekturstudent der Bartlett School of Architecture erstellte sie im Rahmen seines Abschlussprojekts. Die Jury lobte die »hervorragend konzipierte und ausgeführte« Zeichnung für ihre technische Perfektion und Sensibilität im Umgang mit dem abgebildeten Raum. Zusätzlich zu den drei Gewinnern wählte die Jury eine Shortlist aus 38 weiteren Beiträgen von Architekten und Designern aus 15 verschiedenen Ländern rund um die Welt. Leider war die Ausstellung nur kurz vom 15. und 17. November 2017 in Berlin zu sehen. Sie ist vom 21. Februar - 14. April 2018 im Sir John Soane’s Museum in London ausgestellt. (Abb. Xin Hao Ng,  Momento Mori: a Peckham Hospice Care Home)

Ein bemerkenswerten Beispiel expressionistischer Architektur sowie seiner künstlerischen Ergänzung und Ausgestaltung durch Malerei, Bildhauerei und Mosaike findet sich auf einem ca. 3 ha großen Heidegrundstück, mitten im Wald gelegen zwischen Jesteburg und Lüllau. Hier verwirklichten Johann Michael Bossard (1874 – 1950) und seine Frau Jutta Bossard-Krull ( 1903 – 1996) ihren Lebenstraum von einer Stätte, an der die verschiedenen Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einer Einheit verschmelzen. Die Europäische Kommission und der europäische Dachverband Europa Nostra haben die Kunststätte Bossard mit dem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe (Europa-Nostra-Preis) 2012 ausgezeichnet. Der sogenannte Tempelzyklus besteht aus zahlreichen Gemälden und vier großen Triptychen und wurde von Johann Michael Bossard für den Kunsttempel entworfen. Der Kunsttempel zählt neben dem Hamburger Chilehaus zu den wichtigsten Bauten des Norddeutschen Backsteinexpressionismus. 

Die Kulturkirchenarbeit der Ev. Landeskirche Hannovers wird durch den  „Fonds Kulturarbeit in Kirchen – Kulturkirchen“ unter dem Dach der Hanns-Lilje-Stiftung gefördert. Die Gelder des Fonds wurden der Hanns-Lilje-Stiftung durch die Landessynode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers zur Verfügung gestellt. Die Hanns-Lilje-Stiftung und landeskirchliche Einrichtungen arbeiten in dem Fonds eng zusammen. Ziel ist die  professionelle und exemplarische Begegnung von zeitgenössischer Kunst und Kultur mit Kirche und Theologie. Der Fonds dient im Bereich der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers von November 2013 bis November 2021  auch dem Aufbau signifikanter Kulturkirchen. Dazu gehören die Pauluskirche Bremerhaven, die Martin-Luther-Kirche Emden, die Markuskirche Hannover  und St. Jakobi in Hildesheim, die jede ein eigenes Profil entwickelt haben.

In der Reihe des Diözesanmuseums Kolumba in Köln  „Kunst ist Seelsorge“ werden Kunstwerke in Beziehung gesetzt zu unterschiedlichen seelsorgerlichen Begegnungsfeldern. Dabei werden von den SeelsorgerInnen je ein bis zwei Kunstwerke ausgewählt, denen die konkrete seelsorgerliche Tätigkeit gegenübergestellt wird. Die Teilnehmenden werden eingeladen, nachzuspüren, wie sich in dieser Begegnung zwischen Kunst und Seelsorge neue Dimensionen im Blick auf Kunst, aber auch auf ihr eigenes inneres Erleben und die menschliche Seele erschließen.

Der 36. Kunstpreis »junger westen«, 2017 ausgeschrieben für Plastik, Skulptur und Installation, geht an Max Leiß. 1982 in Bonn geboren, studierte Leiß zwischen 2006 und 2012 an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und der ENSBA Paris. Die Jury bestimmte nicht nur den diesjährigen Preisträger, sondern schlug auch insgesamt zwanzig KünstlerInnen für die Ausstellung vor, die anlässlich der Preisverleihung am 3. Dezember in der Kunsthalle eröffnet wird. Dotiert mit 10.000 Euro wird er als Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt Recklinghausen alle zwei Jahre vergeben.

Die Freunde der Hamburger Kunsthalle vergaben den Rosa-Schapire-Kunstpreis 2017 an die portugiesische Künstlerin Ana Jotta (*1949).  Jotta erforscht immer wieder neue Techniken, arbeitet mit Stoffen, Stickerei, Ton oder Keramik und lässt sich durch gefundene Objekte und Dinge zu ihren Assemblagen, Collagen oder Installationen inspirieren. Ihre außergewöhnliche Wandelbarkeit und die zahlreichen Ausstellungen der letzten Jahre haben ihr zu internationalem Ansehen verholfen. Der im Jahr 2016 erstmalig mit 20.000 Euro ausgelobte Preis ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen für GegenwartskünstlerInnen in Deutschland. Die Freunde der Kunsthalle e. V. zählen über 18.000 Mitglieder. Sie setzen sich seit ihrer Gründung im Jahr 1923 für die Kunstvermittlung ein und unterstützen die Hamburger Kunsthalle beim Erwerb von Kunstwerken und der Finanzierung von Ausstellungen.

Der Kunstförderverein Donnersbergkreis schreibt ein dreimonatiges Stipendium, „Ländliche Begegnungen“, der bildenden Kunst ausgenommen Bildhauerei) aus. Bevorzugte Zeit für den Aufenthalt in Obermoschel/Pfalz ist Mai – Juli; möglich sind aber auch andere Monate (Residenzpflicht). Das Stipendium ist mit € 1.500,-- dotiert und umfasst freie Nutzung einer Atelierwohnung, Materialpauschale sowie den Ankauf einer Arbeit. Dealine: 28. Feb. 2018. www.kunst-donnersberg.de

Die Bewerbungsfrist für drei Medienkunst-Stipendien am Oldenburger Edith-Russ-Haus für Medienkunst endet am 28. Februar 2018. Es handelt sich um drei Produktions- und Aufenthaltsstipendien zu je 10.000 Euro, mit denen ein breites Spektrum der Medienkunst gefördert werden kann: von Videokunst und netzbasierten Projekten bis hin zu Klang- oder audiovisuellen Installationen. Die Stipendien gelten für eine Dauer von sechs Monaten, von Juli bis Dezember 2018. In diesem Zeitraum sollte die künstlerische Arbeit abgeschlossen werden. Vorgesehen ist dabei eine Residenzpflicht in Oldenburg von mindestens einem Monat. Die Bewerbung ist nur online möglich unter: www.edith-russ-haus.de/stipendien

Mit dem DETAIL Stipendium von fünfhundert Euro monatlich unterstützen die Architekturfachzeitschrift DETAIL und die Schüco International KG  im Jahr 2018 vier engagierte Architekturstudenten. Interessierte Masterstudenten können ihre Entwürfe vom 1. Dezember 2017 bis zum 19. Februar 2018 einreichen. Bewertet werden neben der Kreativität und Qualität der Entwurfsarbeiten auch der Schreibstil und die Überzeugungskraft des Motivationsschreibens sowie das Engagement neben dem Studium. Neben der monatlichen Unterstützung erhalten die Stipendiaten  ein kostenfreies Jahresabonnement der Zeitschrift DETAIL, den Zugang zur Inspirationsdatenbank sowie die Publikation „Gebäudehüllen des 21. Jahrhunderts“. Darüber hinaus profitieren sie von begleitenden Veranstaltungen und dem großen Netzwerk von DETAIL und Schüco. www.detail.de/artikel/detail-stipendium-20182019-jetzt-bewerben-31275/

Der 1984 in Leipzig geborene Maler Benedikt Leonhardt ist 12. Preisträger des Kunstpreises der Leipziger Volkszeitung. Die Bildwelt der digitalisierten Gesellschaft dient Leonhardts Malerei als ästhetisches Bezugsfeld. Flüchtige Eindrücke, verworrene Hintergründe skizziert der Künstler in einem ersten Impuls auf die Leinwand, welcher sich durch den aufwendigen Arbeitsprozess des stetigen Auftragen, Abnehmen oder Übermalen von Farbschichten zunehmend konkretisiert. Benedikt Leonhardt studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in der Klasse von Astrid Klein. Seit 1995 wird der Preis alle zwei Jahre in Kooperation mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig vergeben. Er beinhaltet neben dem Preisgeld eine Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig und einen Katalog. Er wird an junge Künstlerinnen und Künstler vergeben, die mit der Region Leipzig verbunden sind.

Das Mu.ZEE in Oostende organisiert in diesem Herbst zum zweiten Mal eine Kunst-Triennale zu einem maritimen Thema. Der Künstler Jan Fabre ist Kurator. Unter dem Titel „The Raft. Art is (not) lonely“ – „Das Floß ist (nicht) einsam“ setzt sich die Ausstellung mit dem Meer und der Hafenstadt Oostende auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht ein Dialog mit dem Gemälde „Das Floß der Medusa“ von Théodore Géricault, auf dem die Überlebenden eines Schiffbruchs zu sehen sind. Ein Thema, das in Zeiten von Flüchtlingsdramen so aktuell wie selten zuvor ist. Wer Fabre kennt, weiß dass Besucher sich auf einen vielschichtigen Diskurs freuen können, der unter anderem die Frage nach der Rolle des Künstlers als Einzelkämpfer in stürmischen Zeiten aufgreift. Fabre wird verschiedene prominente Orte in der Stadt in die Triennale einbeziehen, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind, darunter das Gericht, die Dominikanerkirche und die Königliche Loge. Insgesamt zeigen 50 Künstler an 30 Standorten ihre Arbeiten. (Abb.Dominikanerkirche Oostende)

Die Kunstausstellung Regionale ist ein grenzüberschreitendes Projekt. Achtzehn Institutionen aus drei Ländern (CH, D, F) zeigen jeweils zum Jahresende künstlerische Positionen aus der Region Basel und des trinationalen Raumes (Nordwestschweiz, Südbaden, Elsass). Das im Jahr 2000/01 ins Leben gerufene Ausstellungsformat dient dazu, einen Überblick über das aktuelle Schaffen zu gewinnen und neue KünstlerInnen aus den Nachbarländern kennenzulernen. Den ausgewählten, teilnehmenden KünstlerInnen wird Gelegenheit gegeben, ihre Arbeiten einem breiten, überregionalen Publikum zu präsentieren. Die Regionale 18 findet vom 24. November 2017-7. Januar 2018 statt.

Das Museum Ludwig in Köln hat donnerstags bis 22 Uhr geöffnet und bietet an diesen Abenden ab 17 Uhr ein Programm aus unterschiedlichen Kultursparten: Konzerte, KünstlerInnengespräche, Führungen, kunst:dialoge, Theater, Lesungen, Tanz, Filme oder Performances eröffnen neue Blickwinkel. Dabei ist der Eintritt in die Sammlung für KölnerInnen ganztägig frei. Für alle anderen gelten die vergünstigte Tarife ab 17 Uhr. Zwischen 1.200 bis 5.000 Besucher kommen inzwischen zu jeder Ausgabe.

Das Fotografie Forum Frankfurt befindet sich in der Braubachstraße 30–32 in Frankfurt. In der Regel werden jährlich vier bis sechs Ausstellungen gezeigt. Die Akademie des Fotografie Forums ermöglicht Experimentieren und Lernen mit international exzeptionellen Fotografen und medienbezogenen Spezialisten. Als offizieller Organisationspartner von RAY Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein Main koordiniert das Forum zusammen mit anderen Partnern  der Region eine Triennale, die sich den internationalen fotografischen Künsten widmet. Das FFF ist eine gemeinnützige Organisation und finanziert sich durch seine Mitglieder, Eintrittspreise, den Verkauf von Büchern und Fotografien, die Stadt Frankfurt und externe Sponsoren. www.fffrankfurt.org

Die Aufnahme der Städelschule in den Kreis der hessischen Hochschulen soll zum 1. Januar 2019 erfolgen. Bis dahin übernimmt die Landesregierung jährlich immer größere Anteile der Finanzierung und entlastet so den Etat der Stadt Frankfurt zur Hälfte, die die Städelschule bisher ausschließlich finanziert hat. Die andere Hälfte der Landesmittel kommt direkt der Städelschule zugute. So investiert die Landesregierung im Jahr 2016 eine Million Euro, dieses Jahr zwei Millionen Euro und im Jahr 2018 drei Millionen Euro in die Lehre. Ab 2019 liegt die Verantwortung für die Städelschule vollständig beim Land Hessen. Z.Zt. hat die Einrichtung etwa 100 Studierende der Bildenden Kunst und etwa 60 Studierende der Architektur.

Im Rahmen der Reihe "Im Vorbeigehen" ist im Wintersemester 2017/18 an der Kath. Privatuniversität KU Linz die Ausstellung "What Past, What Future?" von Silvia Amancei und Bogdan Armanu zu sehen. Seit dem Jahr 2000 wird  pro Semester jeweils ein Kunstprojekt an der KU Linz präsentiert. Unterschiedliche Positionen, Medien und Inhalte sowie die direkte Konfrontation mit Gegenwartskunst ermöglichen Studierenden und Lehrenden des Hauses zusätzlich zum breiten theoretischen Angebot eine weitere Reflexions- und Erfahrungsebene. Unter dem Titel "What Past, What Future?" zeigt das rumänische Künstlerduo Silvia Amancei und Bogdan Armanu im Wintersemester 2017/18 eine Kalenderreihe, die sich mit Bildern vergangener Finanzkrisen auseinandersetzt. Seit 2015 erscheint der "Sexy History Calendar" online als Collage mit Halbakten von ihnen selbst sowie Fotografien historischer Orte und Ereignisse. Diese Kalenderreihe wird im Rahmen der Ausstellung an der KU Linz in Form von Plakaten gezeigt.