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   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart 
Dortmunder Denkanstöße

26. Evangelischer Kirchbautag 2008 zu Ende

 

„Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben zu wenig Ideen.“ So lautet einer der zentralen „Dortmunder Denkanstöße“, die am Samstagnachmittag diskutiert und verabschiedet wurden. „Ich will weg von diesem schrillen Gerede: Die Kirche ist am Ende und verscherbelt ihre Gebäude. Die vielen kreativen Ideen und der produktive Umgang beim Kirchbautag zeigen uns den Weg“, so Helge Adolphsen, Präsident des Kirchbautags.

Denn auch wenn der 26. Evangelische Kirchbautag am Sonntag, 26. Oktober, mit einem zentralen Abschlussgottesdienst endete – die Ideen begleiten die Gemeinden vor Ort weiter, ebenso wie die Fachwelt. Die Kirche „ist und bleibt eine Baustelle“, sagte Präses Alfred Buß. Der Umbauprozess sei „mit wachen Sinnen für das Umfeld und mit klaren Sinnen für Veränderungen“ zu gestalten. Kirchen könnten dann vieles sein: „Heimat des Glaubens, schützendes Dach, Ort des Anstoßes, Herberge auf Zeit“, so Buß.

 

 

Dortmunder Denkanstöße

I

Gesellschaften ändern sich. Gemeinden ändern sich. Wir selbst verändern uns. Kirchen werden gebaut und erhalten.  An ihnen wurde und wird immer weitergebaut. Manche wurden zerstört, andere verfallen. Neue Kirchen werden gebaut. Architektur ist Transformation.

II

Liturgien verändern sich. Auch Kirchbauten verändern sich. Sie sind sichtbare und wandelbare Zeichen für Gott, dessen  Sinnfülle in keinem Zeichen vollständig erfasst wird. Gott können wir hörbar und spürbar erfahren. Aber wir können ihn nicht verdinglichen. Das ist der Maßstab auch für das Bauen, Umbauen und Weiterbauen von Kirchen und Kirchenräumen.

III

Unsere Kirchen gehören nicht uns selbst. Wir sind nicht ihre Eigentümer. Wir sind ihre Treuhänder. Ohne ihre Geschichte haben wir keine Zukunft. Unsere Kirchen sind offen für alle Menschen. Und weil nach unserem Glauben alle Menschen zu Gott gehören und zu ihm gerufen sind, sind unsere Kirchen öffentliche Orte der Transzendenz.

IV

Darum halten wir fest:

  1. Kirchen sind in Jahrzehnten gebaut und über Jahrhunderte hin verändert worden. Der lange Atem und der Mut früherer Generationen können uns heute gelassener machen.
  2. Die Kompetenz des Glaubens und der Kirche für Veränderungsprozesse wollen wir neu entdecken und für die anstehenden Transformationen nutzen.
  3. Die Wiederentdeckung der Kirche als Kulturträgerin und die zunehmende Bedeutung der Kirchengebäude als Erinne-rungsorte für die kulturelle Tradition in unserem Land eröffnen viele Möglichkeiten für die gesellschaftliche Kommunikation.
  4. Kirchen sind religiöse Räume für suchende und bekennende Menschen. Kirchen sind öffentliche Räume für alle Menschen, die im Horizont unserer Kultur leben wollen.
  5. Kirchen bieten Raum für soziale und kulturelle Arbeit am Ort. Sie haben eine wichtige Aufgabe für soziales Handeln in der Gesellschaft als Auftrag des Evangeliums.
  6. Darum stehen Kirchengebäude nicht nur in kirchlicher, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung. Mit früheren Kirchbautagen betonen wir erneut, dass sich diese Aufgabe auch in Kooperationen und gemeinsamen Finanzierungen mit allen politisch, wirtschaftlich und kulturell Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen verwirklicht. Das gilt  insbesondere für den Denkmalschutz.
  7. Die unvermeidliche Konzentration auf Geld und Wirtschaftlichkeit soll mit der Suche nach kreativen Lösungen, gelingenden Kooperationen und zukunftsweisenden Experimenten einhergehen.
  8. Kirchenräume gewähren vielen Menschen eine „spirituelle Heimat“. Sie bieten große Chancen, die Sinnschätze der christlichen Tradition wahrzunehmen. In ihnen erfahren Menschen zugleich Geborgenheit und Mut zum Aufbruch.
  9. Die Gestaltung von Kirchen als Profilkirchen (z. B. Musik-, Kunst-, Diakonie-, Jugendkirchen…) in Ergänzung zu Gemeindekirchen ist in der Verantwortung für das Evangelium zukunftsweisend.
  10. Am Bestand weiter zu bauen  und neue Kirchen zu planen, ist ein Zeichen der Hoffnung.
  11. Wir haben nicht zu viele Kirchen, wir haben zu wenig Ideen.