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"... Man könnte das eine religionstherapeutische Arbeit der Kunst an den Bildern von Gott nennen. Und so, religionstherapeutisch, sehe ich auch die Arbeit von Thomas Putze heute, hier im Gottesdienst in der Universitätskirche in Marburg.
Auch ein Kirchenraum gibt ein bestimmtes Bild von Gott wieder. Die Atmosphäre ist feierlich und festlich, sie vergegenwärtigt einen Eindruck von Größe, Macht und Herrlichkeit Gottes, aber sie hat auch etwas von einer starren, hierarchischen Ordnung, die keinen Raum lässt für alternative Spielzüge. Die Arbeit von Thomas Putze empfinde ich als Arbeit an dieser Tendenz des Raumes Alternativen auszuschließen und die Gemeinde auf ein wahres und richtiges Bild von Gott festzulegen. Die immobilen Bilder von Gott, die Atmosphäre in Kirchenräume, die ein lebendiger Ausdruck gelebter Religion sind, können leicht zu ihrem Gefängnis werden - es denn die Räume werden mit Alternativen konfrontiert und die geschlossen Form wird immer wieder neu aufgebrochen.
Die erste Idee von Thomas Putze, bevor er die Kirche gesehen hatte, war eine passionale, heftige, laute, gewaltsame Performance gewesen, ein dramatisch-starker Ausdruck. Als er dann die Kirche sah, war klar, dass der Kirchenraum etwas anders braucht, weil er das shcon selber ist. Und so kam ihm die Idee die geschlossene Form des Raumes mit einer fragilen, leichten Bewegung auszubalancieren. Der machtvollen Glaubensgewißheit in diesem Raum ein Suchen und Tasten, immer auf Messers Schneide, zur Seite zu stellen. Und so verstehe ich auch den Titel der Performance „Durchzügler“ - als Arbeit des Künstlers an den verfestigten Bilder, die wir von Gott haben. Eine Bewegung, die bei keiner einmal erreichten Gewißheit, keinem festen Stand verharrt, sondern immer weiter balanciert, von dem einmal erreichten Bild zum nächsten Bild, das für diesen Augenblick des bestmöglichen Ausdruck Gottes bietet – und so weiter. Gott haben wir nur in Bildern, aber keine Bild erfasst die Sinnfülle, die wir mit Gott haben..."
Thomas Erne
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Thomas Putze, Bildhauer aus Stuttgart, ist ein Künstler mit einem Zauberstab. Was er findet, verwandelt sich unter seinen Händen in Kunst. Er zaubert aus Schrott und rohen Pfählen mit der Motorsäge ein Panoptikum an Figuren, die verletzlich sind, skurril, witzig, anrührend, und deren Charme sich niemand entziehen kann. Thomas Putzes Kunst ist sinnlich, körperlich und kraftvoll. Und er kann provozieren, Sauställe 2006, Frauenknast 2007, die Elefantenrunde 2007 sind wilde Arbeiten, voller anarchischer Lust. Spektakulär sind auch seine Performances, die Kletteraktionen, die Interventionen mit der Elektrogitarre.
Thomas Putze ist der erste Künstler in der Reihe Liturgy Specific Art des EKD-Instituts für Kirchbau und kirchliche Kunst der Gegenwart in Marburg. Da in der Gegenwartskunst die performativen Formen ein starkes Gewicht bekommen haben, legt es sich nahe Kunst und Religion im Medium der Performance aufeinander zu beziehen.
Im Gottesdienst am 29. Mai 2011 um 10 Uhr hat Thomas Putze in der Universitätskirche mit seiner Kunst- Performance "Durchzügler" auf die Religions-Performance des Gottesdienstes reagiert. Anschließend war um 11.15 die Eröffnung der Ausstellung mit seinen Skulpturen und Zeichnungen in den Räumen des Instituts in der Alten Universität, Lahntor 3, 35032 Marburg.
Homepage des Künstlers:
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart