Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Transformation des Visuellen
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Transformation des Visuellen

Aktuelles

23. Juni 2010 um 18.30 Uhr im Konzertsaal des Ernst-von-Hülsen Haus

Prof. Dr. Martin Warnke spricht über "Trivialisierungen des Herrscherbildes in der Neuzeit".

Nähere Information finden Sie hier!

Strukturiertes kultur- und medienwissenschaftliches Promotionsprogramm der Philipps-Universität Marburg

Bernini
Gormley Bernini
Gormley

1. Themenschwerpunkt

"Transformationen des Visuellen" bezeichnet den verbindenden Aspekt unter dem sich Promovierende und Lehrende der Fachbereiche 03, 05 und 09 aus den Fächern Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Europäische Ethnologie sowie praktische und systematische Theologie in einer offenen Kollegstruktur ein gemeinsames kultur- und medienwissenschaftlich ausgerichtetes Programm entwickeln, das geeignet ist, die Diskussion unter den Beteiligten zu fördern und ihre wissenschaftliche Arbeit wechselseitig zu befruchten.

Das gemeinsame Interesse des Kollegs liegt auf dem theoretischen und methodischen Umgang mit Visualität und dem Visuellen in unterschiedlichen Argumentationszusammenhängen. Ins Blickfeld werden besonders die Übersetzungsprozesse genommen, die jeweiligen technischen Bedingungen der medialen Transformation und die dadurch generierten Wissensinhalte und Praktiken. Besonders zu berücksichtigen sind intermediale Prozesse, Umgestaltungen von Sichtbarem in andere Formen von Sichtbarkeiten, Übersetzungsprozesse und Verbildlichungen wie auch die Archivierungsfunktionen visuellen Materials.

Um die interdisziplinäre Öffnung des Konzepts zu gewährleisten soll die seit mehr als einem Jahrzehnt in den Kunst- und Kulturwissenschaften geführte Debatte um „Bildlichkeit“ bzw. um einen „pictorial turn“ oder „visual turn“ in einer spezifischen Weise gewendet werden, indem nicht das „Bild“, sondern Visualität und ihre Effekte thematisiert werden. Im Fokus steht die Beschreibung und Erforschung jener Prozesse, die involviert sind, wenn Sachverhalte, Ideen, Ideologien in visueller Form ausgestaltet werden, bzw. wenn umgekehrt Visuelles in eine andere mediale Form übertragen wird und unterschiedliche Wissensformate erzeugt.

Die interdisziplinäre Gruppe gibt Gelegenheit, gerade auch Fachgrenzen angesiedelte Themen in geeigneter Form zu diskutieren und vergleichend nach der Bedeutung und den Bedingungen des Umgangs mit dem Visuellen in den verschiedenen Fachdiskursen gefragt werden: Systematisch-theoretische Überlegungen aus der Theologie können mit kulturwissenschaftlich-historischen Ansätzen zusammengeführt werden und in medientheoretischer und mediengeschichtlicher Hinsicht reflektiert und beschrieben werden.

Die auf vier Jahre angelegte Arbeit im strukturieren Promotionsprogramm dient zugleich der Konzeption eines bewilligungsfähigen Antrags für ein DFG-Graduiertenkolleg und/oder weiterer Forschungsprojekte. Die Fächerverbindung und Ausrichtung wird in dieser Form bislang in keinem der geförderten Graduiertenkollegs gepflegt. Im Gegensatz zu dem seit 2003 laufenden Gießener Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse“, das auf die nationenübergreifende Repräsentation von historischen Ereignissen zielt oder das Weimarer Kolleg „Mediale Historiographien“, stellt das Marburger Kolleg den Versuch dar, die Dimension des Medialen als anthropologischer Grundkonstante zu erfassen.

2. Arbeits- und Organisationsplan

Das auf vier Jahre angelegte strukturierte Promotionsprogramm versteht sich als Vernetzungsinstanz von DoktorandInnen unterschiedlicher Fachrichtungen. Es ist die Promotionsarbeit begleitend angelegt und dient vor allem der Fokussierung und Reflexion des individuellen Themas, des wissenschaftlichen Dialogs, der inhaltlichen Verortung im übergreifenden Thema sowie der Vernetzung mit der nationalen und internationalen Forschung. Das strukturierte Promotionsprogramm will die individuelle Betreuung verbessern und eine neue Qualität in der Promotion anstreben.

Blinder Fleck
Matrix

Das Programm wird strukturiert nach Workshops mit und ohne Gästen, hochschulöffentlichen Vorträgen (Gäste), Tagungen und internen Arbeitsgruppen. Das Themenspektrum ergibt sich aus den jeweiligen Interessen der Beteiligten.

3. Fachperspektiven

Aus der Perspektive der beteiligten Fächer ergeben sich folgende Bereiche innerhalb derer die Forschungstätigkeit der DoktorandInnen zu verorten sind.

Medienwissenschaftliche Perspektiven

Im Rahmen der Diskurse über Intermedialität, Hybridisierung, Medienkonvergenz sollen Aspekte der Medienverschmelzung wie auch der Ausdifferenzierung von Mediensystemen behandelt werden, die eine erhebliche Auswirkung auf deren visuelle Ausgestaltung besitzen. Eine der zentralen Überlegungen im Hinblick auf Visualität betrifft dabei die Übergangs- und Neuformierungsprozesse innerhalb unterschiedlicher Mediensysteme. Diese lassen sich unter historiographischen, methodologischen und medientheoretischen Aspekten fassen. Ein Fragenfeld betrifft bspw. wie angemessene Theoriemodellen auf historische und zeitgenössische Medienentwicklungen reagieren. Dabei ist zugleich zu reflektieren, dass mediale Prozesse jeweils in sozialen Kontexten situiert sind und dort wiederum im Rahmen von „Politiken des Visuellen“ ihre Wirkungen entfalten. Kunstwissenschaft  – Geschichte und Theorie der Bildmedien Die bildkünstlerische Produktion basiert auf der kontinuierlichen Verarbeitung von visuellen und anderen kulturellen Vorgaben, die wiederum in visueller Form erscheinen. In diesen Prozess, der sich in einem visuell sich erschließenden und in diesem weiten Sinn „ästhetischen“ Gegenstand niederschlägt, ist auch die Historiographie auf vielfältige Weise involviert: Erinnerung erfolgt in kontinuierlicher Umgestaltung dessen, was erinnert wird, neu zu schaffende Objekte werden in Orientierung an den tradierten Artefakten neuen Formen der Erfahrung angeglichen und erscheinen in neuen Kontexten. Im Blick auf diese Prozesse sollen die Gegenstände, Vorgänge und Institutionen, in Verbindung mit den damit verbundenen bedeutungs- und wertestiftenden, d. h. politischen Prozessen thematisiert werden. Besonders ist die jeweilige Form des Visuellen zu erkunden, die als Medium der Erinnerung und zugleich der Gegenwartsgestaltung erscheint. Ins Spiel kommen alle Formen der Präsentation und kulturellen Umgestaltung, des Speicherns, der Archivierung und Aktivierung des Visuellen in technischer und institutioneller Hinsicht. Besondere Schwerpunkte mögen die Formen der ästhetischen Inszenierung, der Verwissenschaftlichung und der Popularisierung sein.

Masaccio, Vertreibung aus Paradies 1427
Brigitte Maria Mayer, Vertreibung aus dem Paradies 2001

 

Kulturanthropologische Perspektive

Die Beschäftigung mit dem Alltag aus Innensichten, wie sie den Ansatz kulturanthroplogischer Forschung kennzeichnet, hat sich seit den volkskundlichen Anfängen (Andachtsbildchen, Hausornamente, Tätowierungen aber auch z.B. Klozeichnungen) auf Visualität und deren Auswirkungen für die Lebenswelt konzentriert. Es gilt zum einen die Auswirkungen der technischen Umbrüche in der Massenkultur (Repräsentation von eigenen und fremden "Welten" in kommerzielle Fotographie, Film & Fernsehen, Illustrierten und bebilderten Büchern, Comics etc.) zu bedenken, aber auch die Auswirkungen in individuellen Bereich mit zu reflektieren (z.B. Familien- und Hochzeitsfotos, Super-8-Film & Videos solcher Ereignisse, Handy-Bilder). Im Anschluss an Vilém Flusser wäre das technische Bild als "Staudamm der Geschichte" - die Bilder werden wichtiger als die Ereignisse - im neuesten Umbruch der digitalen Welt (Internet, Konsolen & Computerspiele, Plattformen wie Facebook, SchülerVZ) einer kritischen Würdigung (Aufhebung der Linearität der Schriftlichkeit) zu unterziehen und wissenschaftliche Antworten auf die digitale Herausforderung zu leisten

Religionsphilosophische und theologische Perspektive

Trotz stets wiederkehrender ikonoklastischer Attacken übt die Visualisierung religiöser Gehalte auf das Christentum im Laufe seiner Geschichte eine außerordentliche Anziehungskraft aus. Diese Spannung ist in der Grundparadoxie religiöser Visualisierung begründet, denn sie zielt auf die Darstellung des Undarstellbaren. Die Geschichte des Christentums ist dabei selbst als eine stetige Transformation des Visuellen zu lesen. An ausgewählten Transformationsschüben gilt es diese Grundparadoxie genauer zu beleuchten, davon darf man sich gleichermaßen Aufschluss über die Transformationen des Visuellen und das Wesen der Religion erwarten.

                                                                                                                                 hl 5.01.2010

Beteiligte HochschullehrerInnen (Marburg)

Prof. Dr. Karl Braun (Europäische Ethnologie/ Kulturwissenschaft, FB 03)

Prof. Dr. Andreas Dörner (FB 09, Medienwissenschaft)

Prof. Dr. Thomas Erne (FB 05, Praktische Theologie, Institut für Kirchenbau und Kirchliche Kunst der Gegenwart)

Prof. Dr. Angela Krewani, Sprecherin, (FB 09, Medienwissenschaft)

Prof. Dr. Jörg Lauster (FB 05, Systematische Theologie und Religionsphilosophie)

Prof. Dr. Hubert Locher, Sprecher, (FB 09, Kunstgeschichte/Bildmedien, Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte)

Kooperationspartner (Siegen)

Prof. Dr. Josef Imorde (Universität Siegen, Kunstgeschichte)



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