Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Newsletter Nr. 107
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Newsletter Nr. 107

Lieber Leserin, lieber Leser,

im 107. Newsletter des Instituts für Kirchenbau und Kunst der Gegenwart  haben wir wie immer Veranstaltungen und Meldungen aus dem Schnittfeld von Kunst, Kirche, Architektur zusammengestellt, z. T. im benachbarten Ausland, da ja Ferienzeit ist.

Meldungen für den September- Newsletter können Sie uns bis zum nächsten Redaktionsschluss am 28. August 2017 zusenden.

Bitte haben Sie Verständnis, wenn später eingehende Meldungen nicht mehr berücksichtigt werden können, bzw. dann erst im folgenden Newsletter.

Einen schönen Sommer und gute Erholung in der Urlaubszeit!

 

 

Mitteilungen aus dem Institut

Studierende und Lehrende der Architekturfakultäten Dresden, Kaiserslautern und München zusammen mit Theologen aus Marburg trafen sich vom 19. - 24. Juli in Wittenberg zu einer Sommer School. Es ging um die Zukunft von Kirchengebäuden und auratische Orte in der Stadt. 

Studentische Arbeiten zu ausgewählten Kirchengebäuden wurden präsentiert und diskutiert, Thesen entwickelt.  Zusätzlich wurden in einer praktischen Stegreifübung in drei leerstehenden Ladenlokalen und einer Schrebergartenkolonie in Wittenberg auratische Orte geschaffen.

 Angeleitet und inspiriert wurden die angehenden Architekten und Pfarrer von renommierten Architekten und Fachleuten des Kirchenbaus,  die durch Kommentare und Kritik, Vorträge und Diskussionen sich über Gestaltung und Nutzung der Kirchen von morgen austauschten.

Fragen und Beteiligung von Besuchern und Flaneuren in der Reformationsstadt Wittenberg waren immer willkommen.

Daneben zeigte die Wüstenrot-Stiftung als Mitveranstalter und Sponsor die Gewinner des Wettbewerbs „Kirchengebäude und ihre Zukunft – Sanierung | Umbau | Umnutzung“ in einer umfänglichen Tafelausstellung. 

Am Ende wurden mehrere jurierte Preise vergeben, die die jungen ArchitekInnen und TheologInnen motivieren und an eine lebhafte Kirchenbau-Woche in Wittenberg erinnern sollen.

 

 

 

Ausstellungen / Veranstaltungen

Offenes Atelier Bögenausmalung

ein Kunstprojekt zur "ReFORMation in der christlichen Bilderwelt"

Kulturkirche St. Stephani Bremen,  15. Juni -  13. August 2017

Die Bögen im Hauptschiff von St. Stephani öffneten einst den Raum zu den Seitenschiffen. Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg wurden sie zugemauert. Zum vierten Mal gestalten neun Bremer Künstler/innen die acht Blindbögen neu und setzen sich mit dem Thema 500 Jahre Reformation auseinander. Das offene Atelier lädt ein zum Begleiten dieses Prozesses und zum Austausch mit den Künstlern. KünstlerInnen: Sabine Schellhorn, Johann Christian Joost, Monika Meinold, Herwig Gillerke, Bogdan Hoffmann, I.-Katharina Addicks, Svenja Wetzenstein, Marina Steinacker und Susanne Katharina Willand.

Honiglieferant, Sozialwesen, Kunstobjekt.

Kunst-Raum-Akademie Tagungshaus Weingarten, 21. Mai – 24. September 2017

Arbeiten von Jeanette Zippel mit Bienenwachs, Honig und Werken, die aus der Berührung der Künstlerin mit und durch die Bienenwelt entstanden sind: Objekte, Zeichnungen, Malerei, Video. Eine Werkstatt mit Flüchtlingen zum Thema Bienen ergänzt das Projekt. 

"Heilige Reden" - Duographien von Klaus Zolondowski

Ev. Zentrum Berlin, 10. Mai - 25.August 2017

Klaus Zolondowski druckt seine kraftvollen Holz- und Linolschnitte auf Papiere, auf denen schon vor Jahrhunderten erstmals Zeichen gesetzt wurden. Mit seinen Duographien erweckt der Berliner Künstler über 250 Jahre alte Predigten aus der Zeit des Barock zu neuem Leben: „Ich wollte das alte Büttenpapier mit seinen geheimnisvollen Spuren vergangener Zeiten und verschnörkelten Frakturschriften zu einem visuellen Resonanzboden für eine ausdrucksstarke Gegenwartskunst machen und die oft vergessenen Bücher so auch zu neuem Leben erwecken. Klaus Zolondowski wurde 1951 in Waltrop/Westfalen geboren. Er war Meisterschüler von Kuno Gonschior, studierte Malerei an der Hochschule der Künste Berlin. Seit 2007 ist er Dozent an der Akademie für Malerei in Berlin. (Abb. Klaus Zolondowski / Stiftung St. Matthäus)

Zeig mir was Du glaubst.

Religiöse Vielfalt in Charlottenburg und Wilmersdorf

Villa Oppenheim Berlin, 20. Mai - 5. November 2017

Charlottenburg-Wilmersdorf besitzt eine lange Tradition als ein Ort, an dem unterschiedliche Glaubensrichtungen sich begegnen. Heute existieren mehr als 70 Gemeinden und Glaubensgemeinschaften im Bezirk, Menschen aus über 100 Ländern mit verschiedenen kulturellen und religiösen Wurzeln leben hier. Neben der Vielfalt der Glaubensrichtungen prägen auch deren Sakralbauten das Bild des Bezirks: Vom expressionistischen Backsteinbau über die älteste erhaltene Moschee Deutschlands und die Russisch-Orthodoxe Kathedrale, Freikirchen und Nationalkirchen, islamische Gemeinden und buddhistische Zentren, manchmal prominent sichtbar, manchmal eher im Verborgenen. Vorträge, Führungen, Konzerte begleiten die Ausstellung.

Ecce homo. Gottesbilder in der zeitgenössischen Kunst

Fränkisches Museum Feuchtwangen, 27. April - 20. August 2017

Gott als Mensch ist den Menschen und den darstellenden Künsten näher als eine abstrakte Gottesvorstellung mit  Abbildungsverbot. So existiert bis in die Gegenwart eine Vielzahl von Gottesdarstellungen. Ecce Homo, Gott ist Mensch. Er steht vor einer Menschenmenge. Er wird gedemütigt, verspottet, gefoltert, und als wenn dieses Menschliche noch unterstrichen, noch deutlicher gemacht werden soll, sagt Pontius Pilatus zur schreienden Menge: „Siehe, der Mensch“ (Joh 19,5).  Weil Gott hier ein Mensch ist, der so menschlich erscheint wie jeder Mensch, weil er Schmerzen hat und leidet, wird er zur idealen Projektionsfläche für die Kunst. Besonders im 20. Jahrhundert wird das Ecce Homo-Motiv als Bild für das Leiden und die Entwürdigung des Menschen durch Gewalt und Krieg in seiner Bedeutung erweitert. Die Figur des verspotteten und geschundenen Christus eignet sich, um Ausgrenzung und Gewalt zu thematisieren. (Abb. Dina Draeger, Jesus Christ Superstar)

Hans Schwipperts Gesamtkunstwerk für die Hedwigskathedrale Berlin

Hegenbarth-Sammlung Berlin, 29. Juni – 8. September 2017

St. Hedwig, der erste katholische Kirchenbau in Berlin, wurde errichtet nach Skizzen Friedrichs des Großen, inspiriert vom Pantheon in Rom. Die Bauausführung erfolgte nach Plänen des Erbauers der heutigen Staatsoper unter den Linden, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Geweiht wurde die Kirche 1773. Der Bau brannte 1943 nach einem Luftangriff aus, nur die Außenmauern blieben stehen. Der Innenraum wurde dann nach Entwürfen des  Düsseldorfer Architekten Hans Schwippert neu gestaltet und 1963 vollendet. Die künstlerischen Beiträge, die eigens dafür gefertigt wurden, bilden ein einmaliges ästhetisches Gesamtkunstwerk. Josef Hegenbarth schuf eine Kreuzwegfolge für die Unterkirche, der international anerkannte Ost-Berliner Metallbildhauer Fritz Kühn fertigte Raumelemente, die Textilkünstlerin Margaretha Reichardt, ausgebildet u.a. am Bauhaus Dessau einen Wandteppich, der Glaskünstler Anton Wendling die Kirchenfenster, die Goldschmiede Fritz Schwerdt und Hubertus Förster Altarschmuck und liturgisches Gerät. Der Ausbau wurde finanziert durch viele Spenden aus Ost und West. Mit künstlerischen und gestalterischen Mitteln gelang es Schwippert, seine Vision von religiöser, gesellschaftlicher und politischer Freiheit mit starker Symbolkraft mitten in der ostdeutschen Hauptstadt zum Ausdruck zu bringen. Das Erzbistum Berlin verfolgt nun Pläne,  den Innenraum umzugestalten. Die Unterkirche soll geschlossen werden. Die private Hegenbarth Sammlung Berlin bietet mit der Kabinettausstellung, Führungen, Gesprächen und Veranstaltungen ein Forum für Information, Austausch und Begegnung.

Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster

LVR Landesmuseum Bonn, 29. Juni 2017-28. Januar 2018

650 Klostergründungen der Zisterzienser in 150 Jahren: Im Rheinland, in der Eifel und im Westerwald errichten sie kurz nacheinander 5 Abteien, die zu den frühesten Gründungen außerhalb Frankreichs gehören. Mit über 200 kostbaren Ausstellungsobjekten aus ganz Europa erzählt die Ausstellung die Erfolgsgeschichte dieses außergewöhnlichen Ordens. Vom späten 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts überzieht der sogenannte Konzern der Weißen Mönche wie ein Netzwerk den Kontinent und entwickelt sich zu einem der mächtigsten Verbände der Christenheit und zu einem dynamischen Element der europäischen Zivilisation. Die Ausstellung konzentriert sich auf die mittelalterliche Blütezeit des Ordens. Zahlreiche Objekte wurden eigens für die Ausstellung restauriert und machen zusammen mit Modellen, CAD-Rekonstruktionen, Medienstationen die Klosterwelt präsent. Altäre, Skulpturen, Buchmalereien, Textilien, Reliquienbehältnisse von hohem künstlerischen Rang wurden herbeigeholt. Begleitende Publikationen sind erschienen. www.landesmuseum-bonn.lvr.de

Luther, Kolumbus und die Folgen. Welt im Wandel 1500–1600

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 13. Juli – 12. November 2017

Die Ideen und Entdeckungen von Martin Luther (1483-1546), Christoph Kolumbus (um 1451-1506) und Nikolaus Kopernikus (1473-1543) haben die bis dahin bekannte Welt zu Beginn des 16. Jahrhunderts durcheinandergebracht. Die „Entdeckung“ eines neuen Erdteils, die Reformation der Kirche und die  Vorstellung eines  heliozentrischen Weltbilds stellten grundlegende Vorstellungen in Frage. Wissenschaftler entdecken mit dem neu erfundenen Fernrohr einen neuen Kosmos und blicken per Autopsie in das Innerste von Menschen, Tieren und Pflanzen.  Rund 200 Exponate veranschaulichen das dramatische Nebeneinander von  Aufbruchstimmung und Endzeitangst, von Wissensdurst und Neugier-Verbot, das die Umbruchjahre zur Neuzeit prägte.(Abb. Cornelis Jacobsz van Culemborch: Eisberg am Pier von Delfshaven, 1565, Malerei auf Holz, 78x 135, cm, Museum Rotterdam Van de Stad,Dauerleihgabe der Koninklijk Oudheidkundig Genootschap, Amsterdam)

Die Menagerie der Medusa.

Otto Marseus van Schrieck und die Gelehrten

Galerie Alte & Neue Meister Schwerin, 7. Juli - 15. Oktober 2017

Der Amsterdamer Maler Otto Marseus van Schrieck (1619/20 – 1678) ist Hauptvertreter des von ihm entwickelten Waldbodenstilllebens. Die in Nahsicht wiedergegebenen Pflanzen und Tiere entstanden vor dem Hintergrund zoologischer und botanischer Wissbegier. Akribische Studien nach lebenden und präparierten Tieren und Pflanzen bereiteten die Werke vor. Die eigene Zucht von Reptilien und anderen Tieren bot die Möglichkeit gründlicher Beobachtung. Marseus van Schrieck erlebte in Florenz 1657 die Gründung der Accademia del Cimento, die sich der Untersuchung des Kosmos mit den neuen technischen Möglichkeiten von Mikroskop und Teleskop verschrieben hatte. Er reiste in England, Frankreich und Italien und wurde mit bedeutenden Gelehrten bekannt. Die Ausstellung zeigt anhand von Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafik, Büchern und Instrumenten das Verhältnis von Kunst und Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert. (Abb.Otto Marseus van Schrieck, Blauen Winden, Kröte und Insekten (Detail), 1660, Öl auf Leinwand, 54 x 68 cm, © Staatliches Museum Schwerin, Foto: Elke Walford)

Handwerk wird modern. Vom Herstellen an Bauhaus

Bauhaus Dessau, 13. April 2017 – 17. Januar 2018

Die Ausstellung erzählt die Geschichte und Funktion der Werkstätten aus der Perspektive des Handwerks, einer Kategorie, die schon am Staatlichen Bauhaus in Weimar Gegenstand einer lebhaften Auseinandersetzung war. An der konkreten Werkstattpraxis wird gezeigt, aus welchem vielseitigen Spannungsfeld jener Zeit das Handwerk am Bauhaus als Utopie aber auch in Koexistenz zur Industriekultur definiert wurde. Über Skizzen, Unterrichtsaufzeichnungen, Materialstudien, Objekte, Fotos und Dokumente erfährt der Besucher vom Entwerfen, Machen und Herstellen am Bauhaus. Aktuelle Designpositionen treten in der Ausstellung in einen Dialog zum modernen Handwerk am Bauhaus. (Abb.Thomas Meyer/Ostkreuz) Hinweis auf einen neuen Roman über das Bauhaus: Die Blaupause von Teresia Enzensberger, Hanser Verlag.

Anna webt Reformation. Ein Bildteppich und seine Geschichten

Museum Europäischer Kulturen, 14. Juli 2017 bis 28. Januar 2018

Der Teppich, der in der norddeutschen Region Dithmarschen im Jahr 1667 anlässlich des 150. Jahrestages der Reformation entstand, führt den Betrachter in die historische Alltagswelt seiner Stifterin Anna Bump. Die textilen Bilder offenbaren die zeitgenössische theologische Weltsicht. Die handwerkliche Arbeit spiegelt flämische und nordniederländische Einflüsse wider, da viele, die wegen ihres Glaubens fliehen mussten, in Norddeutschland eine neue Heimat fanden und ihre Fähigkeiten mitbrachten. Weitere wertvolle zeitgenössische Objekte aus frühem Kircheninventar der Region, textile Vergleichsstücke sowie verschiedene Objekte der Alltagskultur komplettieren die Ausstellung. (Abb. Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation (Detail) © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia)

Textildesign. Vom Experiment zur Serie

Kunstgewerbemuseum Schloß Pillnitz Dresden, 1. Juli - 5. November 2017

Die Ausstellung zeigt anhand von Arbeiten von Studierenden und Absolventen der Burg in Halle sowohl experimentelle Arbeiten, wie solche die erfolgreich seriell und industriell produziert werden. Durch Experimente werden überkommene Techniken weiter entwickelt: Können aus recycelten Kunststoffen wie einer handelsüblichen PET-Flasche nachhaltig produzierte und vor allem tragbare Stoffe werden? Ist Kleidung aus einem 3D-Drucker ein absurdes Experiment oder in naher Zukunft reif für die industrielle Serienfertigung? Was sind „Smart Textiles“? Und welche Inspiration birgt die Beschäftigung mit fremden Kulturen für die Arbeit mit Textilien? (Abb. Textildesign aus Kiefernnadeln Experiment Design Katharina Jebsen, Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Foto: Matthias Ritzmann)

Beate Kuhn. Keramiken

Pinakothek der Moderne München, 14. Juli  – 19. November 2017

Mit ihrer unverkennbaren Handschrift und ihrer unerschöpflichen Fantasie gehört Beate Kuhn (1927-2015) zu den bedeutendsten deutschen Keramikerinnen nach 1945. Ausgehend von Gebrauchskeramik entstanden Gefäßplastiken. Bereits Ende der 1950er Jahre wandte sich Beate Kuhn der freien Kunst zu. Ihre aus Drehteilen montierten und farbig glasierten Objekte entwickelte die international hoch geschätzte Keramikerin aus den genuinen Mitteln und Techniken der Töpferei. Mit rund 190 Arbeiten aus allen Schaffensperioden konnte der Mannheimer Architekt Klaus Freiberger eine weltweit einmalige Sammlung zusammentragen. Der Sammler vermachte diese Arbeiten dem Münchner Museum. (Abb. Beate Kuhn: Objekt „Kleine Familie im Halbkreis“, 1988, Porzellan und Steinzeug, Foto: A. Laurenzo)

Michael Kienzer. Lose Dichte

Gerhard-Marcks-Haus Bremen, 2. Juli – 12. November 2017

Seine Objekte sind Konstruktionen aus alltäglichen Gegenständen. Aus industriell vorgefertigten Materialien wie Aluminium, Stahl, Textilien, Gummi und Glas komponiert Kienzer raumgreifende Skulpturen, die von Schwerkraft, Statik, Gewicht, Gleichgewicht oder Kontrasten handeln. Mit Mitteln der Verschnürung, Verknotung und Verspannung schafft er Verbindungen zwischen Dingen und Materialien und legt damit offen, dass die wechselseitigen Beziehungen der Elemente, die Art, wie sich ihr Dazwischen gestaltet, den Charakter eines Kunstwerks ausmachen. (Abb. Szene, 2014, Aluminium, Stahl, Foto: Tom Klengel)

Adolf Erbslöh-der Avantgardemacher

Von der Heydt-Museum Wuppertal, 11. April –20. August 2017

Adolf Erbslöh (1881 -1947)ist die umfassende Werkschau gewidmet, die seine kraftvoll leuchtenden Gemälde neben Werken seiner Künstlerfreunde in den Mittelpunkt rückt. Denn der aus Wuppertal stammende  Erbslöh war es, der die Künstler der Münchner Szene um Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter förderte. Sie bildeten eine  explosive Gruppe von Individualisten, die er als engagierter Organisator und Mediator zusammenhielt und der er den Weg zu verschiedenen Ausstellungen in renommierten Museen ebnete. Seine Porträts, Stillleben und Landschaften verbinden die Leuchtkraft  der Farbe mit einem klar strukturierten, räumlichen Bildaufbau.(Abb. Adolf Erbslöh, „Kirchdorf”, Bigge in Westfalen, 1921, Öl auf Pappe, 47 x 36 cm, Von der Heydt Museum Wuppertal,© VG Bild-Kunst, Bonn, 2017)

Aleksandra Domanovic. Kalbträgerin

Bundeskunsthalle Bonn, 2. Juni - 24. September 2017

Aleksandra Domanović (geb. 1981 in Novi Sad, Jugoslawien) entwickelt in ihrer Kunst einen forschenden Blick auf verschiedenste Phänomene unserer Gesellschaft(en): Auf Kulturtechniken, auf wissenschaftliche und technische Entwicklungen, auf die Prägung nationaler Identität. Ausgangspunkt ist dabei häufig der Blick auf ihre Heimat. Ihre Werke sind präzise konzipierte Erzählungen, die durch die Nutzung von ikonischen Bildern oder Abbildungen, die aus anderen Kontexten kommen, visualisiert werden. Für die Ausstellung Kalbträgerin entwickelt Domanović eines ihrer Themen, Bulls Without Horns weiter. Hier beschäftigt sie sich mit einem aktuellen Experiment an der University of California, in dem es um die Züchtung bestimmter Merkmale bei Rindern, wie das Fehlen von Hörnern, geht.(Abb. Aleksandra Domanović, Kalbträgerin, 2017, Synthetischer Gips, Kerrock, Plexiglas und PU-Schaum, 7 Skulpturen, Unikate, Courtesy die Künstlerin und Tanya Leighton, Berlin, © Foto: die Künstlerin)

Wim Delvoye

Museum Tinguely Basel, 14. Juni 2017 –  1. Januar 2018

Tradition trifft Utopie, Handwerk wird Hightech. Delvoyes wohl bekannteste Werke sind die Cloacas, Verdauungsmaschinen, die den Prozess des menschlichen Körpers von Nahrungsaufnahme bis Ausscheidung maschinell nachbilden. Die in neuerer Zeit entstandenen Nachbildungen von Baumaschinen und Lastwagen unter Verwendung gotischer Ornamentik zeigen die Lust des Künstlers am ästhetischen Experiment und an der monumentalen Gestaltung, für die er lasergeschnittenen Stahl und professionelle Konstruktionen einsetzt. Die ironische Brechung ist ein Mittel, das Delvoye oft und gern einsetzt. Die Irritation gehört zu seinem künstlerischen Repertoire. Wenn er Tim (2006 – 2008) auftreten lässt, den Schweizer, der seine Haut zur Tätowierung an den Künstler und später an einen Sammler verkauft hat, dann mischen sich künstlerische und moralische Ebenen. (Abb. Wim Delvoye, Tim, 2006 – 2008 Tätowierte Haut, lebensgross Installationsansicht im MONA, Hobart (AUS), 2010 © 2017 ProLitteris, Zürich / Wim Delvoye Foto: Studio Wim Delvoye, Belgien)

Your Story! Geschichten von Flucht und Migration

Kunsthalle Emden, 13. Mai – 5. November 2017

Emden gehörte im 16. Jahrhundert neben Genf und Wittenberg zu den wichtigsten Stätten der Reformation, da es  Tausende von Glaubensflüchtlingen aus den benachbarten Niederlanden während des spanisch-niederländischen Kriegs (1568 – 1648) aufnahm. In der Ausstellung nehmen alle Arbeiten der Blickwinkel des individuellen Geschichten-Erzählens ein, der sich über Fotoserien, Videoarbeiten, literarische Texte oder Comic-Erzählungen erschließt. Die Kunsthalle blickt dabei auf die Zeit vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und setzt Werke aus der Klassischen Moderne in den Dialog mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler. (Abb. Hamid Sulaiman (*1986),  Zeichnung für die Graphic Novel “Freedom Hospital”, 2016 © Hamid Suleiman, Courtesy Galerie Crone, Berlin)

Peace

Schirn Kunsthalle Frankfurt, 1. Juli – 24. September 2017

Wie geht Frieden eigentlich? Die Ausstellung versteht sich als Impuls, darüber nachzudenken, was Frieden sein kann. Die Ausstellung präsentiert Positionen von zwölf internationalen KünstlerInnen, begleitend finden Vorträge, Lesungen, Performances sowie Tanz und Musikveranstaltungen statt. Zur Ausstellung entsteht die interaktive Website WWW.SCHIRN-PEACE.ORG, die u. a.  Essays, Texte zu den Werkpositionen, Videointerviews mit den Künstlerinnen und Künstlern sowie weiteres Dokumentationsmaterial des PEACE-Projekts versammelt. (Abb.Plakat)

Mix it. Popmusik und Videokunst

Marta Herford, 16.Juli – 15.Oktober 2017

KünstlerInnen agieren gleichzeitig als DJs, haben eigene Bandprojekte, kooperieren mit bekannten MusikerInnen und greifen Musikclipästhetik in ihren Werken auf. Als atmosphärischer Stimmungsträger und Spiegel der Populärkultur wird die Verbindung aus Musik und Bewegtbild dabei zum Sprachrohr. Zwischen Sinnlichkeit, Coolness und Ekstase zeigt die Ausstellung emotionsgeladene Erinnerungsräume und Soundlandschaften als gesellschaftliche Momentaufnahmen. (Abb. Doug Aitken, SONG 1, 2012, courtesy Hirshhorn Museum und Sculpture Garden, Smithsonian Institution und 303 Gallery)

 Art and Alphabet

Kunsthalle Hamburg, 21. Juli - 29. Oktober 2017

Das Wechselverhältnis von Schrift und Bild in der Gegenwartskunst steht im Fokus der groß angelegten Ausstellung. Präsentiert werden Werke verschiedenster Medien von 22 internationalen KünstlerInnen, die unterschiedlichste Sprachen und Schriftsysteme mit ihren Bestandteilen erforschen, als visuelle Zeichen verstehen, erweitern und künstlerisch transformieren. Die Ausstellung umfasst künstlerische Positionen der letzten zehn Jahre, mit teilweise eigens für die Präsentation geschaffenen Werkgruppen. Einzelne Werke der 1960er und 1970er Jahre spannen, in die Ausstellung eingestreut, einen historischen Bogen. (Abb. Paulina Olowska (*1976), Alphabet, 2005, 3 von 26 farbigen Karten (eine für jeden Buchstaben des Alphabets),© Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York,  Paulina Olowska)

Franz Erhart Walther. Handlung Denken

Ludwig-Forum Aachen, 2. Juni – 29. Oktober 2017

Kunst, die sich erst durch den Menschen vollendet, daran arbeitet der Künstler Franz Erhard Walther seit rund 60 Jahren. Kaum ein Kunstschaffender hat die Definition, was Skulptur sein kann, derart frühzeitig und nachwirkend verändert. Den eigenen Körper, Zeit, Raum, Sprache oder Gestik – all diese „Materialien“ bezieht Walther bei seinen bildhauerischen Arbeiten oder Installationen mit ein. Der Betrachter soll dabei idealerweise aus seiner passiven Haltung heraustreten und zu einer intellektuellen, emotionalen und zum Teil auch physischen Auseinandersetzung mit Walthers Handlungsobjekten angeregt werden. Diese ist oft sogar unabdingbar, um die jeweilige Skulptur in ihrer Ganzheit „geschehen“ zu lassen. Erstmalig hat Walther mit seiner Definition von Kunst den Betrachter zum Werkvollender erklärt. Er stellte die Gleichung auf: erweiterter Kunstbegriff + Handlung (des Rezipienten) = Werk. Die Ausstellung zeigt eine konzentrierte, für das Werk repräsentative Auswahl von handlungsbezogenen Arbeiten aus Stoff, Metall und Papier sowie Zeichnungen aus verschiedenen Dekaden, und beleuchtet Franz Erhard Walthers  Rolle als einer der Pioniere der Partizipationskunst. (Abb. Museum Ludwig Aachen)

Finding Brutalism

BellPark Museum Kriens, 26. August - 29. Oktober 2017

Seit ungefähr dreissig Jahren dokumentiert der Londoner Fotograf Simon Phipps (*1964) Bauten des britischen Brutalismus, einer Architektursprache, die die Ästhetik des Betons zum sichtbaren Zeichen erklärt hat. Zum ersten Mal gibt der Fotograf mit der Ausstellung einen umfassenden Einblick in sein Fotoarchiv zur Nachkriegsarchitektur in England, die als Strömung auch für die Entwicklung in der Schweiz prägend war. Simon Phipps gehört als Fotograf der «zweiten Generation» an und beobachtet somit als Nachgeborener die Architektur seiner Jugend. Als ausgebildeter Bilderhauer interessiert er sich für die spezifischen skulpturalen Qualitäten der Bauten und stösst dadurch zum Wesentlichen dieser Architektur vor.

Ruinen der Gegenwart

KAI 10 Arthena Foundation Düsseldorf, 23. Juni bis 1. Oktober 2017

Die Ausstellung befragt einerseits das immer wieder faszinierende ästhetische Potential von Ruinen, nimmt aber ebenso ihre politischen und wirtschaftlichen Ursachen sowie ihre Folgen unter die Lupe. Dabei wird auch eine historische Entwicklung nachgezeichnet: von der tradierten Idealisierung der Ruine als Quelle einer gedankenverlorenen Meditation über eine ferne Vergangenheit, zu einer der heutigen Zeit entsprechenden Ruineninterpretation, die präzise nach Entstehung und gegenwärtiger Bedeutung fragt.

Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2017

MMK 3 Frankfurt, 29. Juni 2017 — 17. September 2017

Der Preis macht auf Tendenzen der zeitgenössischen Fotografie aufmerksam und zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die die aktuelle internationale Fotoszene prägen. Die diesjährige Auswahl würdigt nicht nur etablierte fotografische Erzählungen, sondern auch experimentelle und konzeptionelle Ansätze in der Dokumentar-, Landschafts- und Porträtfotografie. Zu den Finalisten in 2017 gehören: Sophie Calle, Dana Lixenberg, Awoiska van der Molen sowie das Künstlerduo Taiyo Onorato und Nico Krebs. Die Gewinnerin des diesjährigen Preises ist Dana Lixenberg.. (Abb.Taiyo Onorato and Nico Krebs: Well, 2013, Courtesy of the artists)

Aljoscha: The Gates of the Sun and the Land of Dreams

Schloß Benrath Düsseldorf, Museum Corps de Logis, 28. Mai - 17. September 2017

Objekte des Künstlers Aljoscha bestehen aus Acryl, Silikon sowie einem Gerüst aus Draht. In ihrer scheinbar organischen Struktur täuschen die Plastiken Merkmale von in der Natur vorkommenden Organismen vor. Sie erinnern etwa an die Molekülstrukturen von Pilzen, Bakterien und Algen. Die Vorstellung von der Erschaffung zukünftiger Lebensformen und die Visionen aktueller biologischer Forschungen der Synthetischen Biologie vereinen sich in Aljoschas Kunstpraxis, die er als Bioism oder auch Biofuturism bezeichnet. (Abb. ©Aljoscha)

JAK: SOUL BLINDNESS. fall into indescribable scenes

Villa Merkel Esslingen, 18. Juni – 27. August 2017

JAK ist anonym. JAK zeigt einzig seine künstlerische Arbeit. JAK ist während der vergangenen Jahre als Künstler, als Romanfigur, als Psychotherapeut, als Religionsforscher aufgetreten und JAK legt derzeit seinen Schwerpunkt auf die Arbeit am Film SOUL BLINDNESS, der der Ausstellung in der Villa Merkel den Titel leiht. JAK ist also auch Regisseur und Drehbuchautor. Durch seine fortlaufende Ausstellungstätigkeit schreibt JAK die Geschichte des Drehbuchs und verwendet unterschiedliche medialen Zugriffe: Zeichnung, Text, Sound, Skulptur, Malerei, Fotografie, Installation. Dabei dreht sich alles um das Phänomen der Seelenblindheit. Handlungen aus dem Drehbuch zu SOUL BLINDNESS konkretisieren sich in der Ausstellung zu Bühnen- und Szenenbildern. Wer JAK ist, diese Frage bleibt.

Food Revolution

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 19. Mai – 29. Oktober 2017

Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf die globale Nahrungsmittelindustrie und fragt, welche Visionen Gestalter, Architekten und Wissenschaftler für die dringend erforderlichen Veränderungen entwickeln. Die Industrialisierung seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat unsere Ernährung und den Umgang mit Essen immer mehr bestimmt. In den Industrieländern ist sie weitgehend entkoppelt von der Erzeugung. Lebensmittel sind inzwischen Massenprodukte, die vom Anbau, der Aufzucht bis zum Esstisch verschiedene Stationen durchlaufen. Diese Stationen finden sich als Themenräume „Farm, Markt, Küche, Tisch“ in der Ausstellung wieder. Zudem zeigt das Labor Hochschulprojekte, die anlässlich der Ausstellung entstanden sind. (Abb. Foto: Andrea Staudacher, Andrea’s Future Food Lab, © Foto: Simon Staehli)

We love animals. 400 Jahre Tier und Mensch in der kunst

Kunstmuseum Ravensburg, 1. Juli - 15. Oktober 2017

Der Parcours kulturgeformter Tierbilder veranschaulicht, dass sich parallel zu den gegenwärtigen Entfremdungs- und Verdinglichungstendenzen zumindest im geisteswissenschaftlichen Diskurs und im Kunstkontext ein Tier-Mensch-Dialog auf Augenhöhe etabliert hat. Die Cobra-Gruppe von Asger Jorn appellierte bereits in der Nachkriegszeit, sich dem Tier in uns zu stellen, d.h. die unbewussten instinktiven Tiefendimensionen des Ich bewusst zu machen. In Zeiten einer digitalen Revolution ist diese Fragestellung unter dem Stichwort „Animal Turn“ in der Gegenwart angekommen. Als Vorgriff haben die Künstler Krõõt Juurak und Alex Baileys  Performances für Hunde durchgeführt. Videos dazu sind in der Ausstellung zu sehen. (Abb. Deborah Sengl, Aus der Serie Killed to be dressed, 2010, Präparate, Wachs, SOART, Wien, Foto: Ingo Pertramer)

Roberto Burle Marx: Tropische Moderne

Kunsthalle Deutsche Bank Berlin, 7. Juli – 3. Oktober 2017

In seinem Heimatland Brasilien wird Roberto Burle Marx (1909-1994) zusammen mit den Architekten Oscar Niemeyer und Lúcio Costa als Wegbereiter der Moderne verehrt. Während seiner mehr als 60-jährigen Karriere gestaltete er international über 2.000 Gärten. Burle Marx war nicht nur  Landschaftsarchitekt, sondern auch Maler, Bildhauer, Bühnenbildner, Designer, Umweltaktivist. Die vom Jewish Museum, New York kuratierte  Ausstellung verdeutlicht den Humanismus und die Spiritualität, die Burle Marx’ abstrakter Kunst zugrunde liegt - den Gedanken eines modernen Garten Eden, der ihn zeitlebens antrieb. (Abb. Roberto Burle Marx, Dachgarten, Banco Safra Hauptsitz, São Paulo, 1983, Foto © Leonardo Finotti)

Shirin Neshat – Frauen in Gesellschaft

Kunsthalle Tübingen, 1. Juli - 29. Oktober 2017

Die große Übersichtsausstellung führt wichtige Werke aus allen Schaffensphasen zusammen, von den ikonischen Schriftfotografien über die Single- und Multi-Channel-Videoinstallationen bis zu ihren jüngsten Werkblöcken wie zum Beispiel The Book of Kings. Der programmatische Ausstellungstitel „Frauen in Gesellschaft“ adressiert dabei zwei stetig wiederkehrende Themen in Neshats Oeuvre: einerseits die Rolle der Frau in muslimischen, patriarchischen Gesellschaften und andererseits die Nachwirkungen von Erlebnissen, die eine Frau für den Rest ihres Lebens prägen und in deren Gesellschaft sie sich also fortan befindet. Beide Aspekte beschreibt Shirin Neshat mit ihrer Kunst in poetischer, geheimnisvoller Ambivalenz.Der zwischen Fotografie und Bewegtbild mit Ton ausbalancierte Parcours zieht sich durch die gesamte Kunsthalle Tübingen. (Abb. Shirin Neshat, Sara Khaki (Patriots), aus der Serie The Book of Kings, 2012, Tinte auf Silbergelatineabzug, 152.4 x 114.3 cm © Shirin Neshat, Courtesy Gladstone Gallery, New York und Brüssel)

Wolfgang Mattheuer-Bilder als Botschaft

Kunsthalle Rostock, 2. Juli - 17. September 2017

Die Werkschau vereint über 80 der zentralen Gemälde Wolfgang Mattheuers. Der Fokus der Ausstellung richtet sich auf die gleichnishaften, metaphorischen Bilder, für die der Maler weithin bekannt geworden ist. Er verwendet biblische Gleichnisse, mythologische Figuren und literarische Stoffe, die er für seine Bildaussage transformiert und zu seiner eigenen Lebenswirklichkeit in Bezug setzt. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind die Landschaften Mattheuers, verortet zwischen romantischer Tradition und kritischem Realismus. Mattheuer zählt neben Werner Tübke und Bernhard Heisig zu den Begründern der Leipziger Schule, die den Realismusbegriff in der ehemaligen DDR mit ihren mehrdeutigen, metaphorischen Bildern revolutionierten. (Abb. Wolfgang Mattheuer, Verlorene Mitte, 1982 (Ausschnitt)

Vermischtes

Auch der Zweite Schweizer Kirchenbautag: “Kirchenumnutzungen: Der Blick aufs Einzelne. Zweiter Schweizer Kirchenbautag, Freitag, 25. August 2017, Universität Bern“,  ist dem Thema Kirchenumnutzungen gewidmet. Während die erste Tagung 2015 das Thema mit einem Blick aufs Ganze diskutierte, richtet der diesjährige Kirchenbautag den Blick aufs Einzelne und vertieft die Problematik anhand konkreter Beispiele von bereits realisierten bzw. erst projektierten Umnutzungen von Kirchen und Klöstern in der Schweiz. Der Kirchenbautag fördert den Austausch zwischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus Kirche, Denkmalpflege und Öffentlichkeit und richtet sich an alle von der Thematik Betroffenen. www.schweizerkirchenbautag.unibe.ch

Die Wendelsteinkirche wurde 1890 eingeweiht und ist die höchstgelegene Kirche Deutschlands. Die Wendelsteinkirche Patrona Bavariae liegt auf 1.730 Metern Höhe. Noch etwas höher auf 2.962 m liegt die Kapelle Maria Heimsuchung auf der Zugspitze.

Die 44 Autobahnkirchen in Deutschland feierten am 18. Juni  den Tag der Autobahnkirchen. Autobahnkirchen stehen entweder an Autobahnraststätten, an Autohöfen oder in unmittelbarer Nähe einer Autobahnabfahrt. Sie sind tagsüber mindestens von 8 bis 20 Uhr geöffnet, manche von ihnen rund um die Uhr. Über eine Million Menschen nutzen jährlich das Angebot. Die Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen engagiert sich seit vielen Jahren für die Arbeit der Autobahnkirchen. www.autobahnkirchen.de

Kirchenvertreter, Bauern und Naturschützer machen sich für ein Ende des Flächenverbrauchs in der Wetterau stark. Zwölf Organisationen haben eine Erklärung zum Schutz des Bodens unterschrieben. Die Unterzeichner fordern einen Stopp der Landschaftszerstörung durch Bauflächen und Straßenbau. In den vergangenen zwei Jahren sind große Flächen vor allem durch Logistikzentren und Umgehungsstraßen neu versiegelt und großzügige Baugebiete geplant worden, allerdings mit nur wenig bezahlbarem Wohnraum. Die Unterzeichner, darunter Evangelische und katholische  Dekanate, Umwelt-, Naturschutz- und Bauernverbände, fordern Politiker und Verantwortliche in der Wirtschaft auf, ihre Entscheidungen zu überdenken. Sie sollten nach anderen Lösungen suchen, um nicht „immer wieder Boden, Natur, Landwirtschaft und damit auch die ländlichen Räume für ihre Projekte zu opfern“.

Die Hörfunkschule Frankfurt bietet eine multimediale Ausbildung zum Journalisten neben Schule, Ausbildung oder Universität an. Das zweijährige Projekt „medien-starter“ vermittelt Grundlagen im Video-, Online- und Radio-Journalismus für den Einstieg in den Beruf. Die Workshops finden an vier bis fünf verlängerten Wochenenden pro Jahr statt, dazu kommt ein Redaktionspraktikum und eine Medienexkursion nach Berlin. Die Gebühren für ein Jahresmodul betragen 450 Euro. Die Ausbildung startet am 8. Dezember. Interessenten zwischen 16 und 24 Jahren können sich bis zum 31. August bewerben. www.medien-starter.de

Unter dem Motto „Was wagst du?“ steht das diesjährige Festival der Kasseler Musiktage vom 26. Oktober bis 6. November 2017. Als internationales Festival für ernste und zeitgenössische Musik präsentiert das Festival seit mehr als 80 Jahren unter jährlich wechselnden Themen Konzerte mit bekannten Interpreten, Chören, Orchestern und Neuentdeckungen der jungen Musikszene. Darüber hinaus finden Begleitveranstaltungen in Form von Vorträgen, Ausstellungen und Symposien statt. www.kasseler-musiktage.de

Im Rahmen der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München vom 23. – 30. Juli 2017 sind in der Studienwerkstatt für Glasmalerei, Mosaik und Licht aktuelle Arbeiten von Studierenden der Klasse Thierry Boissels zu sehen.

Diébédo Francis Kéré hat den Serpentine Pavilion 2017 entworfen. Er ist der siebzehnte Architekt, der seit dem Projektstart im Jahr 2000 einen temporären Pavillon in die Kensington Gardens stellt. Der Pavillon besitzt vier Eingänge und einen offenen Innenhof, der zentral platziert ist. Das Dach schützt vor Regen und vor Sommerhitze. Keres Pavillonstruktur funktioniert wie ein Baum, der zum zentralen Versammlungsort wird. (Foto: Iwan Baan)

 

 

 

Der mit 30.000 Euro dotierte Deutsche Architekturpreis (DAP) geht in diesem Jahr an die Arbeitsgemeinschaft Hermann Kaufmann ZT und Florian Nagler Architekten, die den Neubau des Schmuttertal-Gymnasiums Diedorf in Bayern entwarfen.  Der Staatsbaupreis wird alle zwei Jahre für herausragende baukulturelle Leistungen vergeben. Im Kirchenbau stammt unter anderem das ökumenische Gemeindezentrum in München Riem von Florian Nagler und die Umgestaltung der Christuskirche Neugablonz, die auf unserer homepage besprochen wurde.

100 Stunden Brutalismus in vier Tagen: Vom 27. - 30. Juli bietet die Initiative Ruhrmoderne ein ambitioniertes Programm rund um „großartige und fatale Beispiele“ des Brutalismus im nördlichen Ruhrgebiet an. Zu den Ausgewählten zählen neu geschaffene Städte und Stadtzentren, experimentelle Wohnstrukturen und weitere geglückte wie gescheiterte Planungen. Als Unterkunft dient das „Hotel Ruhrmoderne“ – die ehemalige Hauptschule von Günter Marschall (1967). Seit 2009 steht sie leer. Die Exkursionen führen zu weiteren Bauten in Marl sowie durch die Neue Stadt Wulfen. Und da Münster nahe ist, wird dort die aktuell laufende Kunstschau „Skulpturen Projekte“ erkundet. Ergänzend gibt es Vorträge und Diskussionen sowie das Symposium „Brutiful Life“ zur Moderne der 60er und 70er Jahre mit Theo Deutinger, Inke Arns, Georg Elben, Constantin Alexander und Oliver Elser. Alle Veranstaltungen können auch einzeln wahrgenommen werden. Das „Hotel Ruhrmoderne“ ist kostenfrei, die Teilnahme insgesamt kostet 100 Euro (60 Euro für Studenten). Die Anmeldung läuft bis 23. Juli.

Seit jeher zählt die Apokalypse des Johannes zu den bekanntesten Büchern der Bibel.  Nur vier Apokalypse-Handschriften aus karolingischer Zeit haben sich weltweit erhalten. Die Apokalypse von Cambrai (um ca. 900), benannt nach ihrem möglichen Entstehungsort im Nordosten Frankreichs, ist mit ihren 46 ganzseitigen Miniaturen auf insgesamt 96 Seiten prachtvoll gestaltet und unterscheidet sich von den anderen Apokalypse-Handschriften aus dieser Zeit durch ein deutlich vergrößertes Format. Damit zählt die Apokalypse von Cambrai zu den bedeutendsten Zeugnissen der mittelalterlichen Buchmalerei. Anlässlich der Faksimilierung der berühmten Apokalypse zeigt das UNESCO Welterbe Kloster Lorsch noch bis zum 3. September 2017 im Museumszentrum Lorsch die Kabinettausstellung „Tempus Enim Prope Est – Endzeitvisionen aus Lorsch und Cambrai“. (Abb. Die Botschaft an die Gemeinde von Sardi © Quaternio Verlag).

Seit Beginn der Grabungen in der Mainzer Johanniskirche im Jahr 2013 wurden insgesamt 100.000 Fundstücke dokumentiert. Erst seit einigen Jahren steht fest, dass es sich bei St. Johannis um die älteste frühmittelalterliche Großkirche mit erhaltenem Original- Mauerwerk nördlich der Alpen handelt. Archäologen stellten fest, dass große Teile der Kirchenmauern noch aus der Zeit um 900 stammen und außerdem die Reste einer über 1.300 Jahre alten Vorgängerkirche aus der Merowingerzeit erhalten sind. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass die evangelische Kirche der Vorgängerbau des benachbarten Mainzer Doms ist. St. Johannis war demnach die Predigtstätte des Bonifatius und Schauplatz von zwei Königskrönungen. Bislang haben Grabungen und notwendige Sicherungsarbeiten rund drei Millionen Euro gekostet, die die Kirche überwiegend aus eigenen Mitteln finanziert hat. Wie der Bau künftig genutzt werden wird, ist noch unklar.

Das Architekturbüro Waldhelm GmbH aus Jena erhält den „architektourpreis thüringen 2017“. Ausgezeichnet wird der Umbau der „Alten Gießerei“ in Jena zu einem Bürogebäude. Der „architektourpreis thüringen“ zielt auf Beispiele, die durch ihre funktionelle, formale oder technische Lösung überraschen, die originell sind oder verblüffend einfach, die auf besondere Weise auffallen oder eher bescheiden sind; Bauten, die vielleicht kompromisslos innovativ sind oder auf erfrischende Art Traditionsbewusstsein und Moderne miteinander verbinden. Der Preis soll die Vielseitigkeit alltäglicher Architekturaufgaben hervorheben. Das heißt, die Vorhaben ins Blickfeld zu rücken, die für das allgemeine Qualitätsniveau der Architektur  mindestens so wichtig sind wie die großen, spektakulären Projekte. (Abb: Umbau „Alte Gießerei“ Jena, Waldhelm GmbH, © Waldhelm)

2011 hatte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege die Corvinuskirche (Roderich Schröder, 1962) in Hannover-Stöcken unter Schutz gestellt. 2012 wurde der Bau entwidmet und ein Abriss erwogen. Das Verwaltungsgericht Hannover kam zum Schluss: Das NLD hätte nicht allein die Corvinuskirche, sondern zuvor alle niedersächsischen Nachkriegskirchen bewerten müssen. 2014 bekräftigte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hingegen den Denkmalstatus der Corvinuskirche. 2016 stellten Landeskirche und -denkmalpflege gemeinsam Pläne vor, Gemeinderäume in die Kirche einzubauen. Mitte Juni 2017 meldete die Landeskirche, das Ministerium für Wissenschaft und Kunst habe den Abriss freigegeben, da ein Erhalt unzumutbar sei. Die Gemeinde denkt laut über ein neues Zentrum nach. Ähnliches wurde in Hamburg-Langenfelde bekannt. Die 1961 eingeweihte evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ (1961, Horst Sandtmann/Friedhelm Grundmann, siehe Foto) ist, wie das Hamburger Abendblatt meldete, nach dem Beschluss des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts kein Denkmal. 2006 wurde der Bau auf die Denkmalliste gesetzt, ab 2011 dauerten die juristischen Auseinandersetzungen an. Die Gemeinde erwägt den Abriss für den Neubau eines „Multifunktionsgebäudes“. Der Kulturbehörde stünde noch der Gang zum Leipziger Bundesverwaltungsgericht frei. (Abb. wikimedia commons)

Gemeindezentren türkischstämmiger Muslime als baukulturelle Zeugnisse deutscher Einwanderungsgeschichte“, so heißt ein Forschungsprojekt der Wüstenrot Stiftung mit der Universität Siegen, das seit 2015 läuft. Architektur repräsentiert immer auch Zugehörigkeiten, Werte und Normen. Die Architektur islamischer Gemeindezentren ist kein Import herkömmlicher Modelle, sondern es entstehen neue Raumtypologien, Nutzungen und Betriebsmodelle als Folge der besonderen Situation in Deutschland. Die Gemeindezentren türkischstämmiger Muslime in Deutschland sind bauliche Zeugnisse einer mittlerweile rund 50-jährigen Einwanderungsgeschichte. Dabei lassen sich bauliche Typen unterscheiden: Die Nutzung einzelner Wohnräume als Gebetsräume, die Umnutzung von früheren Gewerbebauten sowie die Neuerrichtung von auf Dauerhaftigkeit und Repräsentation angelegten Gebäudeanlagen. Im Mittelpunkt der Studie stehen Fallbeispiele von Gemeindezentren in unterschiedlichen Stadträumen. Die Fallbeispiele werden zeichnerisch, fotografisch, räumlich, funktional und in ihrer baulichen Entwicklung erfasst; hierzu gehört auch ihr stadträumliches Umfeld und die räumliche und nutzungsbezogene Integration in das umliegende Quartier.

Der Fred-Thieler-Preis für Malerei geht 2017 an Christine Streuli. Sie erhält die Auszeichnung für ihren kalkulierten und zugleich grell übersteigerten Umgang mit den Ausdrucksformen der Malerei. Die Künstlerin experimentiert mit der Strahlkraft von Farben, Mustern und Zeichen. Fragmentierte malerische Gesten verbinden sich dabei mit großflächigen ornamentalen Strukturen sowie Zitaten aus Werbeästhetik oder Pop-Art zu neuen überraschenden Bildinszenierungen. Nicht selten sprengen ihre Arbeiten das klassische Bildformat. In der Ausstellung zeigt Christine Streuli Arbeiten aus ihrer neuen Werkserie warpaintings. Ein zentrales Thema dieser seit 2016 entstehenden Arbeiten ist die künstlerische Auseinandersetzung mit militärischen Tarnmustern. Seit 2015 lehrt sie als Gastprofessorin an der Universität der Künste Berlin. (Ausstellung Berlinische Galerie, 18.3. – 9. 10.2017, Abb. Chr. Streuli, A certain smile, a certain sadness, 2017, repro: Jens Ziehe)

Das Künstlerduo „Empfangshalle“, Corbinian Böhm (geb. 1966) und Michael Gruber (geb. 1965),  ist Preisträger des diesjährigen Kunstpreises der DG. Der Preis wird in der Regel alle drei Jahre in den Disziplinen Malerei, Bildhauerei, angewandte Kunst und Architektur sowie in allen neu auftretenden Ausdrucksmöglichkeiten im Rahmen der bildenden Künste verliehen. „Empfangshalle“ schafft neben bildhauerischen Arbeiten partizipative Kunstkonzepte, in denen der unvoreingenommene Blick auf Menschen, Räume und Situationen Ausgangspunkt ist. Corbinian Böhm und Michael Gruber lassen künstlerische Projekte mitten in der Gesellschaft entstehen. Vom 9. September bis 11. November 2017 zeigt die Galerie der DG das Künstlerduo mit der Ausstellung ‚Wäsche‘.

Das Projekt „Kunst am Bau“ gibt es seit den 1950er Jahren für öffentliche Bauten der Bundesrepublik Deutschland. Doch in vielen Fällen sind die Kunstwerke nicht ohne weiteres zugänglich. Die neue Datenbank „Museum der 1000 Orte“  versammelt nun Kunstwerke aus öffentlichen Bauten der Bundesrepublik und DDR seit den 1950er Jahren. Die Website bietet zu Künstlern, Orten und Kunstwerken je eine kurze Beschreibung und präsentiert meist mehrere Ansichten von Kunst und Bau. www.museum-der-1000-orte.de

Der documenta 14-Künstler Olu Oguibe erhält den Arnold- Bode-Preis 2017. Der der 1964 in Nigeria geborene Oguibe hat zur documenta 14 einen Obelisken auf dem Kasseler Königsplatz errichtet, auf dem in deutsch, englisch, türkisch und arabisch das Bibelzitat „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ eingraviert ist.

Der Lyriker Jan Wagner (45) erhält den Georg-Büchner-Preis 2017. Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis gilt als renommierteste Literaturauszeichnung in Deutschland. Wagners lyrisches Debüt „Probebohrung im Himmel“ erschien 2001. Es folgten die Gedichtbände „Guerickes Sperling“ (2004), „Achtzehn Pasteten“ (2007), „Australien“ (2010) und „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ (2012). Im Jahr 2014 veröffentlichte er die „Regentonnenvariationen“, für die er den Leipziger Buchpreis erhielt. Im vergangenen Jahr erschien „Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001-2015“. Neben den Gedichtbänden veröffentlichte Wagner in diesem Frühjahr die Prosasammlung „Der verschlossene Raum“, zuvor 2011 „Die Sandale des Propheten“. Außerdem hat er als Herausgeber gemeinsam mit Thomas Girst die Loseblatt-Anthologie zur zeitgenössischen Weltpoesie „Die Außenseite des Elements“ herausgegeben, es folgten umfassende Sammlungen junger deutschsprachiger Lyrik zusammen mit Björn Kuhligk („Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen“ und „Lyrik von Jetzt zwei“).

Im März 1998 haben 7 Mitglieder des BDA Kassel das "KAZimKUBA' - das Kasseler Architekturzentrum im Kulturbahnhof ins Leben gerufen. Bereits bei der Documenta11 im Jahre 2002 wurde das KAZimKUBA parallel zu den documenta-Öffnungszeiten mit der Ausstellung 'architectdocuments' bespielt. Bei den diesjährigen architectdocuments 4 zeigen international renommierte Architekten 100 Tage lang ihre Reflexion über Europa in Verbindung mit Architektur und Städtebau und nehmen damit Bezug zum Motto der documenta 14 ‚Von Athen lernen‘.

Am 15. Juni 2018 wird die nächste Manifesta-Biennale in Palermo eröffnet. Unter der Regie des Rotterdamer Architekturbüros OMA entwickelt die Manifesta „ein neues kuratorisches Modell. Nicht nur Künstler bestreiten die Manifesta, auch Bürger und örtliche Basisinitiativen sollen einbezogen werden. Rund ein Jahr vor dem offiziellen Beginn wurde ein „Palermo Atlas“ der Öffentlichkeit vorgestellt, eine „urbanistische Studie“, die „sowohl als Entwurf für eine mögliche Zukunftsplanung der Stadt“ dient. Die Ergebnisse dieser Studie werden nun von den vier interdisziplinären Creative Mediators in ein anwendbares Biennale-Programm übersetzt werden.

Im Jahr 2004 forderten die Erben des jüdischen, in Dresden ansässigen Sammlerehepaares Eduard und Rita Müller das Lehmbruck Museum erstmals zur Rückgabe des Nolde-Gemäldes „Frauen im Blumengarten“ auf. Eine Provenienzrecherche im Auftrag des Museums ergab, dass das Gemälde eindeutig als zur Sammlung Müller gehörig identifiziert wurde und dass es sich um einen NS-verfolgungsbedingten Verlust handelt.  Eduard Müller war im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden. Kurz darauf versuchte Rita Müller die Flucht, zu deren Finanzierung sie u.a. das Nolde-Gemälde verkaufte. Doch auch sie erlitt das gleiche Schicksal wie ihr Ehemann. Der Sohn konnte noch 1938 von Prag aus emigrieren. Nun sind es die Urenkel des Sammlerehepaares, die das Gemälde zurück erhalten haben. (Abb. Emil Nolde, „Frauen im Blumengarten“, 1916, © Nolde Stiftung Seebüll, Foto: Britta Lauer) 

Unter dem Motto „Ich zeig’ dir meine Kirche“ steht der Kurhessische Medienpreis 2018. Zur Teilnahme aufgerufen seien bereits bestehende Gemeindegruppen oder noch zu bildende Projektgruppen. Deren Aufgabe ist es, die Besonderheiten des jeweiligen Kirchenraumes in einem kurzen Videoclip vorzustellen. Ende November 2017 und Ende Januar 2018 wird ein dreitägiger Workshop zur Filmproduktion angeboten. Einsendeschluss für den zwei- bis dreiminütigen Videoclip, der zusammen mit fünf aussagekräftigen Fotos eingereicht werden soll, ist der 1. Juli 2018. www.kirchen-paedagogik.de

Die Ausstellung "reFORMation transFORMation" der Ev. Kirche im Rheinland ist als Wanderausstellung noch an folgenden Orten zu sehen: 15. Juli - 10. September, Antoniterkirche, Schildergasse 57, 50667 Köln / 16. September - 29. Oktober, Hauptkirche Rheydt, Hauptstraße 90, 41236 Mönchengladbach/ 3. - 28. November, Marktkirche, Pfarrer-Werner-Mörchen-Straße 1, 56564 Neuwied/ 13. Januar - 18. März 2018, Johanneskirche, Ev.-Kirche-Straße 27, 66111 Saarbrücken. Die eingeladenen elf KünstlerInnen zeigen ihre Vision einer Kirche von morgen in Skulpturen, Rauminstallationen, Fotografien und Malereien. www.2017.ekir.de/kunstprojekt-305.php

Drei Künstlerinnen und Künstler sind z.Zt. an drei Orten in Brandenburg tätig,- in Prenzlau, Bad Wilsnack und Brandenburg an der Havel : Als temporäre Anwohner und „künstlerische Feldforscher“ erkunden Markus Zimmermann, Julia Krahn und Ingo Mittelstaedt in drei Expeditionen das Zusammenspiel von Reformationsgeschichte und regionaler Identität heute. Ein Projekt der Stiftung St. Matthäus im Rahmen des Kulturland Brandenburg-Themenjahres „Wort und Wirkung – Luther und die Reformation in Brandenburg“. (siehe unten)

Markus Zimmermann. Superfiliale

St. Marienkirche, Prenzlau, 16. Juli – 31. Oktober 2017

Die St. Marienkirche in Prenzlau ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, das heute nur noch selten für kirchliche Anlässe genutzt wird: Wie wird evangelischer Glaube heute in Prenzlau gelebt? Gibt es mehr als Relikte? Wo finden heute religiöse Rituale in Prenzlau statt? Der Berliner Künstler Markus Zimmermann geht diesen Fragen nach: Zwei Monate lang wird er in Prenzlau wohnen und – in Zusammenarbeit mit dem Künstler Markus Born – nach den Spuren der Reformation in Prenzlau Ausschau halten. Im Kontakt mit Vereinen, Gemeinden, Schulen und Prenzlauer Kulturinstitutionen entstehen Kooperationen und Allianzen, die zur Auseinandersetzung mit den sichtbaren und unsichtbaren Bezügen zum reformatorischen Erbe in Prenzlau einladen. Am Ende steht eine Ausstellung.

Julia Krahn. Figura

Wunderblutkirche St. Nikolai Bad Wilsnack, 30. Juli – 31. Oktober 2017

Bild, Idee, Schatten, Gestalt sind Stichworte des Projekts,  mit dem die Künstlerin die Wallfahrtsgeschichte der Kirche mit Skulptur und Perfomance verbinden wird.

Ingo Mittelstaedt. Korridor

Dom zu Brandenburg, 10. September – 31. Oktober 2017

Der Fotograf und Installationskünstler bringt Vorgefundenes in neue Kontexte und entwickelt in diesem Sinne eine ortsspezifische Arbeit aus eignen Fotografien, Museumsstücken und Fundstücken, die sich wie ein Korridor durch den Dom ziehen wird.

Für die Filmpreis-Ausschreibung Dekalog zum 10. Gebot „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist“ endet die Einreichfrist am 31. August 2017. Es werden drei Preise verliehen. Nähere Informationen zu dem Projekt der Guardini-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Stiftung St. Matthäus: www.stiftung-stmatthaeus.de

 

 

In der kath. Elisabethkirche in Kassel ist begleitend zur documenta die Installation „Statik der Resonanz“ der Berliner Künstlerin Anne Gathmann zu sehen. Das 43 Meter lange Band aus mehr als viertausend Aluminiumelementen durchmisst in Form einer Kurve das ganze Kirchenschiff. Die Kurve im Raum der Elisabethkirche greift das Motiv der Faltung auf, welches die Architektur der Kirche prägt. Jeweils donnerstags ab 19 Uhr spielen Studierende der Musikakademie der Stadt Kassel Stücke, von denen einige speziell für den Kirchraum mit der Installation "Statik der Resonanz" ausgewählt werden. Programm auf www.kunstraumkirche.de.

 

 

In der Kasseler Karlskirche werden vom 21. Mai – 17. September 2017 Werke der indischen Künstlerin Shilpa Gupta und des Berliner Künstlers Thomas Kilpper mit Massimo Ricciardo, Turin, gezeigt. Von der indischen Künstlerin Shilpa Gupta sind vier Kunstwerke zu sehen, die sich mit dem gesprochenen Wort auseinandersetzen. Thomas Kilpper gestaltete den Turm der Karlskirche als Leuchtturm um. Ergänzt wird die Installation durch die Arbeit Inventuren der Flucht, die gemeinsam mit Massimo Ricciardo entstanden ist. Sie versammelt Gegenstände, die Flüchtlinge auf ihrer Überfahrt nach Europa verloren haben. (Abb. Thomas Kilpper, ein Leuchtturm für Lampedusa)

 

 

 

Wenige Kilometer von Rostock entfernt, liegt die KunstKirche Buchholz. Wegen Restaurierungsarbeiten der neugotischen, fast hundertjährigen Backsteinkirche ist ein Raum vom Querschiff mit Baufolie getrennt. An Stelle der Kirchenbänke stehen Leitern zum Sitzen. Um den Kronleuchter ist ein Kokon gewickelt und im Raum sind 95 Bildcollagen verteilt. „ANNO: IN CC_“ ist das Thema für die Rauminstallation, die von den Künstlern Grit Sauerborn, Josef A. Kutschera und Kerstin Borchardt umgesetzt wurde. Bis zum Oktober kann man die Rauminstallation besuchen. Kirchengemeinde und Mitglieder des Fördervereins zum Erhalt des Gotteshauses laden zu Veranstaltungen ein. www.kirche-buchholz.de



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