Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Presse
  //  Kirchbauinstitut
suche   //   intern   //   drucken
x
Presse

SWR 1 Interview mit Thomas Erne zum Kirchbautag in Rostock 2011

Kirchbau im Wandel

Neue Ideen für alte Gemäuer

In Deutschland gehören immer weniger Menschen einer der großen Kirchen an. Der Mitgliederschwund führt zu leeren Gottesdiensten, immer häufiger stehen Kirchen leer, vor allem in ländlichen Regionen. Dieses Phänomen war das Schwerpunktthema des diesjährigen Evangelischen Kirchbautags in Rostock. Architekten, Kunsthistoriker und Theologen beschäftigten sich mit der Frage, wie die Zukunft dieser Kirchen aussehen kann und warum sich fast überall auch viele Nicht-Kirchenmitglieder für den Erhalt der Gebäude einsetzen. Die Experten fanden einige überraschende Gründe.

25.000 evangelische und genauso viele katholische Kirchen gibt es in Deutschland. Gleichzeitig verlieren die großen Kirchen massiv an Mitgliedern. Viele der Gebäude stehen leer, werden für den kirchlichen Betrieb nicht mehr genutzt. In Großstädten sind deshalb Kirchen mit einem neuen Nutzungszweck schon längst nichts Neues mehr: Restaurant-Kirche, Kultur-Kirche, Jugend-Kirche – es gibt viele Möglichkeiten, neues Leben in alten Gemäuern unterzubringen. Doch auf dem Land sieht es anders aus. Auch dort verlieren die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Mitglieder, auch dort stehen Kirchen leer. Doch anders als in den Städten gibt es auf dem Land kaum „Laufkundschaft“, Menschen, die beim Flanieren durch die Innenstadt einfach mal einen Moment der Ruhe suchen und sich in die Kirche setzen, und kaum genügend Leute, die in einer ehemaligen Kirche essen gehen wollen oder sich ein Buch aus einer Bibliothek leihen woll

Nicht-Kirchliche Unterstützung

Trotzdem setzen sich viele Nicht-Kirchenmitglieder im ländlichen Bereich dafür ein, die Kirche im Dorf zu behalten und sie nicht anderen Zwecken zuzuführen. „Der Verkauf einer Kirche ist ein Verlust für alle, es fehlt ein Ort der Stille, der Besinnung, der Identität für ein Dorf“, sagt Professor Thomas Erne, Leiter des Kirchbauinstituts der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Wir müssen uns den Luxus leisten, Gebäude ohne direkten praktischen Nutzen zu haben“, so der Kirchbau-Experte. Wenn es aber gar nicht mehr geht und die rein kirchliche Nutzung zu teuer wird, dann rät die EKD den Gemeinden zu einer sorgfältigen Prüfung, ob es nicht andere Nutzungsmöglichkeiten geben kann. Auch Kooperationen mit säkularen Einrichtungen sind denkbar, wenn zum Beispiel am Wochenende weiterhin Gottesdienste gefeiert werden können.

Altes Gemäuer, neue Funktion: Bibliothek, Jugendherberge, Museum

Manche Kirchen, gerade in den neuen Bundesländern, sind schon vor vielen Jahren, manche schon vor Jahrhunderten profaniert worden, d.h. einem weltlichen Nutzungszweck zugeführt worden. Im thüringischen Mühlhausen sind nur noch drei der elf Stadtkirchen Gottesdienstort – die anderen wurden unter anderem zu Stadtbibliothek, Museum, Jugendherberge oder Theater. Mehrere Stiftungen setzen sich für den Erhalt der Gebäude ein, die maßgeblich das Stadtbild prägen. Auch in Köln gibt es eine Jugendherberge in einer ehemaligen Kirche, in Bielefeld ist ein Edelrestaurant in ehemals heilige Hallen eingezogen.

Kirche bleibt Kirche – nur kleiner

Einen ungewöhnlichen Weg hat die Dornbuschkirchengemeinde in Frankfurt eingeschlagen: Weil immer weniger Gläubige in den Gottesdienst kamen und das alte Kirchengebäude marode wurde, wurde das Gebäude um die Hälfte verkleinert. Der freigewordene Platz ist frei begehbar und mittlerweile zu einem belebten Zentrum des Stadtteils geworden. Markierungen auf dem Pflaster zeigen, wo sich vorher Bänke, Altar oder Kanzel befunden haben. Durch die Neuausrichtung des Innenraums wurde das beeindruckende Buntglasfenster vom ehemaligen Seitenfenster zum zentralen Altar-Hintergrund.

Kirche bleibt Kirche – aber mit „Mehrwert“

Manche Gemeinden bieten in ihren Kirchen zusätzlich zu den regelmäßigen Gottesdiensten sogenannte „Mehrwert-Angebote“. Besonders gelungen ist das in der Reutlinger City-Kirche: ein von Behinderten und Nichtbehinderten ehrenamtlich geführtes Café im Kirchraum lädt zum Verweilen ein, geschulte Mitarbeiter bieten zusätzlich seelsorgerliche Beratung an.
Auch die „Jugendkirche Stuttgart“ ermöglicht ihren Besuchern ganz neue Erfahrungen mit dem Raum Kirche: alles Mobiliar ist aus dem Kirchenschiff heraus geräumt worden, jetzt ist dort eine Kletterwand installiert, Malworkshops sind ebenso möglich wie Konzerte und Diskussionsveranstaltungen.

SWR-Fachredaktion Religion, Kirche & Gesellschaft

Das Interview findet sich unter:

http://www.swr.de/swr1/rp/programm/-/id=446640/nid=446640/did=8144032/1fm727e/index.html

 

Interview zum Kirchbautag Rostock 2011 mit Karsten Huhn (idea) im Ev. Sonntagsblatt für Bayern



  //  Was tun mit überzähligen Kirchen?  //  Modefall Frankfurt  //  Kongreß Wachsende Kirche Stuttgart 2008  //  Otto Bartning Sonntagsblatt Bayern April 2008  //  Entbehrliche Kirchen?  //  Kirchenabrisse verhindern
   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart