Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Tagungsthema
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Tagungsthema
Stephan Balkenhol, Sphaera 2007, Photo: Thomas Erne

Tagungsthema:

Aktuelle Kunsttheorien nehmen religiöse Kategorien wie Erscheinung und Ereignis als Momente der Kunsterfahrung in Anspruch, ohne dass der Kunst damit eine religiöse Dimension unterlegt wird. Die Kunst stiftet Transzendenzerfahrungen, Widerfahrnisse, Unterbrechungen des Alltags, die in der ästhetischen Immanenz bleiben. Diese ästhetische Spiritualität hat eine große Ähnlichkeit mit Religion. Die christliche Religion kann solche ästhetischen Erfahrungscharaktere mühelos identifizieren, aber sie kann sie nicht mehr mühelos religiös kommunizieren, jedenfalls nicht in ähnlich attraktiver Weise, wie das der Kunst in sinnlicher Anschaulichkeit gelingt. Der Kunst befriedigt heute die Sehnsucht nach Sinnerfüllung im Anschaulichen, das durch kein Wort und keinen Begriff ganz einfangen werden kann. Die Religion dagegen tut sich schwer ihre spezifisch religiöse Welt- und Lebensdeutung überzeugend und lebensnah verständlich zu machen. 

Wie reagiert die christliche Theologie auf diese Schlüsselfunktion der ästhetischen Erfahrung? Abgrenzung oder Verneinahmung der Kunst durch die Kirche schien lange Zeit die einzige Alternative zu sein. Nicht zuletzt die kirchlichen Begleitausstellungen zur documenta haben erfolgreich daran gearbeitet, dass sich das ändert und Kunst und Kirche als gleichberechtigte Partner ins Gespräch kommen. 

In der aktuellen Situation scheint es aber nun die Religion zu sein, die sich in der Auseinandersetzung mit der Kunst um Ebenbürtigkeit bemühen muss. Sie muss für ihre spezifische Art der Sinnstiftung neue Ausdruckformen zu finden, die sich neben dem Reichtum und der Erlebnisqualität der ästhetischen Erfahrung behaupten können. Gibt es nicht nur einen religiösen Charme der Kunst? Kann es auch einen ästhetischen Charme der Religion geben? Die Tagung fragt im Blick auf die kirchliche Begleitausstellung für die nächste documenta 2012 nach solchen Konstellationen, die neu sind an der Schnittstelle von Kunst und Religion. Die Ev. Akademie Hofgeismar lädt ein zum Gespräch mit Kunstwissenschaftlern, Kunstphilosophen, Kuratoren, evangelischen und katholischen Theologen.       



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