Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Exkursion 1: Dortmunder Westen und Bochum
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Exkursion 1: Dortmunder Westen und Bochum
Dorstfeld - Christuskirche Bochum - Stiepel - Winz-Baak/ Leitung: Roland Berner

Kirche Dortmund-Dorstfeld (Ev. Elias-Kirchengemeinde)

Repräsentativer neugotischer Ziegelbau in städtebaulich wirkungsvoller Lage, 1907 von Fritsche (Elberfeld), in der Nachfolge von Johannes Otzen. Eine der zahlreichen westfälischen Kirchen, die um 1900 im Zuge der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums sowie der Aufgliederung von Kirchengemeinden entstanden. Zweischiffig-asymmetrischer Predigtraum mit qualitätvoller Ausstattung, weitgehend erhalten, bemerkenswerte Sauer-Orgel. Ursprünglich reiche, raumschaffende Ausmalung nach Kriegsschäden purifiziert. Eine 1972 geplante erweiterte Nutzung (Zwischendecke) nicht realisiert. Trotz widriger Umstände (Schwammbefall, Brand, Wasserschäden) ist der Raum bis heute überkommen. Aufgrund sinkender Gemeindegliederzahlen 2006 Fusion zur flächenmäßig großen Elias-Kirchengemeinde, Umstrukturierung der Gebäudesituation, die allein drei Baudenkmäler umfasst (Dorstfeld, Marten/Immanuelkirche, Oespel). Geplant: Konzentration auf drei Zentren (Marten/Immanuelkiche, Oespel, Gemeindezentrum Oberdorstfeld), dabei Diskussion über die Standorte im Bereich Dorstfeld und die weitere (Mit-)Nutzung der prägnanten, verkehrsgünstig gelegenen Dorstfelder Kirche.

Projekt des Kirchbautages: Begleitung , Reflexion und Öffnung des Entscheidungsprozesses zur Zukunft der Kirche.

Christuskirche Bochum

1879 Einweihung der großen, zentralen neugotischen Stadtkirche (Hartel u. Quester, Krefeld), Neubau aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums sowie der erst 1874 erfolgten Union von lutherischer und reformierter Gemeinde. 1931 Einweihung der „Heldengedenkhalle“ im Turm (Rüter, Düsseldorf), raumfüllendes Goldmosaik mit Christusfigur und Namen Bochumer Gefallener des Ersten Weltkriegs, Nennung von 28 „Feindstaaten“. 1943 Zerstörung des Langhauses. Neben dem erhaltenen Turm 1959 Neubau des Kirchenschiffes in eigenständiger, kristalliner Formensprache (Oesterlen, Hannover), die seitlichen Ausfaltungen mit zeittypischer Betonverglasung (Lander), bemerkenswertes Wiederaufbau-Konzept in Westfalen. Seit 2000 übergemeindliche „Kirche der Kulturen“. Die jüngste Turmsanierung bezog die „Heldengedenkhalle“ mit ein, diese wird heute als umstrittener, doch entscheidender Teil der Kirche und ihrer Geschichte gesehen. Von ihr aus entfaltet sich ein Kunstprojekt im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010, der „Platz des europäischen Versprechens“ (Jochen Gertz).

Dorfkirche Bochum-Stiepel

Stiftung der Kirche um 1008 (1000-Jahr-Feier), bestehender Bau im Kern eine Basilika des 12. Jhs., Ende des 15. Jhs. zur Hallenkirche mit polygonalem Chor umgestaltet, Turm aufgestockt, am Außenbau die verschiedenen Bauphasen ablesbar. Im Inneren die vielfältigen Malereien des 12. bis 16. Jhs. von größter Bedeutung, diejenigen aus der 2. Hälfte des 12. Jhs. gehören zu den ältesten in Westfalen, überhaupt vermitteln nur wenige Kirchen der Region eine derart vollständige Vorstellung mittelalterlicher malerischer Gesamtgestaltung und ihrer Transformationen, bis hin zur Restaurierungsgeschichte. Die letzte Sanierung und Umgestaltung 1998-2007 wertete den geschichtsreichen Raum auf (Harder u. Pöpsel, Hagen), Neugestaltung der Prinzipalstücke und Leuchter (Stratmann, Essen). Im Gegensatz zu anderen Kirchen der Umgebung (Harpen) haben die Stiepeler Kirche und ihre Umgebung den dörflichen, ursprünglichen Charakter bewahren können, dazu trägt die Lage auf dem von einer Mauer umgebenen Kirchhof mit Grabsteinen des 14. bis 18. Jhs. bei. In jüngster Zeit Neustrukturierung des weiteren Gebäudebestandes in unmittelbarer Umgebung: 1998/99 Neubau Gemeindehaus (1. Bauabschnitt, Harder u. Pöpsel), das alte östlich des Kirchhofs abgerissen, Grundstücksteil neu verwertet für den Neubau dreier Häuser mit Eigentumswohungen (Klein und Neubürger, Bochum).

Kirche von Winz-Baak

Achteckbau mit Oberlichtband und gefaltetem Zeltdach, Turm am Ende eines flachen Seitentraktes, 1963 (Penner und Seebold, Velbert). In jüngerer Zeit ein Gemeindehaus angebaut. Typische Vorortkirche der Jahre um 1960, auffällige „Sonderform“. Die spröde bauzeitliche Inneneinrichtung war nie recht überzeugend, widersprach in ihrer frontalen Ausrichtung auf eine erhöhte Podestanlage mit linear angeordneten Prinzipalstücken der Zentralbauform. 2002 völlige Umgestaltung und Neuausstattung des Inneren (SOAN Architekten Hülsmann u. Boländer, Bochum/Warburg) als lichter Zentralraum, mit verschiedenen, räumlich getrennten liturgischen Polen. Überzeugendes Beispiel einer konsequenten Neugestaltung bei weiterhin uneingeschränkt sakraler Nutzung.



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