Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Exkursion 3: Dortmund quer
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Exkursion 3: Dortmund quer
Brackel - Melanchthonkirche - Lutherzentrum - Deusen/ Leitung: Susanne Kideys

Alte Kirche am Hellweg und Arent-Rupe-Gemeindehaus, Dortmund-Brackel

An einer Straßenkreuzung mit dem Hellweg in Brackel liegt eine der zahlreichen mittelalterlichen Kirchen in und um Dortmund. Kleine Hallenkirche mit Westturm, älteste bestehende Teile aus dem 12. Jh., die bewegte Baugeschichte an zahlreichen qualitätvollen Details ablesbar, Ausstattungsstücke unterschiedlicher Zeit überkommen: romanischer, um 1600 reliefierter Taufstein, barocker Altar, die jüngsten Glocken von 2000. Der zentrale historische Ort mit seiner über Jahrhunderte gewachsenen Dorfkirche in jüngster Zeit weiter gestärkt durch Konzentration des Gebäudebestandes in der Kirchengemeinde: Aufgabe peripherer Gemeindehäuser und weiterer Gebäude, Erwerb eines Grundstückes neben der Kirche, nach Architektenwettbewerb Umbau einer bestehenden Villa als Kinder- u. Jugendhaus sowie Neubau eines Gemeindehauses (Schmersahl Biermann Prüßner, Bad Salzuflen). Das Arent-Rupe-Haus verbindet als transparenter, mit „Bändern“ gestalteter Riegel die Kirche, ein kleines Fachwerkgebäude und die Villa. Das Motto „Näher ran“ charakterisiert diesen exemplarischen, zukunftsweisenden Bestandsumbau.

Melanchthonkirche

1963 im dichtbesiedelten Viertel östlich der Innenstadt erbaut (Lindner, Dortmund). Großzügiger Saal mit jeweils drei seitlichen Ausfaltungen, deren dem Altarraum zugewandte Flächen vollständig durchfenstert, geschlossene reliefierte Altarraum-Rückwand (Osten), diese wie die weitere Ausstattung von Wolfgang Kreutter. Einer der wenigen besonders gestalteten Kirchenneubauten Dortmunds der 1960er Jahre, gemäßigte „Sonderform“. Bereits 1927 das große benachbarte Gemeindehaus errichtet, Ziegelbau mit expressionistischen Anklängen. Separater Turm 1990 (Krug / van der Minde, Hagen). Die abgängige Betonverglasung aus der Erbauungszeit der Kirche nach einem Wettbewerb 1997-2005 sukzessive durch eine spektakuläre Neuverglasung ersetzt (Graham Jones, London), eines der größten Projekte von Neuverglasungen in der EKvW jüngerer Zeit. 2006 Fusion mit der St. Reinoldi-Kirchengemeinde, Sparmaßnahmen zwangen zur Aufgabe des Gemeindehauses (Umbau mit diakonischer Nutzung), infolgedessen Konzentration auf die Kirche: intensivere Nutzung eines bestehenden Anbaus, Einbau von Gemeinderäumen unter der Orgelempore, Entfernung der Bänke zugunsten variablerer Bestuhlung des Saales. Pragmatisches Beispiel für erweiterte Nutzung.

Luther-Zentrum Flurstraße, Lydia-Kirchengemeinde

Lutherkirche 1907 als „Tochter“ der St. Reinoldi-Kirche im dicht besiedelten Arbeiter- und Industriebezirk (Hoesch) im Dortmunder Norden errichtet (Marx, Dortmund). Die Bau- und Nutzungsgeschichte spiegelt Transformationen im 20. Jh.: Kriegszerstörung bis auf den Turm, 1963 Neubau des Kirchenschiffs in moderner Form über gestreckt-sechseckigem Grundriss (Schulte, Dortmund), einer der wenigen besonders gestalteten Kirchenneubauten Dortmunds der 1960er Jahre. Aufgrund struktureller und demografischer Veränderungen 2000-2003 Konzentration sämtlicher gemeindlicher Räume in der Kirche durch den Einbau eines offenen „Hauses im Haus“ (Hirche, Hamburg). Gottesdienstraum auf dem „Dach“ dieses Einbaus. Das benachbarte Gemeindehaus von 1930 an eine orthodoxe Gemeinde verkauft. In Konsequenz und Qualität bemerkenswerte Variante des Umbaus bzw. der intensivierten Nutzung eines Kirchengebäudes. Trotz des Engagementes der Gemeinde ist die weitere Nutzung aufgrund der schwierigen Lage in der Nordstadt (nach Gemeindefusionen nunmehr peripherer Standort, Bevölkerungsstruktur, riesige Industriebrachflächen) latent gefährdet.

Projekt des Kirchbautages: Vorstellung des beispielhaften Transformationsprozesses des Gebäudes, Chancen und Grenzen des Raumes sowie des Zentrums selbst in der Nordstadt.

Gustav-Adolf-Kirche/Begegnungszentrum Deusen

Kleiner Saal mit kräftigem Turm und kleineren Nebenräumen, gestalterisch schlicht mit expressionistischen Anklängen, 1928 für das abgelegene Dorf Deusen im Kirchspiel Mengede unter einfachen Bedingungen als mehrfach nutzbares Gemeindezentrum errichtet (urspr. Gottesdienstraum, Saal mit Bühne, Kindergarten, Wohnungen). Im Zuge von Gemeindefusionen und Sparmaßnahmen war das Gebäude in seinem Bestand gefährdet. 2007 Erwerb durch einen Förderverein zum Erhalt des Gebäudes als Stadtteil- und Begegnungszentrum. Gegenwärtig Umbau und Erweiterungsbau für Gastronomie (Hanke, Dortmund), nach einem Wettbewerb. Der neu entstehende Veranstaltungsraum kann ausdrücklich auch von der Kirchengemeinde für besondere Anlässe, Gottesdienste und Feiern gemietet werden. Bislang seltenes, innovatives Projekt der Nachnutzung einer Kirche und Erhalt als öffentliches Gebäude: die „Kirche bleibt im Dorf“.



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