Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Exkursion 4: Südwestroute
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Exkursion 4: Südwestroute
Barop - Kirchlinde-Rahm - Martinkirche - Nicolaikirche/ Leitung: Dr. Ulrich Althöfer

Margarethenkapelle, Klein-Barop

Kleiner Saalbau aus Bruchstein mit eingezogenem Chor und Dachreiter über dem Westgiebel, Teile noch aus dem frühen 13. Jahrhundert: romanisches Portal des Chores, Eckvorlagen an dessen Ostseite (innen), eine davon mit charakteristischem Kopfkapitell. 1829 weitgehend erneuert. Etwas erhöhte Lage inmitten des ehemaligen Kirchhofes. Mit dem Bau der Lutherkirche 1913 in Groß-Barop im Zuge der Industrialisierung Verlust der Jahrhunderte langen Bedeutung als Dorfkirche, Nutzung als Gemeindehaus geplant, 1925 ev. Jugendheim mit Turnhalle und Gruppenräumen (Zwischendecke im Chor), nach 1949 Gemeindehaus und Kindergarten, 1960er Jahre: Wiedereinrichtung des Langhauses als Gottesdienstraum. 2004 vollständige Entkernung des Inneren (Goedeking Architekten, Wuppertal), dabei Stärkung des Alten im Dialog mit Neuem: im Chor ein Kubus mit kleinen Nebenräumen frei eingestellt, zum Langhaus Wandscheibe mit Kreuz. Der asketische, intime Raum für kleinere Gottesdienste, aufgrund des beweglichen Gestühls für erweiterte Nutzung (Konzert, Vortrag, Lesung, Ausstellung ...) geeignet.

Kirche mit Gemeindezentrum, Kirchlinde-Rahm

1931 von Feldmann und Cramer, Dortmund. Rechteckiger Hauptbaukörper, darin unten Gemeindesaal, oben Kirchraum, östlich vorgelagert ein nach Süden halbrund vorkragender Turmriegel mit doppelläufiger Freitreppe, darin Gemeinderäume, Wohnung und Glockenstube. Bemerkenswertes Beispiel eines konzeptionell und stilistisch modernen Mehrzweckbaus der 1920er und 1930er Jahre, konzeptioneller Gegenpol zur gleichzeitig errichteten St. Nicolai-Kirche, in einem seinerzeit vom Bergbau geprägten Vorort. Im Zuge des verstärkten Siedlungsbaus in den 1950er und 1960er Jahren entstanden zwei weitere, periphere Gemeindezentren, beide zugunsten der baulichen Konzentration auf die zentral gelegene Kirche 2007 aufgegeben. Nach einem Gutachterverfahren (2007) aktuell Umgestaltung des kirchlichen Zentrums in mehreren Abschnitten (Thomas Kesseler, Düsseldorf), zugunsten von flexibleren und erweiterten Nutzungsmöglichkeiten und gestalterischer Aufwertung.

Martinkirche, Dortmund

 1968 von Gerhard Langmaack, Hamburg. Kleiner Kirchenbau auf nahezu rundem, im Norden etwas eingeschwungenen Grundriss, geschlossener, rot-gelblich verklinkerter Baukörper, seitlich zinnenartige Turmwand mit Glocken. Intimer Raum mit der für Langmaack typischen Polarität zwischen Richtung und Zentralisierung. Eine der wenigen herausragenden Kirchenneubauten Dortmunds der 1960er Jahre, völlig eigenständig innerhalb der umgebenden, geschlossenen, mehrgeschossigen Wohnbebauung. Das benachbarte, 1930 errichtete große Gemeindehaus 2003 zugunsten einer räumlichen Konzentration an der Kirche aufgegeben, diese wurde durch kragenartig um den Kirchsaal angeordnete Gemeinderäume erweitert, in Fortsetzung der ursprünglichen Entwurfsidee bei konsequenter Ausnutzung des beengten Grundstücks (Tobias Langmaack). Eine von drei Gottesdienststätten der 2007 fusionierten St. Petri-Nicolai-Kirchengemeinde.

St. Nicolai-Kirche Dortmund

1930 von Pinno u. Grund, unter Beratung von Paul Girkon, im dicht bebauten Wohnviertel südwestlich der Innenstadt errichtet. Name erinnert an die 1810 auf staatliche Anordnung abgerissene mittelalterliche Kirche am südwestlichen Rand der Altstadt. Bestand: im Westen Turm und riegelartiger Vorbau, östlich anschließendes Langhaus (900 Plätze) über trapezförmigem Grundriss, ausgerichtet auf den Altarraum mit Treppenanlage, Altar (Ostwand) und Kanzel (auf den Stufen) in einer Achse, vollständig verglaste Betonskelett-Konstruktion. Architekturgeschichtlicher Meilenstein: erster konsequenter, unverkleideter Kirchenbau Deutschlands aus Stahlbeton. Durch die künstlerische Verglasung (1930: Elisabeth Coester, nach Kriegszerstörung, 1963: Gottfried von Stockhausen) innen und nachts nach außen wirkender „Lichtbau“, weithin sichtbarer Turm mit beleuchtetem Kreuz. Bedeutende Ausstattung der Erbauungszeit, künstlerisch, liturgisch und in bautechnischer Hinsicht hochrangiger, konzeptionell tief durchdrungener Bau. Unter den wenigen Kirchenbauten der 1920er und 1930er Jahre in Westfalen von besonderer Bedeutung, Gegenpol zur pragmatischen Kirche in Do.-Kirchlinde (1930). Unter den drei Gottesdienststätten der 2007 fusionierten St. Petri-Nicolai-Kirchengemeinde die größte; aufwändige Bauunterhaltung, mittelfristig notwendig ist die Innenrenovierung, bei ungesicherte Finanzierung.

Projekt des Kirchbautages: Studentischer Wettbewerb zur städtebaulichen Aufwertung; Perspektiven für das architektonisch prägnante, stark sakral determinierten Gebäude.



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