Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Exkursion 7: Fußroute
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Exkursion 7: Fußroute
St Reinoldi – St. Marien – St. Petri Leitung: Michael Küstermann, Dr. Inge Janssen, Barbara von Bremen

 13.00 - 16.15 Uhr

Zusatzexkursion zu Fuß

 St. Reinoldi-Kirche

 Seit Beginn der schriftlichen Überlieferung die prominenteste unter den Dortmunder Kirchen, Hauptpfarrkirche der Stadt, bis zur Reformationszeit Ort der Verehrung des Stadtpatrons St. Reinoldus, Kirche des Rates und repräsentativer Ereignisse in der Hanse- und Freien Reichsstadt, bis heute Wahrzeichen der Stadt

Barocke und jüngere Ausstattung im Krieg zerstört, nach Wiederaufbau vollständige Neuverglasung durch Gottfried von Stockhausen 1967. Die vielfältige, in unterschiedlichen Kontexten entstandene und überkommene Ausstattung verweist auf die Transformationen des Gebäudes, die zugleich einer seit vielen hundert Jahren währenden konstanten Nutzung gegenüberstehen. Gegenwärtig zentrale Stadtkirche mit umfangreichem gottesdienstlichen, kirchenmusikalischen und kulturellen Angebot, offene Kirche, 2006 Anbau des Reinoldiforums: zweigeschossiger gläserner Zylinder auf den Grundmauern einer früheren Kapelle inmitten der Fußgängerzone (Wettbewerbsgewinner,: Schröder/Schulte-Ladbeck, Dortmund). Bewusst kontrastierender Neubau mit niedrigschwelliger Möglichkeit für Information und Gespräche, Wiedereintrittsstelle, Büros, zukunftsweisendes Projekt, das auf Strukturveränderungen reagiert und das Potenzial des Gebäudes stärkt.

Als Veranstaltungsort beim Kirchbautag knüpft St. Reinoldi an die Tradition als Gottesdienst- und Versammlungsort an, die Kirche wird in unterschiedlichen Transformationen erfahrbar sein: Gottesdienstraum, Vortrags- und Diskussionsforum, Ort für Konzert und Kunst. Im Reinoldiforum befindet sich das Tagungsbüro.

 

St. Marien-Kirche

Unmittelbar gegenüber der St. Reinoldi-Kirche gelegen, Gründung möglicherweise auf dem Gebiet einer Königspfalz in einem nicht näher bestimmbaren Kontext staufischer Reichspolitik, noch im 14. Jh. als „capella regia“ bezeichnet, u.a. Kirche des Ratsgerichtes, im heutigen Baubestand älteste der Innenstadtkirchen. Spätromanische, ursprünglich doppeltürmige dreijochige Basilika im „gebundenen System“, letztes Viertel 12. Jh., höherer gotischer Chor (1350 - 60). Nach schweren Kriegsschäden Wiederaufbau bis 1957 (Kessemeier, Dortmund). Umfangreiche, für Westfalen höchst bedeutende Ausstattung vom Mittelalter (Taufstein, um 1200) bis zum 20. Jh. (Fenster, Johannes Schreiter, 1972), Tafeln des „Berswordt-Altars“ (um 1385) und des Marienaltars (Conrad von Soest, um 1420) als höchst bedeutsame Zeugnisse gotischer Malerei und Spiegel des Stiftungswesensder seinerzeitigen städtischen Elite. Die „Einpassung“ der Conrad-von-Soest-Tafeln in einen Altaraufsatz 1720 im evangelischen Sinne sowie die Rückgewinnung der Fragmente nach 1945 sind Beispiel für die Transformation eines mittelalterlichen Aus stattungsstückes durch die Jahrhunderte. Gegenwärtig offene Gemeinde-kirche für Gottesdienste, Konzerte und Besichtigung, zur Pflege des baulichen und künstlerischen Erbes 2003 Gründung der „Stiftung Kulturgut und Kirchenmusik“ der Ev. St. Marien-Gemeinde.

Als Veranstaltungsort des Kirchbautages dienen unter anderem die Seitenschiffe der St. Marien-Kirche begleitende Präsentationen, Bücher- und Informationstischen

St. Petri-Kirche

 Jüngste der Innenstadtkirchen, im Kern Anfang 14. Jh. Dreijochige Halle über nahezu quadratischem Grundriss, einjochiger Chor mit 5/8-Schluss, auf seiner Nordseite zweijochiger Sakristeianbau, mächtiger Westturm mit hohem Spitzhelm - nach Zerstörungen 1752 und 1943 - 45 in Teilen ein schlicht-gotisierender Wiederaufbau der 1950er/1960er Jahre (Architekturbüro Kessemeier, Dortmund), 1981 der Turmhelm als äußerlicher Abschluss des Wiederaufbaus aufgesetzt, enorme städtebauliche Wirkung.

Bedeutendstes Ausstattungsstück das „goldene Wunder“, monumentales Altarretabel, 1521 in Antwerpen bestellt (Meister Gillisz Wrage, Schnitzwerk, Adrian van Overbeck, Malerei), ursprünglich in der Dortmunder Franziskanerkirche aufgestellt, nach deren Aufgabe und Abriss 1805 in die Petrikirche verbracht. Eines der größten und kostbarsten überkommenen Antwerpener Retabel überhaupt, mit drei Wandlungen, zudem aufgrund seiner Geschichte und Einbindung in unterschiedliche liturgische, räumliche und konfessionelle Kontexte ein Beispiel für Transformationen par excellence. Neben der sehr zurückhaltenden Neuausstattung der 1960er Jahre einige historische, aus dem städtischen Museum wieder übernommene Ausstattungsstücke. Gegenwärtig Einbau einer gläsernen Wand vor dem Chorraum als Klimaschutz für den Flügelaltar.

Die stadtkirchlichen Angebote der konzeptionell offenen St. Petri-Kirche richten sich seit Jahren an Menschen, unabhängig von Konfession und Kirchenzugehörigkeit, an alle, die Interesse an religiösen und spirituellen Themen haben sowie am Dialog zwischen Religion und Kultur. Das inzwischen banklose Kirchenschiff mit durchgängigem Holzfußboden ist variabel nutzbar. St.Petri ist eine von drei Kirchen in der 2006 fusionierten Petri-Nicolai-Gemeinde (vgl. St.Nicolai-Kirche und Martinkirche).

Als Veranstaltungsort des Kirchbautages dient das Kirchenschiff begleitenden Ausstellungen und Präsentationen.



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