Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Kirchen sind das Gedächtnis des Dorfes
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Kirchen sind das Gedächtnis des Dorfes

Marburg (epd). Nach Ansicht des Marburger Theologen Thomas Erne bedroht der Strukturwandel die Dörfer und ihre Kirchen. "Zentrale Frage ist, ob die Landwirtschaft überlebt und ob es gelingt, auf dem Land Arbeitsplätze zu schaffen", sagte der Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Marburger Universität in einem epd-Gespräch.

"Die Probleme der Dorfkirchen sind die Probleme des Dorfes", betonte der Direktor des Instituts, das zur Evangelischen Kirche in Deutschland gehört. Ursprünglich seien Dörfer wirtschaftlich autark gewesen. "Das hat sich stark verändert." Derzeit zögen immer mehr Menschen vom Land in die Städte. In vielen kleinen Orten sei nichts geblieben außer den Kirchen.

Erne rief dazu auf, neue Ideen für den ländlichen Raum und seine Kirchen zu entwickeln. Dorfkirchen seien ein "memory stick", das "Gedächtnis eines Ortes". Dort seien "Biografien verknüpft." Die Kirchen müssten Funktionen für die Gemeinschaft eines Ortes übernehmen. Damit verbunden sei eine "Nutzungserweiterung", zum Beispiel als Café, für die Jugendarbeit oder als Hotel.

Man müsse bei jeder Dorfkirche zusammen mit den Bewohnern des Ortes überlegen, wie sie genutzt werden könne. Erne nannte als Beispiel ein studentisches Projekt in Mecklenburg-Vorpommern, das ein "Netz von Fahrradstationen" entwickelte: Touristen radeln auf einer Route entlang von Dorfkirchen. Eine Kirche dient als Reparaturwerkstatt, in einer können die Radler übernachten und in einer anderen ein kulturelles Angebot wahrnehmen.

An der Erhaltung der Dorfkirchen sollten sich alle Bewohner beteiligen, aber dann müsse sich die Kirche auch für alle Bewohner öffnen und zu einer "Kirche des Dorfes" werden. "Jeder darf dort seine Identität kultivieren." Die Finanzierung der Kirchen hält der Professor für Praktische Theologie für unproblematisch. "Wir leben in einem Land, das noch nie so reich war wie heute. Und in der Situation soll das Land nicht in der Lage sein, seinen Schatz an Kirchen zu erhalten?" Allerdings werde man wohl nicht alle erhalten können, räumte Erne ein. Wenn es in Deutschland verwaiste Landstriche geben werde, "dann werden dort auch die Kirchen sterben".

epd april 2011



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