Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Aufbruch zu neuen Ufern
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Aufbruch zu neuen Ufern
Hörde - ein neuer Stadtteil ohne Kirche?

 Im Zuge des seit Jahren stattfindenden Strukturwandels im Ruhrgebiet wurden neben vielen anderen Standorten im Stadtgebiet von Dortmund im Frühjahr 2001 auch in Hörde die beiden Stahlstandorte Phoenix West und Phoenix Ost aufgegeben. Mit dem Rückzug dieser Branche haben sich Stadtbild und soziales Gefüge sehr verändert.

Phoenix West, ein ehemaliger Hochofenkomplex des Stahlwerkes Hoesch, westlich des Zentrums von Hörde gelegen, wandelt sich augenblicklich unter Erhalt und Einbeziehung ehemaliger Bausubstanz (Hochofenwerk) in ein ca. 110 ha  großes Micro- und Nano-Technologie –Areal. Nördlich hiervon wird sich ein in das Konzept des Emscher-Landschaftsparkes integrierender Phoenix Park als Naherholungsraum für Hörde und Dortmund anschließen.

Östlich des Stadtkerns von Dortmund-Hörde, auf dem Gebiet der ehemaligen Herrmannshütte (Phoenix Ost) entstehen auf  ca. 99 ha ein neuer Stadtteil mit einem ca. 24 ha großen See (größer als die Hamburger Binnenalster) mit Hafenanlage, Bürogebäuden sowie ca. 1300 Wohneinheiten, der dazugehörenden Infrastruktur und Naherholungsflächen. (siehe hierzu auch: www.phoenixdortmund.de)

Für den Stadtteil Hörde ergibt sich durch die Realisierung des Phoenixsees eine völlig neue Quartierssituation und somit auch für die Kirchengemeinde Hörde eine neue Herausforderung ihrer Wahrnehmbarkeit.

Im Zuge eines Studentenwettbewerbes (teilnehmende Universitäten sind die TU Stuttgart, die FH Hamburg, sowie die TU Dortmund) sollen vielfältige Möglichkeiten einer aktiven, für alle wahrnehmbaren Präsenz von Kirche in diesem sich neu bildenden Stadtteil herausgearbeitet werden. Die besten Arbeiten sollen prämiert, und während des 26. Evangelischen Kirchbautages in der Dortmunder St. Petri Kirche ausgestellt werden.

Der öffentliche Raum wandelt sich. In diesem Zusammenhang bekommt auch Kirche neue Bedeutungen und Aufgaben.

Es werden neue Bezüge rund um den Phoenixsee entstehen, neue Orte, wie z.B. Plätze, Wege, Blickachsen, „Wegmarken“ oder „Uferblicke“. Hier gilt es Präsenz zu schaffen, sich als Kirche in den Blick zu rücken, sich als Teil unserer Gesellschaft selbstbewusst zu präsentieren, Angebote zu machen und das gesellschaftliche Leben aktiv mitzugestalten.

Unterschiedliche Aktionen im unmittelbaren Umfeld des Sees, vielleicht in Form „fester“ Einrichtungen wie Treffpunkte oder Marken sollen klar kirchliche Angebote erkennen lassen und zugleich auch zur Lutherkirche mit ihren dort schon seit Jahren stattfindenden kulturellen Aktivitäten (Ausstellungen, Konzerte, etc.) hinführen.

Viele Jahrzehnte lang waren „Hoesch“ und „Hörde“ nahezu identisch verwandte Bezeichnungen für einen Stadtteil im Süden Dortmunds. Von stahl-erzeugender und -verarbeitender Industrie geprägt, war „Hoesch“ der große Arbeitgeber, bei dem Generationen von Hördern beschäftigt waren. Mit dem Rückzug dieser Branche haben sich Stadtbild und soziales Gefüge sehr verändert, ein Paradebeispiel für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Es kam zu einem drastisch hohen Verlust von Arbeitsplätzen mit Auswirkungen bis in die Gegenwart; zum Abriss bekannter Landmarken (Beispiel „Hörder Fackel“) , zur Rückgewinnung großer Freiflächen, ehemals „No-go-areas“, und zu einer deutlichen Verminderung von Umweltbelastungen/Emissionen.

Einhergehend mit den Strukturproblemen der letzten Jahre hat sich die Kirchengemeinde künftig mit 4 gesellschaftlichen Gruppen integrativ auseinanderzusetzen:

- einem sich immer mehr ausbreitenden „Prekariat“

- einem hohen Anteil Russlanddeutscher

- dem künftig nach Planumsetzung erwarteten „Wohlstandsbürgertum“

Das Zentrum von Hörde und die Kirche wird an den See rücken, es werden sich vielfältige Baumaßnahmen von Büroneubau über unterschiedliche Freizeitangebote bis zu gehobenem Wohnungsbau anschließen. Man rechnet hierbei mit ca. 400 - 1000 neuen ev. Gemeindegliedern, einer Zahl, die die demographischen Verluste in etwa ausgleichen könnte.

Überlegenswert scheit uns die benachbarten Kirchengemeinden Schüren (östlich des Sees) sowie Berghofen (südöstlich des Planungsgebietes) im Entwurfsprozess eines künftigen Auftretens von Kirche am See mit zu berücksichtigen.

Inhalte der kirchlichen Präsenz

Auszug aus bisherigen Grundsätzen / Ideen der Kirchengemeinde:

- Wir wollen etwas am See anbieten, auch für Jüngere, Alleinstehende, junge Familien, die Freizeitgesellschaft.

- Das Angebot soll klar kirchlich erkennbar sein, sich von den kommerziellen Anbietern unterscheiden und von inhaltlicher Qualität sein, also keine schnelllebige Eventkultur. Wir denken an einen Schwerpunkt im Zusammenhang mit dem Agendagedanken

-  Nach Möglichkeit sollen Partner „mit ins Boot“ genommen werden, z.B. BUND, Agendabüro, Kulturbüro der Stadt  etc.

-  Es soll kein großes neues Bauwerk entstehen, die für Hörde zentrale Lutherkirche ist in der Nähe. Wir denken vielleicht an ein Hausboot, das mit Cafebetrieb ausgestattet werden kann und sich für kleinere Veranstaltungen eignet.

-  Auch die Mitnutzung der geplanten „Kulturinsel“ ist denkbar.

-  Die Präsenz am See soll auch zur Lutherkirche hinführen, die außer für Gottesdienste schon seit Jahren für Ausstellungen, Konzerte, Märkte genutzt wird, etwa durch Hinweise im Straßenpflaster oder Sichtschneisen.

 

(Wettbewerb und workshop wurden veranstaltet vom Baureferat der Ev. Kirche von Westfalen)

KBR Reinhard Miermeister

Architekt Michael Fries

 



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