Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Kolumbarium St. Marien Hamburg
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Kolumbarium St. Marien Hamburg

Der St. Marien-Dom ist die zentrale Kirche des Erzbistums Hamburg. Das umfasst die drei Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

Nach Plänen des Büros Klodwig und Partner aus Münster wurde das Kolumbarium im März 2012 in der Krypta eröffnet. Es befindet sich direkt unter dem Altarraum. Die Entsprechungen zwischen oben und unten, zwischen dem Ort der Gottesdienste und dem Gedenkort für die Toten sind betont und ansprechend gestaltet. Dass die Lebenden und die Toten eine bleibende Gemeinschaft sind, ist der theologische und architektonische Leitgedanke. Im Prospekt wird das so beschrieben: „Über dem Altar sehen wir die Aufnahme Mariens in den Himmel. Ihr Leben ist für immer in Christus vollendet.“ Die golden gestaltete Decke (sc. des Kolumbariums) verweist wie das Apsismosaik (sc. der Kirche) auf den Himmel und das ewige Leben in der Gemeinschaft der Heiligen.

Eine weitere Entsprechung: In der Hauptachse des Doms befinden sich der Taufstein und eine Stele im Kolumbarium. Diese Stele nimmt Form und Material des Taufsteins auf.

Der Zugang zum Kolumbarium befindet sich nicht in der Kirche (was sich angesichts der Entsprechungen zwischen oben und unten nahelegen könnte). Er liegt an der Südseite. Über Treppen betritt man zunächst den Raum für die Beisetzung der Bischöfe. Von dort fällt der Blick links auf eine rote  Backsteinwand mit dem Schriftwort aus Lukas 10,20: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“ Die Urnenfächer sind aus dunkel gefärbter Bronze gefertigt. Sie haben Platz für 1.566 Urnen. Namen und Lebensdaten sind in erhabenen vergoldeten Buchstaben gefasst. Die Urnenwand erinnert an das „Buch des Lebens“ (Philipper 4,3) und an die Taufe oben in der Kirche: Gott hat jeden Menschen bei seinem Namen gerufen (Jesaja 43,1).

Sitzbänke sind sowohl im vorderen Gedenkort wie im Kolumbarium aus massiver alter Eiche gefertigt. Positiv fallen die edlen Materialien auf. Sie prägen die Ästhetik des ansprechenden Raumes und fördern das Gedenken. Hervorzuheben ist die sehr gelungene Lichtsituation mit den Variationsmöglichkeiten. Alles zusammen macht das Kolumbarium sinnenfällig zu einem Ort des Trostes. Eine Trauerbegleitung durch das Domkapitel und die Gemeinde ist geplant. Diese soll später auch in Zusammenarbeit mit dem Trauerzentrum St. Thomas Morus im Stadtteil Stellingen erfolgen. Dort wird es ein weiteres Kolumbarium in der Kirche, einen Abschiedsraum und Räume für Trauerbegleitung und Weiterbildungen für die Trauerarbeit geben.

Die Gesamtkonzeption überzeugt. Die Öffnung für die Gemeindeglieder unterscheidet sich deutlich von Grüften in alten Kirchen, in denen nur Bischöfe ihre letzte Ruhe fanden. Die Konzentration auf die theologischen Leitgedanken, die Umsetzung der Botschaft von der bleibenden Gemeinschaft der Lebenden und der Toten und von der Hoffnung auf die Auferstehung wird in einer beeindruckenden Raumgestaltung anschaulich.

Text: Hauptpastor i.R. Helge Adolphsen

Architekten: Klodwig  Partner, Münster / Andres Lichtplanung



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