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Himmel - Fahrt
Doris Conrads - Künstlerin des Monats Mai 2008

Doris Conrads

Vorgeschlagen von Thomas Erne

400 mal kommt der Himmel in der Bibel vor. Über seine Farbe erfahren wir nichts. Blau muß er sein, würde Goethe sagen, denn in seiner Farbenlehre ist blau die Farbe, die „vor uns zurückweicht“, die den Raum öffnet und weitet ins Unendliche. Er darf auch grau, weiß und schwarz sein, würde die Marburger Malerin Doris Conrads ergänzen.

Warum malt eine Künstlerin im 21. Jahrhundert den Himmel? Zufall? Weil Doris Conrads als Kind, den Kopf im Nacken, Tiepolos Himmel in die Würzburger Residenz bestaunte? Und dann bei Reimer Jochims die Kunst der Übergänge kennen lernte? Oder doch Notwendigkeit?  Weil beides im Bild des Himmels zusammenkommt, das Kind und die Malerin. Und so viel im Bild des Himmels ineinander über geht, die Zeit in den Raum und die Materialität zweidimensionaler Farbschichtungen in unendliche Tiefe und Weite.

Doris Conrads malt jedenfalls unbeirrbar wunderbare, den Betrachter in unendliche Welten verstrickende, konkret-abstrakte Bilder von Wolken- und Sternenhimmeln. Bilder, deren Faszination dann doch nicht ohne einen Schuß Metaphysik verständlich werden. Wir, so die kompensatorische These Joachim Ritters, sehnen uns nach einem Bild der Unendlichkeit exakt in dem Augenblick, wo uns diese verloren geht. Das haben auch andere Maler so empfunden: „Wann werde ich den Sternenhimmel malen - jenes Bild, das mich immer beschäftig?“ (Vincent van Gogh). Die Kunst bezeugt, was ohne sie, in transzendenter Obdachlosigkeit und naturwissenschaftlicher Nüchternheit entschwindet: ein Bild des ganzen ungeteilten Daseins.

Soviel an Bedeutsamkeit ist auch in der Kunst nicht ohne einen Schuß Ironie bekömmlich. Folgt man ihrem Lieblingswolkenzitat könnte es nicht die Kompensation des Unendlichkeitsverlustes durch Kunst sein, sondern die Entlarvung diese Bedürfnisses als Hirngespinst, eine ins Werk gesetzte Auflösung, ans Material gebundene Flüchtigkeit, die Doris Conrads der Wolkengebilde und Himmelsbilder nicht müde werden lässt: „Der Nordischen Mythologie zufolge wurden die Wolken bekanntlich gebildet aus des Riesen Gehirn. Und wahrlich: es gibt kein Besseres Sinnbild für die Wolken denn Gedanken und kein besseres für Gedanken denn Wolken. Wolken sind ja Hirngespinste und Gedanken, was sind sie anderes? Sieh, darum wird man alles anderen müde, doch der Wolken nicht“ (Sören Kierkegaard).



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