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Courtesy Renate Wiedemann, Worte im fluss
Courtesy Renate Wiedemann, Buchstabenvorhang
Courtesy Renate Wiedemann, Bottles
Courtesy Renate Wiedemann, Morgenstern
Kunst und Mystik berühren sich
Renate Wiedemann - Künstlerin des Monats Juni 2008

Renate Wiedemann

vorgestellt von Hildegund Keul

„Gravuren der Mystik“ – mit diesem Titel möchte ich das Werk von Renate Wiedemann charakterisieren. Von ihrer Ausbildung her ist sie Bildhauerin und hat schon manche Steinfigur geschaffen, z.B. am Kölner Dom. Aber sie arbeitet auch mit ganz anderen Materialien und erschafft Kunstwerke in filigranen Formen, wo fließen, wachsen, schwim­men, schweben ihren künstlerischen Ausdruck finden.

Renate Wiedemanns Kunstwerke tragen dazu bei, das Wort „Mystik“ aus seiner Erstarrung zu lösen, es zu verflüssi­gen, wieder lebendig werden zu lassen. Zum 800. Geburtsjahr der Mystikerin Mechthild von Magdeburg 2007 / 2008 gestaltet Renate Wiedemann derzeit eine Ausstellung im Kloster Mariensee: „Nie versiegende Quelle“. Ein Teil dieser Ausstellung wird vom 4. – 6. Juli 2008 im Roncalli-Haus Magdeburg zu sehen sein, wenn wir dort unsere Fachtagung „Gottesferne – ganz nah“ durchführen. In den Werken sind tausende tanzende Buchstaben zu finden: geklebt, getackert, geschichtet. Manch­mal kann man auch Worte ausmachen: „Immer neu von Gott“ ist dem Kunstwerk „Worte im fluss“ eingeschrieben.

Sprache ist in ihre Einzelteile zerlegt und kommt ins Fließen. Ich sehe hierin ein zentrales Thema der Mystik: Sprache, die aus Sprachlosigkeit wächst. „Hier zerbricht mir mein Deutsch“, sagt Mechthild von Magdeburg. Erfah­rungen von Sprachlosigkeit und Verstummen können ein Ort sein, an dem sich Erleuchtung ereignet. Denn Menschen, die verstummen, sind hellhörig für das, was sie in ihrem Verstummen sprachfähig macht.

In dieser Spur ist „Worte im fluss“ von Gold als Hinter­grundfarbe bestimmt und verweist auf göttliche Präsenz. Die Buchstaben zeigen Bewegung an, sie fließen vom Himmel – oder wachsen sie mit „Wortwurzeln“ aus der Erde? Der Hl. Geist sagt bei Mechthild: „Meine Gnade fließt von Natur aus zu Tal.“ Und dieser Hl. Geist ist für Offenbarungen zuständig, für Erleuch­tungen. Er hat es mit dem Wort zu tun, das in bedrängender Weise fehlt, dann aber auf überraschende Weise zufließt: Worte im fluss.

 

www.frauwiedemann.de – die Homepage der Künstlerin

www.frauenseelsorge.de – mehr über die Fachtagung „Gottesferne – ganz nah“

www.kloster-mariensee.de – mehr über die Ausstellung „Nie versiegende Quelle“

 

 

Courtesy Renate Wiedemann, Portato


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