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vorgeschlagen von Martin Benn
Will man das Werk des Künstlers Werner Mally erschließen, ist es sinnvoll, sich auf drei Ebenen anzunähern. Erstens auf der Ebene seiner freien Arbeiten. Zweitens im Bereich seiner Gestaltungen im öffentlichen Raum und drittens über seine Auftragsarbeiten für Kirchengemeinden.
1.) Freie Arbeiten
Werner Mally lebt und arbeitet in München. Das primäre bildnerische Material seiner freien Arbeiten ist Holz. Umfangreiche Baumstämme bilden in der Regel die Grundmasse seiner Skulpturen. Sein bevorzugtes Arbeitsgerät ist die Kettensäge. Mit ihr zerteilt er die Baumsegmente oder Holzquader in einige größere Formteile oder er löst aus dem Urvolumen Holzsegmente heraus, die er wiederum in kleinere Segmente zerlegt. Außer dem Materialverlust durch die Sägeschnitte bleibt dabei in der Summe das Urvolumen erhalten. So hat der Künstler zwei Möglichkeiten, seine Kunstwerke zu zeigen: Zum einen wieder zu der ursprünglichen Form zusammengefügt, in der die außen liegenden Einzelteile ablesbar bleiben oder zum Anderen als variables Fragmentenensemble oder Formensystem. Diese ergießen sich in den Raum oder werden Teil von ihm. Dabei ist Werner Mally immer auf der Suche nach neuen Beziehungsqualiäten von Volumen und Leere, von Aussenhaut und Hohlraum (Skulpturimmanent), von Form A zu Form B, Skulptur und Ort (Raumimmanent)…, auf der Suche nach dem nicht mehr ephemeren, endgültigen Raum, der sich qualifiziert durch ästhetisch anspruchsvolle Formen und ihrer Ordnung. Zusätzliche Spannung und rezeptiven Genuss erhalten seine Werke durch ihr Changieren zwischen unterschiedlichen, sich aus der Perspektive der Logik scheinbar ausschließenden Wahrnehmungsebenen. Seine Werke können beispielsweise als schwer und leicht, aber auch als spielerisch und ernsthaft oder natürlich und konstruiert zugleich wahrgenommen werden.
2.) Arbeiten im öffentlichen Raum
Verwendet der Künstler bei seinen freien Arbeiten ein Subtraktionsverfahren, um zur Form zu gelangen, geht es bei den Arbeiten im öffentlichen Raum um ein additives Arbeiten. Der Künstler fügt dem „Volumen des Ortes“ etwas hinzu. Bei den freien Arbeiten hat es den Anschein, dass der Künstler sich in das Holz „einliest“, um wie selbstverständlich eine gefundene Form heraus zu lösen. Seine Arbeiten im öffentlichen Raum wiederum sind davon gekennzeichnet, dass er an einer geographischen Stelle „schürft“, um diese dann durch seine Hinzufügung zum verdichteten Ort werden zu lassen. Benutzer, Umgebung, Bestimmung spielen ebenso eine Rolle bei der Gestaltungsfindung, wie subtilere Merkmale, beispielsweise Geschichte und Geologie. Licht- und Schattenverhältnisse werden substantielle Teile dieser Arbeiten. Es entstehen skulpturale Architekturen, die den Benutzer zu sich selbst kommen lassen. Im Tag-Nachtraum im Krankenhaus München-Harlaching beispielsweise können eintretende Patienten sich entscheiden, welcher inneren Befindlichkeit sie in ihrer ambivalenten Situation des Krankenhausaufenthaltes „nachgehen“: Laufen sie in die dunkle Nachtseite des Raumes, der Seite der Gebrechlichkeit, Endlichkeit und Bedrohung oder auf die Tagseite des Lichts der Hilfe, Rettung und Hoffnung. Auch beim Entwurf „Restlicht“ für eine Gedenkstätte der zerstörten Synagoge in Schwerte wird deutlich, dass es dem Künstler gelingt, den Rezipienten auf ganz andere Weise mit sich selbst in Berührung zu bringen. Sein von Betonsäulen getragenes Stahldach ist mit den Jahreszahlen 1938 – 1945 perforiert, so dass die Sonne die Jahreszahlen als Lichtpunkte auf den Boden projiziert. Das Sonnenlicht bringt Erinnerung, also Licht, in dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte. Derjenige, der unter den Baldachin tritt, wird zur Projektionsfläche dieser Geschichte, er wird erlebbar in diese Geschichtsepoche involviert, und erinnert, dass er für deren Nichtvergessen Verantwortung trägt. Bei den öffentlichen Arbeiten wird der Rezipient essentieller Teil der Kunstwerke Werner Mallys.
3. Altarraumgestaltungen
In seinen Altarraumgestaltungen fließen zwei handlungsleitende Elemente aus freien Arbeiten und Arbeiten im Öffentlichen Raum zusammen. Altar, Ambo, Taufbecken bestechen zunächst durch ihre Ästhetik. Dabei bleibt der Künstler seiner Arbeitsweise zur Formenfindung treu. Auch hier werden große Holzstücke aus einem gemeinsamen Volumen herausgetrennt und in eine neue Beziehung zueinander gesetzt. Trotz ihrer Individualität bilden sie eine neue Einheit im künstlerischen und jetzt auch im theologischen Geist. Sie verstehen sich nicht (nur) als autonomes Kunstwerk, sondern beziehen die Nutzer, die Bestimmung des Raumes und seine Architektur mit ein. Werden soziale Skulptur im halb öffentlichen Raum Gemeinde. Durch seine inhaltlich, formal und ästhetisch anspruchsvollen Arbeiten gelingt es dem Künstler Werner Mally, spannende Kirchräume zu gestalten, die zwischen geerdet sein und Transzendentem zu vibrieren schienen. Es gelingt ihm noch nicht, den endgültigen Raum zu gestalten, aber er schafft sehr bemerkenswerte Orte, die der Begegnung mit dem Endgültigen Raum geben.
Biografie in Auswahl
Werner Mally - lebt und arbeitet in München
1955 in Karlovy Yary (Karlsbad) CZ geboren
1966 Umsiedlung nach Deutschland
1980-84 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Eduardo Paolozzi
1984-85 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Bruno Gironcoli
Preise
Füger-Preis, Akademie der Bildenden Künste Wien
Preis des Bayrischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
Kunstpreis Ev. Lutherische Landeskirche Bayern
und Stipendium Artist In Residence, Krems
Arbeiten im öffentlichen Raum (Auswahl)
2007 Sanitätsakademie München, Befehlsfreie Zone
2006 Skulpturenmuseum und Paracelsiusklinik der Stadt Marl, Spira II
2006 Klinikum Uni Regensburg, Zwischenraum
2004 Uniklinik Würzburg, Amphore in drei Zuständen
2002 Pfarrkirche Heilig Kreuz in Schaftlach, Prinzipalstücke
2002 Johanniskirche in Bad Bocklet, Prinzipalstücke
Zahlreiche Einzel-und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.
Werner Mally wird u.a. vertreten durch die Galerie Seippel, Köln.
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart