Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Textile Installation
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Vita

geb. 17. 2. 1950 in Gdynia, Polen

1969 Studium an der Kunsthochschule in Gdansk

1975 Diplom

Tätigkeit als freischaffende Künstlerin

1980 Übersiedlung nach Westdeutschland

1984 lebt und arbeitet in Ulm

Arbeitsschwerpunkt

neben Malerei und Performance besonders textile Installationen in sakralen und anderen Räumen, u. a. „Lichtpyramide 2000“ im Berliner Dom, in der Erlöserkirche in Jerusalem und in der Hagia Irene in Istanbul

Links

Homepage der Künstlerin: http://gabrielanasfeter.de

Ein virtueller Rundgang mit Musik: http://www.citykirche-konkordien.de/index.php?id=204

Textile Installation
Gabriela Nasfeter - Künstlerin des Monats August

Gabriela Nasfeter

Vorgeschlagen von Gerhard Marcel Martin

Im Projekt „Von Außen nach Innen“ in der Mannheimer CityKirche Konkordien (5. April bis 11. Mai 2008) wurden auf einem im Kirchenraum in mehreren Stoffbahnen hängenden Kubus Passanten projiziert, die an der Kirche vorbeigehen. In dieser Arbeit verbinden sich Licht, Ton, Raum und Projektion zu einem Gesamtkunstwerk, das die Kernthemen der CityKirche aufgreift: Begegnung von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Gesinnung.

In einer Meditation anlässlich der Finissage am Pfingstsonntag wurde gefragt, wie sich diese Rauminstallation in Verbindung bringen ließe mit Pfingsten: Brausen und Wind und Feuer und Geist. Nach der Erzählung der Apostelgeschichte 2 ist Gott, der Künstler, zu Pfingsten in seinen Elementen: Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist auf ihre Weise eine göttliche performance, die überrascht und überrollt, das ganze Haus erfüllt und Kommunikation ermöglicht.

Die Einladung zu einer Imaginationsübung in der Installation wurde eröffnet durch die Frage: Wie, wenn diese großen Stoffbahnen, feuergefährdet und empfänglich für den Wind, so etwas wie Membrane für den Heiligen Geist wären? Schimmernde Häute für Licht und Lichtreflexe sind sie – ohne Frage. Die Schwingungen von Orgel- und Gesangstönen nehmen sie allemal auf. Sie brechen sie, verstärken sie, sind in Resonanz – wie das Trommelfell des Ohres. Die performative Inszenierung der Installation macht sie auch zur Leinwand für die Bild-Projektionen von außen nach innen. So werden die Stoffbahnen zu Netzhäuten, der Kirchenraum ein großes Auge. So wie er Häute bekommen hat und Ohren.

Diese Interpretationsspur ist natürlich nur ein Aspekt, eine Möglichkeit, sich dem Kunstwerk von Gabriela Nasfeter zu nähern. Aber man / frau könnte noch einen – alles noch einmal verändernden, ganz subjektiven – Schritt darüber hinaus wagen. Dieser Schritt wird eröffnet mit der Frage: Wie, wenn ich mich körperlich hineinversetze in die Installation der Künstlerin? Wie, wenn ich selber mit Haut und Trommelfell und Auge eine solche Installation, ein Kunstwerk Gottes würde? Das mag auf den ersten Blick absurd klingen; aber pfingstlich ist es nur konsequent, mit offenem Atem und geöffneter Körperhaltung dieser Vorstellung für einen Augenblick nachzugehen, sie mitzuvollziehen:

Ich bin Segeltuch für den Geist Gottes.
Er macht mich wach und straff.
Er macht, dass ich mich lebendig fühle – bis zur Zerreißprobe.
Ich empfange Töne und Bilder, spüre Feuer und Wind:
das innere und das äußere Feuer; den Wind draußen und den Durchzug in der Seele.
Ich bin Gottes Radarschirm. Ich empfange und gebe weiter; ich bin auf Sendung.
Ich bin Gottes Spiegelteleskop,
offen für die Signale aus dem Weltraum: Weltinnenraum / Weltaußenraum.
Auch Mannheim ist ein Teil des Weltraums.
Auch mein Leib – ob alt oder jung – ist ein Teil des Kosmos, ein Teil des Universums.
Teil von allem, in Verbindung mit allem.
Und nicht nur abstrakt und absurd und abgespalten,
sondern mit anfänglichem Verstehen und manchmal
mit berstender Freude, pfingstlichem Mut und Übermut: „cosmic joy“.

Gabriela Nasfeter, 2008, Citykirche Konkordien, Mannheim
Gabriela Nasfeter, 2008, Citykirche Konkordien, Mannheim
Gabriela Nasfeter, 2008, Citykirche Konkordien, Mannheim
Gabriela Nasfeter, 2008, Citykirche Konkordien, Mannheim
Gabriela Nasfeter, 2008, Citykirche Konkordien, Mannheim


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