Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Steffi Jüngling - Künstlerin des Monats Oktober
  //  Recherche  //  Künstler des Monats  //  2009
suche   //   intern   //   drucken
x

Infos zur Künstlerin:

Steffi Jüngling lebt in Kassel.

Homepage: www.jungling.de

e-mail: steffi@jungling.de

 Vita:

1991 - 1994      

Ausbildung zur Steinbildhauerin in Nürnberg

1996 - 2002      

Studium Freie Kunst, Kunsthochschule Kassel

2000 - 2001      

MA Fine Art, Central St. Martins College, London (DAAD Stipendium)

2003                

RADAR-Stipendium der EU für Venedig, Italien und Plovdiv, Bulgarien

2003 - 2004      

DAAD Jahresstipendium für Japan, Chukyo University, Toyota

2005                

Robert Koch Projekt Stipendium für Sibirien

2005 - 2006      

PGCE Secondary Art&Design Education, Greenwich University, London

seit 2007         

Promotion (PhD Fine Art ctice), University of the Arts, London

Künstlerische Mitarbeiterin, Kunsthochschule Kassel

Ausstellungen (Auswahl):

2009

  • Stephen Lawrence Gallery, London
  • Dialogausstellung, Japanisches Kulturinstitut, Köln
  • Poetikum, Akademie der Künste, Berlin

2007

  • Kappatos Gallery, Athen, Griechenland
  • Poetikum, Kunsttempel Kassel

2006

  • Debut, Kunstverein Offenburg

2005

  • „Mein Herz“, Nationalbibliothek, Ulan-Ude, Burjatien, Russland
  • „ex libris“, Murhardtsche Landesbibliothek, Kassel
  • „Schweizer Krankheit“, Kunsthaus Dresden

2004                

  • „Trash Dandy“, ef gallery, Tokio, Japan
  • „room4love.com“, Love Hotel/ef gallery/web, Tokio
  • „sunflower“, ef gallery, Tokio, Japan
  • „Wenn“, Goethe Institut, Tokio, Japan

Steffi Jüngling - Künstlerin des Monats Oktober
vorgestellt von Susanne Jakubczyk (Evangelisches Forum, Kassel)

Steffi Jüngling entwickelt ihre künstlerischen Projekte in direkter Auseinandersetzung mit den jeweiligen Orten und ihren spezifischen räumlichen und inhaltlichen Gegebenheiten. Für die Alte Brüderkirche in Kassel entstand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „8x alte Brüderkirche“ eine Installation, die an einem Abend im August zu sehen war. Unterhalb der Decke des 16 m hohen Kirchenschiffes wurden ca. 90 rote Maurerschnüre befestigt. Die Enden der Maurerschnüre wurden an aufgeschlagenen Büchern verknotet, so dass sich der Eindruck von einer Art Lesebänder ergab. Durch die so gespannten Schnüre entstand ein kegelförmiger Raumkörper innerhalb des Kirchenraumes. Bei den Büchern handelte es sich um eine speziell getroffene Auswahl aus antiquarischem Bestand: Wörterbücher, Grammatiken, Nachschlagewerke, Lehrbücher und Urlaubswortschätze verschiedener Sprachen.
 
Die BesucherInnen setzten sich aktiv mit der Raumskulptur auseinander, lasen in den aufgeschlagenen Seiten und teilten ihre Entdeckungen von Altbekanntem oder Neuem mit anderen. Allein die Musikerin Iva Bittová wagte es, die Grenzen des erschaffenden Raumkörpers zu überschreiten und in ihn einzutreten. Die Kommunikation über das Vorgefundene ist konzeptioneller Teil der Arbeiten Jünglings. Bedeutung wird nicht vorgegeben, sondern entsteht durch den jeweiligen Kontext, den Ort und durch die Betrachtenden. Im Kontext eines Kirchenraumes wird ein aufgeschlagenes hebräisches Wörterbuch anders wahr genommen als in einem anderen Raumzusammenhang. Bücher als künstlerisches Material legen an diesem Ort Gedanken zur religiösen Bedeutung von Sprache nahe: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ (Joh 1,1).
 
„Übersetzung ist in meiner Arbeit, wie in meinem Leben immer wieder ein Thema; sei es die Übersetzung von einer Sprache in die andere, oder das Verständnis von Ereignissen als Übersetzung in die eigene Realität. Übersetzung ermöglicht immer einen neuen Zugang, für manche deutschen Worte gibt es in anderen Sprachen keinen Ausdruck oder umgekehrt. Der Versuch, zu übersetzen, wird so zu einer Tätigkeit, in der das eigene, vermeintlich Vertraute neu entdeckt werden kann, im Falle der Sprache als ein wahrer Wort-Schatz. Dies bietet die Möglichkeit, sich in seinem Verständnis neu zu erfinden“. S. Jüngling

Jünglings durchlässiger Raumkörper eröffnet Fragen nach Verstehensprozessen, dem Willen nach Kommunikation, ihren Möglichkeiten aber auch ihren Grenzen. So brach der Dolmetscher mit den Worten „Ich kann nicht mehr“ während der konfusen, wütenden Rede Gaddafis vor der UN-Vollversammlung Ende September zusammen. Seine Worte bezogen sich sicherlich nicht nur auf die Länge der Rede, sondern legten die hohen Anforderungen in Bezug auf professionelle Objektvität von Simultan-ÜbersetzerInnen offen.

Die „Alte Brüderkirche“ ist das älteste erhaltene Kirchengebäude der Stadt. Als entwidmete Kirche wird sie für Ausstellungen sowie kirchliche und kulturelle Veranstaltungen genutzt. An acht Abenden von Mai bis September werden seit 2004 MusikerInnen, KünstlerInnen und TheologInnen zu einem experimentellem Zusammenspiel von Bildender Kunst, zeitgenössischer Musik und Wort eingeladen. Die Herausforderung bestand für Steffi Jüngling nicht nur im Einlassen auf den Kirchenraum, sondern auch in der Auseinandersetzung mit den Beiträgen der beiden anderen Beteiligten dieses Abends, dem Theologen Matthias Meißner und der Musikerin Iva Bittová.



  //  Steffi Jüngling - Künstlerin des Monats Oktober   //  Kerstin Gottschalk  //  Miriam Hilker  //  Thomas Putze  //  Der Mensch erscheint im Postvirtuellen  //  Naturgeschichten Regula Dettwiler April 2009
   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart