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Der japanische Künstler Motoi Yamamoto verwandelt unscheinbares Speisesalz in endlos scheinende Labyrinthe, Blütenteppiche oder meterhohe zerbrechliche Treppen. In der Kunst-Station Sankt Peter in Köln ist nun eine seiner vergänglichen Bodenskulpturen zu sehen, die er in zehn Tagen geschaffen hat. Bis zu fünfzehn Stunden kniete der Künstler pro Tag auf dem geschliffenen Boden der spätgotischen Kirche und schuf so im Mittelschiff einen beeindruckenden Kreis aus fragilen Salzlinien. Ungläubig bestaunen die Besucher die ineinander verschlungenen Salzornamente, die auch den Altar des baskischen Künstlers Eduardo Chillida im Seitenschiff einbeziehen. So präzise die Salzlandschaft auch aus der Ferne erscheinen mag. Die kleinen ornamentalen Salzaufhäufungen zerrinnen bei der kleinsten Berührung.
Die detaillierte Salzgraphik erinnert viele Betrachter an die japanische Tradition der geharkten Zen-Gärten und an seine Verwendung in Trauerritualen. Motoi Yamamotos Faszination für das industrielle Speisesalz hat in diesem Zusammenhang auch einen sehr persönlichen Hintergrund. „Um die Realität zu akzeptieren“ widmet er die meditativen Salzskulpturen seiner Schwester, die vor zehn Jahren an einem Gehirntumor verstarb. Die Labyrinthe sind für ihn eine Reise in die eigene Erinnerung. Bis zur Vollendung wisse er selber nicht, ob der den Kern des verschlungenen Kosmos erreiche oder ob der Prozess durch eine unerwartete Wendung abgebrochen würde. In diesem Sinne begegnen sich persönliche Erfahrungen wie auch kulturelle und religiöse Fragen in den Skulpturen des japanischen Künstlers.
Motoi Yamamoto freut sich unter salz@mikikosatogallery.com über Photos von seiner Installation. Am 6. Juni 2010 wird im Kindergottesdienst die Skulptur aufgelöst und in den Naturkreislauf zurückgeführt. Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog.
Biographie: Motoi Yamamoto
1966 geboren in Hiroshima, Japan
1995 B.A. Kanazawa College of Art
2003-2004 Stipendium der "Pollock-Krasner Foundation, Inc."
2008 lebt und arbeitet in Kanazawa Japan
Einzelausstellungen (Auswahl)
2006 Ginza Komatsu Art Space, Tokyo/Japan
2005 Mikiko Sato Gallery, Hamburg/Germany
2005 Nizayama Forest Art Museum, Toyama/Japan
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2008 „Landschaft" Radium, Tokyo/Japan
2008 „Law of Life" Ashikaga Museum of Art, Tochigi/Japan
2006 „C.A.R.K.2006" Patras/Greece
2006 „Force of Nature" Institute of Contemporary Art,
Charleston, South Carolina/USA
2005 „hoch hinaus" Kunstmuseum Thun/Switzerland
2005 „Rising Sun, Melting Moon" The Israel Museum,
2004 „Gwangju Biennale 2004", Gwangju/Korea
2004 „108" Ise Cultural Foundation,New York/USA
Autorin: Bettina Schürkamp
Studium der Architektur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Architectural Association in London. Architektin in Architekturbüros in Deutschland und England, unter anderem für Bolles+Wilson, Münster und Peter Kulka, Köln. Von 2001 bis 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Architektur-Geschichte und -theorie an der Universität Wuppertal. Arbeit derzeit als selbständige Architektin AKNW und freie Journalistin für Verlage im In- und Ausland. info@emergence-architecture.eu
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart