Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Evgeny Antufiev
  //  Recherche  //  Künstler des Monats  //  2016
suche   //   intern   //   drucken
x
Evgeny Antufiev
Künstler II des Monats Juli

«In den Joint Ventures setzen sich Künstler mit einem anderen Beruf auseinander, und die Hosts erleben ihren Beruf neu durch die Augen des Künstlers» , dies war die Grundidee des Manifesta –Kurators Christian Jankowski, der selbst Künstler ist und durch kommunikative  und interaktive, oftmals hintergründig komische Aktionen eine besondere Art der Feldforschung am menschlichen Objekt betreibt.  

Er hat in seine Manifesta-Idee viele Berufsstände einbezogen, unter anderem auch den reformierten Pfarrer Martin Rüsch. Er bekam es mit dem Künstler Evgeny Antufiev ( * 1986, Kyzyl, Russland, lebt und arbeitet in Moskau) zu tun, der das Thema Vergänglichkeit in der Züricher Wasserkirche in morbide Bildwerke übersetzte. Die Manifesta – Redaktion stellt das Projekt von in der Züricher Wasserkirche auf ihrer webseite so vor (http://m11.manifesta.org/de/artist/antufiev-evgeny):

„Ein Bibelzitat, das die Vergänglichkeit des Menschen mit dem Welken einer Blume vergleicht, bildet den Ausgangspunkt für Eternal Garden. Antufiev wurde von der seltsamen Verknüpfung angezogen, die entsteht, wenn Tier- oder Pflanzenarten nach einer berühmten verstorbenen Person benannt werden. Der Künstler hat die Wasserkirche mit Rosen geschmückt, die nach Literaten benannt sind. Vom Deckengewölbe hängt das riesige Modell eines Schmetterlings, eine Referenz an Vladimir Nabokovs zweite Karriere in der Schmetterlingskunde. Der im Löwenbräukunst präsentierte Film von Antufiev zeigt die Pilgerfahrt des Künstlers zu Nabokovs Schmetterlingssammlung, die heute im Zoologischen Museum in Lausanne aufbewahrt wird.“

Wir haben den  „Host“ bzw. Gastgeber Martin Rüsch um eine eigene Schilderung gebeten. Er beschreibt für uns die von Evgeny Antufiev verwandelte Wasserkirche:

ETERNAL GARDEN - Kunstinstallation in der Wasserkirche Zürich im Rahmen der Manifesta 2016

Mit der Grundidee der Manifesta Zürich verbunden ist die Kooperation einer künstlerischen Position mit einem in Zürich ansässigen Berufsstand. So kam es zur Begegnung des russischen Künstlers Evgeny Antufiev mit dem reformierten Pfarrer Martin Rüsch (GrossmünsterZürich) -nicht nur im Gespräch und Austausch, sondern in der dann daraus resultierenden Installation in der Wasserkirche.

Für den Künstler ist einem Kirchenraum eingeschrieben, dass es darin wesentlich um die grossen Themen des Menschseins geht. Der Kirchenraum ist ein geistiger Raum. Zeitlichkeit und Ewigkeit – der „eternal garden“ – bilden so etwas wie ein Axiom  für alle Wahrnehmungen.

Ein riesiger Schmetterling schwebt da, wo im Mittelalter Altarbild oder Kreuz standen. Unter seinen Flügeln verschiedene Vitrinen, darin Gegenstände, welche zum einen mit der Thematik verbunden sind, zum andern einen Niederschlag der Gespräche zwischen Künstler und Pfarrer darstellen. Nabokovs Schmetterlingsaufbewahrungsbüchsen, verblühte Rosen aus dem Rosengarten für Blinde,  in Stein gemeisselte Bibelworte, Fragmente von Polkes Achatsteinen, Relikte aus alten Feder- und Briefmarkensammlungen, Textfragmente. Etwa aus einer Schrift Giacomettis, welche darlegt, dass aus der Betrachtung von Schmetterlingsflügeln er seine Farbtheorie entfaltet hat und hinter dem Schmetterling in der Wasserkirche finden sich denn auch Glasfenster von Augusto Giacometti… Der Kirchenraum, diverse Objekte, Texte, Mailnotizen, archaisch-kindlich anmutende Bronzegefässe bis hin zu einem „secret room“ führen so auf eine Spurensuche, welche einen die Zeit vergessen lässt. Für eine Weile.

Text und Fotos:  Martin Rüsch



  //  Barbara Bux  //  Georg Hüter  //  Evgeny Antufiev  //  Lutherdenkmal Berlin  //  Eric Sturm  //  Künstlerkirche Aulhausen  //  herman de vries  //  Claire Morgan
   evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart