Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Lutherdenkmal Berlin
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2. Preis Mally/Seeholzer
2. Preis
1. PreisWeis/Zeller/Verduzco
1. Preis
Lutherdenkmal Berlin

Wettbewerb

Für die Neugestaltung des historischen Luther-Denkmals an der Berliner Marienkirche am Alexanderplatz war ein offener Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben worden. Initiator des Projekts ist eine Gruppe von Vertretern aus Gesellschaft und Kirche. Das Land Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz unterstützen das Projekt als Träger. Der Kirchenkreis Berlin Stadtmitte fungierte in Abstimmung mit der Berliner Senatsverwaltung als Auslober des offenen zweiphasigen Ideenwettbewerbs und stellte dafür insgesamt 27.400 Euro für Preise und Aufwandsentschädigungen zur Verfügung.

Das historische Luther-Denkmal aus dem 19. Jahrhundert hatte acht Begleitfiguren, die während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen wurden. Kurz vor Kriegsende zerstörten Bomben den Neuen Markt und damit auch die Denkmalanlage.

Das neue Denkmal soll am originalen Standort die erhaltene Luther-Statue von 1895 ergänzen und eine künstlerisch-architektonische Neuinterpretation der Person Martin Luthers (1483-1546) anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2017 leisten.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Kaspar Kraemer und Thomas Erne tagte in Berlin. 52 Entwürfe waren eingereicht worden. In der 1. Phase des Wettbewerbs hatte das mit Theologen, Künstlern, Architekten und Landschaftsarchitekten besetzte Preisgericht sechs der 52 eingereichten Entwürfe für eine detaillierte Ausarbeitung ausgewählt. In einer zweiten Phase fiel am 22. Juni 2016 die Entscheidung der Jury.

Wir stellen die vier prämierten Vorschläge vor.

 

4. Preis:

Zwei Blickfänge prägen den Entwurf: die historische Lutherfigur und ein 10 Meter hoher gotisierender Tor-Turm. Hinzu kommt der leere Denkmalsockel, von dem Luther herabgestiegen scheint. Das Filmkulissen assoziierende Tor soll an den Wittenberger Thesenanschlag erinnern. Im Tordurchgang ist eine Lichtprojektion vorgesehen. (Atelier Monobloque, Berlin, mit Häfner Ingenieure GmbH, Berlin)

3. Preis

Elf leere Sockel umkreisen das Lutherstandbild auf dem Symbol der Lutherrose, wie ein Karussell der Reformatoren, denn auf den leeren Plinthen sind die Namen diverser Kollegen Luthers zu lesen. Oder könnte Luther von einer zur anderen Plinthe hüpfen? Ein Baum verweist vielleicht auf den Apfelbaum, der noch zu pflanzen sei. Die verschiedenen Sockel können Sitzplätze sein und verweisen auf das Kommen und Gehen von Idealgestalten. ( Katrin Wegemann, Berlin, mit ew architects, Recklinghausen)

2. Preis:

Die Konzeption läßt das Lutherstandbild einen Schatten werfen, um vieles größer es selbst. Die Umrissform des Schattens ist als begehbare abgetreppte Vertiefung ausgebildet, in der Fundamentreste des historischen Denkmals sichtbar sind und in die man hinabsteigen kann.  Eine der historischen Plinthen  würde nahe der Marienkirche aufgestellt und nach dem Vorbild der „Fourth Plinth“ auf dem Trafalgar Square wechselnd mit zeitgenössischen Kunstwerken besetzt werden, die sich mit Luther und der Reformation beschäftigen. Die räumliche und inhaltliche Verbindung zwischen Plinthe und Lutherdenkmal bilden bronzene Bodenplatten mit Namen von Persönlichkeiten der Reformation bis in die Gegenwart. (Werner Mally, München, mit Kunze Seeholzer Architekten, München)

1. Preis

Die Autoren gestalten eine Kopie des historischen Lutherstandbildes in Form eines  spiegelnden Abgusses aus Aluminium und setzen damit auf den Effekt der Materialwirkung. Frappierend auch der doppelte Luther, der sich wie im Boxring auf dem Grundriss des alten Denkmals auf einem vom Platzniveau abgesenkten Terrain selbst gegenübersteht. Durch die Verdoppelung der Skulptur und durch eine Installation aus LED Leuchten, die  Zitate aus Reformationstexten zeigt, wird der Anschluss an heutige Rezeptionsformen vorgeschlagen. (Albert Weis und an das Architekturbüro Zeller & Moye, Mexico City/Mexico)

Eine Ausstellung der Bilder und Modelle aus dem Wettbewerb ist bis zum 10. Juli in der Marienkirche Berlin zu sehen.

Bild- und Textmaterial wurde uns freundlicherweise von phase1 Berlin zur Verfügung gestellt. Modelle, Foto: © Hans-Joachim Wuthenow, Berlin

Andere Abbildungen: © die Autoren

(Redaktion: Claudia Breinl)



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