Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Johannes Brus
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Johannes Brus

In Zusammenhang mit spiritistischen Aktionen hat man gerade im 19. Jahrhundert das damals neue Medium der Fotografie genutzt, um „übersinnliche“ Phänomene sichtbar zu machen…es gab immer diese "dunkle" Seite der Fotografie, die eher mit dem Magischen als mit dem aufklärerischen Möglichkeiten dieses Mediums der Moderne laborierte.

Das gleichwie magische Einfangen der Welt spielt für Johannes Brus künstlerischen Umgang mit der Fotografie eine Rolle. Was bei ihm nicht vorkommt, ist die Allerwelts-Welt des heutigen Lebens mit ihren alltäglichen Facts und Stories. Zeitgebundene Berichte wollen seine Fotos nicht sein. Wenn überhaupt, nutzt er sozusagen archäologisierte Berichte seiner Fotovorfahren,  historische Bild-Dokumentationen aus den Frühzeiten der Fotografie, als die Kamera auf Reisen in unbekannte Weltgegenden ging.Was Johannes Brus mit seinen künstlerischen Techniken aus Fotos herausdestilliert, ist etwas Unsichtbares und Unbeweisbares aber trotzdem Existierendes. Der Künstler arbeitet mit allem möglichen raffinierten Verfremdungen so lange an Fotografien, bis sie Patina und Unschärfe auf eine Weise verbinden, dass vage Escheinungen aus Zwischen- und Jenseitswelten wahrzunehmen sind und in den Bildern präsent scheinen.  Wie in der Erinnerung Dinge und Ereignisse, Vorher- und Nachher verschwimmen, so verunklaren sich auf den Fotografien Umrisse, verschweben Vorder- und Hintergrund. Wie Erinnerungen zu Erinnerungen werden, wie die flüchtige Zeit durch einen Geschmack, einen Geruch, einen Blick  und dann ein unbewußtes Einsickern in Tiefenschichten ihren Abdruck hinterläßt,  das scheinen Brus´ Fotos  widerzugeben. Sie wirken wie eine Verbildlichung von Erinnern, wie die Dokumentation eines eigentlich unsichtbaren Vorgangs.

Es ist eine handwerkliche Fotografie, die Brus seit seinen Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie um 1970 weiterentwickelt hat, immer in Richtung Malerei. Das bezeugen auch die großen Formate seiner Fotogemälde. In der Fotokunst der objektiven dokumentarischen Fotografie wie sie von Bernd und Hilla Becher betrieben wurde, als auch von der anarchischen Seite von Bernhard Johannes Blume finden sich Elemente in Brus´ Arbeiten. Witz und Ironie waren zu seinen Akademiezeiten in Düsseldorf mit Richter, Polke, Beuys gern gesehen und passen ja auch zu den rheinischen Menschen. Das Verstiegene und Absurde wie es in den Fotoserien von Bernhard und Anna Blume so mitreissend erzählt wird, hat sich bei Brus mit Melancholie und Tiefe vermischt. Gemeinsam ist ihnen das strukturierende Mittel der seriellen Bearbeitung eines Inhalts.  Im Gegensatz zu den Bechers und den Blumes reizte Brus nie das perfekt gearbeitete Foto, sondern kalkulierte Störungen und Verletzungen des zu glatten Fotos durch verschmutzte Entwicklungsbäder, schlechte Behandlung der Negative, chemische Zusätze, alles,  was  ein Geheimnis erzeugte. Brus kam eben ursprünglich von der Malerei, aber für die mußte man neue Wege finden. Brus hat einen davon begründet, indem er in die Fotografie auswich.

Johannes  Brus wurde 1942 geboren und ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, einer Landschaft, in der Geschichte durch In- die-Tiefe -graben und freischaufeln von Schichten immer anschaulich war. Die erlebte Nähe zu Feuer und Erde, den archaischen Elementen, zu  Vor- und Frühgeschichte der Menschheit und zum Moloch der Industrialisierung, der ganze Landstriche unterwarf- alles, Mensch und Natur ein stetiges Absinken in die Tiefe, ein An- und Ablagern in Schichten, wo Um- und Ausgraben es versehrt oder verändert wieder freilegt - ganz real mit Schaufel und Hacke -  oder wie Johannes Brus mit seinem Handwerkszeug als Künstler.

In einer aktuellen Ausstellung der Fotosammlung der DZ Bank Frankfurt sind wesentliche Themen und Techniken von Johannes Brus vereint. Tiere als mythologische Wesen und Vertreter einer Gegenwelt sind sowohl als Skulptur wie auch in  Fotoarbeiten lebensnah und zugleich entrückt ein wiederkehrendesThema für den Fotografen, Maler, Bildhauer und Dichter Johannes Brus.

Die Ausstellung JOHANNES BRUS – DAS UNSICHTBARE IM SICHTBAREN mit dreizehn mehrteiligen Werken ist im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung Frankfurt vom 1. März – 17. Juni 2017 zu sehen. Die Arbeiten datieren von „Blaues Pferd“ von 1979/85 bis hin zur kleinen Skulptur „Elefant“ von 2012 als jüngstes Werk. Ein Künstlergespräch mit Johannes Brus gibt es  am Freitag, 24. März 2017 um 18 Uhr.

Text: Claudia Breinl / Abbildungen: ©VG Bild-Kunst, 2017

Abb.1:  Teller, 1978, 210 x 300 cm, Courtesy: Gmyrek Arts, Düsseldorf; Foto: Mick Vincenz

Abb.2: Blaues Pferd, 133 x 192 cm, 1979/85

Abb. 3: Anubis, 40 x 30 cm, 1994

Abb. 4: Der Maharajah von Indore, 1998, Courtesy: Gmyrek Arts, Düsseldorf; Foto: Mick Vincenz



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