Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Jan Leven - Künstler des Monats April
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Jan Leven - Künstler des Monats April

 Architektonische Skulpturen

 Die  hier ausgewählten Arbeiten, welche alle drei eine Spiralform aufweisen, zeigen verschiedene Facetten des Künstlers vom Objekt  (Abb. 1) über die architektonische Skulptur (Abb.2 und 3) bis hin zur raumbezogenen Installation (Abb.4).

Die Spirale ist im Makro- wie im Mikrokosmos eine Grundform der Natur und steht symbolisch für die Urform allen Lebens, indem sie dessen polaren Verlauf von der Extraversion zur Introversion spiegelt. Auch im Werk von Jan Leven nimmt sie einen großen Stellenwert ein. Jedoch begreift er sie -  abgelöst von jeglicher Romantisierung – im Sinne einer geometrischen Grundkonstruktion.

Seit Jahren spürt Jan Leven Grundprinzipien der Natur auf, löst diese aus ihrem Zusammenhang, um sie als architektonische Form neu zu konstruieren und in vielfältigen Variationen zu realisieren. So sind es neben Spiralformen anfangs oft Schoten und Kapseln, die uns als Bau-Werk entgegentreten. Der Schritt von Gehäusen der Natur zu Behausungen von Menschen ist nicht weit. Beide schützen das darin Verborgene. Beide bestehen aus fester Struktur und Freiraum, aus deren Zusammenspiel erst Wachstum möglich ist.

Jan Levens bevorzugtes Material ist Holz: Sperrholz, Kanthölzer, aber auch Fassdauben oder Hartfaserplatten. Aber nicht die Textur oder die spezifische Qualität des Holzes ist maßgeblich, es dient lediglich als Baustoff für die zu gestaltende Konstruktion der Form. Diese„Gerüste“ lassen einen freien Raum entstehen, durch ihre Transparenz ist ein Wechselspiel zwischen Raum und Skulptur, Leerraum und Verdichtung, Offenem und Geschlossenem möglich.

So zeigt die Arbeit Positiv/Negativform (Abb. 2 und 3) zwei kegelförmige Gerüste, welche aus unbearbeiteten Kanthölzern gebaut sind und aus 10 Segmenten bestehen. Der eine Kegel steht auf der Spitze (Negativform), der andere auf der breiten Basis (Positiv). Die Spiralform findet sich bei der Negativform (Abb.3) im Inneren der Konstruktion und „wendelt“ sich von der Spitze unten nach oben in die Breite - beziehungsweise umgekehrt. Bei der positiven Form (Abb.2) verläuft die Spirale außen und windet sich von der Basis fast zur Spitze hinauf. Während bei der Positivform der Eindruck entsteht, nach oben laufen zu können, scheint der Weg bei der Negativform von oben in die Tiefe und die Engführung zur Mitte ungangbar.

Diese Doppelung von Skulpturen ist ein Kennzeichen der Arbeiten von Jan Leven. Sie verweisen auf die  Polarität des Lebens und das aufeinander angewiesen sein der beiden Pole. Bei diesen paarweise präsentierten Arbeiten entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit von zunächst sichtbar Unterschiedlichem.

Auch bei raumgreifenden Installationen wie im Kunstverein Ludwigshafen (Abb. 4) werden neue Räume „aufgeschlossen“ und bisher unbekannte Perspektiven eröffnet. Ein Aspekt der Spirale wird hier sinnlich erfahrbar: ihre nicht endende  Bewegung - nach innen, nach außen.

Diese architektonischen Installationen des Künstlers greifen Maße oder Rhythmen  des Raumes auf und wirken dadurch stimmig und harmonisch. Durch ihre Transparenz und ihre Konstruktion aus rhythmisch angeordneten Einzelelementen vermitteln sie den Eindruck, stets neu und vielfältig kombinierbar zu sein und einen großen Schatz an Baumöglichkeiten bereitzustellen.

Jan Leven sucht in seinen Arbeiten immer wieder neu nach der ausgereiften Form. Zufrieden ist er, wenn er über sie - wie über den Schrein für den Heiligen Rock - sagen kann: „sie könnte nicht anders sein“. Die entwickelte Form hat alles was sie braucht ohne eine überflüssige Verschnörkelung. Sie ist elementarisiert und auf das Wesentliche reduziert, darin liegt ihre Schönheit.

Text: Birgit Weindl

 

Jan Leven ist 1960 in Frankfurt am Main geboren. An der Kunstakademie in Düsseldorf studierte er Kunst und Architektur. Er lebt und arbeitet in Bereborn in der Eifel. Eines seiner aktuellen Projekte ist die Gestaltung des Schreins für den Heiligen Rock während der „Heilig RockWallfahrt 2012“ im Trierer Dom.



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