Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Meide Büdel - Künstlerin des Monats Mai
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Schwebender Altar in der Christuskirche Nürnberg
Alpha und Omega, Westfriedhof Nürnberg
Meide Büdel - Künstlerin des Monats Mai

Kreuzigungsgruppe – minimalistisch

Die idyllisch am Tegernsee gelegene Auferstehungskirche in Rottach-Egern entstand 1955 nach Plänen von O. A. Gulbransson. Sie ist zwar ein moderner Kirchenbau, zeigt dies aber nur dezent. Gulbranssons Kirchen nehmen Elemente aus regionaler Architekturtradition auf, sie zitieren Heimat ohne ihre Eigenständigkeit als Architekturen der Moderne zu verlieren.

Einen wesentlich radikaleren Ansatz verfolgte die Bildhauerin Meide Büdel bei ihrer Gestaltung einer Kreuzigungsgruppe für die Auferstehungskirche.

An der äußeren Turmwand war seit der Erbauungszeit ein Platz für eine Kreuzigungsgruppe vorgesehen., die aber bislang nicht verwirklicht wurde. Die Ev.- Luth. Gemeinde Tegernsee schrieb im Jahr 2010 dafür  einen Wettbewerb aus, den Meide Büdel gewann.

Sie versucht nicht einmal eine Annäherung an Volkstümlichkeit. Eine Kreuzigung gehört für sie nicht in den Bereich der Nostalgie, wo Religion Tradition ist und wenig mehr. Sie zitiert nicht und macht keine Anleihen bei Bewährtem und Vertrautem, es ist ihre äußert reduzierte Ausdrucksweise, die für  Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit steht.

In ihrer Darstellung wird die Kreuzigung hermetisch, abweisend, provokativ – ein Symbol für die Negation. Ein Schock für das innere und äußere Wahrnehmen. Was Trost versprach und eine Stellvertretung, die Distanz ermöglichte,  fehlt  …es gibt keine trauernde Maria, keinen Johannes, nur  Sockel- und Maßstabsmarkierungen sind geblieben und machen Leere und Verlust noch deutlicher fühlbar.

Das Zentrum der in ihrer Reduktion doch monumentalen Arbeit, bildet ein geschwärzter Holzblock. Er ist in der Mitte gespalten. Er wird zusammengehalten von schwarzen Bändern, mit vier Nieten sind sie in der Kirchenwand befestigt. Solche Ledergurte wecken Assoziationen zu gewaltsamen Aktionen, zu Qualen, Folter und Tod. Sie wirken hier, als seien sie ohne Sorgfalt für die Gesamtkomposition angebracht – sie verweigern die Symmetrie, die die Kreuzigung ins Gleichgewicht bringen würde. Das gerade weckt  besondere  Aufmerksamkeit.

Alle andern Elemente sind äußerst diskret und ausgewogen: die mittels Stahlbändern angedeuteten Konsolen beidseitig des Kreuzstammes. Die Vertikale des Kreuzes als schmales Stahlband, das quasi unsichtbar wird hinter dem vom Betrachter imaginierten Leib Christi. So gewinnt etwas Abwesendes Gegenwärtigkeit durch die Kraft der Gedanken und des Glaubens.

Die Kraft von Meide Büdels Objekten aus Stahl, Holz, manchmal auch in Verbindung mit Beton, zeigt sich in ihrer formalen Reduktion und Präzision. Für die Nürnberger Christuskirche schuf sie eine 8 Tonnen schwere Stahlplatte, die als Altar an Stahlseilen hängt, und zu schweben scheint. Am Nürnberger Westfriedhof entstand die Arbeit „Alpha und Omega“. Fünf in den Boden eingelassene Stahlprofile rahmen Wasserflächen, in denen sich der Himmel spiegelt.

Im Jahr 2008 erhielt die Nürnberger Bildhauerin den  Kunstpreis der bayerischen Landeskirche.

(Claudia Breinl)

 

Meide Büdel

1961 in Bad Mergentheim geboren; 1979-82 Fachschule für Holzbildhauerei in Oberammergau, Gesellenprüfung; 1982-88 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg; 1993 Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg; lebt und arbeitet in Nürnberg und Berlin

 

Abbildungen:

Kreuzigungsgruppe Rottach-Egern, Fotos: Mölkner-Kappl, Weber

Altar der evang. Christuskirche in Nürnberg , 2008, Stahlplatte, 270 x 140 x 6 cm, 1,7t, Oberfläche brüniert und poliert, 4 Stahlseile, © bei der Künstlerin Fotos: Pirko Julia Schröder

Alpha und Omega , Westfriedhof Nürnberg, Foto: M. Büdel

 

 



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