Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Brigitte Schwacke - Künstlerin des Monats Dezember
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Abb.4
Brigitte Schwacke - Künstlerin des Monats Dezember

Bildhauerei  – im klassischen Sinn – sind die filigranen Objekte von Brigitte Schwacke wohl kaum. Nun sind derlei Zuordnungen heute ohnehin fragwürdig geworden. Dass sie plastisch arbeitet, ist schon eher zutreffend - spannend sind die Übergänge und Überschreitungen der Gattungen in solch einer neuen Auffassung von Skulptur.

Es ist fast ausschließlich ein einziges Material mit dem Brigitte Schwacke bei ihrer Kunst umgeht  – und immer nach einem gleichen Prinzip: Sie verwendet legierten Draht, der nicht rostet, der seine spezielle Farbigkeit behält. Diese wirkt wie Graphit eines Bleistiftstriches. Draht, wenn er ausgezogen wird, erscheint als eine Linie - und mit Linien kann man zeichnen. Dabei  überlagern, überkreuzen, verdichten sie sich. Sie können verwoben, verknotet werden - und verlassen damit die Zweidimensionalität: „Brigitte Schwacke zeichnet im Raum. Ihre schwebenden Skulpturen schaffen Formen in der Luft. Ihre Gebilde umschließen Leere und grenzen diese aus, der Raum wird gegliedert, einbezogen und so zum Bestandteil der Arbeit …“ (Claudia Weber).  

Erfahren lässt sich das an Einzelarbeiten und Serien, die eingerahmt an der Wand hängen. Sie wirken von ferne wie Strichzeichnungen, doch beim Nähern merkt man erstaunt, wie die Linien aus dem Bildgrund  hervortreten.

„Dreidimensionale Raumzeichnung“  manifestiert sich aber vor allem eindrücklich in den vielteilig komplexen Decken- und Wandinstallationen: Linienverdichtungen in gruppierten plastischen Objekten. Die Künstlerin assoziiert Sternhaufen in fernen Galaxien - makrokosmische Dimensionen, die hier erschlossen werden, sich-zusammenziehende, ineinander-führende Bewegungen, aber zugleich wie feine Fühler oder Tentakel, die in die Tiefen des Raumes ausgreifen, Energien in unendlicher Ferne. Ebenso jedoch könnten es Zellstrukturen sein, die sich darin lesen und erkennen lassen, und so wenden sich diese Gebilde fein und filigran in den pulsierenden belebten mikrokosmischen Bereich. Wir als Betrachterinnen und Betrachter, im Gegenüber auf unserem verwiesenen Standpunkt kommen uns gleichzeitig unendlich groß und unendlich klein vor.

In einem anderen Werkkomplex,  bei dem feinmaschige Gewebe entstehen, viereckig wie Tücher oder Netze vor die Wand gespannt, tritt zum Ausloten des Raumes nun auch ein Ausloten der Zeit: Alle Stunden und Tage, die für solch ein akribisches zeitintensives  Zusammenweben  nötig sind, scheinen darin eingebunden und eingeschrieben. Jede versehentliche Unregelmäßigkeit bleibt,   nicht rückgängig zu machen.  So werden diese Arbeiten zu Darstellungen und Metapher der Lebenslinie, deren Lauf nicht immer glatt geht, doch ihr  Anfang kommt aus der Unendlichkeit und das Ende geht ins Offene….Webgebilde, die die Zeit sichtbar machen, mit einer ganz eigenen Haptik des Textilen – man möchte sie einmal anfassen, darüber streichen, vielleicht einmal sogar ein Kleid aus solch einem Gewebe tragen.

Auch in anderen Arbeiten beschäftigt sich Brigitte Schwacke immer wieder mit den Erfahrungsebenen von Innen und Außen, Hülle und Grenze, ein Dazwischen wird kenntlich und sinnlich spürbar. Doch welche Substanz haben dieses Gebilde, die bisweilen ins Figürliche übergehen können, greifbar oder sich entziehend? Immer wieder scheint sich das Immaterielle in diesen Linienstrukturen zu verdichten und sie eröffnen im Sehen die äußeren und inneren Horizonte.

(Reinhard Lambert Auer)

www.brigitte-schwacke.com

Die derzeit laufende Ausstellung von Brigitte Schwacke „Dreidimensionale Raumzeichungen“ in der Evangelischen Akademie Bad Boll ist noch bis zum 19. Januar 2014 zu sehen.   

Abb. 1 und 4: Aus der Reihe: Hirayama Family, 2006-13, legierter Draht, Größe variabel, Foto: B.Schwacke

Abb. 2 und 3: DinA0, 2012, legierter Draht, ca. 84,1 x 118,9 x 4 cm, Foto: Tom Fährmann

 



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