Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Madeleine Boschan - Künstlerin des Monats November
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Abb. 3
Madeleine Boschan - Künstlerin des Monats November

Wer die  Arbeiten von zeitgenössischen Bildhauern kennt, der wird sich über die Materialwahl der deutschen Künstlerin Madeleine Boschan nicht wundern. Eine Skulptur  muss heute nicht mehr aus Bronze, Holz oder Stein sein. Wie auch in anderen Bereichen der Kunst ist die Materialwahl und spezifische Benutzung ein wichtiger konzeptioneller und inhaltlicher Bestandteil der Werke.

Die  Materialsammlung von Madeleine Boschan könnte dem Lager eines Baumarktes entstammen. Metallgestänge, Kabel, Plastikteile, Neonröhren - was ihr Fundus bietet ist schnörkellos und funktionsorientiert.  Von dieser Neutralität bleibt nach der Bearbeitung eine gewisse Kühle  und Distanz  der Objekte – ansonsten sind sie verwandelt in eine besondere Existenzform, die zwischen Tier und Gerät oszilliert.

Der vereinzelt nur banale Gegenstand wird neu und rätselhaft im Ganzen. Es entstehen Gestalten, deren Charakter in einer erstarrten Bewegungsfigur hervortritt. Geneigt oder sich aufrichtend, grazil und zerbrechlich, bedrohlich und  machtvoll, komisch und skurril – ein ganzes Theater kann hier mit Charakterrollen besetzt werden …und das alles wird beschworen  aus banalen Ausgangsmaterialien. Geadelt sind hier durch ihr neues Dasein in der Kunst Kabel, Stecker, Jalousien, Spiegel und diverses anderes, was in der Bearbeitung durch die Künstlerin die vorherige Funktion und Bestimmung verlassen hat, um einem Zweck zu dienen, der keinem der Gegenstände in die Wiege gelegt war.  Die Aufstellung und Zuordnung ihrer Werke in der Ausstellung wird von der Künstlerin auf  den Ort hin entwickelt, doch mehr noch -  es soll auch ein kommunikatives Gefüge entstehen zwischen den Gestalten ihres Skulpturentheaters. Als Hintergründe für die Inszenierung ihrer Arbeiten nennt Madeleine Boschan die Verhaltensbiologie und gesellschaftliche Ordnungssysteme, aber auch den Einfluss animistischer Weltdeutung ozeanischer und afrikanischer Kunst. In Madeleine Boschans Werkstatt erlangen vormals nur funktionsbestimmte Gegenstände des Alltags eine Seele. Wie Totems oder Fetische laden sich die Dinge unter ihren Händen auf mit Magie und Energie. Sinnbildliches Zeichen dafür ist, dass einige Licht aussenden und dass die Objekt miteinander verkabelt sind – sodass Energieströme fließen und sie miteinander kommunizieren.

 (Claudia Breinl)

Die Ausstellung Don’t you wonder sometimes ’bout sound and visionmit Arbeiten von Madeleine Boschan ist vom 8. – 22. November 2013 im Kunstverein Heppenheim zu sehen.

www. madeleine-boschan.de

Madeleine Boschan wurde 1979 in Braunschweig geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

 

Abb.1:Kupplungsschrein /Victrix (Elektromanile), 2013, Abakus, Acrylglas, Aluminiumjalousien, Folie, Kabel, Kunststoff, Lack, Messing, Neonlicht, Porzellan, Schläuche, Schutzkontaktkupplungen, Stahl, 152 x 121 x 116 cm, courtesy Hezi Cohen Gallery, Tel Aviv, Foto: Martina Strilic

Abb. 2: Dies ater (Ensemble), 2012Abakus, Aluminiumjalousien, Bodenthermometer, Folien, Kunststoffe, Lacke, Leder, Militärkochgeschirr, Messing, Nachtlicht, Neonleuchten, Schutzkontaktkupplungen, Spiegel, Stahl, Teleskopspiegel, Installationsansicht, Maße variabel (ca.230 x 580 x 150), courtesy Galerie Bernd Kugler, Innsbruck, Foto: Stephan Klonk

Abb. 3: Say a body. Where none. Say a place. Where none. For the body. To be in., Bejahen (Träger), Kupplungsschrein Victrix (Elektromanile), Darreichen (Steler), 2013, Installationsansicht Kunstverein Ulm, 2013, courtesy Hezi Cohen Gallery, Tel Aviv, Foto: Martina Strilic 

(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2013 



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