Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Marie-Luise Frey - Künstlerin des Monats September
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Marie-Luise Frey - Künstlerin des Monats September

Anlass für ein aufwendiges Textilkunst- Projekt war das 120-jährige Bestehen der Paramentenwerkstatt Darmstadt.

Die  Textilkünstlerin und Leiterin der Paramentenwerkstatt in Darmstadt, Marie-Luise Frey machte das Besondere eines liturgischen Jahrs in der Zeit von Advent 2011 bis zum Ewigkeitssonntag 2012 mit wechselnden Installationen aus textilen Materialien in der Darmstädter Stadtkirche sinnlich nachvollziehbar.

Ein Kirchenjahr folgt symbolisch dem Leben Jesu (Jahr des Herrn) anhand von entscheidenden Stationen. Glaubensinhalte werden erinnert durch Predigt, Gebete, Gesang und auch bildlich veranschaulicht durch besondere Feier- und Schmuckformen. Seit frühchristlicher Zeit hat sich das Kirchenjahr immer weiter ausdifferenziert.

Die Künstlerin verband  bei diesem vielseitigen Projekt Komponenten  der Gegenwart und der Vergangenheit. Sie behielt den Kanon der liturgischen Farben bei, der im Kern violett, rosa, weiß, rot, grün und schwarz umfasst. Sie wiederbelebte den Gebrauch von Textilien als raumgreifende Schmuckelemente, wie es z.B. schon seit früher christlicher Zeit in Kirchen gehandhabt wurde.  Sie sorgte an ausgewählten Feiertagen für zusätzliche Musik und Licht und Bewegung. Es wurden passende Chor- oder Instrumentalwerke aufgeführt, es traten Tänzer auf. Im Dunkeln wurde der Kirchturm mittels einer Lichtinstallation von weitem sichtbar wie eine Stadtkrone, die  je nach den  Kirchenjahreszeiten farbig  leuchtete.

Trat man unter der Empore hindurch in die Kirche, wurde  man auf vier „Stoffsäulen“ aufmerksam. Sie trugen das ganze Kirchenjahr jede eine der  liturgischen Farben und fassten so wie Vor- und Nachwort die über die Zeit wechselnden Stationen des Kirchenjahres zusammen.

Zentrum des sich wandelnden Ganzjahreskunstwerks war der Altarbereich. Der Altarblock war immer wieder anders bekleidet, umhüllt, verschnürt, umwickelt mit farbig und materialtechnisch ausdrucksvollen Stoffen und Materialien.

So gab es in der grünen Zeit eine üppige Vegetation aus grüngetönten Stoffen aus Leinen und Garngebinden aus Flachs. In der Adventszeit schimmerten durch unzählige Kreuzausschnitte in der violetten  Filzummantelung Lichter  am Altar, denn zwischen Altarhusse und Stein befand sich eine verborgene Stoffbahn, an der LED-Leuchten festgenäht waren. Aus dem  Chorgewölbe flossen an Pfingsten  rote Stoffbahnen  und Bänder herab, in der Fastenzeit erschwerte dort eine Art Stoffregen in fein abgestuften Violett-Tönen den Blick in den Chorbereich und griff damit den Brauch der  sogenannten „Hungertucher“ auf, die in der Passionszeit auch die Augen fasten lassen. Am Karfreitag wurde der Altar zu einem strengen schwarz-weißen Katafalk. Das liturgische Weiß und Gold der Osterfeiertage wurde mit Bescheidenheit umgesetzt – verschiedene Weißtöne, erreicht durch unterschiedliche Dichte und Oberfläche der Stoffe und Tücher, die über- und nebeneinander zu liegen kamen. Eine Umfassung oder Bordüre aus ungesponnener Schafwolle und Seide umkräuselte den Altarsockel.

Als musikalisch und literarisch profilierte Kulturkirche stand es der Stadtkirche Darmstadt gut an, mit diesem Projekt das  Augenmerk auf die visuelle Gestaltung ihrer Liturgie zu richten und etwas Außergewöhnliches zu inszenieren.

(Claudia Breinl)



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