Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Peter Riek - Künstler des Monats März
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Peter Riek - Künstler des Monats März

Die Werke Peter Rieks sind durch die  Eigenschaften des Zeichnens geprägt. Sie sind Andeutungen, Skizzen, Annäherungen, haben etwas Vorsichtiges Fragendes und Suchendes. Rieks bevorzugtes Zeichenmaterial sind Kreiden  - Kreide auf Putz, auf Asphalt, auf Dachpappe, auf Folie, auf unterschiedlichen Papieren. Für das Instabile, Flüchtige, Verunsicherte im Duktus seiner Zeichnungen ist  Kreide ein ideales Werkmittel. Rieks Gezeichnetes entsteht nicht nur im Atelier und auf hergebrachten Zeichnungsuntergründen. Auch in der „freien Wildbahn“, auf Straßen (New York), an Gebäuden (Tempelruinen in Athen) bringt der Künstler Zeichnungen an, kleine und größere, archaische Symbole mit verborgenen Botschaften, und – sehr flüchtig. Die Kreidezeichen werden über kurz oder lang durch die Witterung wieder verschwunden sein.  

Diese Charakteristik des Ephemeren erhält sich, egal in welchem Medium Riek arbeitet: Druck, Skulptur, Installation, Foto  -  es werden keine Statements gesetzt, sondern tastend und vorsichtig,  sehr beharrlich werden Themen untersucht. Meist ist es aus der Natur und den elementaren Lebensgrundlagen Entnommenes, das Rieks Formen und Gestaltungen zugrundeliegt. Schädel und Knochen, Pflanzenteile, Gefäße, Zellstrukturen, Organe, Tiere. Sie sind zeichnerisch auf ein Minimum reduziert, auf ein Wesensmerkmal reduziert, sind sie vergeistigt, So entsteht das Paradox, dass Leben und Körperlichkeit zwar immer präsent sind, aber in ihrer Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit, ihrer Anfälligkeit für Krankheit und Vergessen. Und in den Schriftexzessen, die sich in Rieks Arbeiten immer wieder finden, scheint das Aufbegehren dagegen durch, die geistige Arbeit und Existenz, das in sich selbst Verirren und um sich selbst Kreisen, aus dem man sich nicht befreien kann. Die einzelne Zeichnung hat oft einen langen Prozess des immer wieder Überzeichnens hinter sich – Vorder- und Rückseite der Papiere werden mit speziellen Kreiden bearbeitet. Es entstehen Abdrücke und Spuren, die dann wiederum zu neuen zeichnerischen Reaktionen führen. Riek baut aus seinen Werken ganze Rauminstallationen. Zeichnungen werden zu Gruppen zusammengeführt, sie bedecken Wände und Boden, hängen in der Luft oder werden Teil von Skulpturen und Installationen. Sie integrieren sich in raumgreifende Ensembles, wo dann auch mit Holzschablonen, Filz, Sand oder Zement als Materialien auftauchen.  Welterfahrung und Weltbedrängung, der Wunsch, wahrzunehmen und die gleichzeitige Überforderung lassen sich nicht auf Wänden und in Rahmen fixieren. Ausschnitte sind willkürlich, ein geschlossenes und beruhigtes Gesamtbild wird es nicht geben. Wir werden uns unserer Dünnhäutigkeit und Schutzlosigkeit nicht immer so bewußt wie hier. Was haben wir denn? In unserer fragilen Körperlichkeit nichts, mit unseren suchenden Gefühlen und Gedanken nur die Möglichkeit, unserer Umwelt mit Empathie zu begegnen.

(Text: C. Breinl, Rechte: Peter Riek über VG Bild-Kunst Bonn 2013)

www.peter-riek.de

 

 



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