Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Paramente
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Paramente
Textilkunst für die Kirche

Das Universitätsmuseum Marburg zeigte vom 28. November 2004 bis zum 9. Januar 2005 im Universitätsmuseum Marburg

zeitgenössische textile Gestaltungen für Kirchenräume.

In fast jeder Kirche gibt es Altar- und Kanzelantependien, Wand-und Bodenteppiche, Altartücher und andere Weißarbeiten. Diese Textilien für den Kirchenraum und die Liturgie bezeichnet man als Paramente. Der Begriff leitet sich vom Lateinischen

parare mensam – den Tisch bereiten her.

Der Farbkanon der liturgischen Textilien richtet sich nach den Farben des Kirchenjahres. Farbe und Formen der liturgischen Textilien zeigen den Charakter der jeweiligen Kirchenjahreszeit. So steht in der Farbpalette des Kirchenjahres violett für die Bußzeiten, weiß wird für die großen Feste wie Ostern und Weihnachten aufgelegt,  rot gehört zu den Feiertagen der Kirche wie z. B. zum Reformationsfest oder zur Konfirmation.  Die Mitte des Jahres als eine Zeit des Wachsens und der Entfaltung wird mit der Farbe grün symbolisiert.

Dieser wechselnde Farbkanon zeigt sich in der evangelischen Kirche an Altar, Kanzel, Lesepult, manchmal an der Stola, die der Pfarrer zum Talar trägt. In der katholischen Kirche findet sich die liturgische Farbe auf dem Gewand des Priesters, der Kasel.

Ursprünglich war die Gestaltung von Paramenten für die evangelische Kirche verknüpft mit den Diakonissen-Mutterhäusern. Dort entstanden Ende des 19. Jahrhunderts die evangelischen Paramentenwerkstätten. Auf katholischer Seite waren es seit dem Mittelalter die Nonnenklöster, die hochwertige Handarbeiten für die Kirche fertigten.

Lange Zeit blieb die Paramentik in Material und Gestaltung einem strengen Regelwerk treu. In den 80er Jahren begann eine Öffnung und Neuorientierung mit einer künstlerisch und handwerklich gut ausgebildeten Generation von Werkstattleiterinnen.

Heute sind die Paramentenwerkstätten zwar immer noch größtenteils in Frauenhand. Diakonissen und Nonnen findet man dort allerdings kaum noch. Designerinnen, Künstlerinnen und Handwerkerinnen mit zusätzlicher künstlerischer Ausbildung arbeiten heute am Stickrahmen, am Webstuhl, am Computer und an der Knüpfmaschine. Traditionelle Handwerkstechniken und mittelalterliche Färbeverfahren werden je nach Bedarf ebenso eingesetzt wie neueste computerisierte Verfahren.

Die Paramentenwerkstätten legen Wert auf den Kontakt zu künstlerischen Ausdrucksweisen ihrer Zeit. Sie arbeiten mit Grafikern, Malern, Glasgestaltern, Architekten zusammen. So entstehen Paramente, die zeitgemäße Bildfindungen auf vielfältige Weise ins textile Medium übertragen.

Ein weiterer Aspekt ist,  sich mit dem textilen Objekt sensibel auf die Ästhetik des Kirchenraums einzulassen.

Im Bereich der Paramentik ist der Dialog von freier und angewandter Kunst, von Raumgestalt und Ausstattungsstücken selbstverständlich und führt zu neuen Ideen und ungewöhnlichen handwerklichen Umsetzungen.

Auch auf katholischer Seite werden gegenwärtige künstlerische Ausdrucksweisen einbezogen, um zeitgemäße liturgische Kleidung für Priester und Laien zu entwickeln. So entstehen z.B. Kaseln nach Entwürfen zeitgenössischer Künstler.

Ein Ziel der Ausstellung ist es, die neueren Entwicklungen in der kirchlichen Textilkunst zu würdigen.

Die Exponate entstammen den Textilwerkstätten in Darmstadt, Helmstedt, Ludwigslust, Neuendettelsau und Stuttgart. Die Paramente und Gewänder wurden zu diesem Anlass von den Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt.


Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart, Marburg.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart,
Am Plan 3, 35037 Marburg
Frau Claudia Breinl
Tel. 06421 – 2 31 43
Fax 06421 – 16 12 31
Mail   kirchbau@staff.uni-marburg.de



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