Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: I have a Dream - Imagination im Religionsunterricht
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I have a Dream - Imagination im Religionsunterricht
von Thomas Erne

I have a dream – Traum und Träumen im Religionsunterricht[1]

Thomas Erne

I. Vorspiel: Mein Traum vom Lehrersein 

I. 1. Würdigung meiner Ressourcen

Bevor ich damit beginne auszupacken, was ich mitgebracht habe – Honigtöpfe, so hoffe ich –, möchte ich sie bitten einmal zu prüfen, was sie für mich dabei haben. Was ist ihr Traum vom Lehrersein? Träume, und die innere Kraft, die sie hervorbringen, die Imagination oder Phantasie, das deutsche Wort ist „Einbildungskraft“, sind eine starke innere Ressource -  für Sie als Lehrende, als Privatpersonen und für ihre Schüler. Und diese „Traum-Ressource“ – sie wären nicht Lehrer geworden und hätten es nicht bleiben können, wäre in ihnen nicht ein Traum vom Lehren – wollen wir zunächst würdigen. Würdigung vorhandener Ressourcen, das ist bereits eine der heilsamen Leistungen der Imagination: Sich auf der inneren Bühne vor Augen zu führen, was mich inspiriert, mich trägt, mich schützt, mir Kraft gibt in diesem anstrengenden Beruf. 

I. 2. „Mein spiritueller Notfallkoffer“.

„Imagination als heilsame Kraft“ so lautet der Titel eines wunderbaren Buches der Psychotherapeutin Luise Reddemann[2]. Dort finden sie viel für ihre Spiritualität als Lehrende. Viel über die Kraft der Träume, die selbst Traumata gewachsen sein können. Und eine Übung aus diesem Buch möchte ich Ihnen zu Beginn vorstellen

Ich nenne die Übung: „Mein spiritueller Notfallkoffer“.

Stellen sie sich einmal vor – sie merken wir sind bei der Imagination –  sie haben einen Koffer bei sich. Sein Inhalt ist alles, was Ihnen schon geholfen hat, wenn es Ihnen nicht so gut ging. Manche haben einen großen Reisekoffer dabei, so viele Dinge fallen ihnen für den Notfall ein, manchen dagegen genügt ein kleines Bordcase. Schauen sie nach: Wie sieht ihr Notfallkoffer aus? Und was finden sie in ihrem Koffer?

„Mein spiritueller Notfallkoffer“ - oder: „Whatever gets you through the night“

Cailler Zartbitter-Schokolade                          Schweigewoche im Kloster

Ein schöner Duft                                                         Gedicht von Hilde Domin

Gutschein für eine ayurvedische Massage                     Tasse Espresso

Motorradschlüssel                                                       Angelus Silesius´ Cherubinischer

Kletterseil                                                                                                   Wandersmann

Jogging-Schuhe                                                           Blumen

Mein Lieblings-Bibelvers                                             Eine Zigarette

Meditationshocker                                                      Liebesbrief

Kinokarte                                                                   CD von den Toten Hosen

Telefonnummer eines guten Freundes               Eine Flasche Lemberger

Chornoten von Bachs Johannes-Passion                      Ein Gebet

Siegmund Freuds Traumdeutung                                  Aquarellblock und Farben

I. 3. Mein Traum vom Lehrer/in:

Schauen sie einmal in ihren Notfallkoffer. Irgendwo müßte da ihr Lehrertraum sein. Vielleicht müssen sie ein wenig suchen. Vielleicht ist er etwas verstaubt, weil sie ihn schon lange nicht mehr angeschaut haben. Oder auch ganz blank gescheuert, weil sie ihn ständig in Gebrauch haben. Überlegen sie, wie sieht mein Traum vom Lehrersein aus? Und welches Symbol passt für meinen Traum?

Mein Traum vom Lehrer/in

„Ein Kämpfer; eine Weltweise; eine Schulter, an der man sich ausweinen kann; eine Wissensvermittlerin; ein vom pädagogischen Eros Erfüllter; eine Intellektuelle im tertiären Bereich; ein Menschenbildner; eine Clownin; ein Coach und Trainer; eine Seelsorgerin; ein Held; eine Dompteurin; ein Missionar; eine Geburtshelferin; ein Vorbild; eine Anregerin; ein Therapeut; eine Respektsperson; ein Begleiter; Mutter-Vater-Onkel-Tante-Bruder-Schwester-Ersatz; ein Profi; eine Kritikerin; ein Freund; die letzte Rettung.“ 

Wenn sie möchten, zeigen sie jetzt ihren Traum ihrem Nachbarn oder Nachbarin und unterhalten sie sich über die Vision, die sie zum Lehrerberuf motiviert hat. Der Notfallkoffer ist übrigens ein Hinweis, dass es völlig legitim ist, die eigenen Ressourcen – und dazu gehören die Träume - zu pflegen, vor allem als Lehrer, also regelmäßig die Dinge zu tun, die ihnen gut tun.

II. Träume und träumen sind eine unverzichtbare Ressource – vor allem im Religionsunterricht

II. 1. Frank McCourts Entdeckung seines Traumes – „Storytelling is teaching“

Frank McCourt beschreibt im dritten Teil seiner Biographie „Teacher Man“[3] wie er seinen Lehrer-Traum in seinem Notfallkoffer entdeckte.

Das Buch beginnt mit seinem ersten Tag als Lehrer in einer Berufsschule in New York. Er sitzt im Klassenzimmer wartet auf eine wilde Gruppe von 35 New Yorker Berufschülern im Alter von 16 Jahren. Er malt sich das Schlimmste aus - und es wird schlimmer. In der ersten Stunde wirft Petey sein Pausenbrot auf den Boden, um zu sehen wie der neue Lehrer reagiert. Und der reagiert jenseits aller Pädagogik, sozusagen rein somatisch. Denn Peteys Mutter ist Sizilianerin. Was da liegt ist kein amerikanischer Gummi-Toast. Da liegt ein duftendes selbstgebackenes italienisches Brot, belegt mit Parmaschinken, Tomaten, Zwiebeln und Oliven. McCourt kann nicht widerstehen und isst Peteys Sandwich einfach auf. Das handelt ihm den ersten Verweise des Schulleiters ein und so etwas wie den ersten Respekt der Klasse – wegen des Verweises. Aber nach der zweiten Stunde wird er beinahe entlassen, weil Eltern sich beschweren, er habe angedeutet es könne auch zwischen Menschen und Schafen so etwas wie Freundschaft geben.

In seiner Verzweiflung entdeckt Frank McCourt seinen Traum vom Lehrersein. Immer wenn er eine Geschichte aus seinem Leben erzählt, ist die Klasse besänftigt und aufmerksam. „My life saved my life“ - Meine Biographie rettet mein Überleben als Lehrer. Natürlich gibt es Widerstände: der Lehrplan, die Warnung der Kollegen: „Erzähle nie etwas von dir, sie nutzen dich nur aus“, und die Pädagogikseminare, die Frank an der Universität besucht hatte.

In jener zweiten Stunde stellt ein Schüler eine Frage nach Franks Herkunft. Frank ist Ire. Er kennt das Spiel, Fragen zu stellen, die den Lehrer vom Unterrichtsstoff abhalten. Er wehrt sich tapfer. Immer wieder versucht er auf die Grammatik zurück zu kommen. Aber er kann die Fragen der Schüler einfach nicht beiseite schieben. Dagegen steht sein eigner Traum einer guten Schule: „I was already dreaming of a school where teachers were guides and mentors, no taskmasters…“ Und dieser Traum hat mit der Erinnerung an seine eigene Schulzeit zu tun: „The school in Limerick where the lesson was king and we [pupils] were nothing“ (24).

Das will er nicht. Aber was dann? Wie kann Frank McCourt mit diesem Traum einer offenen Schule in einer öffentlichen Institution als Englisch-Lehrer überleben, angesichts von Lehrplänen, Schulleiter, klagenden Eltern?

„I´m teaching. Storytelling is teaching!“ (26).  Das seine entscheidende Einsicht: Storytelling is teaching – und nicht die Vermeidung eines geregelten Unterrichts.

Und was ist „Storytelling“? Es ist Abwesendes anwesend werden zu lassen, Dinge, Personen und Gefühle. Durch Worte, nichts als Worte. So erzählt er sein Leben. Und ist zugleich bei den Schülern und deren Leben. Das macht die Phantasie. Sie öffnet einen imaginären Raum. Einen Proberaum, in dem sich Lehrer und Schüler auf Augenhöhe begegnen. So wird Franks Leben zum Medium für seine Schüler ihr eigenes Leben ernst zu nehmen – und das heißt: Sie lernen es durch ihn zu erzählen.

Dafür ein Beispiel: In seiner Prüfungsstunde für das Lehrerexamen (vgl. 52-55) - absolut witzig zu lesen -,  muß Frank McCourt zwei Kriegsgedichte mit der Klasse durchnehmen. Er fängt die Stunde damit an, dass er von seinem frustrierten Onkel erzählt, der aus dem II. Weltkrieg heimkam und der Lohn war ein Job als Kohleträger in den Docks. Da fangen die Jugendlichen von den Vietnamheimkehrern in ihren Familien zu erzählen. Am Ende fällt Frank beinahe durch die Prüfung, weil sich eine so leidenschaftliche Debatte in der Klasse entwickelt, dass die Schüler nicht merken, dass der Unterricht vorbei ist und der Lehrer den Raum verlassen möchte. Aber für diese Stunde war in dieser Schule ein Traum vom Lehrersein wahr geworden. Ich vermute, mit der Zeit wird Frank McCourt es geschafft haben, auch die Grammatik als Lebensform zu entdecken. Schließlich kann man ohne sie nichts aus dem eigenen Leben erzählen.

Das ist Frank McCourts Lehrer-Traum gewesen. Biographischer Unterricht könnte man das vielleicht nennen. Ich sage nicht, so müssen sie das auch machen. Ich sage nur: Es ist wichtig sich seines eigenen Traumes bewusst zu werden - und mit ihm im alltäglichen Unterricht in Kontakt zu bleiben.. Das wäre eine wichtige Botschaft an die Schüler, gleichsam der Subtext des Unterrichts – dass auch die Schüler ihren Traum entdecken können und lernen ihn zu leben. Wenn Ihnen das gemeinsam gelingt, dann besteht eine gute Chance, dass etwas passiert, was weder ihnen noch den Schülern allein gehört und was Frank McCourt so zusammenfasst: „It must [then] be the spirit that moves“ (24).

III.  Arbeitsschritte der Phantasie

III. 1. Wie arbeite ich mit der Ressource Phantasie im Religionsunterricht?

Aber wie geht das – Träume zu leben? Ich möchte Ihnen ein minimales pädagogisches Konzept vorschlagen, wie Träume und die Fähigkeit zu träumen, also die Phantasie, im Religionsunterricht eingesetzt werden können. Das ist meine Ausgangsthese: Ihre Fähigkeit zu träumen, und zwar nicht nur den Traum vom Lehrersein, ist eine wichtige Ressource ist für ihren Unterricht wie auch die Fähigkeit ihrer Schüler zu träumen, deren Einbildungskraft und Phantasie eine unverzichtbare Ressource ist für den Unterricht wie für das Leben ihrer Schüler. Aber wie lässt sich mit dieser Ressource im Unterricht arbeiten?

III.2. Synthese von Logik und Kreativität, Methode und Inspiration

Die folgenden vier Schritte, Grundoperationen der Phantasie, stammen von Peter Fauser[4], einem der führenden Imaginationsforscher in Deutschland. Fauser hat die Schritte am Beispiel des naturwissenschaftlichen Unterrichts entwickelt. Methodisch logisches Denken und Phantasie schließen sich nach Fauser nicht aus. Im Gegenteil: Ein Naturwissenschaftler ohne Phantasie entdeckt nichts und kann, falls doch etwas entdeckt, ohne Phantasie wenig damit anfangen. Auch ein Künstler, und ich zähle die Religionslehrer und -lehrerinnen zu den Künstlern und Künstlerinnen, kommt nur mit Phantasie, ohne methodisches und klares Denken, auch nicht weiter. Es geht um die Verbindung von Logik und Kreativität, Methode und Inspiration. Deshalb stelle ich Ihnen die vier Schritte der Phantasie in Form einer Geschichte[5] vor

III.3.  Adam und Eva - Was ist denn das Besondere an mir?

 „Eva – was ist eigentlich das Besondere an mir?“, Adam sitzt missmutig unter einer Palme und stochert mit einem Grashalm in seinen Zehen. „Die Gazelle kann schneller laufen, der Tiger besser brüllen und der Affe kann besser klettern. Was kann ich, was sonst keine Tier kann?“, fragt Adam. Eva denkt lange nach. „Vielleicht besser verdauen?“, sagt Eva. „Ach, was“, brummt Adam, „jeder Ochse kann das besser.“ – „Vermutlich bin ich erst halbfertig“, denkt Adam. „Gott muß mich nachbessern.“ Adam wird ganz schwermütig bei dem Gedanken, dass er halbfertig ist. „Hör auf Adam“, sagt Eva. „Grübeln bekommt dir nicht und  mir macht es schlechte Laune. Erzähl mir lieber eine Geschichte.“ Adam erzählt von einem Warzenschwein, das auf einer Wolke sitzt und in ein Krokodil verliebt ist. Und die beide können beim Küssen einfach nicht zueinander kommen. Eva muss kichern. Die Tiere, die vorbeigehen, wundern sich. „Menschen“, sagt die Giraffe verächtlich. „Erfinden albernes Zeug und lachen über Dinge, die es nicht gibt als stünden sie ihnen vor Augen.“ - „Was hat denn die Giraffe?“, fragt Adam. „Ach lass sie“, erwidert Eva, „Tiere haben eben keine Phantasie“ - „Das ist es“, ruft Adam. „Was?“, fragt Eva. „Na, das Besondere an mir“, erwidert Adam. „Es ist die Phantasie! Sie ist ein Teil der göttlichen Schöpfungskraft. Gott hat sie nur uns Menschen gegeben.“

III.4. Die vier Schritte der Phantasie

Die kleine Geschichte - sie stammt übrigens aus der Sendung „Pinguin, die Sendung mit dem Frack“ im SWR 1 und wurde von Suzanne Bergmann geschrieben[6] – ist nicht nur eine Parabel über die Phantasie. Die kleine Geschichte zeigt zugleich auch wie Phantasie arbeitet.

  1. Vergegenwärtigung: Abwesende Dinge, Personen und Gefühle werden für mich anwesend  -  z.B.: Das Paradies, Eva, Adam und sein Frust
  1. Konflikt:  Meine bisherigen Sicht von Gott und der Welt kommt an ihre Grenzen -  z.B.: Adam: „Alle Tiere haben etwas Besonderes. Nur ich nicht! Könnte es sein, dass Gott mich halbfertig vergessen hat?
  1. Experiment: Ich entdecke eine neue Sicht von Gott und der Welt  - z.B. Adam: „Die Phantasie ist das Besondere, damit hat mich Gott ausgezeichnet“
  1.  Anwendung: Die neue Sicht erschließt mir vertraute Situationen anders – z.B. Eva und der Sündefall: „Es muß schön und  herrlich sein vom Baum der Erkenntnis zu essen!“ Das kann sie sich nur so verführerisch ausmalen aufgrund der Phantasie.

Das soll kein Schematismus sein von notwendigen Schritten auf einem vorherbestimmten Weg den die Phantasie in jedem Fall gehen müsste. Das wäre ja ziemlich phantasielos! Es ist nur eine Orientierung, damit die verschiedenen Dimensionen die Phantasie[7] nicht verkürzt werden. Ich will nun Stationen der Phantasie mit ihnen abschreiten und dazu jeweils einige Phantasieübungen mit ihnen machen.

  1. Vergegenwärtigung: Abwesende Dinge, Personen und Gefühle werden für mich anwesend

Wenn ich ihnen die Geschichte gut erzählt habe, dann haben sie etwas gesehen, was nicht hier im Raum ist, sondern in ihren Köpfen, ja was vermutlich noch nie in Raum und Zeit existierte, sondern nur in unserer Phantasie: Adam und Eva im Paradies. Und ich hoffe weiterhin sie haben Adams Frage nicht nur gehört, sondern auch ein wenig gespürt wie sehr ihn die Frage umtreibt, was das Besondere an ihm ist. Auch das ist eine Leistung der Phantasie, nicht nur abwesende Gegenstände anwesend sein zu lassen, sondern auch Gefühle – und das gilt natürlich auch für sie wenn sie ihren Schülern eine Geschichte gut erzählen: die Fähigkeit des Menschen durch die Kraft seiner Vorstellung Abwesendes anwesend sein zu lassen. Die klassische Formulierung stammt von Kant: Das was uns träumen lässt, Phantasie, Imagination, Einbildungskraft ist das „Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen“[8], also von fernen Landen zu träumen, von verliebten Krokodilen oder von einer Schule die Schüler, Lehrer und Eltern lieben und von der sie nicht genug bekommen können, weil sie ihnen so gut tut.

Religiöse Parallele: Aber nicht nur abwesende Dinge, auch Gefühle und die Ahnung, dass die endliche Welt nicht alles ist, kann der Traum und die Phantasie anwesend werden lassen. Wie wichtig damit die Phantasie und das Träumen für die Religion ist, das zeigt nicht erst die Definition Kants. Das zeigt schon der Urträumer und Urzeuge der innigen Beziehung von Traum und Gotteserfahrung – Jakob. „Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte und ich wusste es nicht“ (Gen 28, 16), ruft er am Morgen nach seinem Traum von der Himmelsleiter erschrocken aus. Jetzt, nach seinem Traum, weiß er, was er vor dem Traum nicht einmal ahnte. Der Traum also enthüllt Jakob, was wirklich ist, aber nicht sichtbar. Der Himmel küsst die Erde. Da, wo er lag ist die Nabelschnur Gottes zur Welt. Und deshalb dieses geschäftige Treiben, Engel rauf und runter, Lastverkehr himmlischer Heerscharen.

  1. Konflikt:  Meine bisherigen Sicht von Gott und der Welt kommt an ihre Grenzen

Gehen wir einen Schritt weiter. Die Phantasie lässt sie nicht nur abwesende Dinge, Personen, Gefühle sehen und spüren. Sie sehen und spüren in der Geschichte auch einen Konflikt. Adam  ist unzufrieden. Er scheint ein Lebewesen, ohne besondere Eigenschaften zu sein, ein „animal indifferente“, ein unbestimmtes Tier. Das kann doch nicht wahr sein – oder doch? Das ist der Konflikt. Solche Konflikte können innerhalb eines alltäglichen Weltbildes entstehen. Wir sagen: Heute geht die Sonne auf – obwohl wir alle wissen, dass sich heute morgen die Erde zur Sonne hingedreht hat. Da haben sie einen Konflikt zwischen Alltagsbewusstsein und wissenschaftlicher Weltsicht.

Parallele zur christlichen Religion:

Solche Konflikte gibt es auch innerhalb des christlichen Glaubens. Auch da kann ein Konflikt auftreten zwischen der traditionellen Glaubenssicht und neuen religiösen Erfahrung. In einem solchen Fall muss sich zeigen, ob der Glaube eine phantasievolle Haltung ist, nicht nur im Blick auf „eingefahrene Alltagsrealitäten“[9], sondern auch im Blick auf sich selber. Kann er das eng gewordene Kleid der Tradition abstreifen und im Horizont Gottes neue Möglichkeiten zu glauben entdecken?

Mein erstes Beispiel für einen phantasievollen Umgang mit einem religiösen Konflikt betrifft den interreligiösen Dialog der Kinder, die im Kindergarten und in der Grundschule mit Kindern anderer Religionen zusammenleben. 

Mein zweites Beispiel für phantasievolle Arbeit mit einem religiösen Konflikt ist eine zentrale Fragen, die Jugendliche umtreibt: Wie kann ich an einen guten und allmächtigen Gott glauben, wenn ich morgens in die Zeitung schaue? Also die so genannte Theodizee-Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leides in der Welt.

Beispiel I – Phantasievolle Konfliktarbeit mit Kindern: Vedat und das Weihnachtspiel[10]

Szene 1

„Vedat soll den Josef spielen“, schreien die Kinder im Kindergarten. Alle sind aufgeregt. Bald ist Weihnachten. Am Heiligen Abend spielen sie in der Kirche ihr Krippenspiel. Vedat hat schwarze Augen und schwarze Locken. „Ja, Vedat muß mitspielen“, sagt Max. Er ist Vedats bester Freund. Aber Vedat schüttelt den Kopf „Ich darf nicht, sagt mein Vater. Weihnachten ist nicht unser Fest.“ Vedat ist Muslim. Seine Eltern kommen aus der Türkei.

Kommentar: Das Bilderbuch vergegenwärtigt eine vertraute Situation: Stuhlkreis im Kindergarten. Das alljährliche Weihnachtspiel wird besprochen.

Szene 2

Max wird wütend: „Ohne Vedat spiel ich auch nicht mit.“ Er ist der Größte und hat von allen Kindern die kräftigste Stimme. Keiner kann den König Herodes so gut spielen wie er. „Dann fällt unser Weihnachtsspiel dieses Jahr aus“, erwidert Cornelia, die Erzieherin.

Kommentar: Ein Konflikt bahnt sich an.  Der muslimische Vedat darf im Weihnachtspiel nicht mitspielen. Sein Freund Max will daraufhin auch nicht mehr. Das Weihnachtsspiel droht zu platzen.

Szene 3

„Du bist so schweigsam heute“, sagt die Großmutter. Max isst donnerstags bei ihr zu Mittag. „Das Weihnachtsspiel fällt dieses Jahr aus“, antwortet Max. „Mein Freund Vedat darf an Weihnachten nicht den Josef spielen. Er ist Muslim. Und wenn Vedat nicht mitmacht, mag ich auch nicht.“

Kommentar: Da tritt die suchende Phantasie in Gestalt der Großmutter auf. Sie hat eine Idee - eine typische Leistung der suchenden Phantasie.

Szene 4

Nach dem Mittagessen holt Großmutter die große Kinderbibel: „Ich hab da eine Idee!“ Sie setzt sich neben Max und blättert mit ihm in der Bibel. Die Großmutter zeigt Max die drei Weisen aus dem Morgenland.

Kommentar: Konfliktlösung nicht durch Kompromiss, auch nicht durch Druck, sondern durch eine andere Sicht der vertrauten Dinge, in diesem Fall die bekannte Geschichte der drei Könige bezogen auf die gegenwärtige Situation ausgelegt.  

Szene 5

„Kasper, Melchior und Balthasar kommen wie Vedat aus dem Morgenland“, sagt die Großmutter. „Sie gehören auch zu einer anderen Religion. Aber trotzdem sind sie an Weihnachten mit dabei und bringen dem Jesuskind ihre Geschenke.“ Max strahlt und gibt der Großmutter einen Kuss.

Am nächsten Morgen will keines der Kinder mit Max spielen. Sie sind immer noch wütend auf ihn. Max geht zu Cornelia. Er redet mir ihr. „Ich gehe mit dir nach dem Kindergarten zu Vedats Vater“, sagt die Erzieherin.

Kommentar:  Der Konflikt baut weitere Spannung auf.

Szene 6

Beide sitzen mit Vedat und seinem Vater am Küchentisch. Vedats Vater ist müde. Er kommt gerade von der Arbeit aus der Fabrik. „Man soll die Religionen nicht vermischen“, sagt er. „Sonst gibt es ein heilloses Durcheinander.“

Kommentar: Der Konflikt wird auf den Punkt gebracht von Vedats Vater: „Man soll die Religionen nicht vermischen.“

Szene 7

Max nickt: „Aber man kann sich doch besuchen und sich gegenseitig Geschenke bringen“, sagt Max. Er schlägt seine große Kinderbibel auf und zeigt Vedats Vater die drei Weisen aus dem Morgenland.

Kommentar: Das Lösungsangebot der Phantasie nimmt diesen Punkt auf und wendet ihn in eine andere Richtung „Ja, aber man kann sich doch gegenseitig besuchen.“

Szene 8

Lange schaut sich Vedats Vater die drei Weisen an. Dann muss er lachen. „Max, du bist schlau wie ein Fuchs“, sagt er. „Nein, das war meine Großmutter“, antwortet Max.

Kommentar: Ein neue Sicht der Dinge etabliert sich, sichtbar an Max´ und Vedats gemeinsamer Freude.

Szene 9

Am Heiligen Abend ist die Kirche besetzt bis auf den letzten Platz. Auch der Vater und die Mutter von Vedat sind gekommen. Vedats Mutter trägt ein Kopftuch. Dann beginnt das Weihnachtsspiel. Max spielt den König Herodes und Vedat einen Weisen aus dem Morgenland. Als Geschenk bringt er dem Jesuskind eine Gebetskette. Er legt sie vor der Krippe nieder und verneigt sich tief.

„Das war ein schönes Weihnachtsfest“, sagt die Großmutter.  Es ist Donnerstag und die beiden sitzen beim Mittagessen. „Aber was hat Vedats Vater zu dir nach dem Gottesdienst gesagt?“ fragt die Großmutter. „Er hat uns eingeladen“, antwortet Max.

Kommentar: Die neue Sicht „Religionen soll man nicht vermischen, aber sie dürfen sich gegenseitig besuchen“ wird angewendet auf das Weihnachtspiel

Szene 10

Die Großmutter sieht lustig aus in ihrem Kopftuch. Vor dem kleinen Haus im Hinterhof ziehen die beiden ihre Schuhe aus. Dann betreten sie die Moschee. Heute wird dort ein großes Fest gefeiert, das Zuckerfest am Ende der Fastenzeit. Max und seine Großmutter sind eingeladen. Sie kommen als Gäste einer anderen Religion und haben ihre Geschenke mitgebracht. Die Großmutter bringt einen Kuchen mit und Max seine große Kinderbibel.

Kommentar: Die kreative Erweiterung,  er neue Sicht sich liegt in der Gegeneinladung des Vaters zum Zuckerfest in die Moschee. Diese Idee ist auch eine Leistung der Phantasie.

Beispiel II – phantasievolle Konfliktarbeit mit Jugendlichen: Was ich Gott schon immer einmal sagen wollte…

a. Einführung: Im Film „Bruce Allmächtig“ von Tom Shadyac[11] spielt Jim Carey einen Radioreporter, in dessen Leben alles schief läuft. Er wird gefeuert, gerät mit seiner Freundin in Streit und fährt wütend und frustriert durch die Nacht. In dieser Situation versucht er es mit Beten, und fährt dabei gegen einen Laternenmast und schrottet sein Auto. Das zarte Gottesvertrauen schlägt um in massive Enttäuschung. Es kommt eine klassische Szene der Verfluchung Gottes, bekannt von Hiob oder Kierkegaards Vater: „Gott, du gehörst gefeuert. Der Einzige der hier seinen Job hier nicht ordentlich macht bist Du!“ Daraufhin bekommt Bruce ein neues Jobangebot. Er fährt zum Vorstellungsgespräch. In der Tat wird ihm eine äußerst verantwortungsvolle Stelle angeboten. Gott bietet Bruce seine „Stelle“ an: „Wenn du glaubst, du kannst es besser: Hier ist deine Chance!“

Lassen sie die Schüler einmal an die Stelle von Bruce treten: „Stell dir vor, das wäre auch deine Chance. Du wärst für 24 Stunden Gott – was würdest du tun?

In diesem Fall taucht garantiert die Theodizee-Frage[12] auf. Dann muss man aber auch eine Bearbeitungsstrategie für das Problem in der Hinterhand haben. Dazu eine zweite Runde mit Rollen-Spiel.

Vorspiel

Drei Männer kommen in den Himmel. Es sind der antike Philosoph und Lebenskünstler Epikur, der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz und der jüdische Philosoph Hans Jonas. Bevor sie nun in den Himmel eingelassen werden, will Gott mit jedem der drei Kandidaten ein kleines Bewerbungsgespräch führen. Petrus bittet also die Drei, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Da haben sie ein wenig Zeit zu überlegen, wer sie wohl hinter der verschlossenen Tür erwarten wird.

Deine Meinung

Was glaubst du  – wer von den drei Philosophen wird mit seiner Vorstellung von Gott Recht behalten? Epikur, Hans Jonas oder Gottfried Wilhelm Leibniz? Du sagst mir deine Lösung – dann sag ich dir meine.

Meine Lösung sieht so aus:

„Epikur wird als Erster zu Gott hereingebeten. Er ahnt schon, dass mit seiner Vorstellung von unbekümmerten und heiteren Göttern etwas nicht stimmen kann. Warum sollten sie ihn überhaupt zu einem Gespräch einladen, wenn ihnen die Menschen gleichgültig sind? Und als er herauskommt, da sagt er ganz erschrocken zu den beiden anderen: „Es ist einer. Und er war sehr an mir interessiert.“

Auch Hans Jonas wundert sich, dass er im Himmel ist. Nach seiner Theorie kann es streng genommen überhaupt kein Leben nach dem Tod und daher auch keinen Himmel geben. Sein Gott ist ja nur in der Welt und im Handeln der Menschen da. Und da er über keine Macht verfügt, kann er auch keinen Menschen nach seinem Tod zu neuem Leben erwecken. Als Hans Jonas wieder herauskommt, sagt er: „Er kann mehr als ich dachte. Zum Glück. Sonst wäre ich nicht hier.“

Und Gottfried Wilhelm Leibniz? Der kann sich ja denken, dass seine Vorstellung von Gott der Wahrheit ziemlich nahe kommt. Allmächtig muss Gott sein, sonst wären er und seine beiden Kollegen nicht von den Toten auferstanden. Und barmherzig auch, sonst wären sie nicht im Himmel, sondern sonst wo. Aber ob Gott auch auskunftsfreudig ist und ihm alle seine Fragen beantworten wird? Leibniz wird hereingebeten, aber er kommt nicht wieder heraus. So viel gibt es Gott zu fragen und so viele Antworten, die Gott ihm geben will. Im Himmel ist das kein Problem. Tausend Jahre sind dort wie ein Tag. Aber für uns auf der Erde dauert das Gespräch zu lange. Es dauert genau genommen immer noch an. Deshalb werden wir erst erfahren, was Gott zu Leibniz über den Sinn von Krankheit, Krieg und Katastrophen sagen wird, wenn wir selbst dort sind, wo er vermutlich jetzt ist: im Himmel.

Darlegung der eigenen Position und ihrer Gründe.“[13]

Und du?

Frage an die Schüler: Stell dir vor du sitzt im himmlischen Wartezimmer – was für einen Gott würdest du erwarten, wenn sich die Tür öffnet? Und welche Frage würdest du ihm zuerst stellen?

Was leistet die Phantasie in diesem Fall?

Sie geht mit theologischen Themen im „Modus des Entwurfs“ um. Bibliodrama[14] z.B. ist so ein Probehandeln. Eine Weise wie die Phantasie neue Chancen und neue Möglichkeiten aus den altvertrauten Geschichten und Fragen herauszutreibt. Aneignung religiöser Erfahrung setzt einen solchen Spielraum der Phantasie voraus, sonst wird Tradition nur zur Last, aber nie zu einer eigenen lebendigen Erfahrung

3. Experiment: Ich entdecke eine neue Sicht von Gott und der Welt

Neukonzeptionalisierung der Weltsicht

Sie haben gesehen, dass die Schematisierung der Phantasie etwas Willkürliches hat. Im Grunde gehen die Schritte ineinander über. Wir hatten bei Vedat schon alle Momente beieinander. Aber die konstruktive Seite der Phantasie, der Einfall, die Idee verdient noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit. Der Moment, wo der Einfall aufblitzt, ist immer ein Geschenk: „Das ist es! Die Phantasie“, ruft Adam aus. „Ich hab eine Idee“, sagt Vedats Großmutter. Die Idee kommt nicht von ungefähr, aber man kann sie auch nicht machen. Damit ein neues passendes Bild der Welt oder des Glaubens gefunden werden kann, muß man tolerant sein gegenüber der eigenen Begriffsstutzigkeit und voller Vertrauen in die eigenen Intuitionen. Die Phantasie muß durch die Wüste wandern. Ein „empty space“, nennt es der Theaterregisseur Peter Brooks[15] . Diese Leere gehört zur Phantasie dazu. Es ist eine Erfahrung, die man auch in der Meditation, im Gebet macht. Wer sich innerlich ganz frei macht von allen Verwertungszwängen, der kann vom Heiligen Geist belohnt werden mit neuen Ideen. 

Die Parallele zur christlichen Religion: Der Heilige Geist belohnt das Warten: „Dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten“ (Hilde Domin). Wir kommen zwar alle von der Offenbarung des Heils in Jesus Christus her, aber was dies bedeutet für mein Leben hier und  heute oder für die Kinder und Jugendlichen, die ich in der Schule unterrichte, das ist noch offen. Dazu bedarf es einer Suchbewegung der Phantasie. Und die führt zunächst in die Wüste. Nur so kann Gott, der Herr, den Seinen die besten Ideen im Schlaf schenken, besser: in den Träumen. Der „empty space“, von dem Peter Brooks redet, entsteht, wenn unsere Wahrnehmung irritiert wird: Ent-selbstverständlicht[16]. Dann beginnen wir neue Konzepte zu suchen, wenn wir nicht schon immer wissen, was die Dinge bedeuten. „Die Phantasie des Glaubens lässt Wirklichkeit anders und neu sehen … [indem sie diese] neu belichtet.“[17]

4.Anwendung“: Die neue Sicht erschließt mir vertraute Situationen anders

Barmherzige Sonja im Film „Lichter“

Schließlich bietet die Geschichte auch noch die Anwendung der neuen Erkenntnis, allerdings erst im nächsten Kapitel. Was war es anderes als die Fähigkeit der Imagination, die Eva vor Augen malte, wie anziehend es sein musste klug und weise zu sein. Also etwas, was sie noch nicht wirklich ist, als  real vorstellen. Vorwegzunehmen, wie es sein könnte, wenn… Ohne Träume, kein Sündenfall. Phantasie hat demnach ein Doppelgesicht: Sie kann uns ins Paradies zurückführen und sie kann uns verführen, es wieder zu verlassen. Damit haben wir auch die problematische Seite der Phantasie wenigstens Aber dazu später mehrgestreift.

Anwendung, so nennt das Peter Fauser, ist allerdings kein guter Begriff. Anwendung hat mit Regeln zu tun, die man auf einen bestimmten Fall mechanisch anwendet. Der Phantasie angemessener wäre es beim letzten Schritt von einem Weitersuchen und Weiterfinden zu reden, oder im Blick auf eine Geschichte, von einem Weitererzählen, bei dem die Geschichte unter veränderten Zeitumständen neu erfunden wird. Das hat übrigens auch einen therapeutischen Effekt[18], eine befreiende Wirkung, wenn ich eine alte Geschichte, die mich immer auch fesselt und lähmt, neu erzählen kann. Um diese Arbeit der Phantasie geht es auch in der Übertragung einer biblischen Geschichte auf heute. Um eine Suchbewegung, was wohl heute der beste Ausdruck dieser Geschichte sein könnte.

Sie kennen sicher alle die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Jesus arbeitet auch mit den vier Schritten der Imagination, wie ich sie Ihnen vorgestellt habe. Er malt seinen ZuhörerInnen…

1. eine abwesende Situation als anwesend vor Augen, so dass sie etwas zu sehen und zu spüren bekommen:  Ein brutaler Überfall auf der Straße nach Jerusalem. Dann lässt er sie …

2. einen Konflikt spüren. Der homo religiosus, als frommer Priester und als Tempeldiener, das sind Identifikationsfiguren der Zuhörer, die mit Jesus diskutieren. Dann kommt der Samariter, ein Outcast – und beugt sich zu dem Niedergeschlagenen und hat Erbarmen. Das ist der Konflikt. Die religiösen Gebote, das Doppelgebot der Liebe zu kennen, das ist das eine, aber es in der konkreten Situation, wo ich betroffen bin, auch anzuwenden – gilt hier das Gebot der Liebe? Ist der da auf der Straße denn mein Nächster? -  das ist das andere. Und dann …

3. schickt Jesus die Phantasie seiner Zuhörer auf die Suche und lässt sie selbst eine Lösung finden: Wer glaubst Du ist dem Niedergeschlagenen zum Nächsten geworden? Da liegt in der Umformulierung schon ein Vorschlag: Wem ich zum Nächsten werde, der ist es auch. Und dann lädt Jesus den Pharisäer ….

4. zur Anwendung ein: Gehe hin und handle genauso

Aber was heißt das?

Immer wenn jemand auf der Straße liegt und niedergeschlagen wurde, dann muß ich ihm helfen, wenn ich im Geist Jesu handeln will. Das wäre offensichtlich zu einfach. „Handle ebenso“, würde bedeuten: „Handle genau wie der Samariter“. Das wäre eine mechanische Anwendung der Handlungsmaxime des Samariters.

Wir würden unter dem Niveau der Erzählkunst Jesu bleiben, wenn wir den Ausgang dieser Geschichte einfach wie ein Ergebnis behandeln, dass wir heute nur noch anwenden müssen. Gehe hin und mach es genauso würden heißen: Tue das Gleiche, Identische, nicht Dasselbe, Ähnliche. Das aber meint Jesus. Urteile selbst in einer Situation, die so ähnlich, aber doch anders, jedenfalls nicht identisch ist.

Aber wie kommen wir in eine solche Situationsähnlichkeit hinein? Wir kennen doch diese Geschichte nur zu gut. Wir haben eine lange Geschichte der Barmherzigkeit hinter uns, inklusive der Auswüchse des Helfens, das Helfer-Syndrom, Helfen als verkappte Form von Herrschaft etc.

Ich glaube, es geht mit Hilfe der Phantasie. Und eine ihrer Formen ist der Film, der altbekannte Geschichten so transformiert, dass sie wieder zu unseren Geschichten werden[19]. Das tut jedenfalls ein Film, aus dem ich Ihnen eine kleine Sequenz vorstellen möchte: „Lichter“ von Hans-Christian Schmid[20]. Meiner Meinung nach, bietet er in einer seiner Szenen eine Übersetzung des barmherzigen Samariters in unsere Zeit, so dass wir wieder das Risiko spüren, das in der Aufforderung steckt: Geh hin und mach es ebenso.

Ich möchte Ihnen Sonja vorstellen, eine moderne Samariterin. Sonja arbeitet beim Bundesgrenzschutz als Russisch-Übersetzerin. Beim Verhör mit dem jungen Russen, der gerade illegal über die Grenze gekommen und von den Beamten gefasst worden ist, bekommt sie Mitleid und gibt dem Jungen auf Russisch Tipps, wie er um Asyl nachsuchen soll. Aber der Beamte macht kurzen Prozess: Abschieben nach Polen. Sonja geht nach Hause. Sie steht vor ihrem Auto und will die Tür aufschließen. Da steht plötzlich der junge Russe vor ihr. Er hat sich losgerissen. Sonja hört schon das Rufen der Wachen. Der Russe fleht sie an. „Helfen sie mir, sonst bin ich verloren." Sonja erstarrt. Da ist die coole Distanz, die sie sich angewöhnt hat, um in ihrem Job nicht verrückt zu werden. Und da ist der verzweifelte Blick des jungen Mannes. Mitgefühl und Coolness ringen in Sonja miteinander. Dann ist es zu spät. Die Beamten packen den Russen, reißen ihn zu Boden, fesseln ihn und führen ihn ab.

Dann sieht man wie Sonja in ihrem Zimmer sitzt. Ihr geht die Szene auf dem Hof der Kaserne nicht aus dem Sinn. Sie telefoniert mit ihrem Freund, einem Photographen in Berlin und weint dabei, so als ob sie spürt, dass ihr in diesem Übersetzerjob etwas verloren gegangen ist. Barmherzigkeit, so könnte man das deuten, ist eine Ressource, die nicht nur dem Gegenüber, sondern auch dem Barmherzigen selbst gut tut.

Schließlich spürt Sonja, sie muss da  rüber, nach Sublice und dem jungen Russen helfen. Ihr Freund kommt aus Berlin. Er merkt, dass sie es ernst meint. Er hält die Idee für total verrückt, aber er geht mit ihr, um das Schlimmste zu verhindern. Er findet den jungen Mann zuerst und gibt ihm Geld, damit er sich einen Schlepper mieten kann und Sonja keine Dummheit macht. Ihr Freund ist der Anti-Samariter. Er meint es gut mit Sonja, aber vor allem meint er es gut mit sich selbst. Der Schwindel fliegt auf, weil der Russe sich in Sonjas Wagen versteckt hat. Die beiden trennen sich im Streit und Sonja schmuggelt den jungen Russen allein über die Grenze.

Alles geht gut und sie fährt mit von Frankfurt/Oder nach Berlin. Als sie ankommen ist es Nacht. Beim Potsdamer Platz will er aussteigen. Plötzlich hat es der Mann eilig. Er steigt aus. Sonja ist verwirrt. Warum hat er es plötzlich so eilig? Er bedankt sich und verschwindet.

„Scheiße“, sagt Sonja als sie daheim ankommt und die leere Tasche auf dem Rücksitz des Wagens sieht. Die wertvolle Foto-Ausrüstung, die ihr Freund im Wagen vergessen hat, ist weg. Man sieht dann noch wie der junge Russe mit der gestohlenen Kamera den nächtlichen Potsdamer Platz photographiert.

Was hat sich in der Szene im Film im Vergleich zum biblischen Original bei Lukas verändert? Das Leben scheint seit den Tagen Jesu komplizierter geworden zu sein. Bei Jesus trifft der Samariter auf dem Rückweg einen Menschen an, der seinem Retter vermutlich dankbar ist. Zumindest wird er ihn nicht beklauen. Nicht so das Opfer, dem Sonja hilft. Kaum hat sie den jungen Russen gerettet, da wendet er sich gegen sie und bestiehlt sie. Spricht das dagegen heute noch ein Samariter zu sein? Sich von der spontanen Warmherzigkeit, die Jesu vorlebt, anstecken zu lassen, weil wir heute damit rechnen müssen, dass unsere Barmherzigkeit schamlos missbraucht wird?

Damit wären wir wieder bei einem Konflikt angekommen. Vermutlich sind gute „Anwendungen“ solche, die etwas von dem Konfliktpotential wiedergewinnen, das diese Geschichte zur Zeit Jesus hatte. So wird der Film jedenfalls zu einem spannenden Einstieg für Schüler in das Thema „Barmherzigkeit heute“. Und dazu bedarf es der Phantasie. So wie sie der Regisseur Hans-Christian Schmid und der Drehbuchautor Michael Gutmann im Film  „Lichter“ im Blick auf diese alte Geschichte hatten. 

IV. Visionen  – die Welt wiederherstellen (Maria Harris).

I. Im Medium der Geduld - Straight Story

Traum und Träumen hatten in der deutschen Pädagogik lange Zeit einen schlechten Ruf. Die Phantasie galt als Verwandte der Illusion, eine gefährliche Verführung zum Müßiggang. Die Kinder schienen das Träumen deshalb so zu lieben, weil es ihnen Konfrontation mit der harten Realität ersparte – und gerade deshalb musste die Schule ihnen das Träumen austreiben. Die Rehabilitierung des Traums und des Träumens als einer unersetzbaren Ressource und Erkenntnisquelle, ohne die ein Mensch sich seiner lebendigsten Antriebe beraubte, hat mehrere Väter und Mütter. Eine Mutter ist die Romantik, eine weitere die Psychoanalyse, vor allem die Tiefenpsychologie C.G. Jungs. Ein Vater dagegen ist die moderne Naturwissenschaft, die in der Verbindung von rationalem Kalkül und träumerischem Möglichkeitssinn zur Leitwissenschaft der Moderne geworden ist. 

In der angelsächsischen Religionspädagogik ist diese Entwicklung anders verlaufen.[21] Der Begriff der Imagination spielt dort seit längeren schon eine herausgehobene Rolle. Fantasy meint nicht nur Phantasie sondern zugleich eine etablierte und anerkannte literarische und filmische Gattung[22].

Ich möchte ihnen deshalb zum Schluss und um den Horizont zu weiten, aus der amerikanischen Religionspädagogik einen Ansatz vorstellen, der wunderbar als Einführung in einen meiner Lieblingsfilme passt. Maria Harris[23] ist eine amerikanische, feministische Theologin und Professorin für Religionspädagogik in New York. Sie greift ein Bild aus der jüdischen Frömmigkeit auf – tikkun olam – wörtlich: Die Welt wiederherstellen oder Weltreparatur, und zwar die Welt, die durch Ungerechtigkeit und Gewalt zerstört wird.  Dazu bedarf es des gemeinschaftlichen sozialen Handelns der jüdischen Gemeinden (Prediger 7, 13: „Sieh an das Werk Gottes, denn wer kann das gerade machen, was er krümmt?“). Maria Harris sagt nun, dass religiöse Bildung und Erziehung an dieser Weltreparatur orientiert sein muß, sonst fehlt ihr die Substanz und Integrität. Aber das Medium der Transformation ist, anders im Judentum, nicht soziales Engagement sondern ein ästhetischer Prozess, der die religiöse Phantasie in Anspruch nimmt. Es ist eine subversive, prophetische Phantasie, denn das Neue steht nicht einfach vor Augen – dann würde soziales Engagement genügen –, sondern es muss erst geboren werden. Deshalb ist das Wiederherstellen der Welt ein kreativer Vorgang, ein Neu-Gebären im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen ist bereits der Unterricht ein formgebendes Werk, eine Arbeit der religiösen Phantasie, eine Re-Vision und Transformation in Richtung auf Gottes neue Welt.

Weltreparatur ist ein großes Ziel. Der Film „Straight Story“ von David Lynch formuliert es bescheidener: Es gibt Brüche in einem Leben – manchmal sind es nur Haarrisse –, die müssen repariert werden. Ein anspruchsvolleres Wort wäre: solche Brüche müssen versöhnt werden.

Der Film erzählt die wahre Geschichte des Alwin Straight, der mit einem Rasenmäher sechs Wochen lang im Schneckentempo fährt, um sich mit seinem Bruder, mit dem er sich vor Jahren im Suff zertritt, wieder zu versöhnen. Mit dem Rasenmäher, weil er nicht mehr Autofahren kann, kein Bus zu seinem Bruder fährt und man manche Dinge im Leben selber erledigen muß, ohne fremde Hilfe. Alwin ist kein religiöser Künstler im Sinne von Maria Harris, aber es ist eine Kunst so starrköpfig zu sein und seine Vision der Versöhnung mit einem Rasenmäher zu verwirklichen. Und er ist ein aufrechter Mann, wie schon sein Name sagt, ein Weiser, der auf seine geduldige Weise an der Wiederherstellung der Welt arbeitet. Und Teil dieser Arbeit an der Wiederherstellung der Welt ist das Kunstwerk, der Film selber, der berührt und zur Versöhnung ermutigt.

II. Die Welt wiederherstellen im Medium der Musik, die in jedem von uns ist – Der Film „Wie im Himmel“

In dem Film „Wie im Himmel“ von Kay Pollack kehrt ein berühmter Dirigent nach einem Herzinfarkt in sein Heimatdorf zurück, in dem er als Junge unter der Gewalt der Mitschüler gelitten hat. Der Vorstand des örtlichen Kirchenchors wagt es ihn zu bitten den Chor zu übernehmen – und er sagt zu. In der ersten Chorprobe liefert der Stardirigent dem verblüfften Chor eine Erklärung für seine ungewöhnliche Entscheidung: „Ich habe viel Gutes bei euch gehört. Ihr könnt eine Musik machen, die noch nie jemand vor euch gehört hat. Sie ist schon da. Sie ist schon in euch. Ihr müsst nur euren eigenen Ton finden. Alles ist schon da. Das ist das ganze Geheimnis.“ Aber seinen eigenen Ton zu finden, der schon da ist und deshalb nur hervorgebracht, nicht gemacht werden muß, klingt leichter als es ist. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er hört nicht auf seinen eigenen Ton, sondern auf das „was immer war, und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil´s heute hat gegolten!“ (Schiller, Wallenstein). Wer seinen eigenen Ton finden will, muß sich durch die Konventionalität hindurcharbeiten und  die Angst besiegen, die in ihm hochkommt, wenn er sich aus der Sicherheit der Gewohnheit herausbewegt, um ein eigenes Selbst zu werden.

 

Literatur und Filme zu Traum und Träumen im Religionsunterricht 

Religionspädagogik

R. E. Heinonen, Art. Imagination, in: Lexikon der Religionspädagogik

Maria Harris, Die Welt wiederherstellen: Arbeit der Kunst – Arbeit durch Kunst, in: JRP 7,

 Neukirchen-Vluyn 1984, 121-140

Brenda Lealman, The Ignorant Eye: Preception and Religious Education, in: H.-G.

Heimbrock, Religionspädagogik und Phänomenologie, Weinheim 1998, 131-137.

H.-G. Heimbrock, Phantasie und christlicher Glaube, Mainz/München 1977

Werner H. Ritter (Hg.), Religion und Phantasie. Von der Imaginationskraft des Glaubens,

            Göttingen 2000

F. Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern, Berlin

 1999

F. Schweitzer, Sinn, Phantasie und Symbol, in: P. Fauser/E. Madelung (Hg.), Vorstellen und

            Bilden. Beiträge zum imaginativen Lernen, Velber 1996, 91-106

 

Lerntheorie und Entwicklungspsychologie:

P. Fauser/E. Madelung (Hg.), Vorstellen und Bilden. Beiträge zum imaginativen Lernen,

Velber1996

D.W. Winnicott, Vom Spiel zur Kreativität, Stuttgart 1993

 

Medienpädagogik:

Wilhelm Gräb, Sinn fürs Unendliche. Religion in der Mediengesellschaft, Gütersloh 2002.

Jochen Hörisch, Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien, Die andere Bibliothek,

 Frankfurt a. M. 2001.

Inge Kirsner/Michael Wermke (Hg.), Religion im Kino. Religionspädagogisches Arbeiten mit

 Filmen, Göttingen 2000.

Andreas Mertin, Videoclips im Religionsunterricht. Eine praktische Anleitung zur Arbeit mit

            Musikvideos, Göttingen 1999.

Reinhold Zwick, Göttliche Komödien. Religiöse Dimension des Komischen im Kino (Film

und Theologie, Bd. 2), Köln 2001.

 

Bibliodrama und Theaterpädagogik

Peter Brook, The Empty Space, New York 1968/1996

E.Warns/H. Fallner [Hg.], Bibliodrama als Prozeß, 1994

 

Therapeutische Imagination:

Luise Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, München 2002

 

Praktische Anregungen:

Gianni Rodari, Grammatik der Phantasie. Die Kunst Geschichten zu erfinden, Leipzig 1992

Gerda u. Rüdiger Maschwitz, Von Phantasiereise bis Körperarbeit. Existenzielle Methoden

gekonnt eingesetzt. Ein Handbuch für die Praxis, München 2004

 

Der Traum vom Lehrer in der Belletristik:

Frank McCourt, Teacher Man, London 2005

 

Kinderbücher:

Maria Enrica Agostinelli, sembra questo sembra quello … Mailand 1980; dt.: Ich weiß was,

was du nichts weißt, Verlag Heinrich Ellermann, 1969

F. Nordmann/Th. Erne, Vedat und das Weihnachtsspiel, Köngen 2006

 

Jugendbücher:

Th. Erne/S. Jocher, Wo geht´s hier zum Leben, Gabriel Verlag, Stuttgart 2005

Th. Erne, Warum lässt er das zu? Gabriel Verlag, Stuttgart 2006

 

Filme:

David Lynch, The Straight Story

Hans-Christian Schmid, Lichter.

Tom Shadyac, Bruce almighty

Kay Pollack, Wie im Himmel

 

 



[1] Text eines Vortrages, gehalten am 23. November 2006 in Wernau, beim religionspädagogische Tag der Religionslehrerinnen und Religionslehrer der Kirchenbezirke Bernhausen, Nürtingen und Esslingen. Der Vortragsstil wurde beibehalten.

 

[2] L. Reddemann, Imagination als heilsame Kraft, Stuttgart 2001

 

[3] Frank McCourt, Teacher Man, London 2006. Seitenzahlen in Klammern beziehen sich auf die englische Ausgabe.

 

 

[4] Peter Fauser, Lernen als innere Wirklichkeit. Über Imagination, Lernen und Verstehen, in: P. Fauser/E. Madelung (Hg.), Vorstellen und Bilden. Beiträge zum imaginativen Lernen, Velber 1996.

 

[5] Die Elemente des  Introitus beim Erzählen: 1. Innere Bühne bauen: Stellen Sie sich das Paradies als Garten vor. 2. Die handelnden Figuren vor Augen stellen:  Adam, der Mann, Eva, die Frau. 3. In Szene emotional hineinführen: Es ist Mittagszeit – Mittagsruhe

 

 

[6] Frei nach: Suzanne Bergmann, Warum können Menschen nicht fliegen, in: Pinguin, die Sendung mit Frack SWR 1 Stuttgart, 16.7.2000, Folge 323, Frage 1909

 

[7] Vgl. F. Schweitzer, Sinn, Phantasie und Symbol, 103f. Schweitzer kritisiert den Herbartianismus, der zwar die Phantasie für den Unterricht stark gemacht hat, sie aber dann dem Formalismus eines vorherbestimmten Lernweges unterwirft.

 

[8] I. Kant, Kritik der reinen Vernunft, 1974, 151.

 

[9] W.H. Ritter, Kindliche Religion und Phantasie – dargestellt an einem exemplarischen Kapitel der Religionspädagogik, in: W.H. Ritter [Hg], Religion und Phantasie. Von der Imaginationskraft des Glaubens, Göttingen 2000, 151-180, 174.

 

[10] F. Nordmann/Th. Erne, Vedat und das Weihnachtsspiel, Köngen 2006

 

[11] Tom Shadyac, Bruce Allmächtig, Buena Vista 2003

 

[12] Zum Folgenden, vgl. Th. Erne, Warum lässt er das zu? Gabriel Verlag, Stuttgart 2006, 117-120

 

[13] Th. Erne, Warum lässt er das zu? Gabriel Verlag, Stuttgart 2006, 119.

 

[14] E.Warns/H. Fallner [Hg.], Bibliodrama als Prozeß, 1994

 

[15] Peter Brook, The Empty Space, New York 1968/1996

 

[16] Ein schönes Beispiel für das Spiel mit Wahrnehmungsmustern ist das Bilderbuch von Maria Enrica Agostinelli, sembra questo sembra quello … Mailand 1980; dt.: Ich weiß was, was du nichts weißt, Verlag Heinrich Ellermann, 1969.

 

[17] W.H. Ritter, Religion und Phantasie, 174.

 

[18]  vgl. L. Reddemann, S. 170

 

[19] vgl. Th. Erne/S. Jocher, Wo geht´s hier zum Leben, Gabriel Verlag, Stuttgart 2005

 

[20] Hans-Christian Schmid/Michael Gutmann, Lichter, Claussen+Wöbke 2003. Weitere Filme von Hans-Christian Schmid: Requiem, Nach fünf im Urwald, Crazy, 23, Mechanik des Wunders.

 

 

[21] Darauf macht  F. Schweitzer (Sinn, Phantasie und Symbol, 95) aufmerksam.

 

[22] C.F. Lewis, dessen modernes Märchen „Der König von Narnia“ unlängst verfilmt wurde, vertritt die These, dass Fantasy, im Englischen ist das zugleich die Bezeichnung einer literarischen Gattung, ein Grundbedürfnis des Menschen ist. Wir sehnen uns danach nicht nur in einer, sondern in möglichst vielen Welten zu leben.

 

[23] Maria Harris, Die Welt wiederherstellen: Arbeit der Kunst – Arbeit durch Kunst, in: JRP 7,

 Neukirchen-Vluyn 1984, 121-140

 



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