Stadterkundungen

Evangelischer Kirchbautag 2019: Aufgeschlossen – Kirche als öffentlicher Raum Stadterkundungen Erfurt am 19.09.2019, 15:00 – 17:00 Uhr

I Erfurt – Stadt der Kirchen und Klöster

Treffpunkt: Reglerkirche, Bahnhofsstr. 7

Seit dem Mittelalter wurde das Antlitz Erfurts durch den Bau zahlreicher Kirchen und Klöster geprägt und die Stadt Erfurt galt damit als das „Thüringische Rom“.

So zählte Erfurt 22 „reine“ Pfarrkirchen, 4 Stifte einschließlich Stiftskirchen, 11 Klöster einschließlich Klosterkirchen und eine nicht definierte Zahl von Kapellen. Im Bereich der Altstadt sind davon heute noch 20 Kirchenbauten und eine Kapelle erhalten, dazu fünf Türme abgebrochener Kirchen.

Blick auf Dom & Kirche St. Severi, Barfüßerkirche, Allerheiligenkirche, Andreaskirche in Erfurt © Erfurt Tourismus und Marketing GmbH (ETMG)

II Bauhausarchitektur in Erfurt

Treffpunkt: Reglerkirche, Bahnhofsstr. 7

Im Jahre 2019 jährt sich zum 100. Mal die Gründung des Bauhauses – jener legendären Kunstschule, die durch ihre avantgardistischen Ideen als Wegbereiter der klassischen Moderne gilt. Die pulsierende Industriegroßstadt Erfurt erhielt zu jener Zeit zahlreiche Bauten im neuen Stil. Noch heute prägen markante Bauwerke den Innenstadtbereich, insbesondere in der Fußgängerzone am Anger. Hier heben sie sich besonders deutlich von den reich geschmückten Fassaden der Gründerzeit ab.


Bauhausarchitektur in Erfurt @ Erfurt Tourismus und Marketing GmbH (ETMG)

III Auf den Spuren Jüdischer Geschichte

Treffpunkt: Tourist-Info, Benedigtplatz 1

Im Mittelalter kam den jüdischen Kaufleuten eine bedeutende Rolle in der alten Handelsstadt Erfurt zu. Im 14. Jahrhundert begann ihre Vertreibung. Unter der preußischen Herrschaft im 19. Jahrhundert prägten wieder jüdische Bürger die Wirtschaft und das kulturelle Leben der Stadt mit. Von dieser Vergangenheit zeugen eine der ältesten Synagogen Europas, die sogenannte Alte Synagoge mit der Ausstellung zum Erfurter Schatz und dem einzigartigen jüdischen Hochzeitsring, aber auch das jüdische Ritualbad Mikwe an der Krämerbrücke und die „Kleine Synagoge“.


Alte Synagoge Erfurt © ETMG


Kleine Synagoge Erfurt © ETMG

IV Brücken in der historischen Altstadt

Treffpunkt: Tourist-Info, Benedigtplatz 1

Die Krämerbrücke ist nach Dom und St. Severi wohl das bekannteste Bauwerk der Stadt Erfurt. Für die Landeshauptstadt Thüringens kann durchaus behauptet werden: Erfurt ist eine Stadt der Brücken. Seit vielen Jahrhunderten prägen Sie das innerstädtische Stadtbild und strahlen noch heute einen mittelalterlichen Charme aus, wenn man auf Ihnen die romantischen Wege über die Wasserläufe des Flusses Gera in der Altstadt nimmt. Hier kann man dann auch mancherorts von „Klein Venedig“ sprechen. Immerhin führen über 100 der insgesamt 245 Brücken und Stege der Stadt über Wasserläufe der Gera.


Blick von Ägidienkirche auf die bebaute Krämerbrücke © ETMG


Lange Brücke Erfurt © ETMG

V Architektur von Historisch bis Modern

Treffpunkt: Reglerkirche, Bahnhofsstr. 7, Str.-Bahn


Historisches Andreasviertel © ETMG
Ausblick auf das historische und moderne Erfurt © ETMG

In Erfurt sind natürlich besonders die spätgotischen Bauwerke prägnant. Die Stadt selbst zeigt aber mit ihrer architektonischen Vielfalt eine Zeitreise durch alle Stilepochen der Architektur. Die Besichtigungstour führt zu Zeitzeugen der Romanik, Gotik, Renaissance und Moderne bis hin zur sozialistischen Architektur.

Bereits in den 1950er und 60er Jahren gab es großangelegte Pläne für die Umgestaltung Erfurts in eine sozialistische Metropole. Die Tatsache, dass Erfurt im Zweiten Weltkrieg nur vergleichsweise wenig zerstört wurde, trug vielleicht dazu bei, dass die Innenstadt im Endeffekt von diesen Plänen verschont blieb. Die heutigen Wohn- und Gesellschaftsbauten aus dieser Zeit haben durch große Sanierungsmaßnahmen in einer interessanten Vielfalt Ihren Platz im städteplanerischen Bild gefunden haben.

VI Erfurt – Stadt des Gartenbaus mit ega-Park

Treffpunkt: Rathaus, Fischmarkt 1

Erfurt ist seit jeher mit gartenbaulicher Tradition eng verbunden. Im späteren Mittelalter erlangte die Stadt durch die Produktion und Verarbeitung von Färberwaid großen Reichtum. Über die Landesgrenzen hinaus wurde die Brunnenkresse bekannt, selbst Napoleon wusste die bekömmliche und vitaminreiche Erfurter Brunnenkresse sehr zu schätzen. 

Im 17. und 18. Jahrhundert leistete der Erfurter Ratsmeister Christian Reichart (1685 bis 1775) mit seinen unkonventionellen Ideen bahnbrechende Neuerungen, die Erfurt später als Gartenbau- und Blumenstadt weltweit zu einem guten Renommee verhalfen.   

Zahlreiche Blumenfelder, Parks und Grünanlagen wie der egapark bilden heute die „grüne Lunge“ Erfurts. Der ega-Park beeindruckt durch die Einheit und Harmonie von Natur und gartenarchitektonischer Gestaltung.


ega – Park mit Aussichtsturm


und Gartenbaumuseum © ETMG

VII Gedenkstätte Andreasstraße – ehemaliges Stasigefängnis

Treffpunkt: Rathaus, Fischmarkt 1

Die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße erinnert an Unterdrückung und Widerstand während der SED-Diktatur in Thüringen 1949-1989. Im Gebäude der heutigen Gedenkstätte betrieb das Ministerium für Staatssicherheit der DDR eine Untersuchungshaftanstalt. Mehr als 5000 Menschen wurden hier inhaftiert, weil sie sich dem kommunistischen Regime widersetzt hatten. Die im Dezember 2013 eröffnete Dauerausstellung veranschaulicht auf drei Etagen die Themen Haft, Diktatur und Revolution. Im Mittelpunkt des multimedial erfahrbaren Themenrundgangs stehen die Geschichten von Zeitzeugen.


© Stiftung Ettersberg, Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Fotograf: Claus Bach,

VIII Barocke Stadtfestung Petersberg mit den Horchgängen

Treffpunkt: Rathaus, Fischmarkt 1

Der Rundgang führt durch die historische Altstadt von Erfurt hinauf zu einer der größten barocken Stadtfestungen in Europa – zur Festung Petersberg. DieZitadelle, die von 1664-1707 angelegt wurde, ist noch heute beeindruckend in ihren Ausmaßen. Sie ist ein Spiegelbild europäischer Festungsbaukunst. Die Besichtigung der unterirdischen Horchgänge, welche die geheimnisvollen Wege durch die Unterwelt der alten Festung bilden, ist besonders interessant.


Festung Petersberg © ETMG

Ausblick vom Petersberg © Barbara Neumann

IX Auf den Spuren Martin Luthers

Treffpunkt: Rathaus, Fischmarkt 1


Lutherdenkmal vor Kaufmannkirche Erfurt @ ETMG

Die Spuren des Reformators in Erfurt führen zu zahlreichen authentischen Lutherorten. Zu den wichtigsten gehören das Evangelische Augustinerkloster, das wieder aufgebaute Collegium maius, die Georgenburse, in der Martin Luther als Student unterkam, und der Dom St. Marien, in dem er seine Priesterweihe erhielt.

Erfurt wurde für den jungen Luther zur geistigen Heimat. 1505 erlangte er an der Universität die Magisterwürde der philosophischen Fakultät. Den Überlieferungen nach soll ein schweres Unwetter unweit von Erfurt den Anstoß dafür gegeben haben, dass er zum Dank für sein Überleben 1505 in das Augustinerkloster eintrat und Mönch wurde. Er weilte hier bis 1511.

X Auf den Spuren Meister Eckharts

Treffpunkt: Reglerkirche, Bahnhofsstr. 7

Eckhart von Hochheim, bekannt als Meister Eckhart war Theologe und Philosoph des christlichen Mittelalters. Seine Schriften hatten großen Einfluss auf die Mystik im deutschen Sprachraum und darüber hinaus.

Die Erfurter Predigerkirche und das Predigerkloster sind nicht nur als Bauwerke und mit ihrer gegenwärtigen Lebendigkeit von Bedeutung. Als einzige bis heute erhaltene authentischen Orte des Lebens und Wirkens von Meister Eckhartstehen sie insbesondere für die Erinnerung an einen der bedeutsamsten Theologen und Denker des Mittelalters, der bis heute viele Menschen mit seinen Gedanken zu genauem Nachdenken und tiefer Frömmigkeit anregt.


Predigerkirche


Wirkungsstätte Meister Eckharts @ ETMG

XI Die Krone der Stadt Erfurt

Treffpunkt: Dom, Haupteingang, Kreuz

Eine Krone ist in der Regel geschmückt mit vielen verschiedenen Edelsteinen. Die Führung am Domberg erklärt nicht nur die Geschichte des Domberges mit seiner besonderen Architektur des Bauensembles, sondern stellt auch die vielen besonderen „Edelsteine“ – also die Einrichtungsgegenstände wie Taufsteinüberbauten, Chorgestühl, Glasmalereien und andere Kunstwerke in den Fokus der Betrachter. Herzliche Einladung zu einer besonderen Entdeckungstour!


„Edelsteine“ des Erfurter Dombergs © Dombauamt Erfurt

Führung durch Dombaumeister Andreas Gold

XII Instandsetzungsarbeiten an der Peterskirche auf dem Petersberg, Erfurt

Treffpunkt: Domplatz, Kiosk, Nähe Busparkplatz

Bei den Vorbereitungen für die Bundesgartenschau 2021 (BUGA21) kommt dem Petersberg eine zentrale Bedeutung zu. Dessen historisches Zentrum, die ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul, soll zur BUGA21 teilrestauriert sein und mit einer Ausstellung präsentiert werden. Auch im Innenraum sind verschiedene Maßnahmen geplant, wie die Teilöffnung des hölzernen Lagerbodens aus dem 19. Jahrhundert, die eine Nutzung des Erdgeschosses ermöglicht und die Erlebbarkeit des romanischen Baus verbessert. Zur BUGA21 wird eine umfängliche Ausstellung präsentiert, die mit der historischen Gartenwelt und Gartendenkmalpflege Thüringens vertraut macht, die facettenreiche Bedeutung von Gärten im Mittelalter thematisiert und über die Geschichte des Petersklosters einschließlich der Kirche informiert.

Peterskirche auf dem Erfurter Petersberg © Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

XIII Reformation Erfurt Tour

Meeting point: Augustinerkloster, entrance Augustinerstr. 10

– Take a little time to visit your surroundings in this historic city –


Martin Luther Memorial in Erfurt @ ETMG

In this two-hour tour in the old city quarter of Erfurt, we walk along streets and past buildings that Luther knew well. We hear about his life in this city as a student and then as a monk and about what was happening around him then. Finally we see and hear how his surroundings have developed in the last 500 years.

Malcom Walters

XIV Neue Nutzungen von innerstädtischen Kirchhöfen

Treffpunkt: Reglerkirche, Bahnhofstr. 7

Die zahlreichen Erfurter Pfarrgemeinden, Klöster und Stifte hatten im Mittelalter alle ihren eigenen, unmittelbar neben der Kirche liegenden Kirchhof. Nur sehr wenige sind als solche erkennbar erhalten und heute Räume der Ruhe im Getriebe der Stadt.

Der Rundgang zu den Kirchhöfen der Allerheiligen-, der Michaelis- und der Predigerkirche führt durch den am authentischsten erhaltenen Teil der Erfurter Altstadt. Neben kurzen Einblicken in die Stadtbaugeschichte und die der genannten Kirchen werden vor allem die drei Kirchhöfe und ihre aktuelle Nutzung vorgestellt.

Die durch die umgebende historische Architektur und eine Vielzahl an bedeutenden historischen Grabsteinen geprägten kleinen Freiräume in der engen mittelalterlichen Stadt dienen heute wieder als Begräbnisstätte (Karner), für kulturelle Veranstaltungen oder als halböffentliche Grünanlage.


Kirchhof Michaeliskirche, Erfurt, 2018, Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie © Ulrich Gaßmann

Christian Misch, TLDA

XV Profane Sakralität am Beispiel repräsentativer Bauten am Erfurter Steigerwald

Treffpunkt: Straßenbahnendhaltestelle 1 Thüringenhalle

Thüringenhalle (1939-42)–Alte Parteischule (1969-72)–Multifunktionsarena Steigerwaldstadion (1931/2017)

Fotos: Matthias Schmidt

Exkursion mit Historiker und Stadtführer Matthias Gose (Erfurt) und Dr. Andreas Fincke

(Ev. Stadtakademie Meister Eckart Erfurt)