|
|
||||
|
|
||||
Den schönsten Blick bietet die neue BMW-Welt in München im coolen Restaurant. Es ist der Ausblick hinüber zum Olympiazelt von Günter Behnisch und Frei Otto. Atemberaubend ist immer noch der Glanz der Sonne, wenn er über das Zelt fließt und seine Konturen verschweben. Es mag die Nachbarschaft zu dieser Leichtigkeit des Seins gewesen sein, die COOP HIMMELB[L]AU beim Bau der BMW-Welt zur Höchstform antrieb. Es ist eine prinzipielle Offenheit in dieser Architektur, ausgerichtet auf Außenstehende, verhüllt und unverhüllt zugleich. Ein veränderlicher Baukörper, wie die Außenhaut eines Fahrzeugs, das sich im Fahrtwind verformt. An diesem Ort wird die nomadische Existenz der Moderne mit derjenigen der Postmoderne versöhnt, der Autofahrer mit dem Internetsurfer. Allenthalben gleitet der gebaute Raum hinein in den virtuellen Raum. Das Auto der Zukunft, das zeigt die BMW-Welt, wird eine perfekte digitale Simulation sein.
Kann man der BMW-Welt vorwerfen, dass sie eine erstklassige Touristenattraktion ist? Warum soll ein Konzern nicht mit der Idee einer emanzipatorischen Architektur werben, die nicht mehr der Schutzfunktion, sondern den imaginativen Bedürfnissen der Menschen folgt? Und kann man dieser Architektur vorwerfen, dass sie die imaginativen Bedürfnisse in dem Moment verrät, wo sie ihnen eine Gestalt zu geben versucht? Himmelblau ist eben nicht ohne weiteres übersetzbar in einen Himmelbau. Auch die subversivste, vorbildloseste Architektur wird, indem sie Gestalt gewinnt, zum Vorbild. Gleichwohl ist die Auflehnung gegen die erstarrte Konventionen nicht vergeblich.
Die fließenden Räume der BMW-Welt sind „ganz bestimmt nicht an sich befreiend. Aber in ihnen verändert und verschiebt sich der Kampf“ (Gilles Deleuze). Und sei es nur dadurch, dass die japanischen Besuchergruppen mehr Nasen haben als die diskrete Security-Männer Staubwedel. So bleiben immer Spuren. Abdrücke auf spiegelglatter Fahrzeughaut, die in ihrer Faustkeilform unfreiwillig daran erinnert, dass auch die avancierte Automobiltechnik ihrer Zeit hinterher ist.
Kein Gebäude übt vollständige Kontrolle aus über seine Benutzer. Die ausdrucksstarken Formen der BMW-Welt wollen das auch nicht. Im Gegenteil: Sie machen Lust darauf Spuren zu hinterlassen und den Staubwedeln immer eine Nasenlänge voraus zu sein.
Literatur: Frank Werner, Covering+Exposure. Die Architektur von COOP HIMMELB(L)AU, Basel/Berlin 2000
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart