Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Christkönigkapelle Altenberg
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Fotos: Simon Wegener
Christkönigkapelle Altenberg

Der Altenberger Dom wird auch auch der “Bergische Dom” genannt. Die Kirche der ehemaligen Zisterzienser-Abtei Altenberg (1133-1803) vereint zisterziensische mit nordfranzösischen Kathedralbauformen wie Chorumgang und Kapellenkranz. Die Bauvorschriften des Zisterzienserordens ließen kaum Figurenschmuck zu und statt himmelstrebender Türme beschied man sich mit Dachreitern, verzichtete auf ein repräsentatives Westwerk. In Altenberg ist allerdings schon einiges an Ornamentschmuck vorhanden und  berühmt für seine Glasfenster. Sie zeigen die Entwicklung des speziell von den Zisterziensern gepflegten Grisaille-Stil in der Glasmalerei. Von farblosen Anfängen bis hin zu  dem großen Westfenster mit seiner außergewöhnlich delikaten Farbwahl, das um 1400 entstand.

Nach einem Brand im Jahre 1815 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche von 1833 bis 1847 auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung des preußischen Königs. Auf seine Anordnung hin wird der Dom seither als Simultankirche genutzt. Weitere Restaurierungsphasen folgten bis in die  1960er-Jahre, sodass die Gebäude und deren Nutzung und Anordnung auf dem  ehemaligen Klosterareal mittlerweile eine Überarbeitung gut vertragen konnten, was den Architekten Gernot Schulz in die Hände gelegt wurde.

Die ehemaligen Konventsgebäude, die unmittelbar südlich an den Dom anschließen werden vom Erzbistum Köln als Jugendbildungsstätte Haus Altenberg genutzt.  Im Gefolge von Sanierung, Überarbeitung und Neubau wurde hier auch die Gestaltung einer Kapelle durch die Architekten gernot schulz : architektur möglich. Die Kapelle liegt  im ersten Stock eines Verbindungstraktes, der an Stelle des zerstörten gotischen Kreuzgangs neu gebaut wurde.

Von aussen fällt zunächst ein asymmetrischer Giebel auf. Die Verkleidung dieses neuen Anbaus besteht aus einem lebhaft changierenden Klinker, der farblich auf den Dom abgestimmt ist. Der Riegel stellt den link zwischen Dom und Tagungsstätte her. So paart der neu gebaute Trakt eine spirituelle und eine kommunikative Seite miteinander. Außerdem werden dadurch zwei Innenhöfe geschaffen, die durch den beidseitig verglasten Zwischentrakt miteinander verbunden werden. Als Goldener Saal ist das Erdgeschoss zur Kommunikation gemacht,  während  darüber die Christkönigskapelle zur Andacht bestimmt ist.

Ihre langgestreckte Raumform wird quer bespielt. Alles konzentriert sich auf das Licht, das durch eine raumhohe Glaswand einfällt. Ein speziell entworfenes Rahmensystem aus Beton-Guß gliedert die Fensterfläche in einer Rhythmik, die an ein Notensystem erinnert oder auch an das streng gestaffelte Maßwerk des gotischen Westfensters im Dom.  Die extra angefertigten Bänke sind im Halbrund gestellt, was  bei der Ausrichtung des Raumes naheliegt und ein vertrautes Miteinander unterstützt. Der Altar ist ein Block, der auf überzeugende Weise im Boden fest verankert scheint. Ambo und Tabernakelstele sind ebenfalls auf hochwertige Weise unauffällig vor der großen Lichtwand platziert. Die ausgeprägte Plastizität der Fensterrahmungen ermöglicht wechselnde Impressionen durch das Spiel mit den Schattenwürfen und lässt viel Helligkeit ein ohne zu blenden. Auf der Plattenverlegung des hellen Natursteinbodens setzt sich die Gliederung des Fensterrasters fort. Es wird etwas wiederaufgenommen, damit nicht zu viele Material- und Formelemente sich anhäufen, die Unruhe in den Raumeindruck bringen würden. Zweites prägendes Merkmal des Raumes ist die Decke, deren Asymmetrie ja schon von außen auffiel.  Überraschend ist es dann, hier einen Raum vorzufinden, der wesentlich geprägt wird durch eine organische Großform, wo sonst auf dem Gelände wenig Rundformen zu finden sind. Die Decke scheint sich wie eine Welle zu bewegen, weil das eng gefügte Lamellensystem eine solche optische Täuschung zu erzeugen vermag. Die Welle vermittelt eine Bewegung und eine Zonierung des Raumes. Er wird dadurch vielseitiger wahrnehmbar, wird in Bereiche geteilt, ohne diese voneinander abzutrennen.

Alle Materialien und Einrichtungsgegenstände sind mit großer Sorgfalt aufeinander abgestimmt und detailgenau verarbeitet. Man kann sich jeden Wandabschluss und jede Bodenfuge ohne Bedenken von Nahem anschauen. Die Sockel von Altar und Ambo sind von unregelmäßigen Lineaturen gekerbt, die auch als symbolisierte Dornenrosenzweige in der dem „Christkönig“ geweihten Kapelle gedeutet werden. Die massiven Holzbänke, die schwere hölzerne Eingangstür und der Goldschimmer des historischen Tabernakelschreins bringen einen warmen Ton in die kühle Farbpalette aus Grauschattierungen und Weiß, die ansonsten den Raum beherrscht. Eine schöne Lösung für die Opferkerzen haben die Architekten auch gefunden, sodass ihr flackerndes Licht auch von draussen gesehen wird und in die Kapelle lockt.

Eine klug erdachte und sorgfältig ausgeführte Architektur in einer Jugendbegegnungsstätte könnte im Idealfall bei den Jugendlichen Auslöser für eine neue Wahrnehmung gegenüber baulichen Umgebungen und Möblierungen sein, die sie als Anspruch in ihre alltägliche Lebenswelt und für ihre Zukunft mitnehmen.

Text: Claudia Breinl / Fotos: mit freundlicher Genehmigung der Architekten und des Fotografen. ©Simon Wegener

gernot schulz : architektur    www.gernotschulzarchitektur.de



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