Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Christuskirche Bruchhof-Sanddorf
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Christuskirche Bruchhof-Sanddorf

Alte und neue Heimat

Denkt man bei der Architektur der 20er Jahre an die Sachlichkeit des Bauhauses, so wird man die pfälzische Dorfkirche in Bruchhof-Sanddorf kaum für ein Bauwerk aus dieser Zeit halten. Sie wurde von Friedrich Larouette im Heimatschutzstil gestaltet, - eine architektonische Richtung, die in die Zeitspanne von kurz nach 1900 bis ca. 1945 datiert wird. Regionale Bautraditionen und historische Baustile wurden dabei aufgegriffen und so amalgamiert, dass ein Neubau sich in vorhandene Orts- und Baustrukturen, regionale Charaktere pointierend, einfügte.

Die Christuskirche in Bruchhof-Sanddorf stand nicht unter Denkmalschutz,  deshalb war es leichter möglich,  in ihr eine Mehrfachnutzung als Kirche und Gemeindehaus anzustreben. Die äußere Erscheinung wurde nicht beeinträchtigt, die Proportionen blieben erhalten, Anbauten wurden nicht gemacht.

Im Inneren der Kirche konnte man von einer  Atmosphäre im Heimatschutzstil nichts mehr spüren durch bauliche Veränderungen, die in den 50er und in den 70er Jahren stattgefunden hatten. Der Gottesdienstraum wirkte düster, eng mit Kirchenbänken zugestellt, kahl und muffig. Die Prinzipalstücke boten nur unterdurchschnittliche Gestaltungen, an denen sich das Auge nicht erfreuen konnte. Da halfen auch die Glasfenster aus den 70er Jahren nicht wirklich, die Stimmung aufzuhellen.

Genau das ist den Architekten Bayer-Uhrig nun gelungen, neben den praktischen und cleveren Lösungen für die Integration des gesamten kirchlichen Gemeindelebens in die Kirche. Sie haben für eine Atmosphäre der Heiterkeit und Leichtigkeit gesorgt, die nun einlädt, nicht nur tiefgründige Dinge zu verhandeln, sondern auch Feste zu feiern und Alltägliches zu besprechen.

Das Projekt in Bruchhof-Sanddorf war zunächst eine von Prof. Dirk Bayer angeleitete Seminar-Entwurfsarbeit an der TU Kaiserslautern und wurde dann von seinem Architekturbüro Bayer-Uhrig weiterentwickelt und bis zur Realisierung gebracht. Zusammen mit seiner Büropartnerin Andrea Uhrig motiviert er Studierende immer wieder, sich mit Bauaufgaben der Kirche auseinander zu setzen. So kommen Impulse aus einer ganz jungen Generation im Kirchenbau zum Zuge.

Für die Christuskirche entwickelten sich Ideen, die viel von der Wohnkultur Skandinaviens enthalten. Zunächst die Verkleidungen aus weiß gebeiztem Holz, die die Düsternis vertreiben. Getäfelte Räume wirken behaglich und warm. Man fühlt sich in der Kirche nun aufgehoben wie in einem „Schutzkästchen“, nicht mehr wie lebendig begraben zwischen dunklen Holzbänken. Das Weiß variiert in verschiedenen Tönen, die Vertäfelung in unterschiedlichen Breiten, ein Rapport entsteht, das sich wohltuend unaufdringlich über Wände und Decke zieht. Ein augenzwinkerndes Zitat traditioneller Wohnkultur ist das würfelige Bodenmuster im Kirchenraum. 

Die wesentliche Idee, um das ganze Nutzungsspektrum unterzubringen, war, die Ausrichtung des  Kirchenraums um 90° zu drehen. In der gewonnenen Ausdehnung wurde eine zweite Empore eingebaut. Eine dekorative Holztreppe führt dort hinauf und man entdeckt auf der Empore einen  angenehmen Platz für Zusammenkünfte. In den hinzugewonnenen Arealen im Erdgeschoss links und rechts vom eigentlichen Gottesdienstraum ist nun Platz für Teeküche, WC-Anlage, Lagermöglichkeiten und einen Gruppenraum. Klug platzierte Türen bewirken eine Wegeführung, die das Gebäude nicht nur ästhetisch erschließt und den Besucher orientiert, sondern auch größere  Ansammlungen organisiert. Der Gottesdienstraum ist bestuhlt und dadurch flexibel für mehr oder weniger viele Besucher. Zusätzliche Plätze gibt es auf den Emporen, wo auch die Orgel steht. Die reihig nach vorn ausgerichtete Sitzordnung ist nicht zwingend, man könnte auch andere Sitzanordnungen realisieren, da der Altarbereich nicht erhöht ist und die Stühle leicht zu transportieren und zu lagern sind.

Die überkommenen Glasfenster rücken nun erst wirklich in die Wahrnehmung und zeigen sich als typische und gute Beispiele einer Glasmalerei, die ganz grafisch arbeitet. Die Aufmerksamkeit wird geleitet zwischen den Linienverläufen und Farbwerten der architektonischen Elemente mit ihrer Farbpalette von weiß, grau, braun und den Formen und Lineaturen auf den Fenstern. Auch ihre Farbigkeit findet ein Echo in der Neugestaltung der Räume. Sie sind ein künstlerisches Erbe dieser Kirche,  das die Architekten zu schätzen wussten und gelungen in Szene setzten. 

Die Kosten für Umbau- und Sanierung belaufen sich nur auf 350 000 Euro. Das Gemeindehaus in Form eines containerähnlichen Flachbaus aus den 70er Jahren konnte aufgegeben werden.

Text: Claudia Breinl / Fotos: Sven Paustian, Pirmasens

Architekten: Bayer-Uhrig, Kaiserslautern/ Modersohn und Freisleben, Berlin



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