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Erweiterung zum Kirchenzentrum
Die alte Kirche in Herzogenaurach zu erweitern hieß für den Architekten, auf dem Bestand aufzubauen und daraus etwas Neues zu schaffen, aber so, dass etwas von dem Alten bleiben konnte.
Bei einer Erweiterung auf mehr als die doppelte Größe stellte sich die Frage, wie der Raum geweitet werden konnte und welche Gebäudeteile erhalten bleiben sollten, - oder ob ein Anbau oder Neubau besser sei. Es wurde entschieden, maßlich vom bestehenden Kirchenraum auszugehen, die neuen Wände im erforderlichen Abstand von den alten Kirchenmauern zu errichten und jene abzutragen. Dabei bildete die Altarapside mit ihrem charakteristischen Rundbogen den zu erhaltenden Baubestand. Die alte Kirche wurde so zum Nukleus der Erweiterung, Die Ostwand mit Apsis, die alte Holzdecke und sechs neue Stützen, auf dem Grundriss der alten Kirche erbaut, bilden nun einen Raum im Raum, den man spürt und der auch im Bodenbelag ablesbar ist.
Der Dachstuhl des turmartigen neuen Daches mit Glockenstuhl für vier Glocken steigt symbolisch über dem Grundrißrechteck der alten Kirche auf. Mittig unter dem neuen Turm steht der Altar, ihm zugeordnet Taufort und Kanzel. Die Prinzipalstücke sind aus einem Block gearbeitet und könnten theoretisch wieder zu einem Stück zusammengefügt werden. Die freie Bestuhlung umringt den Ort der Sakramente in oval aufgestellten Reihen. Die Orgel fand in der alten Altarapsis Aufstellung. Vor dem Chorbogen ist nun Raum für die Kirchenmusik.
Holzverkleidete Wände umschließen den Gesamtraum. Der Boden besteht aus Naturstein. Die alte Holzbalkendecke wurde über der Altarzone beibehalten. In Anlehnung daran wurden für die Decke über den Erweiterungsflächen hölzerne Lamellenträger gewählt. Diese Deckenkonstruktion setzt sich im Foyer und in den anschließenden Gemeinderäumen fort. Das Foyer ist ein lichter einladender Raum, der sich auf voller Breite dem Vorplatz öffnet. Im anschließenden Gemeindebereich sind auf zwei Geschoße verteilt ein großer und drei kleinere Gruppenräume angeordnet, sowie ein Büro, eine Teeküche, Toiletten und ein Technikraum.
Von außen ist die Kirche als formale Einheit von Kirchengebäude und Turm angelegt. Diesem Gedanken folgt auch die Holzschindelbekleidung von Dach und Fassaden. Bei den Fassadenöffnungen und den Fenstern wird das Pfosten-und-Riegel-Konstruktionsprinzip des Holzbaues erkennbar. Das Turmdach ist deutlicher Teil des von Türmen geprägten Stadtbildes.
Architekt: Eberhard Wimmer, München
www.eberhard-wimmer-architekten.de
Fotos: Eberhard Wimmer Architekten
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart