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Die Stadt Jyväskylä liegt 300 Kilometer nördlich von Helsinki. Alvar Aalto hat hier das Polizeipräsidium, die Universität und das Stadtmuseum entworfen. Seinem Werk ist das in Jyväskylä ansässige Alvar-Aalto-Museum gewidmet.
Der Wunsch der Kirchengemeinde des Stadtteils Kuokkala war es, eine Kirche zu bekommen, die „aussieht wie eine Kirche“. Nun hat das Büro Lassila Hirvilamm Architects (Seinäjoki) ein Kirchengebäude realisiert, das sich durchaus mit der Architektur Aaltos messen kann.
Die Architekten haben zwar ein Satteldach und einen Campanile aus der traditionellen Kirchenbaukiste genommen, sie aber überraschend verspielt und streng zugleich variiert. Beim Umschreiten wechselt das Gebäude von Seite zu Seite sein Gesicht und es bleibt immer attraktiv. Eine „Rückseite“ gibt es nicht, jede Perspektive ist reizvoll. Man wähnt sich immer wieder vor einem neuen Gebäude, durch das Material und eine durchgehende der Moderne verpflichtete Architektursprache behält es aber einen einheitlichen Charakter. Farblich fällt der Kirchenbau durch die Außenverkleidung mit Schieferplatten auf. Das gibt einerseits Strenge und Würde und hält andererseits die mannigfaltigen Perspektiven zusammen. Gleichzeitig ist Schiefer nicht einfach grau oder schwarz, sondern hat einen changierenden dezenten Schimmer, bedingt durch die Lichtbrechung auf seiner unebenen splitterigen Oberfläche.
Das Kirchenschiff orientiert sich in klassischer Ost-West Ausrichtung zum Hauptplatz des Stadtteils Kuokkala. Vom Platz aus betritt man die Räume des Kirchenbüros über eine breite Freitreppe aus Granit, die seitlich am Gebäude zum Eingang des zweigeschossigen Kirchenschiffs führt. Auf der Galerie im Westen des Kirchenraums befindet sich die Orgel. Auch das Büro des Organisten und ein weiterer Raum sind dort untergebracht.
Das Innere des Kirchenraumes ist sehr hell und licht. Er wird von der hölzernen Dachkonstruktion dominiert. Es sind Brettschichtholzrahmen, auf denen die Holzlattung befestigt ist. Eine darüberliegende Lattenkonstruktion als künstlerisches Element ist wie ein Netz gestaltet aus Rauten und gibt der Decke einen leichten schwebenden Charakter. Man könnte auch an die Bibel denken, nach der Simon Petrus zum „Menschenfischer“ berufen wird.
Die Möblierung besteht fast ausschließlich aus Holz, die Kirchenbänke sind aus Esche, der Altar aus Lindenholz. Die Anordnung für die Liturgie ist konventionell - hintereinander gestaffelt sind die Bänke nach vorn zum Altarbereich ausgerichtet. An der hohen Altarwand gibt es ein Holzrelief zu sehen, das den Blick in die Höhe lenkt zum seitlich und von oben einfallenden Licht.
Architekten: Lassila Hirvilammi, Seinäjoki/FIN
Bauherr: Kirchengemeinde Jyväskylä ; Fertigstellung: 2010
Fotos: Jussi Tianen
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart