Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Flughafenkapelle Frankfurt
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Flughafenkapelle Frankfurt

Die Schwierigkeiten  bei der Gestaltung und Nutzung multireligiöser Räume sind mittlerweile bekannt. Nicht ein „Raum der Stille“ wurde deshalb vor kurzem am Frankfurter Flughafen eingeweiht, sondern eine Kapelle, die sich die christlichen Religionsgemeinschaften teilen. Die Kapelle im Transitbereich „B West“ des Flughafens Frankfurt gehört zu einem kleinen Areal aus je eigenen Räumen für Judentum, Christentum und Islam. Die Räume liegen nah beieinander. Das atmosphärische Umfeld am Flughafen kommt dem Rückzug und der Verinnerlichung nicht gerade entgegen. Ein Raum für Konzentration, Ruhe und Gebet muss durch seine Gestaltung einerseits abgrenzen, andererseits darf er sich nicht so abschotten, dass man es nicht wagt, ihn zu betreten.

Die Gestaltung wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Künstlerin, den Baureferaten der katholischen und der evangelischen Kirche, dem Referat Kunst und Kirche der EKHN und den Architektinnen der Fraport, sowie dem Seelsorgeteam am Flughafen entwickelt. Vom Zuschnitt unterscheidet sich die Kapelle nicht von beliebigen Büroräumen. Sie hat einen rechteckigen Grundriss von annähernd 18 Quadratmetern Fläche.

Zwei Seiten des Kapellenraumes grenzen an hell erleuchtete Flure, was einen besonderen Umgang mit der ausschließlich künstlichen Beleuchtung erforderte. Man entschloss sich für einen architektonischen Eingriff an den Außenwänden der Kapelle, - die vorhandene nüchterne Verglasung mußte bleiben und durfte nur reversibel verändert werden. So wurde die künstlerisch gestaltete Glaswand davorgestellt. Sie lockt nun mit ihren vielen hundert Opalglasstäben, die sich mit satinierten Glasflächen abwechseln. Sie ist wirksam von aussen als Blickfang und von innen als wohltuende Abgrenzung. Man kann mit den Augen spazierengehen zwischen den blauen Markierungen aus Opal, ihren Spuren und Linien folgen. Die Künstlerin Angelika Weingardt hat gleichmäßig matte Scheiben mit lebendigen Flächen aus mundgeblasenen Gläsern abgewechselt. So abstrakt und reduziert hier Farbe und Materialien eingesetzt sind, so durchdacht und vielschichtig interpretierbar sind die Zeichen, die dadurch gesetzt werden.

Dr. Markus Zink, Theologe und Kunstbeauftragter der EKHN, der maßgeblich für die Verwirklichung dieses Kapellenraumes verantwortlich ist, schreibt: „Das Kunstwerk weckt innere Bilder, subjektiv und sicher für jeden und jede ein bisschen anders. Die symmetrische Form lässt sich wie ein Symbol für das Ewige, den Urgrund des Lebens lesen. Die einzelne Linie kann als Abbild des menschlichen Lebensweges gedeutet werden. Die blaugrünen Lichtpunkte scheinen in der symmetrischen Form und in der unregelmäßigen Linie auf, machen sie einander ähnlich. Die Lebenswege sind verschieden. Doch etwas Gemeinsames verbindet sie. Im christlichen Sinne ist es die Nähe Gottes. Alle Lichtspuren sind eingebettet in die strahlenden Opalgläser. Spuren des Lebens, die aufgehoben sind in etwas Größerem: „In Gott leben, bewegen und sind wir“, heißt es in der Bibel (Apg 17,28). Dieses Kunstwerk lässt den inneren Bildern Raum, regt zum Weiterdenken an und legt eine Spur zu Gott und den Menschen.“

Die Möblierung der Kapelle wurde unter Angelika Weingardts künstlerischer Beratung von Peter Lüchau aus Frankfurt hergestellt. Als Altar dient ein schlichter quader- förmiger Block aus hellem Holz, es gibt einfache Hocker und Sitzbänke für 9 Personen. Von den Pallottinern in Limburg wurde ein Stab-Kreuz des 2012 verstorbenen Bildhauers Max Faller (München) gestiftet. Darüber hinaus wurde von der Griechisch-Orthodoxen Kirche die Spende einer Ikone in Aussicht gestellt.Damit ist der kleine Raum ausreichend geschmückt und es sollte möglichst dabei bleiben, um den Minimalismus der Glaswände nicht herabzuwürdigen. 

(Text: Claudia Breinl/Markus Zink, Fotos: Abb.1-3 A. Weingardt, Abb.4 Ev. Landeskirche Hessen-Nassau, Abb. 5-6 A. Weingardt, Abb.7 Ulrike Johanns)

www.angelikaweingardt.com

Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2015



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