Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Flurkapelle Bödigheim
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Flurkapelle Bödigheim
Architektur Flash März 2010

Flurkapelle Bödigheimein internationales Studentenprojekt

Im Januar 2008 trat Pfarrer Moser-Feesche an die Buchener Architekten Ecker heran mit dem Wunsch, eine Kapelle zu bauen. Er hatte keine finanziellen Mittel, besaß kein Grundstück und handelte ohne Unterstützung seiner Gemeinde. Er hatte jedoch eine klare Vorstellung, was das Gebäude verkörpern sollte und wo es sich befinden sollte.

Die Architektin Dea Ecker hatte die Idee, daraus ein internationales Studentenprojekt zu machen. Sie nahm Kontakt auf zu Prof. Flury vom Illinois Institute of Technology in Chicago, den sie aus Studienzeiten kennt. Im Dezember 2008 besuchte Professor Flury Bödigheim, um das Grundstück zu besichtigen und das Projekt mit den Beteiligten zu besprechen. Nach diesem ersten Treffen wurden die Verantwortlichkeiten vereinbart: Flury würde Entwurf und Bau des Gebäudes anleiten, Ecker Architekten würden bei den örtlichen Behörden die notwendige Baugenehmigung erwirken und Pfarrer Moser-Feesche würde das Grundstück erwerben und Freiwillige zur Mitarbeit rekrutieren.

Im Januar 2009 stellte Prof. Flury das Projekt in der Architekturfakultät in Chicago vor und erhielt begeisterte Rückmeldung. In den nächsten drei Monaten entwickelten zwölf Studenten Entwurfskonzepte. Im März 2009 wurden diese Entwürfe durch die Studenten persönlich der Stadtverwaltung von Buchen und den Bürgern von Bödigheim vorgestellt. Nach langen Gesprächen wurden zwei Projekte für eine Weiterentwicklung ausgewählt. Gerüstet mit einer Bauholz-Spende der Stadt Buchen machten sich der "Professor aus Chicago" und der "Pfarrer mit einer Idee" auf, um die Einwohner um Vertrauen und Hilfe bei der Durchführung des Projektes zu bitten. Aufgrund der Zusagen des örtlichen Schlossers, Zimmermanns, Sägewerkbesitzers und des Bauern, auf dessen Feld die Kapelle gebaut werden sollte, stimmte die Gemeinde Bödigheim der Durchführung des Projektes zu.

Professor Flury entwickelte mit seinen Studenten nun den Entwurf, um eine Fertigstellung des Baus innerhalb eines einzigen Sommersemesters von nur acht Wochen sicherzustellen. Das Design/Build Studio und Ecker Architekten blieben von März bis Mai in ständigem Kontakt. E-Mail, AutoCAD-Zeichnungen und Skype-Telekonferenzen dienten dazu, das an einer amerikanischen Universität entworfene Studentenprojekt in einen Satz Werkpläne umzuwandeln, der deutschen Baunormen entsprach. Architektin Dea Ecker stellte den Bauantrag bei den örtlichen Behörden, um die Baufreigabe rechtzeitig für die Anfang Juni geplante Grundsteinlegung zu erhalten. Pfarrer Moser-Feesche war gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung dafür zuständig, das Grundstück zu erwerben, Unterkünfte für die Studenten während der Bauphase zu finden und die Verpflegung zu koordinieren.

Bereits zu Beginn der Projektierung wurde Werk- und Detailplanung so konzipiert, dass die Kapelle von Studenten ohne spezielle Vorkenntnisse und ohne Baustellenerfahrung umgesetzt werden konnte. Das gesamte Holzgebäude ruht auf acht eingespannten Stützen, die so dimensioniert sind, dass ein dünner Spalt zwischen dem massiven Klinkersockel und der Holzstruktur entsteht. Dieser Übergang lässt das schwere Gebäude scheinbar schwerelos über dem Klinkerpodest schweben. Die Holz- Lamellen sind in Handarbeit in die Tragstützen eingelassen. Ohne weitere Verbindungsmittel und nur durch Schwerkraft werden diese Lamellen gehalten. Der Bauprozess lässt sich an den über Eck sichtbaren Einkerbungen der Stützen ablesen. Diese „Narben“ sind das einzig schmückende Element mit ornamentalem Charakter. Der Turm wirkt von außen transparent und durchscheinend. Die Abstände der Lamellen werden nach oben größer. Diese Einteilung lässt den Turm höher erscheinen und führt zu einem bemerkenswerten Spiel von Licht und Schatten. Eine Flurkapelle als spiritueller Ort der Stille und als schöner Rastplatz für Wanderer und Radfahrer - so unverkrampft wie die Idee wirkt auch der Bau: er ist Landschaftsmarke ohne aufzutrumpfen, erinnert an ein landwirtschaftliches Nutzgebäude, allerdings mit der bautechnischen und ästhetischen Qualität, die früher Scheunen, Schobern, Ställen zu eigen war.

Die Bauweise folgt dem Prinzip der „Nachhaltigkeit“. Das Holz kommt aus den städtischen Wäldern von Buchen und Bödigheim und wurde in einer nahegelegenen Sägemühle getrocknet und geschnitten. Der hohe Harzanteil des Lärchenholzes erlaubt den Verzicht auf chemischen Holzschutz: Die Oberflächen werden im Laufe der Zeit zu einer silbergrauen Patina verwittern. Die zum Pflastern des Podests benutzten Klinker waren bei einer nahegelegenen Baustelle übrig geblieben, der im Vorhof genutzte Kies wurde aus dem Fluss Main gebaggert und der Muschelkalk wird in unmittelbarer Nähe der Kapelle abgebaut. Alle Bauteile wurden entweder von den Studenten in der Zimmerei gefertigt oder von einheimischen Handwerkern hergestellt.

(Text: Ecker-Architekten, redaktionell bearbeitet von C. Breinl)

Fotografie Brigida Gonzalez: www.brigidagonzalez.de

Ecker Architekten: www.ecker-architekten.de

Illinois Institute of Technology College of Architecture: www.iit.edu/arch



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