Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Hochzeitskapellen in Japan
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Kapelle am Biwa See
Hochzeitskapellen in Japan

In Japan wird genauso gern und aufwendig geheiratet wie überall auf der Welt und man sucht sich dafür symbolträchtige Orte aus. Gern ist man von einer beeindruckenden Landschaft umgeben und holt die Natur ins Gebäude durch Verwendung organischer Baumaterialien oder Formelemente.

 Zur Gestaltungsaufgabe gehört es, die individuelle und die gesellschaftliche Bedeutung der Zeremonie zu unterstützen, auch einem geistigen Bedürfnis sollte das Gebäude gerecht werden. Es geht um eine intuitiv verständliche Symbolik, die sich zwar religiös interpretieren lässt, aber nicht auf eine  Religion festlegt.  Japaner können nach buddhistischem, shintōistischem oder christlichem (westlichem) Brauch heiraten. Für die Hochzeiten gibt es in luxuriösen Hotels  für den Ritus gestaltete "Kapellen" oder "Shinto Räume". Diese Räume bieten eine Atmosphäre, die sowohl Repräsentation und Öffentlichkeit, als auch Konzentration und Vertrautheit ermöglicht.  

 „Ribbon-Chapel“ wird die bewegte und schwungvolle Architektur von Hiroshi Nakamura genannt, die er für eine Hochzeitskapelle an der Küste von Hiroshima entwarf. Wie zwei sich miteinander verschlingende, im Wind trudelnde Bänder winden sich zwei Treppenaufgänge um den gläsernen Kern der Kapelle. Wo sie sich überschneiden geben sie sich statisch gegenseitig Halt. Erst ganz oben auf dem Dach vereinen sich die beiden Bänder zu einer breiteren Fläche. Nachdem das Brautpaar jeder auf seiner Treppe emporgestiegen ist, kommen sie hier oben wieder zusammen und können gemeinsam in die Ferne schauen.

Die Treppen bestehen aus weißgestrichenem Holz und sind aussen mit Titanzink verkleidet, um der salzigen Meeresluft länger zu widerstehen. Der Innenraum der Kapelle ist verglast und gibt den Blick auf die Küste und das Meer frei. Aus dieser Perspektive kann man die schwingenden Treppenaufgänge als heitere skulpturale Form erleben. Ansonsten beschränkt sich der mit einfachen Holzmöbeln bestückte Raum auf das Funktionale – die Baugestalt selbst enthält genug Symbolisches.

Hiroshi Nakamura hat mit dieser Kapelle auch eine Landmarke geschaffen – ein Gebäude, das die landschaftliche Umgebung nicht stört, sondern  interpretiert und bereichert.

(Fotos:  Kaori Ichikawa)

 

Ryuichi Ashizawa Architect & Associates bauten ein Hotel mit Hochzeitskapelle in der Nähe der Stadt Moriyama.  Diese Kapelle am Biwa See ist die Übersetzung der landschaftlichen Umgebung mit ihren optischen und akustischen Phänomenen in Architektur. Vor allem die "Windgesänge" dieser Seelandschaft sollten sinnlich gegenwärtig sein, auch innerhalb des Gebäudes, denn sie gehören wesentlich zum landschaftlichen Charakter und haben großen Anteil an der Atmosphäre und Stimmung des Ortes. Dies führte die Architekten zu dem Gedanken, den Kapellenraum wie den Corpus eines Musikinstruments zu konstruieren, einer Äolsharfe vergleichbar und damit die Natur nicht nur vor die Augen, sondern auch zu  Gehör zu bringen. Wie ein großer Resonanzkörper wurde der Raum gebaut aus gebogenem LVL, verkleidet mit dünnem Sperrholz. Straff gespannte Metallsaiten verlaufen an der Fassadenöffnung der Seeseite wie bei einer Harfe. Der Wind bringt sie zum Vibrieren und der Kapellenraum erklingt dank seiner feinen Holzummantelung. Zusätzlich kann durch partielles Öffnen oder Verschließen von Fensteröffnungen der Luftstrom geregelt und damit der Ton verändert werden. Auch die Windstärke und Windrichtung über dem See beeinflusst die Töne. Man sieht nicht nur durch die raumhohe Glasfront auf das Ufer und den See, sondern hört auch eine Musik, die von der Natur draussen komponiert wird.

(Fotos: Ryuichi Ashizawa Architect & Associates;Text: Claudia Breinl)

 



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