Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Kapelle im Olympiastadion
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Kapelle im Olympiastadion

Die Kapelle im Olympiastadion Berlin: ein ökumenischer Andachtsraum

 vorgestellt von Kerstin Wittmann-Englert

Eine Kapelle im Dornröschenschlaf: Das ist die 2006 anlässlich der Fußballweltmeisterschaft errichtete Kapelle, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Lage kaum jemandem bekannt ist. Sie entstand auf der Ebene -4 im Bereich der südlichen Längsseite des Stadions unterhalb der Ehrentribüne, zwischen den Sportlerzugängen zum Spielfeld und der VIP-Lounge: ein außen in kräftiges Rubinrot gefasster, leicht trapezoider Körper, eingestellt in acht die Stadionränge tragende Stützen. Im Zentrum der Eingangswand ein Ausspruch aus dem Matthäus-Evangelium, welcher die Adressaten dieser Kapelle – SportlerInnen vor dem Wettkampf – unmittelbar anspricht. Gleiches gilt für den Innenraum, dessen goldglänzende Wand einen umlaufenden Textfries trägt mit alt- und neutestamentlichen Zitaten zu Themen der Leistung, Hinterfragung von Schwäche und zum Gebet. Darunter auch das Vaterunser, welches – der Vielfalt der Sprachen derer, die sich hier einfinden, Rechnung tragend – in fünfzehn Sprachen zu lesen ist. Der Raum ist eine stete stille Predigt.

Die Architekten der Kapelle, Volkwin Mark und Uta Graff, stellten die mit Blattgold belegte Innenwand gleich einem oval geformten Paravent in den trapezoiden Baukörper ein und setzten sie durch schmale Schattenfugen wirkungsvoll gegen Boden und Decke ab. Der ausschließlich indirekt belichtete Raum lebt aus dem Kontrast der dunklen Farbigkeit der Decke, die als leicht gewölbte Kuppel eingehängt wurde, des Bodens und der aus anthrazit durchgefärbtem Beton gefertigten Ausstattung mit dem matt glänzenden Gold der scheinbar schwerelosen Wand. Farbige Akzente innerhalb des Raumes setzen bei liturgischen Feiern Paramente der Künstlerin Josefina Håkansson.

Olympiastadion und -gelände bilden ein monumentales Ensemble aus Landschaftsgestaltung, Architektur und Skulptur der 30er Jahre – mit der Kapelle als Kontrapunkt: Der neoklassizistischen Formensprache der Stadionarchitektur begegnen die Architekten mit einer untrennbaren Einheit aus christlich geprägten und konnotierten Worten, Zeichen und Material.

 

Fotos: Alfred Englert

 

 

 

 

 

 

 

Abbildungen

(Bildnachweis: Alfred Englert, Berlin)

 

1.      Innenraum der Kapelle

2.      Außenansicht

3.      Eingangswand mit Matthäus-Zitat

4.      Ausschnitt der Altarwand mit Kreuz

 



[1] Zur Kapelle im Olympiastadion Berlin erschien ein Kirchenführer im Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, verfasst von der Autorin dieses Beitrages.

 



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