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Das Anfang der 80er-Jahre für 128 Senioren errichtete Alten- und Pflegeheim, das Johanniterhaus Braunschweig St.Annen-Konvent, ist ein Beispiel für die gelebte Hilfe am Nächsten. Was bisher jedoch fehlte, so erklärt es der Kurator der Stiftung Dekan i. R. Heinrich Denecke, war ein Raum der Stille, ein Raum für den Glauben, die Andacht, auch für die Meditation, Ruhe und für die eigene Empfindsamkeit. 2009 ergab sich im Rahmen anfallender Umbauarbeiten erstmals die Möglichkeit, solch einen Raum für die Bewohner des Hauses einzurichten. Das Braunschweiger Architekturbüro Giesler Architekten entwickelte auf dem Wunsch der Stiftung Johanniterhaus eine kleine Kapelle, die wie ein Raum im Raum funktioniert. „Wir wollten“, so Heinrich Denecke, „eine Architektur, die Menschen mit offenen Armen empfängt und vom Alltag ablenkt. Dieser Raum soll allen Konfessionen offen stehen und auch ganz unterschiedlichen Anlässen.“ Dieser Ort, so war die Prämisse, sollte sich ganz bewusst von den anderen Räumen im Haus absetzen, sei es in der Lichtführung, im Mobiliar, in den Farben, eben in der gesamten Atmosphäre.
Als durchgängiges Leitmotiv haben Giesler Architekten auf eine ruhige, helle und freundliche aber schlichte Lösung gesetzt, die auf den im Kirchenbau geläufigen Aufteilungen in Mittel- und Seitenschiff basiert. Die Wände und tragenden Pfeiler sind mit weißem Putz in Stucco lustro versehen, so dass sich die Anmutung von Marmor ergibt. In den Fußboden aus Solnhofer Natursteinplatten ist auf dem Weg zum Altar ein Motiv aus rankenden Rosen eingearbeitet. Eine Lichtinszenierung spielt mit den Dimensionen und füllt den Raum wie ein feiner Dunst. „Diese Kapelle“, so die Leiterin des Hauses, Gisela Wolff, „ist kein Ort der Trauer. Wir freuen uns, dass die Bewohner ihn auch zum Krafttanken nutzen. Wir können ihn uns auch für eine Taufe und eine Hochzeit vorstellen.“
Schutz, Ruhe, Klarheit und Harmonie, das ist auch das Motiv der „Anna-Selbdritt“, einer circa 60 cm hohen Figur der Braunschweiger Bildhauerin Sabine Hoppe. Giesler Architekten haben für diese Plastik extra eine kleine Konche in der Wand eingerichtet. Kunst und Architektur als Mittler zwischen Tradition und Moderne geben diesem Raum eine emotionale Funktion, die eben auch authentisch ist.
Text: Ute Maasberg / Fotos: Klemens Ortmeyer
GIESLER ARCHITEKTEN
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evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart