Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Kirche in Mortensrud, Norwegen
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Kirche in Mortensrud, Norwegen

Die Kirche liegt in einem Vorort von Oslo namens Mortensrud. Sie wurde 2002 fertiggestellt. Die Architekten sind Jensen & Skodvin. Der Altar stammt von dem Bildhauer Gunnar Torvund, die Innenausstattung von Terje Hope.

Die Kirche liegt nur 5 Gehminuten von der U-Bahnstation Mortensrud entfernt. Trotzdem ist sie nicht leicht zu finden, denn sie liegt auf einem felsigen Bergrücken hinter Pinien versteckt. Das Gebäudeensemble  besteht aus einem Gemeindehaus im Süden und der Kirche im Norden. Zwischen beiden befindet sich eine schräge Betonplattform, die durchbrochen wird von Felsen und Bäumen. Die Kirche wächst quasi mit ihrem Untergrund und ihrer Umgebung zusammen. Der Respekt vor der vorhandenen Natur zeigt sich in kleinen Innenhöfen für die Pinien und in inselartigen Erhebungen, wo aus dem Betonboden des Kirchenschiffes Felsstücke  herausragen. Ein Stahlgerüst bildet die bauliche Grundstruktur des Gebäudes. Eine Glasfassade umhüllt große Teile des Kirchenraumes. Durch die gläserne Außenhaut und eine nach innen versetzte Wand mit mörtelfrei verlegten Schieferplatten werden Haupt-und Seitenschiff definiert.Es fließt einerseits durch die Glasfassade und einige Fensteröffnungen in der Schieferwand direktes Tageslicht in das Kirchenschiff, andererseits wird das Licht durch die Lücken in der Schiefersteinmauer gefiltert.

Der Umgang mit dem Licht ist vielfältig. [1] Von aussen erhascht man einen Blick auf die durchbrochene Steinmauer, die hinter den Reflektionen von Bäumen, Himmel und Wolken auf den Scheiben einen traumähnlichen geheimnisvollen Charakter gewinnt. Durchscheinendes aber nicht durchsichtiges sandgestrahltes Glas hat eine ähnliche Wirkung. Durch die Lichtstreuung vermeint man, sich bewegende Baumschatten auf der Wand wahrzunehmen. Atrien mit einer Kombination aus transparentem und sandgestrahltem Glas wirken wie Lichtgärten und begleiten den Weg vom Eingang der Kirche bis zur erleuchteten Altarwand. Es ist wie eine Antizipation des Lichts am Ende des Tunnels. Aus manchen Blickwinkeln haben die Lichtgärten den Charakter von Laternen. Und es gibt das gesiebte Licht, das zwischen den lose gefügten Steinen der Schieferwand hereinfällt. Die Wand scheint sich aufzulösen, wenn das Licht durch die Mauerritzen fällt. Die Konstruktion und Erscheinung der Wand erweckt die Illusion, die Steine ruhten auf den Glasflächen auf.

Obwohl Stahlträger die Steinwand stützen,  entsteht der Eindruck, die Schwerkraft sei außer Kraft gesetzt und die Steine schwebten. Zusätzlich sind sie in einer Weise gefügt, die einen instabilen Eindruck macht. Erfahren wird dies als eine Andeutung von Unsicherheit, Unbehagen und Verletzbarkeit. Die Lichtführung ist ein weiterer Aspekt. Der Raum und seine Architektur ändern sich mit der Tageszeit, dem Wetter, dem Sonnenstand. Im Tagesverlauf wandert das Licht über die Wände, spielt mit den Felsformationen, deutet wie ein Finger auf die Christusfigur , löst sich für einen Moment auf in der Figur und setzt dann seinen Weg über die Wände fort. Das Transitorische des Lichts bewirkt Verwandlungen der Architektur. Um diese Zeitlichkeit von Architektur zu erfahren, muss man Zeit investieren. Zeit, um den Rhythmus wahrzunehmen, der nicht nur Natur und Gebautes durchdringt, sondern auch unseren Geist und Körper.

Autorin: Margunn Sandal, Research fellow,Practical Theological Seminar, University of Oslo
Architekten: Jensen & Skodvin Arkitektkontor as, Sinsenveien 4D, 0572 Oslo, Norway
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Fotos von Jensen&Skodvin, Per Berntsen, Margunn Sandal; Übersetzung u. Redaktion: Claudia Breinl



[1] Henry Plummer teilt den Umgang mit Licht in der modernen Architektur in sieben Kategorien ein: siehe:Henry Plummer, the Architecture of Natural Light (London: Thames & Hudson, 2009). Ich folge nicht seinen Unterscheidungen, aber nutze seine Kategorien als nützliche Werkzeuge der Analyse, wo sie mir auf  Elemente der Mortensruder Kirche zu passen scheinen.

 

 

 



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