Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Kirche und Gemeindezentrum Karlsruhe
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Kirche und Gemeindezentrum Karlsruhe

Architectural Correctness

Es werden immer noch Kirchen gebaut in Ballungsräumen, wo neue Stadtteile entstehen. Hier kann die Kirche Orte schaffen, die Gemeinsamkeit und Identität stiften. Der Stadtteil  „Nordstadt“ von Karlsruhe entstand im Jahr 1996 aus Teilen der Weststadt, genauer aus dem ehemaligen US-Viertel Paul-Revere-Village („Ami-Siedlung“) und der Hardtwaldsiedlung.

2011 errichtete die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde dort das erste kirchliche Bauwerk. Es enthält drei Nutzungsschwerpunkte: Gottesdienstraum, Diakonie und Raum der Stille.

Unter den Prämissen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein entwarfen PIA Architekten das Zentrum. Sichtmauerwerk und Stampflehm strukturieren die streng kubische Fassade farblich und von der Haptik her. Es entsteht ein Farbklang aus warmen Erdtönen und dem schrundigen grauen Steinoberflächen. Gelängte Fenster- und Türöffnungen und vor- und zurückspringende Wandzonen sind auflockernde Elemente in einer strengen Bauform, die die Aufmerksamkeit ganz auf die Materialflächen zieht.

Der Zugang zum Kirchenzentrum von Osten her führt über einen Vorplatz mit großer Eiche, die zum alten Baumbestand des Grundstücks gehörte und als Symbol für die Achtung vor der Schöpfung bewußt in den  Planungen des Außenraums erhalten blieb. Von dort führt ein Durchgang in den gepflasterten Innenhof, von wo man den Raum der Stille, den Bereich der Diakonie und das Foyer erreicht.

Das Foyer ist besonders weiträumig gestaltet, denn es ist mehr als ein Verbindungsriegel zwischen Gottesdienstraum und Diakonie. Es bildet  eine Art Forum für die lebendige Vermittlung zwischen allen möglichen gemeindlichen Aktivitäten, die das Miteinander dieses neuen Stadtteils stärken können und der religiösen Dimension, die  vielleicht nicht jeder Besucher sogleich in Anspruch nehmen will. Dass dieser Bereich des „Dazwischen“ in diesem Bauwerk eine solche Wertigkeit besitzt, kann man als eine tolerante Haltung und freundliche Einladung an jeden verstehen. Hier finden Konzerte, Feiern und Ausstellungen statt.

Der Gottesdienstraum  wird durch seine Materialität besonders hervorgehoben, denn er  wurde komplett in Stampflehmbauweise errichtet,- so ist ihm eine gute Akustik sicher. Wie die massive Lehmwand auf der Südseite in der Fassade aus Klinker steckt, wirkt der Raum von aussen wie in einer Schatulle verwahrt. Seine Wände sind 50-60 cm stark. Erdfeucht wurde der Lehm  in rund 10 bis 15 cm hohen Schichten in eine druckfeste Schalung geschüttet und mit hydraulischen Stampfgeräten verdichtet. Die rund 8,00 m hohen Wände funktionieren ohne eine zusätzliche Tragkonstruktion. Im Innenraum reguliert der Lehm die Luftfeuchtigkeit und sorgt für angenehme Raum- und Oberflächentemperaturen. Beim Bau der Stampflehmwand hatten die Gemeindemitglieder die Möglichkeit mitzuarbeiten. Tageslicht gelangt von oben in den Gottesdienstraum, wobei ein größeres Oberlicht über dem Altar platziert wurde. Zusätzlich sind schmale Öffnungen in den Außenwänden sowie ein großes Fenster im Bereich des Taufbeckens angeordnet.

Separat auf dem Grundstück liegt der nüchtern anmutende Raum der Stille. Er ist der Öffentlichkeit zugänglich ohne dass man die anderen Räumlichkeiten betreten müsste. Im Gegensatz zum Gottesdienstraum besteht er ganz aus Sichtbeton. Der schmale langgezogene 8 Meter hohe Raum erhält Licht von oben und von vertikalen Fensterbändern an den Seitenwänden.  

Die Diakonie ist  in einem zweigeschossigen Riegel auf der Westseite untergebracht. Dieser Gebäudeteil wurde aus Kalksandsteinmauerwerk und sichtbaren Betondecken erbaut. Seine rhythmisierten Fensteröffnungen und der betonte Treppenaufgang geben der Fassade dekorativen  Wert.

Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat das Projekt mit dem Preis für Beispielhaftes Bauen ausgezeichnet.

(Redaktion: Claudia Breinl)

Architekten: PIA-Architekten, Karlsruhe

Bauherr: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde, Karlsruhe

Fotos: Oliver Rieger, Stuttgart für PIA-Architekten, Karlsruhe



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