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Der Andachts- und Mehrzweckraum im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen
Die vorhandene Krankenhauskirche in einem der größten Häuser des Ruhrgebiets wurde zusehends weniger besucht, wegen ihrer ungünstigen Lage im sechsten Stockwerk, aber auch weil ein Ort für kleine Gruppen und für die Einzelandacht gewünscht war. Dies konnte der bislang genutzte Raum weder funktional noch atmosphärisch erfüllen.
Nach Prüfung mehrerer Varianten zur möglichen Unterbringung an anderer Stelle wurde der neue Andachtsraum deshalb innerhalb des bestehenden Caféteriagebäudes errichtet, das im Zentrum des Krankenhausgeländes liegt und für Patienten und Besucher gut erreichbar ist. Der Bauherr folgte zudem der Empfehlung der Architekten, einen kleineren Raum einzurichten, der 24 Stunden am Tag zugänglich ist und – neben der gottesdienstlichen Nutzung – von Patienten und Angehörigen als Rückzugsort genutzt werden kann.
Die Architektur basiert auf der Neuinterpretation des Raumes als Umfassung eines diagonal in die Kubatur gelegten Kreuzes, dessen Schnittpunkt den Ort des Altars definiert. Das Kreuz zeichnet sich im Raum an der Decke ab und wird an den Wänden in Form von hervorgehobenen Schnittflächen zum Außenraum fortgesetzt. Der lange Kreuzbalken nimmt die neue, zusätzliche Erschließung auf, die barrierefrei über eine automatische Tür erfolgt. Das Kreuzmotiv wird im Außenbereich weitergeführt. Vier Stelen an den Endpunkten dienen als Wegweiser und bilden eine Einheit mit den Bildern im Innenraum. Die Worte auf den sieben Tafeln ergeben den vollständigen Text des 23. Psalms.
Die drei Wandbilder wurden vom Künstler Klaus Zolondowski gestaltet, der aus einer Bergarbeiterfamilie im nahe gelegenen Waltrop stammt und mit örtlichen Materialien eine spezielle Farbmischung hergestellt hat. Als Hauptfarbe verwendete er ein tief-ultramarinblaues Pigment, so dass eine haptische Oberfläche entstand, die bei nächtlicher Beleuchtung große Strahlkraft hat. Als Kontrastmaterial in ähnlich intensiver Farbigkeit wurde Cortenstahl eingesetzt.
Die Wandfläche neben dem mittleren Bild kann für Projektionen genutzt werden. Die notwendige Technik (Beamer, Kamera zur Übertragung der Gottesdienste in die Krankenzimmer, Daten-Schnittstellen) wurde unsichtbar in das Deckenkreuz integriert. Für ein atmosphärisch stimmiges Klangbild des Raumes wurde die Decke mit einem speziellen Akustikputz versehen.
Als Sakristei, für die Unterbringung der Steuerungstechnik und als Stuhllager nimmt das kleine Nebengelass eine mehrfache Funktion wahr und dient der vielfältigen Nutzbarkeit des Andachtsraums.
Schon kurz nach seiner Eröffnung haben sich Patienten, Angehörige und auch die Mitarbeiter des Krankenhauses den Raum in vielfältiger Weise angeeignet: fast immer ist jemand anzutreffen, allein oder im Gespräch mit zwei oder drei anderen. Die Kapelle dient zudem als Ort multireligiöser Begegnungen und wird für kleinere Vortrags- und Musikveranstaltungen genutzt.
D:4 Architektur
Jörn Focken · Marcus Nitschke
www.d-4.de
Klaus Zolondowski
www.zolondowski.com
Fotos: Frank Elschner
evangelischer Kirchbautag und Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart