Ev. Kirchbautag und Institut für Kirchbau: Memorial Bogota
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Memorial Bogota

Denkmal, Gedenkstätte, Erinnerungsort

Den Unterschied zwischen Erinnerung durch historische Forschung und der von Personen und Kollektiven wahrzunehmen und zu überbrücken kann ein Verdienst gelungener Gedenkstätten sein. Die individuellen Erinnerungen sind es, die Alltagsleben und Menschen prägen. Dieses gilt gleichsam auch für Kollektivindividuen wie z.B. die Bewohner  einer Stadt, einer Region oder auch für ganze Nationen.

Kann man Erinnerungsorte künstlich erschaffen? Oder sind solche Orte aus so vielen heterogenen Facetten gebildet, aus so vielen unsichtbaren Spuren erwachsen, dass es vermessen erscheint, ein Denkmal einfach zu setzen und anzunehmen, man habe nun damit zugleich einen Erinnerungsort geschaffen ?

Gemeinsam ist funktionierenden Erinnerungsorten, dass viele Menschen etwas mit ihnen verbinden, dass sie sie für ihre Identität als relevant einstufen. Dabei kann die Erinnerung auch  negativ besetzt sein und eine Identität ex negativo konstruieren.

Das seit Jahrzehnten von einem inneren Krieg versehrte Kolumbien erhielt mit dem CENTRO DE MEMORIA PAZ Y RECONCILIACIÓN einen Ort, an dem die unzähligen Toten in öffentlicher Erinnerung behalten werden und das nicht nur als Gedenkstätte, sondern auch als Zentrum des gegenwärtigen politischen, sozialen und kulturellen Engagements für den Frieden genutzt wird. Dieser Gedenkort entstand in einer Situation, in der die Konflikte in Kolumbien nach wie vor virulent sind.  Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollten sich hier verbinden: das Raumprogramm ermöglicht neben dem Gedenken an die Opfer die Kommunikation unter den Lebenden und vielfache Aktivitäten von Bürgergruppierungen, die sich um Frieden und Vergebung bemühen.

Das Gebäude von Pablo Ortiz Arquitectos ist als Teil des Zentralfriedhofs von Bogota geplant worden. Das Grundstück war zuvor ein Grabfeld, sodass eine großangelegte Exhumierungsaktion dem Bau voranging. Das Raumprogramm befindet sich unterirdisch, die Dächer liegen ebenerdig und sind innerhalb eines Parks als Wasserbecken gestaltet.  Man kann das Gebäude aus allen vier Himmelsrichtungen betreten.

Schon während der Planungsphase wurden enge Verbindungen zu Gruppen und Initiativen der Gewaltopfer Kolumbiens aufgebaut. An die zweitausend Menschen kamen aus allen möglichen Regionen Kolumbiens und brachten Erde von Orten der Verbrechen gegen Menschen, Erinnerungsstücke, Friedensgebete. Alle diese Dinge wurden in kleinen Ampullen verwahrt und in die Wände des Rohbaus eingearbeitet. Die zwölf Meter hohen Wandscheiben sind in 20 Schichten aufgebaut, die sich auf die 200-Jahr-Feier der Republik beziehen lassen. In diese „Zeitschichten“ sind nun  mittels dieser kleinen Glasröhrchen symbolische Beweise und Zeugen der schrecklichen Erinnerungen vieler kolumbianischer Menschen eingelagert. Der Eingang zu dem Zentrum führt in eine grabähnliche Tiefe, wie überhaupt das Gebäude an Kultstätten vorkolonialer Kulturen in Südamerika erinnert.

Die Gedenkstätte hat sich in kurzer Zeit zu einem Mittelpunkt der Friedensbewegung in Kolumbien entwickelt. Es ist Bildungs- und Kulturzentrum. Eine der  Aufgaben des Zentrums sollte sein, über die Gründe und Konsequenzen der politischen Gewalt in Kolumbien aufzuklären. Besucher haben Zugang zu hunderten von Dokumenten, Filmen, Fotografien und zu einer Datenbank mit den zehntausenden von Opfern des fast 50-jährigen bewaffneten Konflikts in Kolumbien.

Architekten: Juan Pablo Ortiz architectos Bogota

Text: Claudia Breinl/Fotos: Rodrigo Davila



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